Sie begegnen uns fast täglich und trotzdem schaffen sie es jedes Mal aufs Neue, dass wir peinlich berührt sind. Die Rede ist von kleinen und auch größeren Fauxpas, die unseren Mitmenschen passieren und auch im Büro scheinbar allgegenwärtig sind. Die meisten dieser Situationen stellen keinen Weltuntergang dar – und können dennoch nicht einfach ignoriert werden. In diesem Beitrag stellen wir Ihnen ein paar dieser Fauxpas vor und verraten, wie Sie die Kollegen diskret darauf hinweisen. Knigge lässt grüßen!

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Frau hält einem Kollegen mit üblen Mundgeruch den Mund zu
Bildnachweis: iStock.com/ideabug

Inhalt
1. Der offene Hosenstall
2. Der üble Mundgeruch
3. Schweißflecken auf der Kleidung
4. Magenknurren und andere Geräusche
5. Ein Essensfleck auf der Kleidung
6. Laute Telefonate
7. Allgemeine Hinweise

Der offene Hosenstall

Ich erinnere mich an meine Kindheit, als man beim Anblick eines offenen Hosenstalls Sätze wie „Ach du Schreck, die Pferde reißen aus!“ oder „Wow, was für ein spannendes Rennen.“ gesagt hat. Damals waren Formulierungen dieser Art sicherlich halbwegs witzig, doch als bürotauglich kann man sie keinesfalls bezeichnen.

Wenn Sie einem Kollegen gegenüber stehen, der einen offenen Hosenstall hat, wäre es fatal, ihn ins offene Messer laufen zu lassen. Gerade vor einer wichtigen Präsentation oder einem Meeting kann der offenstehende Reißverschluss eine überaus peinliche Situation provozieren. Um diese galant zu umgehen und dennoch den respektvollen Abstand zum Kollegen zu wahren, empfiehlt es sich, auf eine dieser Formulierungen zurückzugreifen:

  • Vielleicht sollten Sie noch einmal Ihre Garderobe kontrollieren, ehe Sie eintreten.
  • Möchten Sie nicht noch kurz schauen, ob alles an der richtigen Stelle sitzt?

Tipp: Formulierungen dieser Art können auch beim heraushängenden Hemdzipfel und dem hochgerutschten Rock zum Einsatz kommen.

Die Kunst besteht darin, das Thema nicht direkt anzusprechen und dem Gegenüber dennoch klar zu verdeutlichen, worum es geht. Es mag nach „um den heißen Brei reden“ klingen, doch handelt es sich hierbei definitiv um die diskreteste Herangehensweise an die Situation.

Der üble Mundgeruch

Egal ob chronisch oder akut nach dem Mittagessen – Mundgeruch kann der Auslöser für wirklich unangenehme Situationen sein. Wenn Ihr Kollege zu üblem Atem neigt und Sie Ihn diskret darauf hinweisen wollen, hilft im Grunde genommen nur das direkte Thematisieren des Problems. In diesem Fall ist besonders wichtig, dass Sie das Gespräch unter vier Augen führen, der Kollege soll schließlich nicht vorgeführt werden. Achten Sie auf eine respektvolle Wortwahl und bauschen Sie das Thema nicht unnötig auf.

Übrigens: Wer denkt, das Thema Mundgeruch mit einem kommentarlosen Kaugummi aus der Welt schaffen zu können, der sollte sich einfach mal in die Rolle des Kollegen versetzen. Da es sich bei dem Atemerfrischer um eine eindeutige Botschaft handelt, kann man sich auch direkt erwachsen benehmen und das Thema kurz besprechen.

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Schweißflecken auf der Kleidung

Schweiß ist in doppelter Hinsicht tückisch: Er riecht zum einen übel und hinterlässt zum anderen auch unansehnliche Flecken auf der Kleidung. Besonders in Stresssituationen oder vor wichtigen Terminen neigen viele Menschen zur übermäßigen Schweißproduktion. Leider kann man die verräterischen Flecken dann auch am wenigsten gebrauchen.

Wenn Sie bemerken, dass Ihr Kollege heftig transpiriert, sollten Sie ihn so keinesfalls in die Besprechung gehen lassen. Vielleicht gehören Sie ja zu den Arbeitnehmern, die ein Ersatz-Hemd oder eine Ersatz-Bluse haben, die Sie dem Kollegen anbieten können. Doch Vorsicht: Das sollten Sie nur machen, wenn auch die Konfektionsgrößen halbwegs zueinander passen. Kriegt der Kollege kaum die Knöpfe über dem Bauch zu, haben Sie ihm leider auch keinen Gefallen getan. Ein Tuch oder Schal, der die Flecken provisorisch überdeckt, tut es zur Not auch.

