Immer wieder machen Überwachungsskandale in Deutschland die Runde. Mitarbeiter werden gefilmt, von Privatdetektiven verfolgt oder durch ihre Vorgesetzten digital überwacht. Telefonate sind längst nicht mehr privat und der Arbeitscomputer ohnehin nicht. Die moderne Technik macht es für den Arbeitgeber problemlos möglich, die E-Mails oder Verläufe der Mitarbeiter jederzeit unzensiert einzusehen. So beispielsweise auch Ihre Google-Suchen, welche Sie Tag für Tag am Arbeitsplatz tätigen – sei es während der Arbeitszeit, in der Pause oder im Homeoffice. Wenn Sie eine der folgenden neun Phrasen eingeben, handeln Sie also äußerst leichtsinnig und setzen unter Umständen Ihre Karriere aufs Spiel.

Mann wurde wegen einiger Suchaktivitäten am Arbeitscomputer gekündigt und muss das Unternehmen verlassen
Bildnachweis: iStock.com/izusek

Inhalt
1. Ist die Überwachung des Arbeitscomputers erlaubt?
2. #1: Radikale Webseiten
3. #2: Bewerbungsratgeber
4. #3: Stellenangebote
5. #4: Tipps für Ihre tägliche Arbeit
6. #5: Wochenendveranstaltungen
7. #6: Ihren Arbeitgeber
8. #7: Negativschlagzeilen über das Unternehmen
9. #8: Steuerrechner
10. #9: Pornoseiten
11. Fazit: Vorsicht ist besser als Nachsicht

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Ist die Überwachung des Arbeitscomputers erlaubt?

Welche Form der Überwachung von Mitarbeitern durch ihren Arbeitgeber erlaubt ist und welche nicht, ist gesetzlich streng geregelt. Hinsichtlich des Arbeitscomputers gilt: Eine Überwachung durch den Arbeitgeber ist verboten, wenn eine Privatnutzung durch den Arbeitsvertrag explizit erlaubt wurde. Sollte dies nicht der Fall sein, ist die Kontrolle in Form von Stichproben möglich – nicht aber flächendeckend. Eine Speicherung der Daten wäre ein Konflikt mit den gültigen Datenschutzgesetzen. Weitere Informationen zum Thema Überwachung finden Sie in folgendem Artikel:

Lese-Tipp: Detektive, Kameras & Co: Ist die Mitarbeiterüberwachung erlaubt?

Erlaubt oder nicht – die Krux an der Sache ist doch, dass viele Arbeitgeber ihre Arbeitnehmer kontrollieren. Die moderne Technik macht es einfach. Es ist verlockend. Und in der Regel findet es der Betroffene doch sowieso nicht heraus. Wenn doch: Würden Sie gegen Ihren Arbeitgeber klagen, wenn Sie Ihren Job behalten möchten? Es wäre also verschwendete Zeit und Mühe, an dieser Stelle die Frage nach dem Erlaubtsein der Überwachung zu erörtern. Fakt ist einfach: Viele Arbeitgeber überprüfen die Arbeitscomputer ihrer Angestellten und genau deshalb sollten Sie folgende neun Dinge niemals mit einem Gerät googeln, auf welches Ihr Arbeitgeber Zugriff haben könnte – ein Arbeitscomputer beispielsweise, ein Tablet, welches Eigentum des Betriebs ist, oder ein Geschäftshandy.

#1: Radikale Webseiten

Gemäß Antidiskriminierungsgesetz darf der Arbeitgeber Sie nicht aufgrund ihrer Religion, politischen Einstellung & Co benachteiligen. Entsprechende Fragen müssen Sie im Vorstellungsgespräch nicht beantworten, zumindest solange diese nicht für Ihre tägliche Arbeit von Relevanz sind.

Lese-Tipp: Unzulässige Fragen im Bewerbungsgespräch – Haben Lügen wirklich kurze Beine?

Wenn Sie aber nun am Arbeitscomputer auf rechtsradikalen Webseiten stöbern, sich mit terroristischen Gruppierungen in Verbindung zu setzen versuchen oder sonstige „radikale“ Seitenaufrufe tätigen, schneiden Sie sich damit ins eigene Fleisch. Dass ein Arbeitgeber solche Arbeitnehmer nicht weiter fördern will, ist nicht nur selbstverständlich, sondern zeigt eigentlich sogar einen guten Charakter. Seien Sie also vorsichtig, welche Webseiten Sie besuchen und wie deren Inhalte gestaltet sind. Auch ein Versehen kann Ihr Image bereits nachhaltig beschädigen.

Lese-Tipp: Experten verraten: Nicht wer leistet, wird befördert. Sondern…?

#2: Bewerbungsratgeber

Wenn Sie sich auf der Suche nach einem neuen Job befinden, sollte Ihr aktueller Arbeitgeber das natürlich nicht erfahren – und erst recht nicht über Ihren Google-Verlauf. Meiden Sie also Bewerbungsratgeber. Selbst, wenn Sie nur für einen Bekannten suchen oder sich allgemein über das Thema informieren möchten, könnte das einen falschen Eindruck erwecken.

