Glück kann nicht gekauft werden. Diese Meinung ist in unserer Gesellschaft weit verbreitet. Sie dient all jenen Menschen als Trost, die sich Tag für Tag mit einem Minimum an finanziellen Mitteln durchschlagen müssen und sich gerade so ein Dach über dem Kopf sowie ausreichend Lebensmittel für ihre Familie leisten können. Mit Geld wären Sie auch nicht glücklicher. Kommt Ihnen diese Denkweise vor? Wirklichen Trost spendet sie jedenfalls nicht, zumal sie schlichtweg unwahr ist. Eine aktuelle Studie beweist nämlich das Gegenteil: Glück lässt sich durchaus mit Geld kaufen. Alles, was Sie dafür tun müssen, ist, einen simplen Gedankengang zu ändern.

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Geschäftsmann ist glücklich durch sein vieles Geld und springt vor Freude in die Luft
Bildnachweis: iStock.com/Creative-Touch

Inhalt
1. Kein Geld macht nicht glücklich…
2. …aber viel Geld auch nicht? Von wegen!
3. Die „Art und Weise“, wie Sie Geld verdienen, ist nicht unwichtig
4. Sie können sich Glück mit Geld kaufen, indem Sie…
5. Warum sind gerade reiche Menschen so geizig?
6. Eine gute Tat am Tag steigert das subjektive Glücksgefühl
7. Arm oder reich – Mensch bleibt Mensch
8. Was Sie also tun sollten? Ihr Ausgebeverhalten überdenken!
9. Und wie können Arbeitgeber dieses Wissen für sich nutzen?

Kein Geld macht nicht glücklich…

Wenn eine Sache in den Fragen des Geldes sicher ist, dann, dass Armut nicht glücklich macht. Sie sind zwar nicht unbedingt zum Unglücklichsein verdammt, denn auch mit Minimalismus lebt es sich manchmal ganz gut, doch wer ständig unter der Sorge leidet, wie im nächsten Monat ausreichend Essen auf den Tisch kommen soll, wird niemals so unbeschwert leben wie es mit einem gedeckten Bankkonto der Fall wäre. Es sind also vor allem die psychischen Faktoren, welche bei Geldmangel belastend wirken: Angst, Sorge, Unsicherheit. Dass Sicherheit ein Grundbedürfnis des Menschen ist und welche Rolle sie in dessen Leben einnimmt, können Sie in folgendem Artikel nachlesen:

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Das gilt ebenso für finanzielle Belange! Auch, wenn Sie trotz Armut einigermaßen glücklich sind, wären Sie es mit finanzieller Sicherheit noch ein wenig mehr – garantiert. Das bedeutet nicht, dass Sie nach Reichtum oder einem Platz auf der Liste der reichsten Menschen der Welt streben müssen, um glücklich zu sein. Doch Sie sollten zumindest versuchen, finanziell auf einen grünen Zweig zu kommen, um unerwartete Investitionen, Schicksalsschläge wie eine Krankheit beziehungsweise einen Jobverlust oder andere finanzielle Herausforderungen stemmen zu können. Zudem bleiben dann vielleicht am Ende des Monats noch fünf, zehn oder 100 Euro übrig, mit welchen Sie sich „Glück“ kaufen können.

…aber viel Geld auch nicht? Von wegen!

Schon solche kleinen Beträge können dafür völlig ausreichend sein. Wir sprechen hier also nicht von der Villa am Strand oder dem Lamborghini in der Garage. Dennoch ist es laut einer aktuellen Studie möglich, sich Glück tatsächlich mit Geld zu kaufen. Das behauptet jedenfalls Michael Norton in seinem aktuellsten TED Talk.

Michael Norton wurde am 17. April 1975 geboren und schloss im Jahr 2002 sein Studium der Philosophie an der renommierten Princeton University ab. Seit 2005 ist er als Professor an der Harvard Business School tätig und widmet sich in diesem Zuge der Forschung im Bereich Psychologie, Wirtschaft und Finanzen.

Norton möchte also in erster Linie herausfinden, wie die finanzielle Situation sowie der Umgang mit Geld mit dem persönlichen Lebensglück eines Menschen korrelieren. Eine seiner berühmtesten Erkenntnisse ist bis heute im Zuge seiner Forschungen folgende: Geld macht Sie glücklicher, wenn Sie es in Erlebnisse wie einen Urlaub investieren, anstatt in materielle Dinge wie neue Kleidung oder einen Sportwagen.

Lese-Tipp: Geld macht nicht glücklich – Erlebnisse schon!

Geld kann also durchaus glücklich machen, wenn Sie es richtig einzusetzen wissen. Schlussendlich sind es in diesem Fall aber die Erlebnisse, welche das Plus an individuell empfundenem Glück verursachen, nicht das Geld selbst. Er forschte deshalb weiter, um der Frage auf den Grund zu gehen: Macht Geld glücklich oder nicht?

