Ein neuer Job, Tatendrang und große Erwartungen – doch am ersten Tag folgt schon die Ernüchterung. Eine interessante Untersuchung des HR-Dienstleisters Paychex unter 1.002 Beschäftigten zeigt: Wer beim Onboarding patzt, verliert seine Talente, bevor sie richtig Fuß fassen. Auch wenn die Daten aus den USA stammen, sollten deutsche Arbeitgeber genau hinschauen – denn die Fehlerquellen sind universell.

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Der erste Eindruck lässt sich nicht revidieren. Was beim Dating über das zweite Treffen entscheidet, gilt im Berufsleben erst recht. Doch während Unternehmen Unsummen in das Recruiting stecken, wird die eigentliche Einarbeitung eher stiefmütterlich behandelt. Nur jeder Zweite ist mit seinem Onboarding zufrieden. Der Rest fühlt sich zwischen unstrukturierten Abläufen und teils blanker Verwirrung regelrecht im Stich gelassen.

Der Denkfehler nach der Unterschrift

Unternehmen investieren heute viel Zeit und Geld in das Recruiting, um endlich den passenden Mitarbeiter für eine Position zu gewinnen, erklärt Karriereexpertin Anne Borrmann.

„Doch kaum ist der Arbeitsvertrag unterschrieben, tappen viele Arbeitgeber in die Effizienz-Falle: Um die bereits entstandenen Recruiting-Kosten schleunigst wieder einzuspielen, soll der neue Arbeitnehmer sofort „funktionieren“. Das Onboarding wird dann auf eine rein technische Einweisung reduziert, um den Mitarbeiter so schnell wie möglich produktiv zu sehen.

Doch genau dieser Fokus auf den schnellen Output gefährdet die Bindung massiv. Frau Borrmann warnt:

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„Ein Mitarbeiter, der in den ersten Wochen nur als Arbeitskraft und nicht als Mensch im Team ankommen darf, fühlt sich austauschbar. Wer die emotionale Einarbeitung zugunsten der schnellen Kennzahlen opfert, provoziert genau jenen Frust, der 52 % der Neulinge schon am ersten Tag an den Absprung denken lässt.“

Orientierungslose Homeoffice-Generation

Besonders kritisch ist die Lage für Remote-Mitarbeiter. Während im Büro der kurze Zuruf über den Schreibtisch manche Wissenslücke schließt, sind Angestellte im Homeoffice von wichtigen Informationswegen teils abgeschnitten. Der Austausch zwischen Tür und Angel entfällt digital fast vollständig.

Laut Studie fühlen sich 63 % der Remote-Beschäftigten unzureichend geschult und hängen informationstechnisch mehr oder weniger in der Luft. Das hat natürlich Konsequenzen für die Bindung: Wer aus dem Homeoffice in den neuen Job startet, kehrt dem Arbeitgeber mit einer um 117 % höheren Wahrscheinlichkeit bald wieder den Rücken als die Kollegen im Büro. Das ist kein Beleg gegen das Homeoffice an sich, zeigt aber: Digitales Onboarding braucht eine völlig andere Struktur als der klassische Betriebsrundgang mit einem Kaffee.

Kleine Unternehmen, große Defizite

Während Konzerne oft auf standardisierte Prozesse setzen, regiert in kleinen Betrieben häufig das Prinzip „Learning by Doing“. Doch dieses ins kalte Wasser werfen hat seinen Preis: 66 % der Angestellten in kleinen Unternehmen fühlen sich unzureichend auf ihre neue Stelle vorbereitet. Ohne klare Leitplanken spielen diese Mitarbeiter deutlich häufiger (59 %) mit dem Gedanken, das Unternehmen zeitnah wieder zu verlassen. Hier zeigt sich: Ein gut strukturierter Onboarding-Prozess ist goldwert – vorausgesetzt, er wird ständig hinterfragt und an neue Gegebenheiten angepasst.

