Steve Jobs steht für Apple, für Design, Innovation, Erfolg und wir kennen ihn mit Jeans, einem schwarzen Rollkragenpullover und Sneakers. Dieter Zetsche hatte das Outfit adaptiert. Steht es generell für Erfolg?

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Ein paar kurze Worte zur Aufklärung: Jobs Haltung zu seinem Outfit, das durchaus je nach Anlass die Variante eines Sakkos mit weißem Hemd und Fliege aufwies, war, dass er keine Zeit auf Dinge verschwenden wollte, die aus seiner Sicht unwichtig waren. Sein Credo war Minimalismus. Seine lässigen Outfits wurden zum Teil von Japanischen Top-Designern für ihn angefertigt. Er wollte sogar sein Team in ein Einheits-Outfit, also eine Art Apple-Uniform stecken, was sie allerdings unter Protest ablehnten. Warum erzähle ich das? Jobs, der Designer, Visionär, Entrepreneur spiegelte seine Philosophie und seine innere Haltung in seinem äußeren Erscheinungsbild und seiner Marke. Dieser inneren Haltung wollen wir uns ein wenig nähern.

Eigen Werte und innere Haltung

Unsere Werte bestimmen unsere innere Haltung und die wiederum findet Ausdruck in unserem äußeren Erscheinungsbild. Unsere non-verbale Kommunikation spiegelt dies. Da wir dabei sind, den klassischen Businesslook abzuschaffen, kommen wir nicht umhin, uns um so mehr Fragen zu stellen was wir wem kommunizieren wollen. Und das fängt schon morgens vor dem Kleiderschrank an:

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  • „Welche Termine stehen heute an?
  • Auf wen treffe ich wo? Hier ist ebenfalls die Online-Begegnung eingeschlossen.
  • Welche Erwartungshaltung sollte ich im Sinne eines erfolgreichen Geschäftes/meiner Karriere bedienen?
  • Was sind meine eigenen Werte und wofür stehe ich?
  • Was sind die Werte des Unternehmens?“ – Idealerweise sind diese deckungsgleich.

Es gilt daraus die Schnittmenge zu bilden und die entsprechende Kleidung zu wählen. Es ist gut möglich, dass im Laufe des Tages bis hin zu einer Abendveranstaltung gewechselt werden sollte: mit und ohne Krawatte, von Turnschuhen über braune hin zu schwarzen Schuhen, von der Chino zu einem Anzug, vom Polohemd zum frischen, langärmeligen Businesshemd. Analog die Damen mit verschiedenen Oberteilen, Schuhen und Accessoires.

Es ist sinnvoll, sich genau zu überlegen, welches Outfit gewählt wird. Nicht alles was lässig und ungezwungen ist, ist automatisch cool, positiv und erhält Anerkennung. Lässigkeit kann auch geringschätzend, unfreundlich, respektlos, ignorant wirken und damit die Beziehung zu ChefInnen, GeschäftspartnerInnen, KundInnen bis hin zu KollegInnen aus einer anderen Generation erschweren, bzw. deutlich behindern. Es kann Karrieren beeinträchtigen, sogar vereiteln.

Woher kommt ein branchenspezifischer Dresscode?

Berufsbekleidung ermöglicht schon im Altertum beispielsweise in Gaststätten die Unterscheidung zwischen KellnerIn und Gast, wie sie auch den/die Bahnangestellte/n als AnsprechpartnerIn ausweist oder einen Militärangehörige durch seine Uniform.

Die Kleiderordnungen richtete sich nach dem sozialen Status, Elemente der Kleidung signalisierten eine rollenspezifische Zugehörigkeit und Zuordnung zu einer oder mehreren Gruppen.

