Montagmorgen, 8:50 Uhr. Lisa, 22, sitzt mit dampfendem Kaffee am Laptop, Zoom-Meeting in drei Minuten. Nebenbei scrollt sie durch ein Karriereportal, absichtlich. Kein TikTok, kein Gossip, sondern Gehaltschecks und Jobperspektiven. „Irgendwas mit Impact und Aufstiegschancen, aber bloß nicht 60-Stunden-Wochen“, murmelt sie. In ihrer Spotify-Playlist läuft ein Motivationspodcast über Resilienz und Selbstführung. Der Wille ist da – nur anders als früher.

Anzeige

Faul, verwöhnt, nicht belastbar? Solche Zuschreibungen hören junge Menschen wie Lisa öfter. Doch was, wenn diese Vorurteile schlicht falsch sind? Was, wenn ausgerechnet die Generation Z in Wahrheit mehr Ehrgeiz zeigt, als viele ihr zutrauen? Nur eben nicht auf die klassische Art.

Karriere als Lebensziel – bei den Jüngsten ganz oben

Eine Umfrage von DHBW CAS und Appinio zeigt: 54 Prozent der 16- bis 24-Jährigen nennen „Karriere machen“ als ihr wichtigstes berufliches Ziel. Direkt dahinter: eine gute Work-Life-Balance (53 %). Damit liegen sie klar vor anderen Altersgruppen, was die Bedeutung des beruflichen Aufstiegs angeht.

Wer hätte das gedacht? Ausgerechnet die Generation, die sich angeblich lieber über Sinnfragen beugt als über Karrierepläne, gibt Gas. Und das mit Strategie: Sie wollen Entwicklung, Qualifikation, ein besseres Gehalt. Und ja, sie wollen mehr vom Leben als nur Arbeit.

Wird Ehrgeiz falsch verstanden?

Der Clou: Karriere ist für Gen Z kein Selbstzweck. Sie verstehen Aufstieg nicht als Burnout-Rallye, sondern als Weg zu Selbstverwirklichung, Sicherheit und Gestaltungsmacht. Wer ihnen mangelnde Ambition unterstellt, verkennt das neue Erfolgsmodell: ambitioniert UND achtsam.

Anzeige

Beispiel? Die größten Sorgen der Jüngeren drehen sich um niedrige Löhne (58 %) und mangelnde Balance (50 %) – nicht um zu wenig Freizeit oder den Ausfall der Netflix-Lieblingsserie. Es geht ums finanzielle Auskommen und psychische Gesundheit. Klassische Generation-Faulenzer-Themen? Eher nicht.

Sie wissen, was sie können, aber auch, was sie nicht wollen: endlose Hierarchien, toxisches Leistungsdenken, Arbeitskulturen, in denen „Sich aufreiben“ als Tugend gilt. Ihr Ehrgeiz ist durchdacht, nicht blind.

Lese-Tipp: Was die Jungen fordern, haben wir zu lange ertragen

Warum Unternehmen jetzt liefern müssen

Wer junge Talente gewinnen will, muss als Arbeitgeber umdenken: Sie wollen aufsteigen, aber nicht um jeden Preis. Weiterentwicklung ja, Selbstausbeutung nein. 48 Prozent nennen persönliche, 47 Prozent berufliche Weiterentwicklung als zentrales Ziel. Und: Lebenslanges Lernen ist für 84 Prozent essenziell für ihre persönliche Entwicklung.

Anzeige

Der Arbeitstag

Welche Jobs haben Zukunft? Wo knirscht’s zwischen Boomern und Gen Z? Wie verändern KI und Fachkräftemangel unser Berufsleben? „Der Arbeitstag“ ist der Newsletter mit allem, was die moderne Arbeitswelt bewegt. Klar, kompakt und direkt ins Postfach.


Dabei sind klassische Studiengänge gefragt, aber auch flexible Zertifikatsprogramme. Entscheidend: Arbeitgeber sollen Weiterbildung nicht nur erlauben, sondern aktiv fördern. Wer das ignoriert, verliert die motiviertesten Bewerber an agilere Wettbewerber. Arbeitgeberattraktivität bemisst sich heute nicht mehr an Kickertischen, Obstkörben oder hippen Unternehmensfloskeln, sondern an echten Entwicklungspfaden.

Lese-Tipp: Vom Follower zum Leader: Diese 6 Karrierephasen prägen deinen Aufstieg

Besonders spannend: Auch die Bereitschaft zur Leistung ist da. Nur wollen die Jüngeren für ihre Energie auch entsprechende Wertschätzung, Sinn und finanzielle Perspektive. Das ist keine Frechheit – das ist erwachsen.

Anzeige

Generation Aufbruch statt Rückzug

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Die Jüngsten wollen Karriere. Sie fordern Perspektiven. Sie sehnen sich nach Entwicklung, nicht nach Dienst-nach-Vorschrift. Wer darin einen Widerspruch sieht, hat das neue Berufsbild nicht verstanden.

Und sie treiben den Wunsch nach Wandel voran: hybride Modelle, mehr Autonomie, mehr Sinn. Das ist auch gewissermaßen eine neue Definition von Erfolg. Erfolg ist heute nicht mehr, was man opfert, sondern was man gewinnt.

Die alte Leier vom „früher war mehr Biss“

Es sind oft die Stimmen der älteren Generationen, die jungen Menschen Abstriche bei der „Leistungsbereitschaft“ unterstellen. Doch: Haben Babyboomer mit drei Nebenjobs studiert, weil sie es so wollten? Oder weil sie es mussten? Haben sie 60-Stunden-Wochen gefeiert oder einfach nur den Arbeitstag irgendwie überlebt?

Die heutige Gen Z beobachtet, was Überarbeitung und Dauerstress anrichten. In ihrer Familie. In den Medien. Und sie zieht Schlüsse daraus. Keine Lust auf Karriere? Doch. Nur eben nicht auf den Kollaps, den es früher „On Top“ gab. Sie sind bereit, Leistung zu erbringen. Aber nicht, sich dafür aufzuopfern.

Anzeige
Hinweis in eigener Sache:  Du fühlst dich im Job frustriert und brauchst einen klaren Plan für deinen Neustart? In unserem Guide „Die Exit-Strategie“ erfährst du, wie du deinen Absprung sicher meisterst – von der Kündigung bis zur Jobsuche. Hier geht’s zum Guide!
Anzeige