Keine Beförderung. Kein Aufstieg. Kein Bock mehr. Genau so fühlen sich viele Leistungsträger, wenn Karriere nur versprochen, die Leiter dafür aber nie aufgestellt wurde. Drei Worte reichen, um diesen Frust auszulösen: „Wir schauen mal.“ Beiläufig gesagt, oft freundlich gemeint, aber in ihrer Wirkung doch verheerend. Für Mitarbeiter klingt das wie: Jetzt nicht. Vielleicht nie. Es sind Worte, die Unsicherheit vermitteln, Unverbindlichkeit, Desinteresse. Und sie kosten Unternehmen jedes Jahr Unsummen – an Motivation, an Vertrauen, an Leistungsträgern.

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Viele Unternehmen führen Personalgespräche mit Nebelkerzen. Man wirbt mit flachen Hierarchien, Agilität und dem berühmten „Raum zur Entfaltung“. Doch kaum ist die Tinte trocken, folgt die operative Schockstarre. Der Alltag frisst die Vision. Zwischen Druck von oben und Frust von unten bleibt die individuelle Entwicklung der Mitarbeiter auf der Strecke. Dabei ist genau das der Kern guter Führung: Menschen nicht nur für eine vakante Position zu gewinnen, sondern sie zu einer besseren Version ihrer selbst zu coachen. Wer hier spart, zahlt später – in Form von Kündigungen.

Wachstum statt Verwaltung: Was Talente wirklich wollen

Ein erstklassiges Gehalt ist heute die Eintrittskarte, aber kein Bleibegrund mehr. Leistungsträger suchen nach einem Spielfeld, auf dem sie wachsen können. Sie wollen nicht nur Aufgaben abarbeiten, sondern ihre eigene Wirkung spüren. Wachstum ist dabei ein dynamischer Prozess. Wenn ein Talent merkt, dass die Lernkurve flacher wird als die Betriebszugehörigkeit, beginnt innerlich bereits die Kündigungsfrist. Und genau an dieser Stelle trennt sich die Spreu vom Weizen: Ein Unternehmen, das diesen Hunger ignoriert, verspielt das wichtigste Gut – das Vertrauen in eine gemeinsame Zukunft.

Dieses Vertrauen entsteht nicht durch ein paar nette Benefits oder große Worte, sondern vor allem durch Perspektive. Was zählt, ist die Aussicht, hier mehr zu sein als eine Jobbeschreibung. Die Hoffnung, nicht einzustauben, sondern sich weiterzuentwickeln – fachlich, menschlich, vielleicht sogar über sich hinaus.

Und diese Hoffnung lässt sich belegen: Laut LinkedIn Workplace Learning Report verzeichnen Unternehmen mit einer starken Lernkultur eine um 57 % höhere Mitarbeiterbindung. Besonders die Gen Z fordert diese Entwicklung aktiv ein. Doch was dieser Generation wichtig ist, gilt im Grunde für alle Altersgruppen: Mitarbeitende wollen spüren, dass sich Lernen für sie persönlich auszahlt.

Beförderung nach Gutsherrenart

Doch genau hier scheitern viele Unternehmen. In der Theorie wird Entwicklung großspurig versprochen, in der Praxis bleibt sie aus. Karriereschritte wirken wie geheime Orden, verliehen nach Gutsherrenart. Sympathie, Budgetrahmen oder das bloße „Ausharren“ entscheiden darüber, wer aufsteigt und wer auf der Streke bleibt. Während intern noch diskutiert wird, ob ein High-Performer „schon so weit ist“, hat der Headhunter längst Fakten geschaffen. Top-Leute warten nicht auf die Erlaubnis, erfolgreich zu sein. Wenn sie intern keine Leiter sehen, bauen sie sich draußen eine eigene. Und sie werden nicht lange suchen müssen – denn der Markt schläft nicht. Im Gegenteil: Er ruft.

Besonders brisant: Kündigt ein High Performer, folgen in der Regel zwei weitere Mitarbeiter 

Die Notwendigkeit zur Veränderung ist größer denn je

Die für Jobs erforderlichen Fähigkeiten werden sich bis 2030 laut WorkChange-Report um rund 70 % verändern. Wer Menschen mit Entwicklungspotenzial festhält, aber nicht fördert, verliert sie – an andere Unternehmen, an die Selbstständigkeit oder an die berüchtigte innere Kündigung. Und die ist mindestens genauso teuer.

Was also tun? Beförderung darf kein Reflex auf freie Stellen oder gar Nasenfaktor sein. Sie ist ein Signal – an die Person, an das Team, an die Kultur. Wer jemanden befördert, weil er „lange genug da ist“ oder „wenig Widerstand leistet“, riskiert mehr als nur vereinzelte Stirnrunzeln.

Kostenpunkt Perspektivlosigkeit: 175.000 Euro

Diese schon gewissermaßen heftige Zahl umfasst weit mehr als nur Rekrutierungskosten. Es geht um verlorene Expertise, lange Einarbeitungszeiten, Produktivitätslücken und das, was selten konkret messbar ist: Team-Moral und Arbeitgebermarke. Jede verpasste Beförderung, jede ausgebliebene Perspektive kann zur Fluktuationswelle aufbauschen – mit messbarem wirtschaftlichem Schaden.

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Denn die Gesamtkosten pro Abgang – je nach Position – auf 43.000 bis 175.000 Euro belaufen. Besonders betroffen sind hierbei wissensintensive Rollen und Führungsebenen. Dort dauert es nicht nur Monate, bis ein passender Jobkandidat gefunden ist – es braucht fast ein Jahr, bis dieser auf dem gleichen Leistungsniveau eingearbeitet und produktiv ist.

Also: Wer in die Karriereplanung seiner Mitarbeiter investiert, spart Recruitingkosten, senkt Fluktuation und stärkt das Vertrauen ins Unternehmen. Beförderung ist kein Luxus – sie ist Risikomanagement mit Weitblick.

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