Wer heute Karriere machen will, bekommt oft widersprüchliche Ratschläge. Die einen predigen die Treue zum Arbeitgeber, die anderen empfehlen aggressives Jobhopping. Und je länger man sich damit beschäftigt, desto unklarer wird, welcher berufliche Weg eigentlich der richtige ist.

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Der Masterpiece Career Report 2025 bringt interessante Zahlen in diese Debatte. Die Analysten haben 2.500 Lebensläufe von Young Professionals über einen Zeitraum von 15 Jahren ausgewertet – insgesamt rund 40.000 Berufsjahre. Das Ergebnis ist nicht so eindeutig, wie man denken mag: Weder permanentes Wechseln noch jahrelanges Verharren auf derselben Position führen automatisch zum Erfolg.

Noch entscheidender ist jedoch: der Einstieg. Die Daten zeigen, dass der Unternehmens-Rank zu Beginn der Karriere den Karriereweg langfristig prägt. Wer bei einem starken Arbeitgeber startet, hat deutlich bessere Chancen, auch später in höheren Positionen zu landen. Wer dagegen in eher einem kleineren Unternehmen anfängt, muss diesen Nachteil erst mit mehreren gezielten Karriereschritten ausgleichen.

Der Mittelstand als Karriereturbo – mit begrenzten Aufstiegschancen

Ein besonders guter Start gelingt vielen Jobanfängern im Mittelstand. Die Strukturen sind überschaubar, die Wege kurz, und man übernimmt häufig schneller Verantwortung als in großen Konzernen. Gerade zu Beginn fühlt sich das wie ein echter Karriereschub an, weil man unmittelbar sieht, was die eigene Arbeit bewirkt und wie Entscheidungen im Unternehmen greifen.

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Doch dieser Schub hält nicht ewig. Wer im Mittelstand schnell aufsteigt, merkt früher oder später, dass die Entwicklungsmöglichkeiten naturgemäß begrenzt sind. Irgendwann ist die nächste Hierarchiestufe schlicht nicht mehr vorhanden. Viele stoßen an diesem Punkt erstmals an strukturelle Grenzen und beginnen sich zu fragen, wie es beruflich weitergehen soll.

Gerade dann zeigt sich: Karrierefortschritte lassen sich vor allem in den ersten Jahren besonders schnell erzielen. Danach verlangsamt sich die Entwicklung deutlich. Wer die Anfangszeit nicht gezielt nutzt, um Verantwortung zu übernehmen und sich sichtbar zu machen, holt diesen Vorsprung später nur schwer wieder auf.

Karriere entsteht durch Bewegung – aber vor allem intern

Hier zeigt der Report, worin sich durchschnittliche von besonders erfolgreichen Karrieren unterscheiden. Top-Aufsteiger wechseln häufiger intern die Rolle. Im Schnitt kommen sie auf 4,8 Positionswechsel innerhalb eines Unternehmens, während andere bei etwa 4,1 liegen.

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Schon gewusst: Nur 10 Prozent der Universitätsabgänger schaffen es, um zwei oder mehr Unternehmensränge aufzusteigen – ein echter Karrieremarathon. Besonders auffällig: 57 Prozent der Top-Performer hatten eine Station im Vertrieb, das sind 30,9 Prozentpunkte mehr als im Durchschnitt. Optimal sind interne Wechsel etwa alle 18 Monate, wie die Auswertung zeigt.

Dieser Unterschied wirkt auf den ersten Blick gering, entfaltet aber über die Jahre seine Wirkung. Denn interne Wechsel bedeuten mehr als nur neue Aufgaben. Wer innerhalb eines Unternehmens verschiedene Funktionen durchläuft, baut sich einen Ruf auf, versteht interne Zusammenhänge besser und bringt sich für höhere Aufgaben in Position.

Genau deshalb schlägt interne Leistung externes Personal Branding. Entscheidend ist nicht, wie oft man nach außen sichtbar wechselt, sondern wie stark man sich innerhalb eines Unternehmens entwickelt. 

