Heute gibt es immer weniger geradlinige Berufslaufbahnen und es müssen zum Teil erhebliche Umwege für die eigene Karriere in Kauf genommen werden (z. B. häufige Positions- oder Branchenwechsel). Realistische Karriereziele im Berufsleben sind deshalb von großer Bedeutung, um langfristig motiviert und engagiert zu bleiben und auf unvorhergesehene Hindernisse und Rückschläge flexibel reagieren zu können.

Wie können realistische Karriereziele gesetzt werden?

Eine Herangehensweise zur realistischen Zielformulierung ist das „SMART-Prinzip“; danach sollten beruflichen Ziele vor allem

• möglichst spezifisch (S) definiert und in motivierende Etappenziele untergliedert werden,
• messbar (M) sein, damit das Erreichen der (Teil-)Ziele auch qualitativ und / oder quantitativ überprüft werden kann,
• sich an konkreten Aktionsmöglichkeiten (A) orientieren,
• realistisch (R), d.h. aus eigener Kraft möglich sein,
• und zu einem festgelegten Termin (T) erreicht werden können.

Ein Beispiel:

Frau X arbeitet seit einigen Jahren in ihrer Abteilung und erfährt nun, dass in einer anderen Abteilung im nächsten Jahr eine besser dotierte und interessantere Stelle neu besetzt wird. Sie möchte sich gerne für diese Stelle bewerben, allerdings fehlen ihr dazu wichtige EDV-Kompetenzen. Aus diesem Grund macht sie sich auf die Suche und findet in einem Prospekt von Weiterbildungseinrichtung XY, dass dort nächsten Monat ein entsprechender Kurs angeboten wird. Da die Weiterbildung nicht zu teuer ist und Frau X nach Feierabend neben der Familie noch genügend Zeit hat, wäre in diesem Fall ein realistisches Teilziel: „In zwei Monaten habe ich mir durch den EDV-Kurs die Kompetenzen angeeignet, die ich brauche, um mich für die Stelle bewerben zu können.“

Vorteile realistischer Karriereplanung

Beim Aufstellen realistischer Karriereziele sollten vor allem die eigenen Fähigkeiten und Interessen, aber auch die individuellen Rahmenbedingungen berücksichtigt werden (z. B. Partner und Familie, berufliche Beziehungen, Arbeitsmarktbedingungen, Aufstiegsmöglichkeiten im derzeitigen Betrieb). Damit kann vermieden werden, dass Erfolgserlebnisse ausbleiben und / oder Konflikte mit dem Umfeld entstehen. Eine grundlegende Voraussetzung dafür ist allerdings eine sorgfältige Information, um die Vor- und Nachteile verschiedener Alternativen gegeneinander abwiegen zu können (z. B. mehr Verantwortung im Beruf vs. weniger Freizeit).

Zudem ist es wichtig, sich wie im obigen Beispiel nicht nur grobe Ziele zu stecken (z. B. sicherer Job, hohes Einkommen, interessante Tätigkeiten, Selbstverwirklichung, Prestige), sondern auch realistische Teilziele festzulegen. „Meilensteine“ für die nächsten ein bis drei Jahre zu setzen und Schritt für Schritt vorzugehen (z. B. Abschlussprüfung bestehen, nach der Ausbildung im Beruf Fuß fassen, Übernahme eines eigenen Projekts) ist meist besser, als gleich den Traumjob oder die große Karriere anzupeilen. Denn wer sich zu hohe und unrealistische Karriereziele steckt, setzt sich nur selbst unter Erfolgsdruck, der langfristig demotivierend und lähmend wirkt. Auch können auf dem Weg zu weit entfernten Zielen immer unvorhersehbare Umstände eintreten (z. B. familiäre Veränderungen, Krankheiten, verschlechterte Arbeitsbedingungen in der Branche), die die gewünschten Erfolge verhindern. Die eigenen Zielsetzungen in punkto Karriere sollten deshalb regelmäßig daraufhin überprüft werden, ob sie überhaupt noch erstrebenswert sind.

Fazit

Realistische Karriereziele fördern sowohl die Motivation als auch die Leistungsfähigkeit, weil der Betreffende dann weiß, warum er etwas tut und sich berechtigte Hoffnung auf Erfolg machen kann. Personen, die dagegen die eigenen Erfolgschancen zu hoch einschätzen, werden mit der Zeit das Gefühl bekommen, beruflich auf der Stelle zu treten, oder frustriert sein, weil die gesteckten Ziele nicht erreichen werden können.

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