Ob im privaten oder beruflichen Bereich, das Ansprechen kritischer Fragen und Probleme erfordert oftmals Mut und Überwindung.

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Insbesondere wenn sich die Kritik gegen den Vorgesetzten richtet. Denn eine verärgerte Reaktion des Chefs kann mit ungewollten Konsequenzen für den Kritiker verbunden sein. Das Verschweigen von Kritikpunkten, die den Vorgesetzten betreffen, hilft zumeist auch nicht weiter. Spätestens, wenn sich das Verhalten eines Chefs negativ auf den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens oder die Mitarbeiter auswirkt, sollte berechtigte Kritikgeäußert werden.

Mut zur Kritik

Das Betriebsverfassungsgesetz stützt rechtlich Mitarbeiter-Beschwerden, indem es besagt, dass einem Mitarbeiter aus geübter Kritik keine Nachteile entstehen dürfen.

Laut einer Untersuchung des Marktforschungsinstituts Forsa halten 96 Prozent der Angestellten ihren Chef nicht für ausreichend kritikfähig.

Dabei ist jeder Zweite unzufrieden mit der fachlichen und sozialen Unterstützung seitens seines Vorgesetzten. Die Frage, wie ein Chef seine Mitarbeiter optimal unterstützen kann, geht jedoch teilweise im Geschäftsalltag von Unternehmern unter. Und der ein oder andere kritische Hinweis kann für einen Vorgesetzten auch sehr hilfreich sein. Einige Unternehmen versuchen diesen Themen mit Umfragen zur Mitarbeiterzufriedenheit oder einem anonymen Vorschlagswesen gerecht zu werden. Bestehen solche Maßnahmen nicht oder betrifft die bestehende Kritik das direkte Verhältnis zum Vorgesetzten, sollten Mitarbeiter zuerst ein Vier-Augen-Gespräch suchen, bevor sie den Weg zum Betriebsrat oder Anwalt wählen. Denn eine fachgerechte und sachliche Kritik kann sich auch sehr positiv auf bestehende Missverhältnisse und die persönliche Einschätzung eines Angestellten auswirken.

So sagen Sie es Ihrem Chef

Kritisieren gehört laut Kommunikationsexperten zu den schwierigsten Gesprächssituationen. Um diese erfolgreich zu meistern, ist es wichtig, sich richtig vorzubereiten. Das heißt, ein Mitarbeiter sollte schon vor dem Gespräch mit dem Chef sachliche Argumente sammeln und diese im richtigen Ton formulieren. Dafür gelten im Allgemeinen folgende Grundregeln:

  • Eine Kritik am Vorgesetzten sollte stets mündlich in einer möglichst ungestörten Situation unter vier Augen geübt werden.
  • Kritische Anmerkungen zu einem Vorfall sollten möglichst zeitnah erfolgen.
  • Kritik sollte nicht emotional und persönlich, sondern sachorientiert und fachlich erfolgen.
  • Der Gesprächsbeginn sollte positiv gestaltet werden.
  • Innerhalb des Gespräches ist der Blickkontakt wichtig.
  • Drohungen, Vorwürfe und persönliche Angriffe sind in einem Kritikgespräch sowohl seitens des Mitarbeiters als auch seitens des Chefs tabu.
  • Kritikpunkte sind konkret anzusprechen und beispielhaft zu schildern.
  • Die Sichtweise des Gegenübers auf die vorgebrachte Kritik sollte erfragt und auf dessen Argumente eingegangen werden.
  • Das Gespräch sollte lösungsorientiert mit eigenen, möglichst flexiblen Lösungsvorschlägen geführt werden.
  • Das Kritikgespräch sollte möglichst zu einem Ergebnis führen und positiv beendet werden.

All diese Punkte lassen sich nicht immer umsetzen. So braucht es beispielsweise für die konkrete und kurze Formulierung von kritischen Anliegen Erfahrung und Übung. Ebenfalls ist es schwierig ein solches Kritikgespräch mit dem Vorgesetzten erfolgreich zu führen, wenn dieser die genannten Punkte für sein eigenes Gesprächsverhalten nicht berücksichtigt.

Fazit: überlegt und sachlich Kritik üben

Offenheit und eine selbstständige sowie aufmerksame Arbeitsweise fordern viele Arbeitgeber von ihren Mitarbeitern. Dies ist auch mit einem kritischen Denken verbunden. Daraus entstehende Kritikpunkte sollten von Arbeitnehmern deshalb stets geäußert werden, wenn sie dem Unternehmenserfolg oder dem Mitarbeiterwohl schaden. Oftmals wirkt es auf Vorgesetzte positiv, wenn sie merken, dass Mitarbeiter konkrete Sachverhalte verbessern möchten. Denn kritische Situationen und Konflikte können sich nur entspannen, wenn sie auch offen und sachlich angesprochen werden.

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