Formulierungen im Arbeitszeugnis und ihre Bedeutung

5

Laut bürgerlichem Gesetzbuch dürfen im Arbeitszeugnis keine negativen Bemerkungen über den Arbeitnehmer vorkommen. Daraus resultierend ist eine Art Geheimsprache entstanden, welche Arbeitgeber verwenden und von Personalverantwortlichen in der Regel leicht zu entschlüsseln ist.

Wie lassen sich einzelne Formulierungen im Arbeitszeugnis übersetzen?

Sehr gut:
… hat die Ihm oder Ihr übertragenen Aufgaben/Arbeiten stets zu unser vollsten Zufriedenheit erledigt.
… waren mit der Leistunge in jeder Hinsicht außerordentlich zufrieden.
… hat den Erwartungen in jeder Hinsicht und allerbester Weise entsprochen.
… erzielte herausragende Arbeitsergebnisse
… zeigte außergewöhnliches Engagement
… war im höchsten Maße zuverlässig
… wurde von Kollegen, Vorgesetzten und Kunden stets als freundlicher und fleißiger Mitarbeiter geschätzt

Gut:
… hat die Ihm oder Ihr übertragen Aufgaben/Arbeiten stets zu unser vollen Zufriedenheit erledigt.
… hat die Aufgaben mit äußerster Sorgfalt und Genauigkeit erledigt.
… hat den Erwartungen in jeder Hinsicht und bester Weise entsprochen
… zeigte stets überdurchschnittliche Arbeitsqualität
… zeigte stets Initiative, Fleiß und Ehrgeiz
… war immer freundlich und aufgeschlossen
… Verhältnis zu Vorgesetzten, Mitarbeitern und Kunden war einwandfrei

Befriedigend:
… hat die Ihm oder Ihr übertragenen Aufgaben zu unserer vollen Zufriedenheit erledigt.
… waren mit der Leistungen jederzeit zufrieden.
… erfüllte die Erwartungen in jeder Hinsicht.
… Arbeitsqualität war überdurchschnittlich
… das Verhalten zu Mitarbeitern und Vorgesetzten war vorbildlich
… zeigte Engagement und Initiative

Ausreichend:
… hat die Ihm oder Ihr übertragenen Aufgaben zu unserer Zufriedenheit erledigt.
… waren mit der Leistung zufrieden
… hat alle Aufgaben mit Sorgfalt und Genauigkeit erledigt.
… hat unseren Erwartungen entsprochen
… das Verhalten zu Mitarbeitern war vorbildlich
… das Verhalten zu Vorgesetzten war einwandfrei
… die Arbeitsergebnisse entsprachen den Anforderungen

Mangelhaft:
… hat die Ihm oder Ihr übertragenen Aufgaben weitestgehend zu unserer Zufriedenheit erledigt.
… hat alle Aufgaben allgemein mit Sorgfalt und Genauigkeit erledigt.
… hat unseren Erwartungen weitestgehend entsprochen
… hat sich im Rahmen seiner Möglichkeiten bemüht
… entsprach im Allgemeinen den Anforderungen
… das persönliche Verhalten war insgesamt einwandfrei

Unzureichend:
… hat sich bemüht, die Ihm oder Ihr übertragenen Aufgaben zu unserer Zufriedenheit zu erledigen.
… hat unseren Erwartungen entsprochen.
… hat sich bemüht unseren Erwartungen zu entsprechen
… war um zuverlässige Arbeitsweise bemüht
… war stets bemüht den üblichen Arbeitsaufwand zu bewältigen

Gerade die Beispiele sehr gut (vollsten) und gut (vollen) zeigen auf, wie sich das Zeugnis durch die Änderung eines einzigen Wortes verändert. Letzten Endes kommt es immer darauf an, wie etwas gesagt wird oder auch nicht. Um ein Arbeitszeugnis möglichst genau bewerten zu können, sollte es immer im Gesamten betrachtet werden.

Wie könnte man einige Bausteine im Zeugnis übersetzen/deuten?

Leistungsbeurteilung:Bewertung und Bedeutung
Er zeigte für seine Arbeit Verständnis.
Er hat nichts geleistet.
Alle Arbeiten erledigte er mit großem Fleiß und Interesse.
Eifrig, aber nicht sehr tüchtig.
Er bemühte sich, seinen Aufgaben gerecht zu werden.Der Wille war da, mehr leider nicht.
Er hat sich im Rahmen seiner Fähigkeiten eingesetzt.Er hat getan was er konnt. Das war allerdings nicht viel.
Verhaltensbeurteilung:Bewertung und Bedeutung
Durch seine Geselligkeit trug er zur Verbesserung des Betriebsklimas bei.übertriebener Alkoholgenuss
Mit seinen Vorgesetzten ist er gut zurechtgekommen.Er ist ein Mitläufer und passt sich gut an.
Er war tüchtig und wusste sich gut zu verkaufen.Er ist ein unangenehmer Mitarbeiter.
Er bewies ein umfassendes Einfühlungsvermögen für seine Kollegenhomosexuell
Schlussformel:Bewertung und Bedeutung
Er verlässt uns auf eigenen Wunsch. Wir bedauern sein Ausscheiden sehr und wünschen Ihm für die Zukunft alles Gute.Das Unternehmen verliert den Arbeitnehmer sehr ungern.
Er verlässt uns auf eigenen Wunsch. Wir bedauern sein Ausscheiden und wünschen Ihm für die Zukunft alles Gute.Das Unternehmen verliert den Arbeitnehmer ungern.
Er verlässt uns auf eigenen Wunsch.Der Mitarbeiter hinterlässt keine Lücke.
Er verlässt uns im gegenseitigen Einvernehmen.Ihm wurde gekündigt.
Wir bedanken uns für seine Mitarbeit.Endlich ist er weg.
Wir wünschen Ihm für die Zukunft alles Gute, auch Erfolg.Die Leistung wird hier zum Schluss noch negativ beurteilt.

