Es ist eine Frage, welche die Geister scheidet: Macht Geld nun eigentlich glücklich oder nicht? Natürlich variiert der Stellenwert, welcher den Finanzen im Leben eingeräumt wird, individuell je nach Person. Dennoch beschäftigen zahlreiche Studien sich immer wieder mit dem Thema, wie wichtig Geld wirklich für das subjektiv empfundene Glück ist. Eine davon ist die Studie mit dem Titel „Moral transgressions corrupt neural representations of value“ von M. Crockett, J. Siegel, Z. Kurth-Nelson, P. Dayan und R. Dolan. Mit einem verblüffenden Ergebnis…

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Rolle Geldscheine in der Hand
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Inhalt
1. Das Grundproblem mit dem Glück: Wie lässt es sich messen?
2. Macht Geld also glücklich? Die Antwort lautet: Es kommt darauf an…
3. Wenn nicht das liebe Geld – was macht stattdessen glücklich?
4. Einsamkeit macht unglücklich und kann sogar tödlich enden
5. Welche Schlussfolgerung lassen die Studien also zu?

Das Grundproblem mit dem Glück: Wie lässt es sich messen?

Alle empirischen Untersuchungen zum Thema Glück stehen vor demselben Problem: Wie lässt sich ein so subjektives Gefühl wie das Glück objektiv messen und dadurch vergleichen? Dementsprechend unterschiedlich ist der Herangehensweise verschiedener Wissenschaftler an das Thema. Während die einen auf Fragebogen oder persönliche Gespräche setzen und die Probanden schlichtweg nach ihrem „Glückslevel“ oder einer individuellen Einschätzung fragen, setzten die Forscher der Studie „Moral transgressions corrupt neural representations of value“ auf eine andere Methode: Die Messung der Gehirnströme im für das Glück verantwortlichen Bereich – dem sogenannten neuronalen Belohnungssystem.

Macht Geld also glücklich? Die Antwort lautet: Es kommt darauf an…

Die Forscher kamen bei ihren Messungen zu einem verblüffenden Ergebnis: Die Frage, ob Glück mittels Geld käuflich ist, lässt sich pauschal schlichtweg nicht beantworten. Es kommt nämlich darauf an, wie das Geld verdient wurde. Die Relation zwischen Geld und Glück hängt also weniger vom jeweiligen Individuum und dessen Stellenwert von materiellen Dingen im Leben ab, als viel mehr von der Art und Weise, wie der Mensch sein Geld generiert. Klingt kompliziert? Ist es nicht! Auf den Punkt gebracht bedeutet diese Erkenntnis nichts Anderes als:

Wenn Sie Ihr Geld ehrlich und gewissenhaft verdienen, macht es glücklich. Wer es jedoch mittels Ausbeutung, Manipulation, Lügen oder auf andere moralisch verwerfliche Art und Weise generiert, dessen Belohnungssystem reagiert auf das Geld weniger stark. Es macht ihn dementsprechend weniger glücklich.

Schlussendlich macht Ihnen also die Moral einen Strich durch die Rechnung, wenn Sie Ihr Geld mit einem schlechten Gewissen verdienen. Ehrlich verdientes Geld macht hingegen tatsächlich glücklich – wenn auch nur kurzfristig und leider nicht dauerhaft.

Wenn nicht das liebe Geld – was macht stattdessen glücklich?

Da Geld nur das kurzzeitige Belohnungssystem im Gehirn anspricht, sorgt es zwar für ein kurzzeitiges Hochgefühl, führt aber nicht zu einer dauerhaften inneren Zufriedenheit. Forscher der renommierten Harvard University haben sich stattdessen auf dieses „Langzeitglück“ fokussiert und gehen seit über 75 Jahren und mittlerweile in zweiter Generation im Rahmen ihrer „Grant Study“ und „Glueck Study“ der Frage auf den Grund: Was macht Menschen wirklich glücklich? Hierfür begleiten sie die 724 Probanden sowie deren Kinder während ihres gesamten Lebens über viele Jahrzehnte hinweg. In regelmäßigen Abständen werden diese zu ihrer Lebenssituation und ihrem „Glückslevel“ befragt. Im Fokus stehen dabei verschiedenste Lebensbereiche:

  • Finanzen
  • Gesundheit
  • Soziale Beziehungen
  • Arbeit
  • u. v. m.