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Dresscodes, bzw. Uniformen halfen uns also, Berufsstände (Bahnangestellte, Ärzte, Hotel- und Gastro-Angestellte, FabrikarbeiterInnen etc.) zu erkennen und sie in ihrer Funktion einzuordnen. Es erleichterte das Leben gleich erkennen zu können, mit wem man über welche Situation oder welchen Wunsch sprechen konnte. Vieles von dem, was einst gang und gäbe war und wofür auch Knigge stand, diente dazu, unser Leben und unseren Umgang miteinander einfacher und erkennbarer zu machen. Diese Leitplanken – wie ich sie nenne – schaffen wir nun ab, was dazu führt, dass es unumgänglich ist, wachsam und achtsam mit uns und unsere Mitmenschen umzugehen. Die Gefahr, in den Fettnapf zu treten ist immens gestiegen.

Wir können nicht nicht kommunizieren

Kommen wir also zurück zu Steve Jobs und unserer non-verbalen Kommunikation:

Die Frage lautet: Was wollen Sie mit Ihrem äußeren Erscheinungsbild kommunizieren? Denn wir wissen ja seit Paul Watzlawick: Wir können nicht nicht kommunizieren, also kommunizieren wir immer. Was ist das Signal, dass Sie aussenden, wenn Sie im Look von Jobs auftauchen? „Ich bin so cool, lässig und erfolgreich wie er?“ Oder signalisieren Sie dem einen oder anderen, dass Ihnen der Termin nicht wichtig, es für Sie unbedeutend ist, was Ihre GesprächspartnerInnen/KundInnen/ChefInnen von Ihnen halten? Ihre Individualität und Bequemlichkeit gehen vor? Stehen diese über allem? Es wäre ein fataler Trugschluss zu glauben, dass Auftritt und Erscheinungsbild irrelevant sind und nur die Fachkompetenz zählt.

Wenn es Ihnen also nicht egal ist wie Sie wahrgenommen werden, dann stellen sich die morgendliche Frage vor dem Kleiderschrank:

  • „Was möchte ich signalisieren und kommunizieren?
  • Was sind meine Werte, welche Position und Kompetenzen repräsentiere ich?
  • Wie möchte ich wahrgenommen werden?“

All diese Fragen blieben uns in früheren Zeiten erspart. Der Dresscode war meistens vorgegeben oder folgte einer unausgesprochenen Erwartungshaltung.

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Kleidung fördert abstraktes Denken

Bei aller morgendlicher Abwägung kommt ein weiterer interessanter Aspekt hinzu: Wissenschaftler der California State University, Slepian und Kollegen, haben herausgefunden, dass formelle Kleidung ein Gefühl von Macht anderen gegenüber auslöst und so abstraktes Denken fördern kann. Das hat gleich zwei Effekte: Haben Sie einen Durchhänger, dann können Sie Ihre Gedanken besser sortieren und in Schwung bringen, in dem Sie ganz bewusst durch formelle Kleidung in Ihre professionelle Rolle hineinschlüpfen. Sie finden damit leichter Zugang zu Ihrem abstrakten und analytischen Denken. Zum anderen signalisieren Sie mit Ihrem Erscheinungsbild Kompetenz und Standing, womit Sie Ihre aktuelle Verfassung verbergen können. Man wird Ihnen Ihren Durchhänger nicht anmerken.

Schwierig kann es werden, wenn Sie ein lässiges Outfit wählen, gleichzeitig aber Ihre Kompetenz und Ihr Wissen ausspielen wollen. Hier gibt es keine Übereinstimmung zwischen non-verbaler und verbaler Kommunikation. Das kann zum Störfaktor in Gesprächen und Verhandlungen werden und sie sogar torpedieren.

 Beispiel

Sie sind ein Start-up-Unternehmen und benötigen eine/n FinanzberaterIn. Sie haben recherchiert und einen Termin vereinbart. Es ist ein wichtiges Gespräch, denn es geht um Ihr höchstes Gut: Ihre Finanzen. Damit steht und fällt Ihr Unternehmen.

