Wo würdest du deinen Ruhestand verbringen, wenn du frei wählen könntest? Vietnam, Mexiko, Thailand? Die echten Lieblingsländer deutscher Rentner liegen ganz woanders. Laut Rentenatlas 2025 der Deutschen Rentenversicherung beziehen 244.934 Deutsche ihre Rente bereits jenseits der Grenze – mehr als 50 Prozent mehr als noch vor 20 Jahren. Vier Länder führen die Liste an. Und ein Klischee-Favorit aus fehlt komplett.
Das Wichtigste in Kürze
- 244.934 Deutsche beziehen ihre gesetzliche Rente im Ausland (Stand 31.12.2024).
- Spitzenreiter sind Österreich, Schweiz, Spanien und USA – Urlaubsländer wie Thailand oder Italien tauchen in den Top 4 gar nicht erst auf.
- Seit 2003 stieg die Zahl deutscher Auslandsrentner um mehr als 50 Prozent.
- Insgesamt zahlt die Deutsche Rentenversicherung 1,7 Millionen Renten ins Ausland – davon gehen 86 Prozent an ausländische Staatsangehörige.
Rente im Ausland: Warum die 1,7-Millionen-Zahl in die Irre führt
Die Zahl klingt erst mal enorm: 1,7 Millionen Renten fließen jedes Jahr ins Ausland – das sind 6,5 Prozent aller Renten der Deutschen Rentenversicherung. Wer dahinter aber lauter deutsche Auswanderer vermutet, liegt falsch.
Denn 86 Prozent der Auslandsrenten – rund 1,46 Millionen – gehen an ausländische Staatsangehörige. Hinter ihnen stehen ehemalige Gastarbeiter aus den Anwerbejahren der 1960er- und frühen 1970er-Jahre und ihre Familien: Menschen, die in Deutschland Beiträge gezahlt haben und ihren Lebensabend zurück in der Heimat verbringen. Italien führt diese Liste mit knapp 344.000 Renten an, gefolgt von den Nachfolgestaaten Jugoslawiens (rund 200.000) und Spanien (gut 171.000).
Die deutschen Staatsangehörigen machen die restlichen 14 Prozent aus – eben jene 244.934 Auswanderer, um die es in diesem Beitrag geht. Die Gruppe ist zwar kleiner, wächst aber stetig. Und ihre Lieblingsländer sehen anders aus, als viele glauben.
#1: Österreich – 30.000 Deutsche zieht es zum Nachbarn
Auf Platz 1 der deutschen Auslandsrentner liegt das Land, das sich fast wie zu Hause anfühlt: Österreich. Rund 30.000 deutsche Rentner beziehen ihre Bezüge nach Wien, Salzburg, Innsbruck oder Klagenfurt – mehr als in jedes andere Land der Welt.
Die Gründe liegen auf der Hand. Gleiche Sprache, tolle Landschaft, vertraute Abläufe. Wer in Tirol oder Kärnten alt wird, behält Familie und Freunde in Bayern oder Baden-Württemberg in Reichweite. Ein Tagestrip nach München oder Passau ist schnell gemacht. Die Krankenversicherung läuft über die EU-Regelungen weiter, das Geld kommt zuverlässig auf das Konto.
Auch wirtschaftlich passt Österreich: Die Lebenshaltungskosten liegen ähnlich wie in Deutschland, das Doppelbesteuerungsabkommen regelt die Steuerfragen sauber. Sprache, Kulturraum, Banksystem – alles bleibt vertraut.
#2: Schweiz – trotz hoher Preise bei Rentnern beliebt
Auf Platz 2 folgt das Land mit den höchsten Lebenshaltungskosten Europas: die Schweiz. Rund 27.000 deutsche Rentner leben dort – trotz der Preise.
Die Erklärung steckt meist in der Berufsbiografie. Viele Deutsche zog es zur Arbeit in die Schweiz – als Pflegekraft, Ingenieurin, Banker oder Ärztin. Wer in Zürich, Basel oder Bern Karriere gemacht hat, bleibt im Ruhestand auch dort wohnen – Familie, Freunde, das vertraute Umfeld sind längst dort entstanden.
