Was assoziieren Sie mit dem Begriff der Hochbegabung? Viele Menschen denken nun an Arroganz oder seltsame Nerds. Die Realität sieht aber meist anders aus: Zahlreiche Hochbegabte leiden im Beruf, auch, aber nicht nur, aufgrund der vielen Klischees.

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Inhalt
1. Ab wann spricht man von Hochbegabung?
2. Alles Spinner? Warum sich Hochbegabte im Job häufig schwertun
3. Sind Hochbegabte im Beruf erfolgreicher?
4. Tipps für Hochbegabte: Aus dem Fluch einen Segen machen
5. Tipp 1: Ihre Hochbegabung erst einmal für sich behalten
6. Tipp 2: Die Hochbegabung zu Ihrem Vorteil nutzen
7. Tipp 3: Konflikte durch Kommunikation verhindern
8. Tipp 4: Die Hochbegabung akzeptieren und gezielt fördern
9. Tipp 5: Selbstbewusstsein stärken
10. Vielleicht sind auch Sie hochbegabt – und wissen es nur noch nicht

Ab wann spricht man von Hochbegabung?

Laut Definition ist die Hochbegabung eine intellektuelle Begabung, die weit über dem Durchschnitt liegt. Diese Formulierung ist allerdings sehr vage, weshalb die allgemeine Grenze für eine Hochbegabung bei einem IQ von 130 oder mehr angesetzt wird – und diesen erreichen nur rund zwei Prozent der Deutschen. Zum Vergleich: Der bevölkerungsweite Durchschnitt liegt hierzulande bei einem IQ von 100.

Hochbegabung hängt allerdings nicht immer nur mit dem Intelligenzquotienten zusammen und äußert sich zudem von Mensch zu Mensch unterschiedlich. So gibt es zum Beispiel die sogenannten „Inselbegabten“, welche zwar in einem Teil ihres Lebens außergewöhnliche Leistungen hervorbringen, ansonsten aber häufig eine Entwicklungsstörung in den anderen Lebensbereichen aufweisen. Auf der anderen Seite gab es doch früher in der Schule auch immer diese Kinder, die in jedem Fach eine glatte Eins hatten – außer zum Beispiel in Sport oder Kunst.

Wer wie viele Begabungen hat und wie stark diese ausgeprägt sind, ist daher ebenso individuell wie jeder Mensch selbst. Der Begriff „Hochbegabung“ ist demnach als Umschreibung für zahlreiche verschiedene Besonderheiten zu verstehen. In den meisten Fällen denken Betroffene übrigens nicht grundlegend anders als die Norm, sondern schlichtweg schneller. Dies macht es mitunter so schwierig, eine Hochbegabung im sozialen Umfeld oder sogar bei sich selbst zu erkennen. Dabei wäre eben dies sehr wichtig, um die daraus resultierenden Probleme im Job verstehen und verhindern zu können. Doch wieso haben Hochbegabte eigentlich so häufig Schwierigkeiten im Beruf? Sollten nicht gerade sie eigentlich die Überflieger mit der steilen Karriere sein?

Alles Spinner? Warum sich Hochbegabte im Job häufig schwertun

Tatsächlich ist die Hochbegabung für viele Betroffene mehr Fluch als Segen – zumindest zeitweise. Das liegt zum einen daran, dass Hochbegabte schnell stigmatisiert werden und sich dann neben der „normalen“ Arbeit noch mit den Vorurteilen ihrer Kollegen und Vorgesetzten herumschlagen dürfen. Sozial schwierig seien sie, oder irgendwie „seltsam“. Zum anderen treffen sie im Berufsleben vermehrt auf Neider, die ihnen Steine in den Weg legen, das können selbst der Personaler bei der Einstellung oder der Vorgesetzte bei der Entscheidung über eine Beförderung sein.

Viele Menschen fühlen sich von Hochbegabten eingeschüchtert und wir wissen ja, dass zahlreiche Individuen dann ihre hässlichste Seite zum Vorschein kommen lassen. Dies kann bis zum Mobbing führen. Doch selbst, wenn es nicht so weit kommt, fehlt es für Hochbegabte häufig schlichtweg an der optimalen Förderung und nicht wenige langweilen sich im Arbeitsalltag gefühlt zu Tode – oder eben zum „Boreout“. Das Traurige an der Sache ist: Diese Probleme entstehen eigentlich nur im Kopf, und zwar in den Gedanken, Ängsten oder Minderwertigkeitskomplexen des sozialen Umfelds eines Hochbegabten. Keine Studie konnte nämlich bislang belegen, dass es überhaupt einen Zusammenhang zwischen sozialer Unverträglichkeit oder zwischenmenschlichen Schwierigkeiten und einer Hochbegabung gibt.