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Die „Art und Weise“, wie Sie Geld verdienen, ist nicht unwichtig

Sie brauchen mehr im Leben als Geld, um glücklich zu sein, das ist klar. Zudem hat die Art und Weise, wie Sie Ihr Geld verdienen, großen Einfluss auf Ihr Verhältnis zu Ihren Finanzen: So zeigten Studien bereits eindeutig, dass Geld kurzfristig glücklich macht, wenn es ehrlich, legal und moralisch einwandfrei verdient wurde. Langfristig sind hingegen andere Faktoren wie die Qualität der sozialen Beziehungen eines Menschen oder dessen Gesundheit ausschlaggebender für das individuelle Lebensglück. Und wurde das Geld unrechtmäßig auf Kosten anderer, sprich unmoralisch, oder illegal generiert, hat es in der Regel nicht einmal eine kurzfristige positive Wirkung auf Ihr Gemüt. Alle weiteren Informationen hierzu finden Sie im Artikel:

Lese-Tipp: Studie beweist: Nur unter einer Voraussetzung macht Geld wirklich glücklich

Sie sehen bereits, dass der Zusammenhang zwischen Geld und Glück komplexer ist, als Sie vielleicht vermutet hätten und als wir es uns wohl alle wünschen würden. Wäre es nicht schön, wenn wir uns mit fünf, zehn oder 100 Euro einen Topf voller Glück kaufen könnten? Andererseits: Was würde das für die ärmeren Bevölkerungsschichten bedeuten? Genau solchen Fragen stellt sich Michael Norton als Philosoph tagtäglich. In diesem Zuge ist er auf eine interessante Theorie gestoßen, welche er mittlerweile durch empirische Studien belegen konnte: Sich Glück zu kaufen, ist indirekt tatsächlich möglich. Aber wie?

Sie können sich Glück mit Geld kaufen, indem Sie…

…es für andere Personen ausgeben, anstatt für sich selbst. Ganz einfach! Um seine Theorie zu überprüfen, untersuchte Michael Norton erst einmal, wofür der Durchschnittsmensch sein Geld ausgibt. Dies ist in erster Linie der Mensch selbst. Er kauft sich ein Auto, etwas zum Trinken, neue Kleidung oder eine Kinokarte. Vielleicht gibt er großzügig manchmal seinen Freunden eine Runde aus oder lädt eine Freundin zum Essen ein – doch das ist meist bereits das Höchste der Gefühle. Das Spannende an der Sache ist: Je mehr Geld ein Mensch hat, umso geiziger ist er in der Regel und umso weniger ist er bereit, dieses für andere Personen auszugeben. Arme Menschen neigen hingegen eher dazu, wenn Sie hin und wieder zu etwas mehr Geld kommen, dieses großzügig an Freunde und Familie zu verteilen – manchmal auch zu großzügig. Es droht nämlich stets die Gefahr, vom sozialen Umfeld ausgenutzt zu werden.

Warum sind gerade reiche Menschen so geizig?

Vor allem reiche Menschen tendieren zu einem großen Misstrauen. Sie gehen davon aus, dass viele ihrer angeblichen Freunde nur auf ihr Geld aus seien – und damit liegen sie nicht immer falsch. Wenn Sie zudem einem Freund Geld leihen, schenken oder Dinge wie ein Essen oder einen Urlaub für ihn bezahlen, wird der Nächste unter Umständen neidisch. Das Geld für andere Personen auszugeben, kann daher zu zahlreichen Konflikten führen. Der einfachere Weg ist es, geizig mit dem eigenen Vermögen zu hantieren. Leider übertreiben es viele wohlsituierte Menschen mit dem Egoismus und werden dadurch auf Dauer einsam – und damit zwangsweise unglücklich.

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Es scheint also nicht der richtige Weg zum Glück zu sein, sein Geld stets für sich selbst – oder überhaupt nicht – auszugeben. Was passiert, wenn Sie es stattdessen für andere Menschen ausgeben? Diese Frage haben sich Michael Norton und sein Team gestellt. Sie gaben also einer Testgruppe von Personen Geld, um dieses bis 17 Uhr des laufenden Tages für einen anderen Menschen auszugeben. Die Kontrollgruppe erhielt denselben Betrag, um diesen bis 17 Uhr des Tages für sich selbst auszugeben, wie es die meisten Personen ohnehin machen würden. Bei diesen Beträgen handelte es sich nicht um große Summen. Es waren stattdessen je fünf oder 20 kanadische Dollar. Was passierte?

Eine gute Tat am Tag steigert das subjektive Glücksgefühl

Nach 17 Uhr riefen die Wissenschaftler die Testpersonen an. Sie fragten diese, wofür sie das Geld ausgegeben hatten und wie sie sich nun fühlten. Die Ergebnisse waren verblüffend eindeutig: Die Testgruppe, welche das Geld für andere Personen ausgegeben hatte, war durchweg glücklicher als die Kontrollgruppe, die das Geld in sich selbst investieren durfte. Es scheint also glücklicher zu machen, einem Fremden einen Kaffee zu schenken, als sich selbst einen bei Starbucks zu holen. Eine immense Wirkung für wenig Geld – wie gesagt, handelte es sich dabei um lediglich fünf beziehungsweise 20 kanadische Dollar. Laut Michael Norton machte es die Probanden also glücklicher,

