Hobbys und Bewerbungsbilder werden überbewertet, niedrige Gehaltsvorstellungen erhöhen die Chance auf eine Jobzusage. Wahr oder falsch? Wir haben Bewerbungsmythen auf den Prüfstand gestellt.

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Mythos Nr. 1: Bewerbungsbilder beeinflussen die Erfolgschancen

Erhöht oder beeinflusst ein Bewerbungsfoto die Chancen auf eine Jobzusage – oder steht es uns sogar im Weg? 

Bewerbern mit einem attraktiveren Aussehen werden häufiger Kompetenzen zugesprochen, die für eine Stelle notwendig sind, als Bewerbern, die objektiv weniger attraktiv erscheinen. Ob die Personen die Kompetenzen tatsächlich besitzen, ist unklar. Geht man jedoch von diesen Ergebnissen aus, bekommen attraktiv wirkende Menschen eher eine Einladung zum Gespräch.

Das heißt: Laut des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) dürfen persönliche Merkmale wie Herkunft, Religion, Weltanschauung, Geschlecht, Alter, Behinderung oder sexuelle Identität keine Rolle bei der Jobeinstellung spielen.

Mythos Nr. 2: Wer sich elegant kleidet, kommt besser an

Auch hier sind wir wieder beim Thema der optischen Erscheinung. Schließlich zählt der erste Eindruck. Gesicht und Kleidung gehören unter anderem zu den Faktoren, die Einfluss auf den ersten Eindruck nehmen. Innerhalb von wenigen Sekunden würde der Mensch demnach sagen können, ob das Gegenüber zum Beispiel vertrauenswürdig wirkt.

Wenn du dich für einen hochwertigen, eleganten Look entscheidest, um deinen potenziellen Arbeitgeber bei der ersten Begegnung zu beeindrucken, ist es grundsätzlich die richtige Strategie. Aber: Es kommt auch auf Branche und Betrieb an. Viele Start-up-Unternehmen setzen beispielsweise auf locker-legere Kleidung. Handwerker kleiden sich anders als Banker – und bei ersteren könnte ein „protziges“ Outfit fehl am Platz sein. Du siehst also, dass der Mythos eben nur eine Halbwahrheit ist.

Lese-Tipp: Ein lässiger Look macht noch keinen Steve Jobs aus

Mythos Nr. 3: Nur wer dem Anforderungsprofil entspricht, sollte sich bewerben

Lohnt sich eine Bewerbung, wenn du dem Anforderungsprofil eines Unternehmens nicht zu 100 Prozent entsprichst? Ein bekannter Mythos ist, dass die meisten Menschen in solchen Fällen keine Chance hätten.

Wer auch nur 70 Prozent der geforderten Skills mitbringt, sollte sich um eine Stelle bewerben. Dies gelte als Faustregel unter den Personalern. Schließlich sind wir alle in der Lage, dazuzulernen – und das müssen wir auch, wenn wir eine neue Stelle antreten. Wenn die Basics stimmen, stehen die Jobchancen demnach gut.

Das bedeutet: Dieser Mythos ist tatsächlich ein Märchen. Denn auch Unternehmen möchten sich von ihrer besten Seite zeigen und deutlich machen, dass sie viel vorhaben. Lasse dich von den Anforderungen auf den ersten Blick nicht abschrecken.

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Mythos Nr. 4: Offline-Bewerbungen gehören der Vergangenheit an

Online-Bewerbungen sind heute eher die Regel, Bewerbungsmappen die Ausnahme. Doch ganz ausgestorben ist die klassische Mappe nicht. Gerade bei kleineren, lokalen Arbeitgebern – etwa im Handwerk oder teilweise im Einzelhandel – kann sich der persönliche Weg noch lohnen. Wer spontan vorbeischaut und seine Bewerbungsunterlagen direkt abgibt, punktet mit Eigeninitiative.

Dennoch: Die digitale Bewerbung ist längst zum Standard geworden. Eine aktuelle Bitkom-Umfrage zeigt, dass praktisch alle Unternehmen (100 Prozent) die digitale Einreichung von Bewerbungsunterlagen ermöglichen. 88 Prozent speichern die Daten in einem Bewerberpool für spätere Auswahlprozesse. Rund zwei Drittel (63 Prozent) setzen auf Bewerbungsgespräche per Videokonferenz, 47 Prozent führen Online-Tests oder digitale Assessment-Center durch. 13 Prozent bieten digitales Probearbeiten an, und bei jedem vierten Unternehmen (25 Prozent) lässt sich der Arbeitsvertrag digital unterschreiben. Fazit: Die Bewerbungsmappe lebt noch, aber der Klick dominiert.

Mythos Nr. 5: Hobbys gehören nicht in die Bewerbung

Freizeitaktivitäten sind eigentlich Privatsache. Eigentlich. Wenn sie der Stelle dienlich sind, spricht nichts dagegen, sie in die Bewerbung zu integrieren. Beschäftigst du dich zum Beispiel intensiv mit Social Media und bewirbst du dich für ein Unternehmen, welches Kompetenzen in dem Bereich schätzt, ist dein Hobby sogar äußerst wichtig. Und für deinen künftigen Arbeitgeber nicht mehr bloße Freizeitaktivität, sondern Skill.

Achtung: Überlade deine Bewerbung nicht mit Hobbys, die du nicht hast. Denn du musst davon ausgehen, dass der eine oder andere Personaler dich dazu befragen könnte. Um nicht blöd aus der Wäsche zu gucken, sollten wir deshalb lieber bei der Wahrheit bleiben und ganz darauf verzichten, Freizeitaktivitäten in einer Bewerbung anzugeben, die nicht existieren.

