Die Frauen unter Ihnen werden nun denken: „Hab ich es mir doch gedacht!“. Denn eine neue wissenschaftliche Studie beweist jetzt: Die Gehirne von Frauen sind komplexer vernetzt, arbeiten härter und benötigen deshalb auch in der Nacht mehr Erholung. Die Folge: Frauen benötigen mehr Schlaf als Männer. Aber wie viel und wieso genau? Wir verraten es Ihnen!

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Inhalt
1. Frauen benötigen durchschnittlich 20 Minuten mehr Schlaf
2. Die weiblichen Gehirne arbeiten komplexer und vernetzter
3. Die unterschiedlichen Funktionsweisen der Gehirne sind evolutionsbedingt
4. Frauen schlafen häufig leichter und schlechter als Männer – und leiden mehr darunter

Frauen benötigen durchschnittlich 20 Minuten mehr Schlaf

Wie viel Schlaf ein Mensch benötigt, ist teilweise genetisch veranlagt. Forscher gehen von rund sieben bis neun Stunden pro Nacht aus. Wer dauerhaft weniger schläft, sich aber dennoch fit fühlt, hat sich in der Regel bereits an die Übermüdung gewöhnt und schwächt dadurch aber Körper und Geist. Sieben bis neun Stunden brauchen Sie also, damit sich Körper und Gehirn vollständig von den Strapazen des Alltags regenerieren können.

Statistik: Umfrage zur täglichen Schlafdauer in Deutschland nach Geschlecht im Jahr 2016 | Statista
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Der Großteil der Deutschen schläft – wie Sie dieser Grafik entnehmen können – allerdings nur rund fünf bis sieben Stunden pro Nacht, und damit eigentlich zu wenig. Kein Wunder also, dass eine andere Umfrage gleichzeitig herausfand, dass sich etwa die Hälfte der 18- bis 35-Jährigen morgens nie oder nur selten fit und ausgeschlafen fühlen. Und auch bei den 36- bis 55-Jährigen leiden immerhin noch etwa 35 Prozent unter chronischem Schlafmangel.

Statistik: Schlafmangel* nach Altersgruppen im Jahr 2008 | Statista
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Die Folgen: Sie fühlen sich matt und abgeschlagen, die Konzentration fällt schwer und die Leistungsfähigkeit ist merklich herabgesetzt. Doch auf Dauer kann Schlafmangel sogar noch schlimmere Konsequenzen in Form ernsthafter psychischer Erkrankungen nach sich ziehen: Burnout, Depressionen, Angststörungen – um nur einige zu nennen.

Statistik: Umfrage zu den Konsequenzen von Schlafstörungen und-problemen* für die persönliche Tagesbefindlichkeit | Statista
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Viel Schlaf – genau genommen rund sieben bis neun Stunden pro Nacht – ist also wichtig für Ihre psychische und physische Gesundheit. Aber leben Sie in einer Partnerschaft und ist Ihnen auch schon einmal aufgefallen, dass die Frau immer etwas mehr Schlaf benötigt als der Mann? Dass der Mann am Samstag vielleicht schon das Frühstück vorbereitet, während die Frau noch friedlich im Bett schlummert? Oder dass sich die Frau beim Klingeln des Weckers stets darüber beschwert, noch müde zu sein, während sich der Mann schon fit und erholt fühlt? Das ist kein Grund, genervt zu sein, denn Frauen benötigen durchschnittlich 20 Minuten mehr Schlaf als ein Mann.

Die weiblichen Gehirne arbeiten komplexer und vernetzter

Das fand nun zumindest der führende Schlafforscher Jim Horne an seiner Studie an der Loughborough University heraus (Quelle: Independent). Und er liefert auch direkt die passende Erklärung: Die Gehirne von Frauen sind komplexer und vernetzter und arbeiten dadurch härter als jene der Männer. Sie benötigen also in der Nacht mehr Regeneration, um ihre „Energiespeicher“ wieder aufzufüllen. Genauer gesagt: etwa 20 Minuten mehr.

