Das Narrativ von der „faulen Generation Z„, die sich der Leistungsgesellschaft verweigert, hält sich in vielen Köpfen immer noch hartnäckig. Doch eine aktuelle KPMG-Studie räumt mit diesem Vorurteil auf: Die junge Generation ist keineswegs ambitionslos – sie bricht lediglich mit den Spielregeln einer überkommenen Arbeitswelt. Sie fordert eine neue Definition von Erfolg, in der Karriere und Lebensqualität keine unvereinbaren Gegensätze mehr sein müssen.
Für die Untersuchung befragte die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG Anfang 2026 in den USA 361 Praktikantinnen und Praktikanten, die überwiegend zur Generation Z zählen – Nachwuchskräfte am Beginn ihrer Karriere in Wirtschaftsprüfung, Steuer und Beratung. Eine spezifische Gruppe also, deren Antworten dennoch ein aufschlussreiches Stimmungsbild zeichnen.
Die wohl bemerkenswerteste Erkenntnis: Diese Berufseinsteiger (hier Praktikanten genannt) sind im Schnitt bereit, auf rund 5.000 US-Dollar – umgerechnet etwa 4.300 Euro – Gehalt pro Jahr zu verzichten. Die Bedingung für diesen finanziellen Abschlag ist eine moderne Unternehmenskultur, die mehr Flexibilität und nachhaltige Entwicklungschancen garantiert. Bemerkenswert ist das gerade deshalb, weil das Gehalt für die Befragten weiterhin das wichtigste Kriterium bei der Jobwahl bleibt – dicht gefolgt von der Work-Life-Balance. Sie werten Geld also nicht ab. Sie sind nur bereit, einen Teil davon einzutauschen, wenn der Gegenwert stimmt.
Aufstieg ja, Aufopferung nein
Der Wille, Verantwortung zu übernehmen, ist bei den Befragten ungebrochen. Beeindruckende 92 Prozent zeigen zumindest grundsätzliches Interesse an einer Position im Top-Management oder einer Senior-Executive-Rolle. Sie wollen gestalten, entscheiden und bewegen. Gleichzeitig widerlegen sie das Klischee der rastlosen Jobhopper: Fast die Hälfte lehnt die Vorstellung ab, die eigene Karriere im Laufe des Lebens ständig neu auszurichten.
Der entscheidende Unterschied zu früheren Generationen liegt im „Wie„. Stellt man die Zahlen nebeneinander – hohe Führungsambition auf der einen, klare Absage an die ständige Erreichbarkeit auf der anderen Seite –, lässt sich ein neues Rollenbild herauslesen: das der Führungskraft mit planbarem Feierabend. Aufstieg wird nicht mehr zwangsläufig mit permanenter Selbstaufgabe gleichgesetzt, sondern mit der Fähigkeit, Grenzen zu ziehen.
Lese-Tipp: Nein, pünktlich Feierabend zu machen, ist kein Zeichen für wenig Engagement im Job
Der Abschied von den alten Spielregeln
Um Platz für ein gesundes und produktives Arbeitsumfeld zu schaffen, wünschen sich die jungen Berufstätigen das Ende überholter Praktiken. Ganz oben auf der Liste steht die sogenannte „Always-On„-Mentalität. Verständlich, denn die Erwartung, auch nach Feierabend und am Wochenende erreichbar zu sein, führt mit fast einem Viertel der Nennungen die Liste der Dinge an, die diese Generation am liebsten abschaffen würde.
Ebenso geraten starre Präsenzpflichten und klassische 9-to-5-Modelle ins Hintertreffen. In einer digitalisierten, hybriden Welt wirken feste Anwesenheitszeiten im Büro wie ein Relikt aus einer anderen Epoche. Wer als Arbeitgeber den mentalen Druck auf die Belegschaft ignoriert, riskiert vor allem eines: den Abgang seiner fähigsten Talente.
Ein neuer Begriff von Wohlstand
Warum ist der Verzicht auf bares Geld für diese Gruppe überhaupt eine Option? Weil sich der Begriff von Wohlstand verschiebt. Zeit, Selbstbestimmung und eine gesunde Teamkultur können schwerer wiegen als ein paar Hundert Euro mehr auf dem Gehaltszettel. Für viele Berufseinsteiger ist ein etwas geringeres Einstiegsgehalt ein guter Deal, wenn sie im Gegenzug flexibel arbeiten dürfen – ein hybrides Modell mit drei bis vier Bürotagen pro Woche bevorzugt die große Mehrheit der Befragten.
Klar, am Ende bringt dir ein üppiges Gehalt wenig, wenn abends nur noch die Couch und ein müdes „Ich kann nicht mehr“ auf dich warten. Und genau deshalb lohnt es sich, schon früh im Job zu lernen, wo deine Grenzen liegen.
Ein Weckruf für die Chefetage
Für Arbeitgeber heißt das: umdenken. Wer glaubt, junge Spitzenkräfte noch immer mit Statussymbolen wie einem dicken Dienstwagen oder einem reinen Prestige-Gehalt ködern zu können, während im Hintergrund eine auszehrende Überstundenkultur herrscht, könnte auf dem Talentemarkt künftig leer ausgehen.
Denn: Zeitgemäße Führung zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass sie diese veränderten Bedürfnisse nicht als unverschämte Extrawünsche abtut, sondern sie als Standard in den Führungsalltag integriert.
Die Chefetage erreicht, wer ausgeglichen bleibt
Die Befragung legt nahe, dass beruflicher Erfolg für diese Generation nicht mehr bedeutet, die eigene Gesundheit auf dem Altar des Aufstiegs zu opfern. Das Tauschgeschäft – ein Teil des Gehalts gegen Wohlbefinden – ist aus dieser Sicht ein vorausschauender und kluger Schachzug. Denn langfristig schafft es womöglich eher derjenige bis in die Chefetage, der gesund, ausgeglichen und mit echter Freude arbeitet.
Deine Meinung dazu? Wärst auch du bereit, auf einen Teil deines Gehalts zu verzichten, um im Gegenzug mehr Flexibilität, Freiheit und Lebensqualität zu gewinnen?

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