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Warum die ersten Wochen über Gehen oder Bleiben entscheiden

Wer neue Mitarbeiter während der Einarbeitung im Regen stehen lässt, provoziert die Kündigung fast schon mit Ansage. Denn die Loyalität der Neulinge hängt massiv an der Qualität dieser ersten Phase – eine Erkenntnis, die die Paychex-Studie mit deutlichen Zahlen untermauert:

  • Mangelhafte Einarbeitung: Satte 80 % der Betroffenen planen bereits ihren Absprung.
  • Gute Einarbeitung: Hier denken lediglich 7 % über eine Abwanderung nach.

Die Drei-Säulen-Strategie für ein erfolgreiches Onboarding

Um diese negativen Trends zu stoppen, sollten Unternehmen – egal welcher Größe – auf drei wesentliche Bausteine setzen:

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  1. Struktur statt Zufall: Klare 30/60/90-Tage-Ziele definieren und regelmäßige Feedback-Gespräche fest im Kalender verankern.
  2. Der menschliche Anker: Ein fester Onboarding-Buddy nimmt den Neuling an die Hand – das ist besonders für Remote-Starts überlebenswichtig.
  3. Prozess-Sicherheit: Standardisierte Checklisten nutzen, statt sich auf „Learning by Doing“ zu verlassen.

In eigener Sache: Schluss mit teurer Fluktuation! Jede Kündigung in der Anfangsphase kostet bares Geld – im Schnitt schlägt ein verlorener Mitarbeiter mit 43.000 € zu Buche. Der Onboarding-Guide von Karriereexpertin Anne Borrmann bietet auf 133 Seiten einen glasklaren Fahrplan für die ersten 21 Wochen, inklusive fertiger Checklisten und Vorlagen. So lässt sich schon beim Einstieg ein Arbeitsumfeld schaffen, das Mitarbeiter langfristig begeistert und teure Fehlbesetzungen verhindert. Jetzt OnboardingGuide sichern!

Die Generationen-Frage: Individuelle Bedürfnisse statt Standardprogramm

Ein genauer Blick auf die Altersgruppen offenbart spannende Unterschiede: Angehörige der Generation Z sind mit 62 % am zufriedensten mit ihrer Einarbeitung. Im krassen Gegensatz dazu steht die Generation X, bei der nur 43 % mit dem Start im neuen Job glücklich sind. Personalabteilungen sollten diese Unterschiede bei der Einarbeitung unbedingt berücksichtigen. Es reicht natürlich nicht, ein Standard-Onboarding-Programm für alle Generationen abzuspulen. Vielmehr müssen sich Unternehmen Gedanken darüber machen, wie sie Menschen in ihren unterschiedlichen Lebensphasen und Generationen gezielt abholen und ihnen die passende Unterstützung am Arbeitsplatz bieten.

Lese-Tipp: Lebensphasenorientierte Personalpolitik: Warum Arbeitgeber umdenken müssen

Rettung durch Re-Onboarding?

Was tun, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist? Die Studie schlägt ein „Re-Onboarding“ vor. Dabei durchlaufen auch erfahrene Kräfte den Prozess erneut. Das Ergebnis: Die Motivation steigt bei 42 % der Beteiligten, die Mitarbeiterbindung verbessert sich um 43 %. Re-Onboarding bietet Teams somit eine neue Chance, sich wieder auf eine gemeinsame Basis zu besinnen – auf gemeinsame Werte, Ziele und eine klare Mission.

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Merke: Wer die Einarbeitung vermasselt, verbrennt nicht nur 43.000 Euro pro Kopf, sondern auch seinen Ruf als Arbeitgeber und damit zuküftige Bewerber.

Redaktioneller Hinweis zur Studie: Die zugrunde liegenden Daten stammen aus einer Erhebung des US-HR-Dienstleisters Paychex unter 1.002 Erwerbstätigen (Oktober 2022). Während die kulturellen Rahmenbedingungen in den USA variieren, zeigen deutsche Untersuchungen ähnliche Tendenzen bei der Bedeutung der frühen Mitarbeiterbindung.

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