Arbeitgeber aufgepasst: Psychische Gesundheitsbedürfnisse von Arbeitnehmern werden Untersuchungen zufolge nicht erfüllt – obwohl Mitarbeiter sich seit der Pandemie schlechter fühlen.

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Seit der Pandemie fühlen sich Menschen emotional gestresster. Auch in Bezug auf ihren Job: Ein Trendbericht von Calm Business zur psychischen Gesundheit am Arbeitsplatz deutet darauf hin, dass

  • Unsicherheiten,
  • finanzielle Ängste,
  • die Angst vor Herausforderungen sowie
  • Gefühle der Einsamkeit

zugenommen haben. Probleme und Hürden im Job sind für 42 Prozent der Befragten die wichtigste Ursache dafür, dass sie psychologische Hilfe in Anspruch nehmen. Fast 70 Prozent der Arbeitnehmer finden zudem: Der Arbeitgeber sollte Gesundheitsangebote unterstützen und entsprechende Programme für das mentale Wohlbefinden der Mitarbeiter fördern – denn bisher passiere dies nur bei etwa 30 Prozent.

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Rund die Hälfte der Umfrageteilnehmer sind sich zudem sicher, dass die Belastung negative Folgen für ihr persönliches Umfeld hat. Denn der Stress wirke sich auf das Familienleben und auch Paarbeziehungen sowie Freundschaften aus. Die Existenz derartiger emotionaler Challenges für Beschäftigte belegt, dass nicht nur neue mentale Gesundheitsbedürfnisse auf Arbeitnehmerseite dazugekommen sind. Sondern auch, dass viele Arbeitgeber diese entweder noch nicht registriert haben. Oder noch nicht ausreichend darauf eingehen. Für das Arbeitsjahr 2023 bedeutet es, dass Beschäftigte sich damit arrangieren müssen, dass noch wenig Strukturen, Rahmenbedingungen sowie Prozesse geschaffen werden konnten, die mentale Gesundheit und Arbeit auf einen Nenner bringen.

Auch Arbeitgeber haben mit Veränderungen zu kämpfen

Doch die Herausforderungen sind nicht nur auf Arbeitnehmerseite gewachsen. Untersuchungen zeigen, dass auch Führungskräfte mit neuen Problemen kämpfen, die New Work, Pandemie und aktuelle Krisen mit sich bringen: Während der Pandemie hätten Führungskräfte einer Hays-Studie nach vor allem damit zu tun, dass ihnen die räumliche und persönliche Nähe zu ihren Angestellten fehle. Rund 57 Prozent der 750 befragten Führungskräfte gaben an, dass Remote-Arbeiten sowie Homeoffice die Führungsaufgaben sichtlich erschweren. Auf diese Weise sei es eine Herausforderung, zu erkennen, mit welchen Stolpersteinen und Problemen Arbeitnehmer zu tun haben.

70 Prozent der Führungskräfte geben an, dass sie deutlich mehr Zeit einplanen müssen, um ihre Mitarbeiter zu betreuen und ihre Führungsaufgaben auszuführen. Auf der anderen Seite sind 79 Prozent der Befragten wiederum „positiv überrascht“, dass Remote-Arbeiten besser funktionieren, als ursprünglich erwartet wurde.

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Die Ergebnisse zeigen, dass sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer sich mitten – in einer fast experimentellen – Umbruchphase befinden. Homeoffice, neue Arbeitsbedingungen und Veränderungen im Job treffen auf die immer dringend werdenden psychologischen Gesundheitsbedürfnisse von Mitarbeitern.

Zukunftsstrategien: Was auf Arbeitgeber zukommt – und was sie verändern können

Nicht nur aufgrund von Personalengpässen und Veränderungen am Arbeitsmarkt wegen der Pandemie stehen Arbeitgeber vor der Herausforderung, Arbeitnehmer bei ihrer mentalen Gesundheit zu stärken. Auch präventive Maßnahmen sind wegen der steigenden Arbeitsstunden gefragt. Der demografische Wandel deutet darauf hin, dass wir nicht weniger, sondern mehr arbeiten werden. Umso wichtiger ist es, die psychische Gesundheit der Belegschaft zu priorisieren. Einige Unternehmen tun dies bereits mit der Hilfe eines betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM), welches sich aus den Säulen

  • Arbeits- und Gesundheitsschutz,
  • betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) und
  • betriebliches Eingliederungsmanagement § 167 (2)

zusammensetzt.

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Eine ausgeklügelte Gesundheitsstrategie hat gleich mehrere Vorteile:

1. Vermeidung/Prävention von (psychischen) Erkrankungen:

Immer häufiger fehlen Mitarbeiter aufgrund von mentaler Überlastung. Die Erarbeitung konkreter Maßnahmen zur Gesundheitsprävention kann dazu beitragen, Fehltage von Arbeitnehmern zu reduzieren und Erfolge sowie Misserfolge in Bezug auf die Wirkung von Gesundheitsangeboten messbar zu machen. Langfristig sollen auf diese Weise das Risiko für psychische Erkrankungen, die im Zusammenhang mit Arbeitsbedingungen und -umfeld stehen, reduziert und im Idealfall vermieden werden.

