Jubiläen, Sommerfeste, Weihnachtsfeiern: Manchem Arbeitnehmer kräuseln sich schon bei der Erwähnung dieser Anlässe die Nackenhaare. Feinmachen, ein nettes Gesicht aufsetzen, den ganzen Abend Smalltalk – und man könnte die Zeit viel besser verbringen, z. B. gemütlich vor der heimischen Glotze.

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„Spaßmaßnahmen“ erachten viele Chefs als unerlässlich – man möchte sich schließlich nicht nachsagen lassen, knauserig zu sein. Essen, Getränke, Tombola-Geschenke: Oftmals wird so üppig aufgefahren, dass sich mancher Mitarbeiter fragt, wie sich die Kosten dafür mit der angeblichen mickerigen Rendite des Unternehmens vertragen.

Wie auch immer: Einladung ist Einladung, und ein höflicher und auf sein Weiterkommen bedachter Mitarbeiter lehnt sie tunlichst nicht ab. Aber er ist sich ebenfalls der größten Gefahr bewusst, die mit dem vielleicht recht gelungenen Fest einhergeht: Es fließt Alkohol! Nehmen Sie sich nicht nur vor, vorsichtig damit umzugehen, sondern schauen Sie einfach nicht zu tief ins Glas – selbst wenn die (hoffentlich) guten Tropfen heute total umsonst sind.

Falls Sie möchten, dass Ihnen die Kollegen auch morgen noch respektvoll begegnen, dann halten Sie sich an Ihre guten Vorsätze. Man könnte Ihnen sonst am nächsten Tag verschiedenes vorhalten: eine „Kurvendiskussion“ über die Vorzüge der neuen Praktikantin, ein Angebot zum Duzen an der falschen Stelle oder andere Verfehlungen und Peinlichkeiten. Es gibt diverse Fettnäpfchen, in die Sie treten könnten. Und es kommt immer wieder vor, dass sich jemand im Rahmen einer Firmenfeier buchstäblich um Kopf und Karriere quasselt.

Das heißt natürlich nicht, dass Sie steif und zugeknöpft in der Ecke stehen und den Zuschauer spielen. Unter den Kollegen gibt es meistens einen solchen Sauertopf, der den ganzen Abend am stillen Wasser nippt und das Treiben der anderen wie durchs Mikroskop beobachtet. Auf seine Kommentare „freuen“ sich dann schon alle.

Nur mit den Kollegen aus dem eigenen Team zu reden, ist ebenfalls kein guter Stil. Verboten: laut Kritik an Missständen zu üben, selbst wenn (oder gerade weil) alle sie kennen. Es soll sogar schon passiert sein, dass jemand vor versammelter Mannschaft den Chef um eine Gehaltserhöhung angegangen ist. Vergessen Sie nie, dass es sich um eine betriebliche Veranstaltung handelt, sodass Ihr Verhalten auch arbeitsrechtliche Konsequenzen haben kann. Wenn Sie sich zu verbalen Ausfällen, Tätlichkeiten oder sexueller Belästigung hinreißen lassen, müssen Sie mit einer Abmahnung rechnen.

Wie halte ich es mit dem Chef?

Sinn einer solchen Veranstaltung sind natürlich Kontakte und Gespräche über alle Arbeitsebenen hinweg. Auf Firmenevents knüpft mancher Mitarbeiter neue Beziehungen in eine andere Abteilung oder sogar in die Führungsetage. Mit vielen Menschen lässt sich in lockerer Atmosphäre besser plaudern und scherzen. Trotzdem: Die Hierarchien bleiben bestehen, und bereits morgen gelten sie wieder. Also vergreifen Sie sich nicht im Ton, wenn Sie den obersten Boss ansprechen, sondern fragen Sie ihn lieber, ob Sie ihm einen Drink von der Bar mitbringen dürfen.

Lassen Sie sich außerdem nicht dazu verleiten, Ihren Chef am nächsten Tag zuerst zu duzen, selbst wenn IHM während der Feier ein paar Mal das „Du“ rausgerutscht ist. Erinnern Sie ihn auch nicht daran, dass er Sie gestern doch noch geduzt hat – das gilt als absolut unhöflich“. Sofern sich Ihr Chef während der Feier richtig fett daneben benimmt, verziehen Sie sich lieber – es könnte ihm am Tage danach unangenehm sein, dass Sie Zeuge seiner hemmungslosen Ausgelassenheit waren.

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Was ziehe ich an?

Wenn es sich nicht gerade um ein offizielles Firmenjubiläum handelt, gibt es für Firmenfeiern meist keinen formellen Dresscode – es sei denn, er wird auf der Einladung ausdrücklich erwähnt. Fehlt dieser Hinweis, dann gehen Sie einfach von „casual“ aus: Das ist eine Umschreibung für gehobene Freizeitkleidung.

  • „Casual“ für Männer: gebügelte Baumwollhose, Oberhemd und Sakko, alles nicht zu grell oder zu bunt. Die Krawatte bleibt im Schrank.
  • „Casual“ für Frauen: Baumwollhose oder Rock bis zum Knie, Shirt oder Bluse. Auch nicht zu enges, knielanges Kleid mit Jacke oder Blazer ist angebracht. Dazu nicht zu hohe Absätze und keine Schuhe, die die Zehen frei lassen.
  • Regel für alle: lieber ein bisschen overdressed als zu salopp erscheinen.

Bei einer Feier im festlichen Rahmen warten Sie bitte ab, bis der Chef seine Krawatte oder das Sakko ablegt, erst dann dürfen es die männlichen Kollegen

Aspekte des Arbeitsrechts

Wenn mir auf einer Party oder auf einem Betriebsausflug etwas passiert, bin ich dann versichert, mögen Sie sich fragen. Sie sind es!

Da es sich bei einer Firmenfeier um eine betriebliche Veranstaltung handelt, sind die Mitarbeiter während der gesamten Party unfallversichert. Und es spielt keine Rolle, wie betrunken sie z. B. zur Zeit des möglichen Unfalls waren.

Wann eine Party allerdings wieder privat ist, machen die Juristen von der Anwesenheit des Chefs abhängig. Gehen alle Vorgesetzten nach Hause und ziehen sich auch die meisten Kollegen zurück, ist damit der betriebliche Charakter beendet – und mit ihm der Unfallschutz. Das gilt auch für den Heimweg, Ihr privates Risiko.

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