Die unterschiedlichen Funktionsweisen der Gehirne sind evolutionsbedingt

Komplexer und vernetzter – das bedeutet eigentlich nichts Anderes als Multitasking. Zwar können Frauen wie im folgenden Artikel beschrieben nicht unbedingt „besser“ mutlitasken als Männer, doch sind ihre Gehirne quasi darauf programmiert, stets mehrere Aufgaben gleichzeitig zu meistern beziehungsweise zahlreiche verschiedene Informationen zur gleichen Zeit „abzuscannen“ und zu verarbeiten.

Lese-Tipp:Schluss mit Multitasking! „Single“ ist wieder in

Der Grund dafür ist in der Evolution zu finden: Während die Männer vor Urzeiten vor allem für Nahrungsbeschaffung und den Schutz des Stammes zuständig waren, mussten Frauen – wie heutzutage auch noch häufig – gleichzeitig putzen, kochen, Kranke versorgen und die Kinder betreuen. Vor allem letzterer Punkt spielt hierbei eine große Rolle: Eine Mutter muss stets und völlig unabhängig von ihrer aktuellen Tätigkeit ein Auge auf ihr Kind haben. Jeder Moment, in welchem sie unachtsam ist, könnte für ihren Sprössling lebensgefährlich werden. Die Veranlagung zum Multitasking im weiblichen Gehirn hängt also unmittelbar mit der „traditionellen Rolle“ der Frauen zusammen.

Die „Veranlagung zum Multitasking“ bedeutet in diesem Fall mehr Verknüpfungen zwischen den beiden Hirn-Hemisphären bei den Frauen, während bei den Männern häufig mehr Verbindungen innerhalb der einzelnen Hirn-Hemisphären zu finden sind. Die Gehirne von Männer und Frauen sind also schlichtweg unterschiedlich vernetzt. Frauen können daher nicht unbedingt (besser) mehrere Aufgaben gleichzeitig erledigen, sondern verfügen aufgrund ihrer angedachten Mutterrolle über eine andere Art der Informationsaufnahme und -verarbeitung.

Frauen schlafen häufig leichter und schlechter als Männer – und leiden mehr darunter

Eben diese traditionelle Rollenverteilung bringt noch eine weitere Besonderheit der Frauen mit sich, welche sich auf das größere Schlafbedürfnis auswirkt: Um nachts vom Kindergeschrei aufzuwachen, schlafen Frauen weniger tief als Männer und wachen in der Nacht häufiger auf. Kein Wunder also, dass vor allem Frauen oft mit Schlafstörungen zu kämpfen haben.

Statistik: Bevölkerungsanteil mit Schlafstörungen in Deutschland nach Alter und Geschlecht im Jahr 2011 | Statista
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Das Problem an der Sache ist: Eine Studie an der Duke University fand heraus, dass Frauen unter eben diesen Schlafstörungen auch noch mehr leiden als Männer. Bei ihnen entwickeln sich schneller gesundheitliche Folgeprobleme wie Dauerstress, Feindseligkeit, Depressionen, Ängste oder Wut (Quelle: Duke Magazine).

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Also liebe Frauen: Sie müssen nicht mit Ihrem Partner „mithalten“. Gehen Sie getrost am Abend 20 Minuten früher ins Bett oder bleiben Sie am Morgen eine halbe Stunde länger liegen. So gibt es wenigstens keinen Streit um das Badezimmer und Sie starten fit, gesund und voller Energie sowie Leistungsfähigkeit in den Arbeitstag – und das nicht nur heute, sondern dauerhaft.

Und wie ist das bei Ihnen? Schläft in Ihrer Partnerschaft die Frau auch länger als der Mann? Oder leiden Sie vielleicht persönlich unter Schlafproblemen oder deren Konsequenzen? Inwiefern denken Sie, hängt das mit den genannten evolutionsbedingten Gründen zusammen? Wir freuen uns auf Ihre Beiträge zum Thema in den Kommentaren!