In welchen Funktionsbereichen Aufsteiger besonders häufig arbeiten

Dabei macht es einen Unterschied, in welche Bereiche man wechselt. Besonders häufig finden sich spätere Top-Manager im Vertrieb oder in der Geschäftsentwicklung – 57 Prozent haben hier eine Station durchlaufen. Auch Projekt- und Programmmanagement spielt eine zentrale Rolle – 43 Prozent haben hier eine Station durchlaufen.

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Weniger hilfreich sind dagegen langfristige Stationen in klassischen Verwaltungs- und Supportfunktionen. Sie sind in den Lebensläufen von Top-Performern deutlich seltener vertreten und gelten eher als Karrierebremse.

Gerade deshalb kommt es darauf an, welche Erfahrungen man im Unternehmen sammelt. Ob ein Wechsel vom Marketing in den Vertrieb oder vom Controlling ins Projektgeschäft – erst diese Perspektivwechsel machen deutlich, wie eng die einzelnen Bereiche tatsächlich verzahnt sind.

Und so gehen erfolgreiche Aufsteiger vor:

  • Sie wechseln häufiger die Rolle, das Unternehmen und die Funktion
  • Sie qualifizieren sich gezielt weiter
  • Sie wechseln im richtigen Moment in größere, renommierte Unternehmen, etwa in einen DAX-Konzern

Warum zu viele Firmenwechsel deiner Karriere trotzdem schaden können

Gleichzeitig relativieren die Daten einen weit verbreiteten Mythos: Häufige Firmenwechsel sind kein Selbstläufer für die Karriere. Wer alle zwei bis drei Jahre den Arbeitgeber wechselt, hat oft gar nicht die Zeit, nachhaltige Ergebnisse zu erzielen.

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Lese-Tipp: Nach spätestens 5 bis 7 Jahren solltest du den Job wechseln – am besten sogar den Arbeitgeber

Wer also zu früh das Unternehmen wieder verlässt, hinterlässt selten Spuren, die für den nächsten Karriereschritt entscheidend wären. Das Problem ist also nicht der Wechsel an sich, sondern der Zeitpunkt.

Der unterschätzte Karriere-Hebel: die Strahlkraft deines Arbeitgebers

Das bedeutet nicht, dass externe Wechsel grundsätzlich falsch sind. Im Gegenteil: Sie werden dann wichtig, wenn die Entwicklungsmöglichkeiten im aktuellen Umfeld ausgeschöpft sind. Erfolgreiche Aufsteiger nutzen diesen Schritt gezielt für ihr berufliches Fortkommen.

Ein zentraler Hebel ist dabei die Strahlkraft des Arbeitgebers. Laut Report haben knapp 29 Prozent der Top-Aufsteiger mindestens eine Station in einem DAX-Konzern im Lebenslauf stehen. Ein solcher Name kann die eigene Position im Markt deutlich aufwerten – selbst dann, wenn man zunächst eine kleinere Rolle übernimmt. Langfristig zahlt sich dieser Schritt häufig aus.

Allerdings ist dieser Schritt selten ein reiner Aufstieg. Wer in ein stärkeres Unternehmen wechselt, muss häufig zunächst Abstriche bei Titel oder Verantwortung machen. Der kurzfristige Rückschritt kann sich langfristig dennoch auszahlen, weil das Umfeld größere Entwicklungsmöglichkeiten bietet.

Was das konkret für deine Karriere bedeutet

Die entscheidende Frage ist nicht, ob man wechselt, sondern warum und zu welchem Zeitpunkt. Interne Wechsel helfen dabei, sich karrieretechnisch breiter aufzustellen und innerhalb eines Unternehmens sichtbar zu werden. Externe Wechsel sind dann sinnvoll, wenn sie eine klare Lücke schließen oder den eigenen Marktwert gezielt steigern.

Dabei zeigt sich aber auch, wie anspruchsvoll dieser Weg ist: Nur ein kleiner Teil der untersuchten Profile schafft tatsächlich den Sprung in deutlich höhere Unternehmens- und Job-Level. 

Merke: Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Verantwortung, Timing und Umfeld. Genau daraus ergibt sich, ob ein Karriereschritt funktioniert – oder nicht.

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