Interessantes Video zur Zeugnissprache

Beachten Sie: Eine genaue Bewertung kann nur über ein vollständiges Arbeitszeugnis erfolgen. Einzelne Formulierungen können in unterschiedlichem Zusammenhang für eine andere Bedeutung stehen.

TIPP: Lassen Sie Ihr Zeugnis bei uns im Arbeitszeugnis-Forum kostenlos bewerten.

Beitrag von

Arbeits-abc

Deine Job & Karriere Community mit täglich frischen Nachrichten, Meinungen und Tipps zu den Themen Bewerbung, Arbeit und Karriere.

5 Kommentare

  1. Und genau deswegen werden Arbeitszeugnisse immer wertloser. Der “Sinn” liegt einerseits im Auge des Betrachters (wobei sich dank Internet ja inzwischen jeder als Profi fühlen kann) und auch im “Können” des Schreibers. Dank der ganzen Ratgeber – die oftmals noch nicht mal das Papier wert sind, auf dem sie gedruckt wurden – schreiben viele Firmeninhaber munter drauf los und haben gar keinen Schimmer, was sie da gerade “verbrechen” oder verkopfen sich so, dass es zwar gut gemeint, aber schlecht geschrieben endet. Es geht einfach nix über eine Referenz. Und die hole ich inzwischen auch durchaus öfter ein…

  2. Im Handwerk gab es früher keine Arbeitszeugnisse (über den heutigen Stand habe ich keinen Einblick).
    Der Bewerber kam ein paar Tagezum Vorarbeiten. Danach hat man bei Einstellung 3 – 6 Monate Probezeit vereinbart und dann wusste man genau, ob man die Frau oder den Mann behalten will.
    Die Arbeitszeugnisse zeigen doch nur einen persönlichen Eindruck. Mein Chef hat sich persönlich durch ein “Rechtswiedriges Gesamtverhalten” ( früher Mobbing) ausgezeichnet und bewertet meine Person jetzt mit mangelhaft.
    Des Weiteren habe ich 5 Jahre in einem Unternehmen unter Ständigem Druck aus dieser Situation heraus gearbeitet. Meine Arbeit hat Ihn nie wirklich interessiert, geschweige denn weiß er auf welchem Niveau ich diese erledigt habe und dann knallt er mir in das Zeugniss eine negative Bewertung der Gesatmtleistung rein. Man beachte, ich bin seit 8 Jahren im Unternehmen und er mal gerade seit knapp 2 Jahren.
    Welche Aussagekraft ein ein Zeugniss, das von einem sozialinkompetenten Vorgesetzten erstellt wurde.
    Wer gibt Ihm das Recht so fehlerhaft über mich zu urteilen (Jeseu:” Urteile nicht auf das du nicht geurteilt wirst”).
    Wenn ich ein Vorgesetzter wäre, würde mich das Arbeitszeugniss einen feuchten Kehrricht interessieren.
    Ich habe heute die Möglichkeit einen Mitarbeiter 2 mal für ein Jahr zu befristen und beim 1. Arbeitsvertrag bis zu 6 Monate Probezeit einzubauen. Spätatens dann sollte ich wissen, wen ich vor mir habe.
    Aber die heutige Sozialekompetenz der Führungsebene hat nichts mit sozial zu tun. Ihr eigenes Verhalten, ist so inkompetent und von persönlichen Affinitäten geprägt, dass man einen guten Mitarbeiter, der nichts falsch gemacht hat, sondern nur die Ihm zu stehende Lohnerhöhung fordert, sogar quälen darf .
    Burn-Out und Nebennierenrinden-Schwäche stehen in einem bis ihn zum Tod führenden medizinischen Zusammenhang, der aber von der Schulmedizin ignoriert wird. Die Folgen der Anerkennung für Führungspersonal währen auch eine Katastrophe, da man um persönliche Affinitäten aus zu leben auch den Tod des Mitarbeiters akzeptiert.
    In diesem Sinne ein erfahrener Burn–Out gepeinigter MItarbeiter eines namhaften deutschen Unternehmens, das international tätig ist. Es lebe der Arbeitssklave ohne Hirn.

  3. Ich bin selber Arbeitgeber und als dieser darf ich (vom Gesetzgeber her) keine negative Beurteilung im Sinne von…ich schreib munter drauf los, dass meine Praktikantin im Ernstfall mein kleines Unternehmen ruiniert hätte, sie faul, vorlaut und respektlos, sowie total ungepflegt ist…schreiben…also find ich´s gut, dass es für Leute wie mich solche Seiten gibt…nicht nur ihr lieben tollen Arbeitnehmer leidet…auch wir…wir arbeiten am Wochenende, schlagen uns in unserer Freizeit mit Kundenterminen rum, schmeißen die Buchhaltung und müssen uns dann noch mit Rotz, wie eine Beurteilung total verblümelt rumschlagen, damit man ja nicht rechtlich gegen uns vorgehen kann….Danke

  4. Pingback: Arbeitszeugnis Formulierungen - Die Codes der Personaler - arbeitszeugnis.io

  5. Daniela H. am

    Ein ehemaliger Chef hat mir mal eine Beurteilung mit der Note “6” gegeben. Als ich ihn darauf ansprach entschuldigte er sich und sagte, dass er das nur gut gemeint habe, und mir eigentlich eines mit der Note “1” ausstellen wollte… Wir haben es dann zusammen (!) noch einmal neu geschrieben!

Schreiben Sie einen Kommentar