Die Rückkehr ins Büro – ein Thema, das zuverlässig die Kommentarspalten füllt und Kollegen regelrecht entzweit. Die einen schwören auf den Kaffeeklatsch als Ideenschmiede, die anderen fühlen sich im Großraumbüro eher wie am Fließband und sind genervt von einigen Kollegen. In unserer Community liest sich das in etwa so: „Im Homeoffice arbeite ich konzentrierter – ohne Dauergequatsche am Schreibtisch!“, „Homeoffice? Ist doch nur was für faule Drückeberger!“ oder „Ich bin produktiver, wenn ich zwei Tage zu Hause arbeit – die restliche Zeit im Büro ist trotzdem wertvoll.“. 

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Die Diskussion zeigt: Das Thema berührt – und polarisiert. Und während sich die Gemüter erhitzen, tun viele Unternehmen vor allem eines: Sie verordnen Präsenz. Die Hoffnung der Führungsetagen: Wer vor Ort ist, wird innovativer. Doch eine neue Fraunhofer-Studie mit etwa 2.000 Personen kommt zu folgendem Schluss: Reine Anwesenheit erzeugt keine Ideen. Wer Mitarbeitende einfach nur an die Schreibtische zurückbeamt, verschenkt Potenzial.

Innovation braucht Raum, nicht Räume

Früher war die Sache klar: Innovation passierte im Büro. Dann kam die Pandemie und bewies, dass wir auch in Jogginghosen am Küchentisch produktiv sein können. Heute stehen wir vor einer neuen Debatte: Wie viel Büro braucht der Fortschritt?

Die Untersuchung „Das Büro als Corporate Innovation Hub“ macht deutlich: Es gibt keinen direkten Zusammenhang zwischen der Zeit im Büro und der Fähigkeit, Neues zu entwickeln. Entscheidend ist also nicht, wie oft wir anwesend sind, sondern was wir dort vorfinden.

Die Zahlen entlarven die Präsenz-Ideologie

Die Studie identifiziert vier Gruppen mit unterschiedlichen Innovationsniveaus –  mit teils überraschenden Mustern:

  • Cluster 1: Hoch innovativ trotz wenig Büro (36 % Bürozeit)
    Diese Gruppe arbeitet stark hybrid (viel Homeoffice und unterwegs). Sie ist dennoch sehr innovativ, weil sie von Ortswechseln profitiert und die Büroflächen bei Anwesenheit optimal für kreative Zusammenarbeit geeignet sind.

  • Cluster 2: Hoch innovativ dank viel Büro (82 % Bürozeit)
    Diese Gruppe arbeitet fast ausschließlich im Büro. Sie erreicht hohe Innovationskraft durch intensive Zusammenarbeit vor Ort und hervorragend gestaltete Büroflächen für Kreativität und bereichsübergreifende Treffen.

  • Cluster 3: Mittel innovativ trotz wenig Büro (26 % Bürozeit)
    Diese Gruppe arbeitet überwiegend im Homeoffice. Die Innovationskraft bleibt mittelmäßig, weil der hohe Homeoffice-Anteil zu einem Mangel an Inspiration führt und die Büroflächen nur durchschnittlich für Zusammenarbeit geeignet sind.

  • Cluster 4: Mittel innovativ trotz viel Büro (71 % Bürozeit)
    Diese Gruppe ist häufig im Büro, erreicht aber nur mittlere Innovationswerte. Grund: Die Büroflächen bieten zu wenig Unterstützung für kreative Zusammenarbeit und bereichsübergreifende Treffen – die Zeit vor Ort verpufft fast wirkungslos.

Erkenntnis: Es gibt kein „Mehr-Büro = mehr Innovation“. Vielpräsenz ohne inspirierende Umgebung bringt wenig. Innovation braucht mehr als bloße Rückmeldungspflicht im Großraumbüro.

Top 5 Büro-Booster für Ideen

Laut Studie sind diese fünf Faktoren die stärksten Innovationstreiber in Unternehmen:

  1. Abwechslung bei der Arbeit
  2. Spaß bei der Arbeit
  3. Möglichkeit, Neues zu lernen
  4. Engagement für den Erfolg der Organisation
  5. Energie, Aufgaben zu meistern

Heißt im Klartext: Wer im Büro nur Aufgaben abarbeitet, die er genauso gut zu Hause erledigen könnte, wird dort kaum neue Ideen entwickeln.

Von der Sitzfläche zur Denkfläche

Klar ist: Niemand pendelt freiwillig zwei Stunden, nur um im Büro das zu tun, was er zu Hause konzentrierter und effizienter erledigen könnte. Wer sich auf den Weg macht, erwartet mehr als einen Schreibtisch und WLAN.

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Damit Büros heute noch eine Rolle spielen, müssen sie etwas bieten, das im Homeoffice fehlt: Räume, in denen man anderen begegnet. Orte, an denen man gemeinsam denkt, diskutiert, sich reibt – und dabei auf neue Ideen kommt. Lerngelegenheiten, spontane Gespräche, echte Zusammenarbeit.

Die Studie zeigt: Entscheidend ist nicht, wie oft jemand im Büro ist, sondern was er dort erlebt. Besonders innovative Mitarbeitende bewerten ihre Arbeitsumgebung daher als inspirierend – mit Raum für kreative Prozesse und Austausch über Abteilungsgrenzen hinweg. Für sie ist das Büro ein Werkzeug, kein Kontrollinstrument. Umgekehrt gilt aber auch: Wer einfach nur ins Büro zurückbeordert wird, um dort dieselben Mails zu beantworten wie zu Hause, erlebt den Arbeitsweg schnell als unnötigen Einschnitt. Ohne echten Anlass vor Ort wird das Büro zum Umweg, zum Aufwand – nicht zum Mehrwert. Und bleibt gedanklich oft im Homeoffice.

Merke: Präsenz lässt sich verordnen. Beteiligung nicht.

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