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Mythos Nr. 6: Offene Stellen werden oft nur intern besetzt

Wer kennt es nicht: Du bewirbst dich für eine Stelle. Langsam tut sich jedoch der Verdacht auf, dass es eine sogenannte „Pro-forma-Ausschreibung“ ist. Das sind Stellen, die im Grunde schon intern besetzt sind. Aus gesetzlichen Gründen muss die Stellenausschreibung dennoch erfolgen. Oft verstaubt die Bewerbung im E-Mail-Postfach, denn es kommt nur selten eine Rückmeldung.

Die gute Nachricht: Interne Stellenbesetzungen sind keine Seltenheit, aber auch nicht immer die Lösung für Unternehmen. Verzweifle deshalb nicht, wenn einige potenzielle Arbeitgeber nicht sofort reagieren. Externe Personalbeschaffung hat für Firmen vor allem den Vorteil, dass die Auswahl an Bewerbern größer ist und mehr frische Ideen und Perspektiven ins Unternehmen kommen. Und genau aus diesem und weiteren Gründen gibt es sie: Recruiter, die sich um frischen Wind kümmern.

Mythos Nr. 7: Wer viele Bewerbungen verschickt, hat bessere Chancen

Nicht unbedingt. Klar: Aus mathematischer Sicht erhöhst du die Chancen auf eine Zusage. Was aber nützt es, Bewerbungen en masse zu verschicken, um die du dich qualitativ nicht kümmern konntest, weil es dir auf die Quantität ankam? Genau hier liegt das Problem.

Wer haufenweise Bewerbungen abschickt, muss mit inhaltlichen Abstrichen rechnen. Copy-and-paste kann unser größter Helfer sein, uns unsere Tour aber auch vermasseln. Recruiter kennen sich nämlich mit standardisierten Floskeln bestens aus. Setzte lieber auf hochwertige, fehlerfreie und vor allem besondere Inhalte, auch wenn du weniger Bewerbungen versendest.

Mythos Nr. 8: Lücken im Lebenslauf sind ein K.O.-Kriterium

Überwiegend falsch. Wer heute noch glaubt, dass nur ein makelloser Lebenslauf zählt, hat den Wandel auf dem Arbeitsmarkt verschlafen. Eine aktuelle Studie von LiveCareer, basierend auf 1,8 Millionen Lebensläufen aus den Jahren 2022 bis 2025, zeigt: Career Gaps sind längst kein Makel mehr, sondern weitverbreitet.

2025 wiesen 30 Prozent der deutschen Lebensläufe eine Lücke von zwölf Monaten oder mehr auf – ein Anstieg um satte acht Prozentpunkte seit 2022. Auch Lücken von sechs Monaten nahmen deutlich zu, während nur noch 46 Prozent der Bewerber eine lückenlose Vita vorweisen konnten. Der Grund: Die Folgen der Pandemie, wirtschaftliche Unsicherheit und hohe Jobwechselraten prägen die Erwerbsbiografien bis heute.

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Für Bewerber heißt das: Die Lücke muss kein Tabu sein. Besser, du gehst offen damit um – und betonst, was du in der Zeit gelernt, getan oder bewusst entschieden hast. Für Arbeitgeber wiederum gilt: Wer weiterhin an lückenlosen Lebensläufen festhält, verliert womöglich wertvolle Talente. Skills zählen – nicht der nahtlose Lebenslauf.

Mythos Nr. 9: Niedrige Gehaltsvorstellungen erhöhen die Chance, eine Stelle zu bekommen

Unternehmen möchten nicht nur gucken, ob deine finanziellen Vorstellungen zu ihrem Budget passen. Sondern auch, ob du deinen Wert kennst. Deshalb ist der Mythos, dass niedrige Gehaltsvorstellungen die Jobchancen erhöhen, nicht unbedingt wahr.

Wer sich deutlich unter seinem eigenen Wert verkaufen möchte, nur um eine Jobzusage zu erhalten, pokert unsicher. So wirkst du nicht selbstbewusst, sondern verzweifelt. Gerade wegen des Fachkräftemangels in einigen Branchen, die dringend nach neuen Talenten suchen, solltest du deinen Marktwert kennen.

Lese-Tipp: Gehaltsfrage im Vorstellungsgespräch – Was Bewerber antworten sollten

Mythos Nr. 10: Wer online nicht sichtbar ist, ist für Recruiter unsichtbar

Jein. Als Teil des sogenannten Active-Sourcing-Konzepts setzen immer mehr Unternehmen darauf, über Online-Kanäle direkt mit potenziellen Bewerber:innen in Kontakt zu treten. Das heißt: Nicht du gehst auf den Job zu, sondern der Job auf dich. Schlechtere Chancen hast du aber nicht automatisch, wenn du online nicht präsent bist – zumindest nicht, wenn die Unternehmen, für die du dich interessierst, klassisch rekrutieren. Auch hier kommt es stark auf Job und Branche an.

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Dennoch: Es hilft, den Lebenslauf auf Plattformen wie Xing oder LinkedIn aktuell zu halten. Denn wer dort mit einem gepflegten Profil auftritt, wirkt professionell – und wird schneller gefunden. Das gilt übrigens auch für private Social-Media-Kanäle. Wer über den Namen stolpert, landet oft schnell auf Instagram, Facebook oder TikTok. Dort müssen keine Bewerbungsfotos warten – aber ein paar wüste Partybilder im offenen Profil können schon den ersten Eindruck trüben. Auch privat darf’s gerne souverän wirken.

Fazit: Wer online sichtbar ist, macht sich auffindbar – und wer dabei noch einen guten Eindruck hinterlässt, sammelt zumindest Pluspunkte.

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