2. Motivation der Mitarbeiter im Unternehmen

Arbeitnehmer, die sich auf gesundheitsfördernde Strukturen im Arbeitsumfeld verlassen können und wissen, dass sie wegen ihres Jobs nicht ausbrennen, sind mit hoher Wahrscheinlichkeit motiviere Arbeitnehmer. Denn unsere mentalen und physischen Ressourcen sind die Basis für produktives, ausgeglichenes Arbeiten – auch und besonders während langer Arbeitswochen. Immer mehr Beschäftigte sehnen sich deshalb nach einem modernen, gesunden Arbeitsplatz mit einer guten Work-Life-Balance, Flexibilität und Wertschätzung – denn das alles trägt zu einer gesunden Psyche bei und sollte Teil des Gesundheitskonzeptes eines jeden Unternehmens sein.

3. Höhere Attraktivität für Arbeitnehmer in Zeiten des Personal- und Fachkräftemangels

Im Kampf um Fachkräfte und Personal punkten Unternehmen ebenfalls, wenn sie die Gesundheit von ihren Arbeitnehmern priorisieren und ihre Arbeitgebermarke dadurch stärken. Ein cleveres betriebliches Gesundheitsmanagement, welches die Zufriedenheit und eine gute Gesundheit von Mitarbeiter zur Folge hat, trägt wesentlich zum Image eines Arbeitgebers bei. Im War for Talents haben deshalb die Unternehmen einen Vorteil, welche die wichtigste Ressource ihres Erfolges, nämlich ihre Mitarbeiter, nicht verkommen lassen. Angesichts der Tatsache, dass Fehltage wegen psychischer Erkrankungen zunehmen, sind gesunde Rahmenbedingungen eines der wichtigsten Argumente für potenzielle Arbeitnehmer, um sich bei einem Arbeitgeber zu bewerben.

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Kleinigkeiten, die einen großen Unterschied für Arbeitnehmer machen

Geht es um die mentale Gesundheit von Arbeitnehmern, gilt es, das allgemeine Wohlbefinden zu steigern, Arbeitsüberlastungen zu verhindern und die Bedürfnisse von Beschäftigten zu berücksichtigen. Vermeintlich kleine Sachen machen die größten Unterschiede, die Arbeitgeber und Führungskräfte nicht unterschätzen sollten:

1. Moderne Arbeitsumgebung

Eine moderne Ausstattung ist das Minimum und hat Auswirkungen auf unsere Psyche: Moderne Arbeitsplätze, die ergonomisch und sicher ausgestattet sind, helle, saubere Büroräume, Rückzugsmöglichkeiten für Pausen und Erholung – das alles kann den Unterschied machen. Zum Vergleich: Wer sich mit veralteter Technik herumschlagen muss oder wegen der antiken Büroausstattung mit Rückenschmerzen zu kämpfen hat, kommt nicht gerne zu Arbeit. Denn der Stresspegel steigt an und verhindern, produktiv zu arbeiten – und so bleiben gleichzeitig Erfolgserlebnisse auf der Strecke.

2. Wertschätzender Ton

Einsamkeit, Stress und Ängsten, die während der Pandemie angestiegen sind, kann mit einem wertschätzenden Miteinander entgegengewirkt werden. Gerade in Zeiten des Remote Works arbeiten Beschäftigte zunehmend ohne persönlichen Kontakt. Umso bedeutender sind zwischenmenschliche Gesten, die von Führungskräften und Kollegen ausgehen. Alle Maßnahmen, die zum Wir-Gefühl beitragen und ein Gefühl von Zugehörigkeit schaffen, eignen sich, um zur Stärkung der mentalen Gesundheit von Arbeitnehmern beizutragen.

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3. Gesunde Pausenkultur

Bis heute ist in vielen Unternehmen zu beobachten, dass Pausen hektisch, kurz und unbedacht erfolgen. Mit Erholung hat das wenig zu tun. Gerade in turbulenten Zeiten, während derer viel Personal fehlt, müssen Arbeitnehmer die Lücken füllen, die sich wegen des Defizits auftun. Deshalb ist eine starke Pausenkultur wichtig – denn andernfalls brennen Beschäftigte immer mehr aus und Ängste, die mit dem Leistungsdruck zusammenhängen, wachsen.

Eine gesunde Pausenkultur trägt dazu bei, dass Mitarbeiter

  • sich produktiver fühlen,
  • erholter sind,
  • seltener fehlen und
  • über weniger körperliche Begleiterscheinungen (zum Beispiel Kopfschmerzen) klagen.

Was passiert, wenn sich nichts ändert?

Dass das Arbeitsjahr 2023 für Arbeitnehmer aufgrund der vielen Veränderungen nicht einfach wird, ist abzusehen. Werden Gesundheitsbedürfnisse weiter vernachlässigt, ist es lediglich eine Frage der Zeit, bis langfristig nur die Unternehmen profitieren, die sich den neuen Anforderungen und Bedürfnissen von Beschäftigten anpassen. Für Arbeitgeber gilt deshalb: Es wird dringend Zeit, etwas zu verändern.

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Bildnachweis: Foto von engin akyurt/Unsplash