Nicht nur bei Personalbeurteilungen oder Schulnoten wünschen wir Menschen uns vor allem eines: Objektivität. Leider ist das Gehirn aber kein Roboter. Es neigt zu Wirklichkeitsverzerrungen, vorschnellen Urteilen und Pauschalisierungen. Hundertprozentig objektiv zu sein – das ist für Menschen schlichtweg unmöglich. Schuld daran ist unter anderem der sogenannte „Halo Effekt“. Was steckt dahinter?

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Inhalt
1. Definition: „Halo Effekt“ – Wenn der „Heiligenschein“ Defizite überstrahlt
2. Geschichte: Forschung zum „Heiligenschein Effekt“
3. Am stärksten wirkt der „Halo Effekt“ bei physischer Attraktivität
4. Die „Gefahr“ hinter dem Heiligenschein
5. Reduktion der Komplexität: Das Gehirn ist schuld am „Halo Effekt“
6. 10 Beispiele für den „Heiligenschein Effekt“ – Fühlen Sie sich ertappt?
7. Tipps: So gehen Sie mit dem „Halo Effekt“ im Job um
8. Tipp #1: Überprüfen Sie Ihre Überzeugungen!
9. Tipp #2: Achten Sie auf Ihr Erscheinungsbild!
10. Fazit: „Halo Effekt“ ist vor allem für Arbeitgeber eine Herausforderung

Definition: „Halo Effekt“ – Wenn der „Heiligenschein“ Defizite überstrahlt

„Halo“ ist ein englischer Begriff und steht für den Heiligenschein. Der „Halo Effekt“ kann also auch als der „Heiligenschein Effekt“ übersetzt werden. Weitere gängige Termini sind „Lichthof Effekt“ oder nur „Hof Effekt“. Dies gibt einen ersten Hinweis darauf, was hinter dem Phänomen stecken könnte: Beim „Halo Effekt“ handelt es sich – ebenso wie bei seinem Gegenspieler, dem „Horn Effekt“ – um eine Wirklichkeitsverzerrung. Das Gehirn schließt unbewusst (!) von einer positiven auf alle anderen Eigenschaften eines Menschen. Der „Heiligenschein“ überstrahlt also eventuelle Defizite und erzeugt dadurch einen besseren, aber eben verzerrten, Gesamteindruck einer Person.

Der „Halo Effekt“ gehört damit zu den mächtigsten und häufigsten Streichen, die uns von der Psyche gespielt werden. Das Gefährliche an diesem Phänomen ist, dass alle anderen Eigenschaften – außer dem „Heiligenschein“ – in den Hintergrund treten, selbst wenn diese eigentlich bedeutender und ausgeprägter, oder sogar negativer Art sind. Wer dem „Halo Effekt“ zum Opfer fällt, redet sich also sprichwörtlich die Tatsachen schöner als sie sind. Das kann natürlich vor allem im professionellen Umfeld zu Komplikationen führen, zum Beispiel zu realitätsfernen Leistungsbeurteilungen und „falschen“ Beförderungen – welche aus rein rationalen Gründen nicht immer nachvollziehbar und sinnvoll sind.

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Geschichte: Forschung zum „Heiligenschein Effekt“

Eine erstmalige, wenn auch nicht sehr detaillierte, Beobachtung des „Halo Effekts“ findet sich im Jahr 1907 durch Frederic L. Wells. Dieses Phänomen interessierte zu Beginn des 20. Jahrhunderts dann auch Edward Lee Thorndike, der den Begriff „Halo Effekt“ prägte. Im Zuge des ersten Weltkriegs ließ er im Rahmen seiner Forschung zur Wirklichkeitsverzerrung eine Beurteilung von Soldaten durch ihre Offiziere vornehmen. Sie sollten demnach eine individuelle Bewertung zu folgenden Kriterien abgeben:

  • Charakter
  • Intelligenz
  • Führungsqualitäten
  • Kondition
  • physische Leistungsfähigkeit
  • zielgenaues Schießen
  • Musikalität
  • u. v. m.

Dass nicht jede Eigenschaft dabei in einem direkten Zusammenhang mit der Arbeit eines Soldaten stand, zum Beispiel die Musikalität, war natürlich beabsichtigt. Und tatsächlich machte Thorndike bei den Ergebnissen eine erstaunliche Entdeckung: Die meisten Soldaten wurden entweder in allen Punkten sehr gut oder aber durchweg eher unterdurchschnittlich bewertet. Simpel ausgedrückt heißt das also: Einem gutaussehenden Soldaten trauten die Offiziere auch mehr Führungskompetenz, eine höhere Musikalität und zielgenaueres Schießen zu als einem weniger attraktiven – und das, obwohl diese Eigenschaften aus objektiver Sicht überhaupt nichts miteinander zu tun haben.

