Wer in Deutschland 70.000 Euro brutto im Jahr verdient, lebt laut Statistik im oberen Zufriedenheitsviertel. Drei von vier Menschen in dieser Gehaltsklasse sagen: Ich bin zufrieden mit meinem Einkommen. Und je mehr Gehalt, desto höher die Zufriedenheit. Doch macht Geld wirklich glücklich? Oder kaufen wir uns damit nur ein Ticket für die hedonistische Tretmühle?

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Was bedeutet eigentlich „ab 70k“?

Der aktuelle kununu Gehaltsreport zeigt: Ab einem Jahreseinkommen von 70.000 Euro steigt die finanzielle Zufriedenheit sprunghaft an. Wer weniger verdient, hadert deutlich häufiger mit dem eigenen Lohn. Besonders krass: Unter 40.000 Euro ist nicht mal jeder Zweite zufrieden. Die glücklichsten Gehaltsempfänger finden sich in der 100k-Liga: 84 Prozent Zufriedenheit.

Doch so einfach ist das nicht. Denn obwohl mehr Geld offensichtlich glücklicher macht, hat dieser Effekt ein Ablaufdatum. Willkommen in der hedonistischen Tretmühle.

Warum wir uns an Glück gewöhnen

Ein neues Auto, der Urlaub auf den Malediven, endlich eine ggrßere Wohnung mit eigenem Homeoffice. All das fühlt sich fantastisch an. Zuerst. Doch schon nach wenigen Monaten wird das Neue zum Alltag, das Besondere zur Norm. Die Freude? Verblasst. Die Erwartungen? Steigen. Die nächste Belohnung? Muss her. Genau das beschreibt die hedonistische Tretmühle: Wir rennen los, aber bleiben doch am selben Ort.

Psychologen erklären dieses Phänomen als eine Art Anpassungsmechanismus. Das Glück über ein höheres Gehalt ist real, aber temporär.

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Warum 70k Gehalt trotzdem ein Wendepunkt ist

Trotz aller Theorie: Die Zahlen lügen nicht. Ab 70.000 Euro im Jahr überwiegt bei den meisten die Zufriedenheit. Vielleicht nicht, weil das Geld dauerhaft glücklich macht, sondern weil es Stress nimmt. Ab diesem Punkt wirken Rechnungen kleiner, Wahlmöglichkeiten größer und Zukunftsängste leiser. Mehr Einkommen bedeutet mehr Autonomie. Wer mehr verdient, muss weniger über jeden Cent nachdenken. Und schon das allein kann glücklich machen.

Aber: Zufriedenheit ist nicht Glück

Ein hoher Kontostand ersetzt keine Freundschaften. Keine Schulter zum Anlehnen nach einem miesen Arbeitstag. Auch keine Sinnhaftigkeit im Job. Und erst recht keine mentale Gesundheit. Die Zufriedenheit mit dem Gehalt ist nur ein Puzzleteil in unserem Wohlbefinden. Wer sich selbst, seinen Wert und seine Beziehungen nur über Einkommen definiert, wird schnell merken: Da fehlt was.

Zufriedenheit mit dem Gehalt zu sein, ist ein angenehmer Zustand. Wer glaubt, der eigene Wert steige mit der Zahl auf der Gehaltsabrechnung, der riskiert ein Leben im Selbstbetrug. Denn das, was uns wirklich trägt, hat keinen Preis. Zuwendung, Sinn, emotionale Sicherheit – sie stehen auf keiner Lohnabrechnung. Und trotzdem entscheiden sie darüber, ob wir uns lebendig fühlen oder nur leisten.

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Wie entkommt man der Gehalts-Tretmühle?

Wegkommen von der ständigen Optimierung, hin zu echter Orientierung. Wer sein Einkommen nur dafür nutzt, den nächsten Lebensstandard freizuschalten, wird schnell wieder auf der Suche nach dem nächsten Ziel sein. Dauerhafte Zufriedenheit entsteht nicht durch das Mehr, sondern durch die Frage: Wofür eigentlich?

Glück lässt sich nicht beschleunigen. Es entsteht in Momenten, nicht in Monatsabrechnungen. Wer sein Geld nutzt, um Beziehungen zu pflegen, Neues zu lernen oder sich Zeit zurückzukaufen, investiert in das, was bleibt. Und wer es schafft, mit weniger zufrieden zu sein, gewinnt oft mehr als jene, die ständig nachlegen.

Nicht Verzicht im asketischen Sinn, sondern ein bewusstes Gegensteuern zur Gewohnheit, jedes Hoch sofort toppen zu wollen. Vielleicht ist das wahre Luxuslevel nicht bei 70.000 Euro erreicht, sondern dann, wenn wir aufhören, dem nächsten Einkommenssprung hinterherzujagen, um sich wertvoll zu fühlen.

Geld beruhigt, aber es erlöst nicht

Ab 70k Gehalt im Monat lacht das Leben? Vielleicht ein bisschen. Aber es lächelt nur, wenn du weißt, was dich wirklich erfüllt. Und das findest du nicht auf deiner Gehaltsabrechnung.

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