  • ein Kuscheltier für die Nichte zu kaufen,
  • das Geld einem Obdachlosen zu spenden oder
  • Freunden einen Kaffee auszugeben,

als diesen selbst zu genießen, sich neues Makeup, Kleidung oder Schmuck zu kaufen. Um bei dem Beispiel „Kaffee“ zu bleiben, macht also genau dieselbe Investition zu dem gleichen Betrag deutlich glücklicher, wenn Sie diese für jemand anderen tätigen als für sich selbst. Norton fand zudem heraus, dass der Geldbetrag hinsichtlich des „Glücksbetrages“ irrelevant war, sprich fünf Dollar machten ebenso glücklich wie 20 Dollar – wenn sie eben für eine andere Person ausgegeben wurden. Die Menschen, die das Geld für sich selbst ausgaben, fühlten sich hingegen unverändert. Sie waren weder glücklicher noch unglücklicher als zuvor, egal, ob sie fünf oder 20 Dollar erhalten hatten.

Arm oder reich – Mensch bleibt Mensch

Im Sinne der Repräsentativität der Forschungsergebnisse wollten Michael Norton und sein Team die Studie aber noch in einem weniger wohlsituierten Land durchführen. Die Frage war also: Macht es auch arme Menschen glücklicher, Geld für andere Personen auszugeben, wenn diese selbst ihr Leben lang an Geldmangel leiden? Oder wissen diese es vielleicht mehr zu schätzen und sind dadurch glücklicher, wenn sie es für sich selbst ausgeben? Auch hier lautete das verblüffende Ergebnis der Studie in Uganda: Sogar ein Mensch, der sich selbst kaum Essen kaufen oder Luxus in irgendeiner Form leisten kann, wird durch Geld nur glücklicher, wenn er es für andere Personen als sich selbst ausgibt. Faszinierend, oder?!

Irrelevant war zudem, ob das Geld für einen „unwichtigen“ Zweck wie ein Geschenk für Verwandte ausgegeben wurde oder für einen „überlebenswichtigen“ wie eine Krankenhausbehandlung für ein an Malaria erkranktes Kind. Es scheint also tatsächlich nicht an der konkreten Art und Weise zu liegen, wie Sie Ihr Geld für andere Personen ausgeben. Hauptsache, Sie tun es! Norton weitete daraufhin seine Studie weltweit aus und konnte in allen Ländern eine Korrelation zwischen Glück und Spenden erkennen: Menschen, die kürzlich Geld gespendet hatten, beschrieben sich durchweg subjektiv als glücklicher – mit einer Ausnahme, der Zentralafrikanischen Republik. Doch Sie wissen ja: Keine Regel ohne Ausnahme. Den Ursachen hierfür ist das Forscherteam nicht näher auf den Grund gegangen. Alles in allem scheint das Ergebnis nämlich eindeutig genug: Geld für andere Menschen auszugeben beziehungsweise zu spenden, macht glücklich. Punkt.

Was Sie also tun sollten? Ihr Ausgebeverhalten überdenken!

Wenn Sie fortan glücklicher leben möchten, können Sie sich das also tatsächlich mit Geld kaufen. Alles, was Sie dafür tun müssen, ist, Ihr Geld für andere Personen auszugeben. Das sollten Sie aber natürlich nicht mit Ihrem gesamten Vermögen tun. Nehmen Sie sich stattdessen vor, einen Euro pro Tag, sprich sieben Euro pro Woche – oder wie viel Sie sich leisten können und wollen – für einen anderen Menschen auszugeben. Sie werden sehen: Gutes tun macht glücklicher als jedes materielle Gut, das Sie sich kaufen könnten. Probieren Sie es gerne aus und teilen Sie uns Ihre Erfahrungen mit!

Und wie können Arbeitgeber dieses Wissen für sich nutzen?

Zuletzt wollte Michael Norton auch noch wissen, ob und wie sich dieser Effekt auf der Unternehmensebene einsetzen lässt. Er wandte sich dafür an Verkaufsteams im Außendienst. Auch diesen Teammitgliedern gab er je 15 Euro, die sie entweder für sich selbst oder für einen Kollegen ausgeben sollten. Das erstaunliche Ergebnis: Jene Teams, die ihr Geld für ihre Kollegen oder eine gemeinsame Aktivität ausgaben, waren anschließend im Verkauf erfolgreicher als die „egoistische“ Kontrollgruppe. Als „prosoziale Teams“ bezeichnet Norton die nun leistungsstärkeren Teams, die ihr Geld in das Miteinander investiert haben. Selbige Leistungssteigerung ließ sich bei Völkerballteams beobachten – die es in der Regel ja eher im Hobby- statt im Unternehmensbereich gibt. Es scheint also ein Konzept zu sein, das in jedem beliebigen Team funktioniert. Was Sie als Arbeitgeber oder Führungskraft nun mit dieser Information anfangen möchten, bleibt Ihnen überlassen.

Wir sind jedenfalls auf Ihre Ideen gespannt. Teilen Sie uns diese gerne in den Kommentaren mit oder diskutieren Sie mit uns allgemein zum Thema Glück und Geld. Wir bedanken uns im Voraus!