Die Schweiz steht zwar außerhalb der EU, doch das Sozialversicherungsabkommen mit Deutschland sorgt dafür, dass die deutsche Rente zuverlässig auf dem Schweizer Konto landet. Auch das Steuerrecht ist klar geregelt: Das Doppelbesteuerungsabkommen verhindert, dass dieselbe Rente in beiden Ländern besteuert wird. Wer in der Schweiz lange gearbeitet hat, bekommt zusätzlich eine Schweizer Rente, die federt die Preise ab.
#3: Spanien – wo das Mallorca-Klischee tatsächlich stimmt
Endlich ein Land, das ins typische Auswandererbild passt: Spanien. Rund 23.700 deutsche Rentner haben sich für Mallorca, die Costa Blanca, Andalusien oder die Kanaren entschieden – Platz 3 in der Top-Liste.
Die Anziehungskraft erklärt sich schnell. Über 300 Sonnentage pro Jahr in den beliebten Küstenregionen, Lebenshaltungskosten unter dem deutschen Niveau, eine eingespielte deutschsprachige Infrastruktur. Ärzte, Bäcker, Steuerberater – in Palma oder auf der Costa Blanca lässt sich vieles auf Deutsch erledigen. Wer schon im Berufsleben gerne dort Urlaub gemacht hat, kennt das Land bereits.
Steuerlich solltest du allerdings genau hinschauen: Wer dauerhaft nach Spanien zieht, fällt unter das deutsch-spanische Doppelbesteuerungsabkommen von 2011 – Spanien und Deutschland können dann beide auf deine Rente zugreifen. Ein Termin beim Steuerberater oder eine Anfrage beim Finanzamt Neubrandenburg lohnt sich, bevor du dich entscheidest. Krankenversichert bleibst du als EU-Bürger über die europäischen Regelungen.
#4: USA – der überraschende Außenseiter in den Top 4
Auf Platz 4 landet das einzige Land der Liste, das außerhalb Europas liegt: die USA. Rund 20.600 deutsche Rentner leben dort – ob im sonnigen Florida, in Kalifornien oder mitten in New York.
Hinter dieser Zahl stehen meist andere Geschichten als bei Spanien oder Österreich. Viele deutsche Auswanderer sind in den 1950er-, 1960er- oder 1970er-Jahren über den Atlantik gezogen, wegen Heirat, beruflicher Chancen oder als Teil der Auswanderungswellen nach 1945. Andere haben ihre Karriere in amerikanischen Konzernen gemacht und sind dortgeblieben. Für sie sind die USA längst Heimat.
Das deutsch-amerikanische Sozialversicherungsabkommen sorgt dafür, dass die deutsche Rente zuverlässig in den USA ankommt. Auch das Doppelbesteuerungsabkommen regelt die Steuerfragen sauber. Eine echte Hürde liegt woanders: bei der Krankenversicherung. Anders als in der EU musst du dich hier selbst um eine Krankenversicherung kümmern – und das wird mit zunehmendem Alter schnell teuer.
Top 10 nach Rentenatlas 2025: Wohin die deutschen Renten fließen
So verteilen sich die deutschen Rentenzahlungen auf die zehn wichtigsten Länder:
| # | Land | Rentenzahlungen an deutsche Berechtigte |
|---|---|---|
| 1 | Österreich | 30.482 |
| 2 | Schweiz | 27.084 |
| 3 | Spanien | 23.656 |
| 4 | USA | 20.625 |
| 5 | Frankreich | 18.762 |
| 6 | Niederlande | 10.434 |
| 7 | Italien | 8.078 |
| 8 | Kanada | 7.617 |
| 9 | Polen | 6.371 |
| 10 | Türkei | 4.439 |
Quelle: Deutsche Rentenversicherung, Rentenatlas 2025 (Stand 31.12.2024). Eine Person kann mehrere Rentenzahlungen beziehen – etwa eine eigene Altersrente plus eine Witwen- oder Waisenrente.
Rente in Thailand und Italien: Warum die Klischee-Länder fehlen
Wer an deutsche Rentner im Ausland denkt, hat oft Bilder von der Toskana, einem Strandhaus in Phuket oder einer kleinen Pension auf Madeira im Kopf. Die Realität sieht anders aus. Thailand zählt knapp 6.000 deutsche Rentner – ein Bruchteil der Top 4. Italien landet erst auf Platz 7 – mit gerade einmal 8.078 deutschen Empfängern, also weniger als ein Drittel der Schweiz-Zahl.