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„Die Schönheit der Dinge lebt in der Seele dessen, der sie betrachtet.“
(David Hume)

Thorndike kam demnach zu der Schlussfolgerung: Wenn ein positives Persönlichkeitsmerkmal wie Attraktivität oder Humor besonders hervorsticht, überstrahlt es alle anderen Stärken sowie Schwächen und führt zu einer Wirklichkeitsverzerrung. Ein objektives Urteil ist dann nicht mehr möglich. Wichtig ist dabei aber zu wissen: Dieser „Halo Effekt“ geschieht unbewusst!

Am stärksten wirkt der „Halo Effekt“ bei physischer Attraktivität

Zwar kann jede beliebige positive Eigenschaft an einem Menschen den „Halo Effekt“ hervorrufen, am häufigsten und stärksten ist er jedoch bei attraktiven Personen zu finden. Auch Thorndike beobachtete in seiner Studie demnach das Phänomen, dass jene Soldaten, die aus objektiver Sicht als „schön“ oder „attraktiv“ bezeichnet werden könnten, auch diejenigen mit den durchweg besten Bewertungen in allen Bereichen waren. Viele Studien nahmen seither Thorndikes These genauer unter die Lupe und kamen stets zu ein- und demselben Ergebnis: Schöne Menschen werden aufgrund des „Halo Effekts“ als kompetenter, intelligenter, sympathischer, zufriedener, erfolgreicher eingeschätzt beziehungsweise mit ähnlich positiven Attributen in Verbindung gebracht.

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Das Verblüffende an der Sache ist: Aufgrund dieser positiven Assoziationen werden attraktive Menschen nicht nur erfolgreicher eingeschätzt als ihre weniger attraktiven Kolleginnen und Kollegen – sie sind es sogar. In der Öffentlichkeit wird dieses Thema als „Schönheitsprämie“ bezeichnet und wild diskutiert. Dass schöne Menschen aber durchweg kompetenter oder intelligenter und deshalb erfolgreicher als weniger Schöne seien, kann keinesfalls pauschal behauptet werden. Es handelt sich also – wie Sie nun bereits gelernt haben – um nichts Anderes als die Auswirkungen des „Halo Effekts“. Weitere klassische Assoziationen des „Halo Effekts“ sind zum Beispiel:

  • Brillenträger sind klug
  • Übergewichtige sind lustig
  • Großgewachsene sind selbstbewusst

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Die „Gefahr“ hinter dem Heiligenschein

Eigentlich klingt der „Halo Effekt“ sehr harmlos. Er kann sich für attraktive Menschen sogar zum Vorteil entwickeln. Dennoch bringt der „Heiligenschein“ im Berufsleben vor allem negative Konsequenzen mit sich:

  • unfaire (und oberflächliche) Leistungsbeurteilungen
  • Beförderungen nach den falschen Kriterien
  • Missverständnisse oder Konflikte durch vorschnelle Meinungsbildung
  • Förderung von Vorurteilen
  • Falschbesetzung von vakanten Stellen
  • höhere Mitarbeiterfluktuation
  • Anstieg der Personalkosten

Grundsätzlich ist der „Halo Effekt“ bei Kindern besonders stark ausgeprägt und nimmt mit zunehmenden Lebensalter sowie der Berufserfahrung eines Menschen langsam ab. Wenn es in Ihrem sozialen Umfeld (Klein-) Kinder gibt, wissen Sie, dass diese instinktiv entscheiden, wer ihnen sympathisch ist – also mit wem sie spielen möchten – und wer nicht. Dabei sind durchaus Stereotypen zu beobachten: Viele Kinder haben Angst vor großen Männern mit tiefer Stimme oder einer Frau mit langen schwarzen Haaren. Eine hohe Stimme, blondes Haar oder ein strahlendes Lächeln scheinen bei Kindern hingegen besonders „beliebt“ zu sein. Eine oberflächliche Welt, durch welche Kinder da gehen, denken Sie sich nun? Ja! Aber auch im Erwachsenenalter sorgt der „Halo Effekt“ für ein solches Denken in Stereotypen – wenn auch subtiler.

Reduktion der Komplexität: Das Gehirn ist schuld am „Halo Effekt“

Nur: Wieso eigentlich? Schuld am „Halo Effekt“ ist das menschliche Gehirn. Sein höchstes Ziel ist es stets, die Komplexität aller bewusst und unbewusst aufgenommenen Informationen zu reduzieren. Ist es warm oder kalt? Welche Geräusche höre ich? Was kann ich sehen? Welche Worte kommen aus dem Mund meines Gegenübers? Wieso schaut die Kollegin so seltsam herüber? Warum beantwortet niemand das klingelnde Telefon? Die Blase drückt! – Die Informationsflut, welche jede Sekunde im menschlichen Gehirn ankommt und verarbeitet werden muss, können Sie sich nicht einmal ansatzweise ausmalen. Das Resultat, wenn die Komplexität einmal Überhand gewinnt, kennen Sie gewiss aus eigener Erfahrung: Blackout.