Sind Hochbegabte im Beruf erfolgreicher?

Die verblüffende Antwort auf diese Frage lautet: Nein! Ob dies nun Resultat der genannten Hindernisse für Hochbegabte im Berufsleben ist oder schlichtweg aus dem Fakt entsteht, dass Intelligenz für beruflichen Erfolg weniger wichtig ist als zum Beispiel Soft Skills, sei einmal dahingestellt. Tatsächlich sind Hochbegabte im Berufsleben aber nicht erfolgreicher als ihre „normalbegabten“ Kolleginnen und Kollegen. All der Neid ist daher schlussendlich umsonst. Kein Wunder, dass viele Hochbegabte ihre Besonderheit daher als Makel auffassen statt als Geschenk. Offensichtlich tragen sie dadurch nämlich im Beruf mehr Nachteile als Vorteile davon. Was aber können Sie als Betroffene/r dagegen tun?

Tipps für Hochbegabte: Aus dem Fluch einen Segen machen

Tipp 1: Ihre Hochbegabung erst einmal für sich behalten

Ja, Sie sollen Ihre Hochbegabung als Geschenk begreifen! Dennoch geben wir Ihnen als Tipp mit auf den Weg, diese Besonderheit erst einmal für sich zu behalten, wenn Sie in ein neues soziales Umfeld kommen, also zum Beispiel einen neuen Job antreten. Sie können dann schließlich noch nicht abschätzen, was Ihr „Outing“ als Hochbegabte/r bewirkt. Behalten Sie die Hochbegabung daher erst einmal so lange für sich, bis es die Situation nicht mehr anders zulässt.

Tipp 2: Die Hochbegabung zu Ihrem Vorteil nutzen

Aber wann lässt es die Situation nicht anders zu? Eine Möglichkeit ist jene im positiven Sinne: Sie haben die Chance, Ihre Hochbegabung zum eigenen Vorteil einzusetzen? Bei einem Bewerbungsgespräch zum Beispiel oder für einen Schritt auf der Karriereleiter? Dann nutzen Sie die Gelegenheit, ohne jedoch Ihre Kollegen oder Vorgesetzten zu überrumpeln. Da das nun vermutlich ziemlich abstrakt für Sie klingt, möchten wir es mit einem Beispiel untermauern:

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Herr Müller ist hochbegabter IT-Spezialist, allerdings haben seine Kollegen und Vorgesetzten hiervon bislang keine Ahnung. Plötzlich soll seine Stelle allerdings abgebaut werden: Das Unternehmen wird fortan mit einer anderen Software arbeiten, welche sehr komplex ist. Hierfür bedarf es neuer, auf diesen Bereich spezialisierter Fachkräfte. Herr Müller jedoch lernt schnell und hat kein Problem damit, selbst komplexe Zusammenhänge zu begreifen und praktisch umzusetzen. Er erläutert daher dem Vorgesetzten seine Situation und sie einigen sich auf eine Weiterbildung. Herr Müller darf dank seiner Hochbegabung die Stelle behalten und muss nicht intern versetzt werden.

Tipp 3: Konflikte durch Kommunikation verhindern

Leider läuft die Situation aber nicht immer so glimpflich ab wie im Fall von Herrn Müller. Die Hochbegabung kann nämlich auch, wie bereits beschrieben, Konflikte hervorrufen, welche auf Neid, Missgunst oder schlichtweg Missverständnissen beruht. Als Hochbegabte/r sollten Sie daher unbedingt Ihre Augen offenhalten, um mögliche Konflikte so früh wie möglich zu erkennen. Auch dann kann es notwendig werden, dass Sie Ihr Geheimnis offenbaren. Wenn Ihre Kollegen und Vorgesetzten die Gründe für Ihr Verhalten kennen, entwickeln sie vielleicht auch Verständnis dafür. So kann ein ganz neues, viel positiveres Arbeitsklima entstehen. Auch hierzu ein kurzes Beispiel:

Frau Müller ist Teamleiterin und selbst hochbegabt. Befördert wurde sie vor allem aufgrund ihrer Effizienz und Schnelligkeit bei der Arbeit. Dies führt sie nun natürlich auch als Teamleiterin entsprechend weiter und überfordert damit unwillkürlich ihre Teammitglieder. Das Tempo, welches für sie völlig „normal“ ist, überfordert ihre Mitarbeiter. Diese können die hohen Ansprüche der neuen Vorgesetzten nicht verstehen, reagieren frustriert oder sogar wütend. Das Problem: Für Frau Müller ist es schwierig abzuschätzen, wie viel ihre Mitarbeiter in welcher Zeit leisten können. Sie sucht daher den Dialog mit ihren Teamkollegen und ermutigt sie sich einfach zu melden, wenn sie sich wieder überfordert fühlen. Die Konsequenz: Die Lage entspannt sich, die Mitarbeiter verstehen die Situation nun und fühlen sich andersherum auch wieder „mündig“. Sie wissen jetzt ja, dass Frau Müller sie nicht mit Absicht oder aus bösem Willen überfordern möchte und trauen sich auch öfter einmal „Nein“ zu sagen.