Bei Thailand spielen mehrere Gründe eine Rolle. Zwischen Deutschland und Thailand fehlt ein Sozialversicherungsabkommen – das wirkt sich auf die Rentenhöhe aus, weil bestimmte Rentenanteile bei Wohnsitz außerhalb der EU oder Vertragsstaaten gekürzt werden können. Hinzu kommen die Sprachbarriere, die Entfernung zu Familie und die unsichere Krankenversorgung. Wer trotzdem geht, gehört meist zu den finanziell gut aufgestellten Auswanderern – die durchschnittliche Rente nach Thailand liegt laut Rentenatlas bei rund 1.221 Euro, deutlich über dem Mittelwert aller Auslandsrenten von 445 Euro.
Italien wiederum liegt bei den Auslandsrenten insgesamt auf Platz 1, aber fast alle dieser knapp 344.000 Renten gehen an zurückgekehrte italienische Gastarbeiter, kaum an deutsche Auswanderer. Bella Italia bleibt für Deutsche eher ein Urlaubsziel als ein Rentensitz. Die Gründe liegen unter anderem in der Bürokratie, im italienischen Steuerrecht und im Gesundheitssystem.
Rente im Ausland: Was du vor dem Umzug wissen musst
Wenn du selbst überlegst, deinen Ruhestand in Wien, Zürich, Madrid oder Florida zu verbringen, gibt es vier Punkte, die du frühzeitig klären solltest.
Tipp #1: Lebensbescheinigung pünktlich einreichen
Wer dauerhaft im Ausland wohnt, muss der Deutschen Rentenversicherung jährlich eine Lebensbescheinigung vorlegen. Sie bestätigt, dass du noch lebst – fehlt sie, stoppt die DRV die Auszahlung. Inzwischen funktioniert das in vielen Ländern auch digital. Den Termin im Blick zu behalten, spart dir später wochenlanges Klären mit der Rentenversicherung.
Tipp #2: Krankenversicherung früh regeln
Innerhalb der EU greifen die europäischen Sozialversicherungsregeln (Verordnung 883/2004): Du bleibst über die deutsche Krankenversicherung versichert, gehst aber zum Arzt im neuen Wohnsitzland. Außerhalb der EU wird es komplizierter. Wer in die USA, nach Thailand oder Kanada zieht, braucht meist eine private Auslandskrankenversicherung – die wird mit zunehmendem Alter deutlich teurer.
Tipp #3: Steuersituation prüfen lassen
Für deutsche Auslandsrentner ist das Finanzamt Neubrandenburg zentral zuständig. Ob deine Rente in Deutschland, im Wohnsitzland oder in beiden Ländern besteuert wird, regelt das jeweilige Doppelbesteuerungsabkommen. Ein Gespräch mit dem Steuerberater vor dem Umzug erspart böse Überraschungen bei der ersten Steuererklärung.
Tipp #4: Aufenthaltsdauer macht den Unterschied
Wenn du weniger als sechs Monate pro Jahr im Ausland bist, ändert sich an deiner Steuerpflicht und Krankenversicherung in Deutschland nichts. Erst wer den Lebensmittelpunkt dauerhaft ins Ausland verlegt, muss sich abmelden und gegebenenfalls neu versichern. Diese Schwelle solltest du im Blick behalten – gerade bei den ersten Probemonaten im Ausland.
Die Geschichte der deutschen Auslandsrentner schreibt sich anders, als die Reisekataloge suggerieren: Sie handelt von Nähe, gemeinsamer Sprache, Berufsbiografien und langen Familienbindungen. Wer ausgewandert ist, lebt meist dort, wo schon Familie wartet, eine Karriere aufgebaut wurde oder eine Heirat den Lebensweg bereitete. Mit 244.934 Auswanderern und einem Plus von mehr als 50 Prozent in den letzten 20 Jahren wächst die Gruppe weiter.
Nachgefragt: Wo siehst du dich selbst im Ruhestand – in Bayern, in Tirol, in Florida oder ganz woanders? Und was wäre für dich der wichtigste Grund, Deutschland zu verlassen oder zu bleiben?
Quellen
- Deutsche Rentenversicherung: Rentenatlas 2025 – Übersicht mit PDF-Download und Einzelgrafiken
- R+V Versicherung: Top-10-Tabelle der deutschen Auslandsrentner (Datenbasis Rentenatlas 2025)
- t-online: 445 Euro im Schnitt – Daten zur Höhe der Auslandsrenten

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