Sie empfangen eine Person in Jeans, Turnschuhen, Polo-Shirt und Jacke. Was denken Sie? Was haben Sie erwartet? Spiegelt dieses Outfit Seriosität, Verlässlichkeit, Vertrauen, Zuverlässigkeit, Kompetenz? Sie haben vermutlich nicht angenommen, eine Person im dunkelblauen (Hosen-)Anzug mit weißem Hemd und Krawatte zu empfangen, jedoch im gleichen Outfit Ihrer Branche?

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Es heißt: Wer gut gekleidet in Erscheinung tritt, gilt per se als kompetent. Nun kann man über den Begriff „gut gekleidet“ diskutieren. Die Aussage beinhaltet jedoch, dass eine eher formell gekleidete Person den Bonus „Kompetenz“ ganz automatisch erhält und somit bereits non-verbal einen ersten entscheidenden Punkt gemacht hat. Expertise und Beratung kommen hinzu. Alles drei führt zum Vertragsabschluss.

Firmenkultur – wer trägt wann was?

Branchen sind vielfältig und so ist auch der Dresscode. Eines bleibt für alle: Ein angemessenes Outfit spiegelt wie eh und je Professionalität im Auftreten nach innen und außen wider und ist ein Zeichen des Respekts vor den Kunden und Geschäftspartnern. Viele Firmen ermöglichen Mitarbeitenden in kundenfreien Bereichen das Tragen von Freizeitkleidung. Zu diesem Look gehören keinesfalls Flip-Flops, geschweige denn barfuß über die Flure zu laufen. Auch die Freizeitkleidung sollte niemals Anlass zum Fremdschämen geben, sollte die Konzernleitung, der/die InhaberIn und/oder ein Gast sich doch einmal unangekündigt in Ihren Trakt oder Ihrem Büro verirren.

Die geschilderten Veränderungen führen zu Unsicherheit bei den Mitarbeitenden und Führungskräften. Veraltete Richtlinien einfach über Bord zu werfen führt zu Verwirrung und Problemen in der Personalabteilung. Einen klaren Dresscode gemeinsam zu vereinbaren, ist eine bessere Herangehensweise, um Zufriedenheit am Arbeitsplatz und eine gesunde Unternehmenskultur zu gewährleisten. Aus meiner Erfahrung kann die gemeinsame Erarbeitung des Dresscodes bis ins kleinste Detail gehen: von der Höhe der Absätze, über die Art der Jeans, über das langärmelige Hemd, das mögliche Tattoos verdeckt, oder auch nicht bis hin zum Bart und der Frisur. Ist dies einmal vereinbart, stehen alle Beteiligten dahinter und können sich frei in dem gesteckten Rahmen bewegen. Die Corporate Identity ist gefunden und fließt in die Unternehmenskultur ein. So ergibt sich für das Unternehmen ein stimmiges Bild und die Mitarbeitenden können ihre morgendliche Zeit vor dem Kleiderschrank verkürzen.

Ein Zitat von Gianne Versace:

„Lass dich nicht nur auf Trends ein. Lass dich nicht von der Mode beherrschen – du entscheidest, wer du bist, und was du durch die Art, wie du dich kleidest, ausdrücken willst.“

 
Britta Balogh mit ihrem Buch "Benimm ist in"
Foto: © David Sonntag

Britta Balogh ist seit über 20 Jahren selbstständig. Als Karrierecoach, Speakerin und Autorin unterstützt sie Führungskräfte, die auf ihrem beruflichen Weg vorankommen wollen. Ihr Label lautet ebenso wie der Titel ihres Ratgebers: „Benimm ist in!“ Darin beschreibt sie, wie Business-Etikette, Kommunikation und Soft Skills die Karriere beflügeln. In ihren Blogbeiträgen untersucht sie die Kommunikation in Unternehmen und gibt Hinweise für Führungskräfte und Personalentwickler. 

Bildnachweis: G-Stock Studio/Shutterstock.com

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