Magenknurren und andere Geräusche

Absolute Stille im Büro und plötzlich beginnt der Magen zu knurren, gefolgt von einem Gluckern aus einer anderen Region des Körpers. Für viele ist dieses Szenario der absolute Horror. Wenn Sie Ihrem Kollegen in einer solchen Situation beistehen soll, hilft am besten fein dosierter Humor. Geräusche aus dem Magen-Darm-Trakt sind absolut (!) normal und menschlich. Sie kommen bei jedem von uns vor und niemand kann sie kontrollieren. Betonen Sie das ruhig im Gespräch mit dem Kollegen und nutzen Sie die Unterbrechung eventuell als Aufhänger für die längst überfällige Mittagspause. Achten Sie allerdings auch darauf, die Situation nicht ins Lächerliche zu ziehen. Auch hier sollte die Betonung auf „diskret“ liegen.

Ein Essensfleck auf der Kleidung

Ein Soßenfleck auf dem strahlend weißen Hemd ist zwar ungefährlich, aber dennoch unangenehm – erst recht, wenn der Hemdträger gar nicht weiß, dass er sich bekleckert hat. In dieser Situation sollten Sie genau abwägen, wie nahe Sie der Person stehen. Ist das Verhältnis locker, können Sie den Fleck kurz ansprechen und auf den Waschraum verweisen. Ist die Person Ihr Vorgesetzter oder gar ein Geschäftskunde, gilt es, den kleinen Fauxpas höflich zu ignorieren. Gerade dann, wenn man sich in einer Besprechung befindet, kann der Bekleckerte sowieso nichts an der Situation ändern.

Laute Telefonate

Dass Ihr Kollege mit Kunden telefoniert und vielleicht hin und wieder auch mal ein privates Gespräch führt, ist natürlich kein Fauxpas. Peinlich wird es erst, wenn jeder andere Anwesende im Büro Wort für Wort belauschen kann. Meist kriegen es die Menschen, die in den Telefonhörer brüllen, gar nicht mit, dass sie sich etwas in der Lautstärke vertan haben. Man sollte es ihnen also nicht verübeln.

Wenn Sie diskret auf dieses Fehlverhalten hinweisen wollen, hilft ein mehr oder weniger unverfänglicher Gesprächseinstieg wie „Oh, das klang aber nach einem sehr wichtigen Telefonat.“ Oftmals kommt der Gegenüber dadurch selbst darauf, dass man ihm zuhören konnte.

Allgemeine Hinweise

Wenn Sie einen Kollegen auf einen kleinen Fauxpas hinweisen wollen, ist es immer am geschicktesten wenn:

  • Sie sich auf der gleichen Hierarchiestufe befinden
  • Sie das gleiche Geschlecht haben

Psychologen haben herausgefunden: Je größer die Gemeinsamkeiten sind, desto weniger unangenehm ist die Situation, in der ein Missgeschick diskret angesprochen wird.

Weiterhin ist es nie eine gute Idee, die Situation „auszuweiten“. Tröstende Worte à la „Ach, das ist mir letztens auch passiert. Da habe ich einfach…“ oder „Ohje, na das ist jetzt aber doof. Vielleicht hilft es Ihnen, wenn wir…“ sind gänzlich unangebracht. Wenn Sie den Kollegen oder die Kollegin diskret auf den Fauxpas hingewiesen haben, ist das Thema beendet. Diskretion bedeutet in diesem Fall auch, möglichst wenig Worte zu verwenden und sich kurz zu fassen. Sie müssen Ihrem Gegenüber nicht erst noch erklären, warum die Situation gerade so peinlich ist oder was Sie machen würden – es sei denn, Sie werden um eine entsprechende Information gebeten.

Last but not least sollten Sie immer daran denken, dass Sie nicht der Grund für eine Peinlichkeit sind. Den Kollegen auf Körpergeruch, eine Kleckerei oder den offenen Hosenstall hinweisen ist zweifelsfrei keine angenehme Angelegenheit. Doch bedenken Sie, dass Sie niemanden ins Verderben stürzen, sondern helfen wollen. Ihr Kollege hat keinen Grund, Ihnen die offenen Worte übel zu nehmen. Ganz im Gegenteil: Er sollte Ihnen dankbar sein, denn vermutlich bewahren Sie Ihn mit Ihrem diskreten Hinweis vor weitaus größeren Peinlichkeiten.

Welche Situationen finden Sie besonders unangenehm? Haben Sie weitere Tipps, um Kollegen diskret auf kleinere und größere Fauxpas hinzuweisen? Lassen Sie uns Ihre Gedanken zum Thema gern in einem Kommentar zukommen.