Tipp 4: Die Hochbegabung akzeptieren und gezielt fördern

Die Hochbegabung kann Ihnen natürlich auch nur dann Vorteile im Job bringen, wenn Sie diese nicht zu unterdrücken versuchen, sondern gezielt fördern. Der erste wichtige Schritt besteht also darin, dass Sie Ihre Hochbegabung als Geschenk begreifen und akzeptieren oder gar lieben lernen. Im zweiten Schritt können Sie dann gezielt Ihre speziellen Talente identifizieren und aktiv fördern, zum Beispiel durch Seminare, Weiterbildungen oder auch ein Studium.

Tipp 5: Selbstbewusstsein stärken

Ein weiterer Grund dafür, dass viele Hochbegabte ihre Talente nicht richtig zu nutzen wissen, liegt in einem geringen Selbstbewusstsein. Häufig wird die Hochbegabung nämlich erst sehr spät erkannt und sie hat längst die beschriebenen Probleme hervorgerufen. Da den Betroffenen allerdings eine plausible Erklärung für ihre sozialen oder beruflichen Probleme fehlt, beginnen sie nicht selten an sich selbst zu zweifeln. Die Folge ist ein geringes Selbstbewusstsein, welches die Entfaltung der Talente blockiert. Der gezielte Aufbau Ihres Selbstbewusstseins sollte daher ebenfalls ganz oben auf Ihrer Agenda stehen. Wie das geht, verraten wir Ihnen im Artikel „Selbstbewusstsein stärken: Tipps & Übungen für mehr Selbstvertrauen“.

Vielleicht sind auch Sie hochbegabt – und wissen es nur noch nicht

Damit Sie Ihre Hochbegabung früher erkennen und das Problem gar nicht erst haben, sollten Sie auf folgende drei Anzeichen achten:

  1. Die anderen halten Sie für arrogant, weil Sie irgendwie immer schneller fertig sind, das Problem schneller gelöst haben oder Ihnen schon in der Schule die schwierigen Matheaufgaben immer ganz leicht fielen. Sie sitzen dann herum, langweilen sich oder reagieren gar genervt, weil „die anderen es einfach nicht verstehen und das doch eigentlich gar nicht so schwierig ist“.
  2. Krabbeln war Ihnen schon als Baby zu langweilig und deshalb sind Sie einfach gleich losgelaufen? Tatsächlich überspringen hochbegabte Kinder gerne die ein oder andere Entwicklungsphase und machen sich so schon in der Krabbelgruppe bei den Müttern unbeliebt, die nun befürchten müssen, ihr Kind sei „zurückgeblieben“. Heutzutage geht der Konkurrenzkampf ja schon bei Säuglingen los. Vielleicht sind die Eltern nach diesem Artikel ab sofort ja doch noch froh, wenn sie „nur“ ein ganz normales Kind haben.
  3. Smalltalk ödet Sie an und Sie verstehen einfach nicht, wie sich Ihre Kollegen stundenlang über die neue Freundin des Chefs auslassen können, während Sie sich doch viel lieber mit komplizierten Formeln oder der neuesten Gehirnforschung auseinandersetzen. Ihre Gesprächsthemen jedoch, scheinen in Ihrem Umfeld nur selten Anklang zu finden oder Sie argumentieren Ihre Gesprächspartner der Reihe nach aus, sodass sich irgendwann niemand mehr mit Ihnen unterhalten möchte.

Sie finden sich in den drei genannten Aspekten wieder? Herzlichen Glückwunsch, dann könnten Sie hochbegabt sein! Oder aber Sie sind eben doch nur ein ganz normaler Spinner „wie du und ich“, denn ein bisschen verrückt sind wir doch schlussendlich alle. Natürlich steckt in den drei genannten Punkten viel Ironie und ein kleines bisschen Wahrheit. Wirklich feststellen können Sie eine Hochbegabung nur durch einen entsprechenden Experten oder auch einen IQ-Test – wobei wir ja gelernt haben, dass zu einer Hochbegabung mehr gehört als „nur“ ein Intelligenzquotient von 130.

Wissen Sie um Ihre Hochbegabung und haben Tipps für unsere Leser? Oder haben Sie vielleicht selbst Erfahrungen mit hochbegabten Kollegen beziehungsweise Vorgesetzten gemacht? Wir sind gespannt auf Ihre ganz persönliche Geschichte in den Kommentaren.

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