#3: Stellenangebote

Ebenso ist natürlich die Suche nach Stellenangeboten zu meiden. Egal, ob es sich um Stellenportale handelt oder die Karriereseite eines konkurrierenden Unternehmens: Wenn Ihr Arbeitgeber denkt, Sie würden sich anderweitig nach einer Anstellung umsehen, bedeutet dies das Aus für Ihre Karriere in diesem Unternehmen. Und da sich Arbeitgeber gegenseitig austauschen beziehungsweise Sie ja im Fall der Fälle auch noch ein gutes Arbeitszeugnis wünschen, sollten Sie natürlich im Guten gehen. Besonders doof geht die Sache für Sie natürlich aus, wenn es sich nur um ein Missverständnis handelt und Sie gar nicht wirklich auf Stellensuche sind. Mit der nächsten Beförderung oder Gehaltserhöhung kann es dann jedenfalls dauern.

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Lese-Tipp: Gehaltserhöhung: Die besten Tipps für Ihre Gehaltsverhandlung

#4: Tipps für Ihre tägliche Arbeit

Wenn Sie damit anfangen, Ihre tägliche Arbeit zu googeln, hinterlässt das gewiss keinen professionellen Eindruck. Wie war nochmal die Formel für…? Wie erstelle ich eine Präsentation? Oder wie wird ein Marketingkonzept kreiert? Versetzen Sie sich in die Lage Ihres Arbeitgebers: Sie stellen einen Arbeitnehmer mit überzeugenden Referenzen für sein Fachgebiet ein und plötzlich muss er erst einmal googeln „wie denn das noch einmal ging“. Würden Sie ihn bei der nächsten Beförderung in Betracht ziehen? Wohl eher nicht! Stattdessen überlegen Sie vielleicht, ob nicht ein günstigerer Praktikant oder Azubi Ihren Job dank Google genauso gut machen könnte wie Sie.

#5: Wochenendveranstaltungen

Natürlich haben Sie neben der Arbeit noch ein Privatleben, doch einerseits geht es Ihren Arbeitgeber nichts an, was Sie am Wochenende treiben, und andererseits senden Sie das falsche Signal: Nämlich, dass Ihnen während Sie vor dem Arbeitscomputer, Geschäftshandy & Co sitzen die Wochenendplanung wichtiger ist als die Arbeit.

#6: Ihren Arbeitgeber

Auch Ihren Arbeitgeber selbst sollten Sie nicht googeln – und zwar weder dessen Privatleben noch seine berufliche Laufbahn. Sie würden neugierig wirken, als wüssten Sie wenig über das Unternehmen oder als würden Sie nach Informationen suchen, die Sie schlichtweg nichts angehen.

#7: Negativschlagzeilen über das Unternehmen

Ebenso wenig sollten Sie Negativschlagzeilen googeln, unabhängig davon, ob sich das Unternehmen gerade in einem Skandal befindet oder Sie sich schlichtweg für dessen Geschichte interessieren.

Die Öffentlichkeit hat eine unersättliche Neugier, alles zu wissen, nur nicht das Wissenswerte.

(Oscar Wilde)

Sie senden Ihrem Arbeitgeber dadurch das Signal, als wären Gerüchte im Umlauf oder als würden Sie an Ihrem Unternehmen zweifeln. Loyale und integere Mitarbeiter machen sowas jedenfalls nicht – oder sind zumindest klug genug, es heimlich zu tun.

#8: Steuerrechner

Natürlich ist Ihnen Ihr Einkommen wichtig und auch dem Arbeitgeber ist bewusst, dass Sie nicht nur aus Langeweile und Spaß an Ihrer Tätigkeit zur Arbeit kommen. Dennoch sollten Sie nicht den Eindruck vermitteln, es ginge Ihnen in erster Linie um das Finanzielle. Beschäftigen Sie sich also nicht stundenlang damit auszurechnen, inwiefern die Sonderzahlungen Ihre Steuerlast beeinflussen oder was Ihnen vom Lohn am Ende netto übrigbleibt.

#9: Pornoseiten

Obwohl „Porno“ stets auf den Toprängen der meistgesuchten Begriffe bei Google ist, sollten Sie diesen natürlich für Ihr Privatleben aufsparen. Ein solcher Suchverlauf ist auf dem Arbeitscomputer schlicht und ergreifend peinlich. Und blamieren möchten Sie sich gewiss nicht!

Fazit: Vorsicht ist besser als Nachsicht

Zwar darf der Arbeitgeber Sie nicht rein aufgrund Ihrer Google-Suchen kündigen – wenn die Privatnutzung der geschäftlichen Geräte nicht ausdrücklich verboten wurde – dennoch werfen Sie durch Ihr Interesse an diesen Dingen ein schlechtes Licht auf sich selbst. Sie können damit Ihr Image schädigen und Ihre Karriere in die Stagnation führen. Und um ehrlich zu sein: Wenn der Arbeitgeber einen Arbeitnehmer kündigen möchte, so findet er auch einen entsprechenden Weg – Mobbing beispielsweise oder einen Aufhebungsvertrag.

Lese-Tipp: Teilzeitmütter: Die fiesen Mobbing-Strategien der Personaler

Lassen Sie auf allen technischen Geräten, zu welchen Ihr Arbeitgeber direkt oder indirekt Zugang hat, also lieber Vorsicht im täglichen Umgang walten. Gehen Sie davon aus, dass Sie überwacht werden – auch, wenn dies schlussendlich nicht der Fall sein sollte. Vorsicht ist bekanntlich besser als Nachsicht.

Oder was denken Sie? Nutzen Sie Ihren Arbeitscomputer auch für privates Surfen? Haben Sie vielleicht schon einmal einen Fall miterlebt, in welchem eine Google-Suche dem Betroffenen „zum Verhängnis“ wurde? Wir sind gespannt auf Ihre Beiträge zum Thema in den Kommentaren!