Die Forscher der Harvard University kamen dabei über die Jahrzehnte hinweg immer wieder zu demselben Ergebnis: Es ist nicht das Geld, welches Menschen glücklich macht. Überraschenderweise ist sogar die Gesundheit weniger wichtig, als viele von Ihnen vielleicht annehmen würden. Stattdessen zeichnet sich mit großem Abstand ein Faktor ab, welcher offensichtlich für das persönlich empfundene Glück oder Unglück einer Person am wichtigsten ist: die sozialen Beziehungen.

Einsamkeit macht unglücklich und kann sogar tödlich enden

Und zwar ergaben die empirischen Untersuchungen, dass Menschen glücklicher sind, je besser die Qualität ihrer sozialen Beziehungen ist. Es kommt also nicht auf die Quantität an. Sie brauchen nicht viele Freunde oder eine Großfamilie für mehr Lebensglück. Stattdessen reichen einige wenige wirklich tiefgehende soziale Beziehungen für ein glückliches Leben aus. Sie benötigen also nicht mehr als eine Handvoll Menschen, welche Sie so akzeptieren und lieben wie Sie sind und Ihnen das Gefühl geben, in Lebenskrisen nicht alleine zu sein.

Lese-Tipp: Remote Work: Telearbeit fördert Einsamkeit – und kann tödlich enden

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Andersherum ist also auch Armut kein Garant für ein unglückliches Leben, sondern Einsamkeit. Wer einsam, aber reich ist, wird vielleicht immer wieder das kurze Hochgefühl des Geldes erleben, niemals aber die dauerhafte innere Zufriedenheit des wahren Glückes. Einsamkeit endet jedoch nicht nur im Unglück, sondern in Extremfällen sogar tödlich. Einsame Menschen haben eine um 26 bis 32 Prozent erhöhte Mortalitätsrate – das ist vergleichbar mit dem Sterberisiko bei Übergewicht oder Rauchen.

Welche Schlussfolgerung lassen die Studien also zu?

Es ist an der Zeit, ein Resümee zu ziehen: Qualitativ gute soziale Beziehungen machen langfristig am glücklichsten. Geld kann jedoch ebenfalls kurzzeitig glücklich machen, indem es das neuronale Belohnungssystem stimuliert. Allerdings ist dies nur dann der Fall – beziehungsweise in einem höheren Ausmaß – wenn das Geld gewissenhaft verdient wurde. Positiv gewertet sorgt Ihre Moral also dafür, dass Sie Geld nicht auf Kosten anderer Menschen verdienen möchten, zum Beispiel durch Ausbeutung, Manipulation oder auch Diebstahl. Allerdings greift dieser Mechanismus nur, wenn Sie über ein „Gewissen“ verfügen, welches bei manchen Persönlichkeitsstörungen nicht oder nur teilweise ausgebildet ist. Deshalb sind es vor allem Narzissten und Psychopathen, welche sich durch Geld das große Glück versprechen. Warum dieser Plan allerdings ebenfalls nicht aufgeht, erläutern wir Ihnen in folgendem Artikel:

Lese-Tipp: Gruselkabinett im Büro: Ist Ihr Chef ein Psychopath?

Eine exaktere Antwort auf die Frage, ob Geld glücklich macht, gibt es bislang wohl nicht. Es kommt schlichtweg auf verschiedene Faktoren an. Sicher ist aber, dass Geld alleine nicht zu dauerhaftem Glück führt – und Armut nicht zwingend zu Unglück.

Oder was denken Sie? Inwiefern hängt für Sie das Glück mit Geld und Moral zusammen? Welche Erfahrungen haben Sie vielleicht schon einmal mit Ausbeutung oder Geld auf Kosten eines schlechten Gewissens gemacht? Welchen Stellenwert nehmen die Finanzen in Ihrem Leben ein? Und welchen die sozialen Beziehungen? Teilen Sie gerne Ihre Meinung zum Thema mit uns in den Kommentaren!