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Doch so weit soll es natürlich nicht kommen. Aus diesem Grund hat sich das Gehirn eine ganz simple Lösung zur Reduktion der Komplexität bei sozialen Interaktionen ausgedacht: Schubladendenken. Wenn Sie Menschen nach Kategorien einteilen und von wenigen Merkmalen auf das große Ganze schließen, müssen Sie seine Persönlichkeit nicht in all ihrer individuellen Komplexität erfassen. Das macht die Welt gleich um einiges einfacher, geordneter und weniger anstrengend. Natürlich sind solche Stereotypen unerwünscht – doch dieser Prozess passiert vollautomatisch und unbewusst. Auch bei Ihnen…garantiert!

10 Beispiele für den „Heiligenschein Effekt“ – Fühlen Sie sich ertappt?

Sie glauben uns nicht? Wir sind uns sicher, dass Sie mindestens eines der folgenden Beispiele für den „Halo Effekt“ aus eigener Erfahrung kennen:

  1. Sie schätzen gutaussehende Menschen als kompetent und erfolgreich ein.
  2. Sie schreiben Männern im Anzug beziehungsweise Frauen im Business-Kostüm ein hohes Selbstbewusstsein zu.
  3. Sie halten Brillenträger für intelligent.
  4. Sie sprechen Menschen, die oft und gerne im Mittelpunkt stehen, eine hohe Führungskompetenz zu.
  5. Eine in Rot gekleidete Person erscheint Ihnen besonders dominant.
  6. Einen stets gut gelaunten und humorvollen Kollegen halten Sie für vertrauenswürdig.
  7. Sie geben einer attraktiven Kellnerin mehr Trinkgeld als einer weniger schönen.
  8. Als Personaler wählen Sie intuitiv bei gleicher Qualifikation den attraktiveren Bewerber.
  9. Ein „schöner“ Professor erscheint Ihnen kompetenter und interessanter als weniger attraktive Dozenten.
  10. Sie glauben dem Wetterbericht für den kommenden Tag eher, wenn er von einer attraktiven Dame – oder einem schönen Mann – vorgetragen wird als von einer „unscheinbaren“ Person.

Na, haben wir Sie ertappt?!

Tipps: So gehen Sie mit dem „Halo Effekt“ im Job um

Nun, da Sie um den „Halo Effekt“ wissen, sollten Sie diesen gleich auf zweierlei Art und Weise händeln: Einerseits gilt es, den „Heiligenschein Effekt“ bei sich selbst zu vermeiden, um Ihr soziales Umfeld zukünftig realistischer einzuschätzen, und andererseits können Sie den „Halo Effekt“ bei Personalern, Vorgesetzten und Kollegen natürlich gezielt nutzen, um Ihre eigene Karriere voranzutreiben. Unsere zwei wichtigsten Tipps, die wir Ihnen deshalb heute mit auf den Weg geben möchten, lauten:

Tipp #1: Überprüfen Sie Ihre Überzeugungen!

Egal, ob es sich um eines unserer zehn genannten Beispiele oder eine andere Situation handelt: Gewiss tragen auch Sie Überzeugungen durch Ihr (Berufs-) Leben, die vom „Halo Effekt“ hervorgerufen wurden und nur wenig mit der Realität gemeinsam haben. Stellen Sie daher ab sofort Ihre alten und neuen Sichtweisen auf den Prüfstand und versuchen Sie, Menschen so objektiv wie möglich zu beurteilen. Nur, weil ein Kollege denselben Humor oder auch dieselbe Heimatstadt hat wie Sie, muss er nicht ebenso vertrauenswürdig und hilfsbereit sein. Je realistischer Sie also Ihr soziales Umfeld einschätzen, umso seltener werden Sie enttäuscht.

Dadurch vermeiden Sie nicht nur den „Halo Effekt“, sondern vor allem Missverständnisse, falsche Erwartungshaltungen und Konflikte. Ganz verhindern werden Sie die Wahrnehmungsverzerrung in Ihrem Gehirn zwar nicht, doch allein das Bewusstsein um den „Halo Effekt“ kann diesen bereits merklich verringern.

Tipp #2: Achten Sie auf Ihr Erscheinungsbild!

Auch, wenn Sie eigentlich nur wenig Wert auf Mode oder Styling legen, ist Attraktivität im Job eines der wichtigsten Attribute für beruflichen Erfolg. Nutzen Sie diesen „Halo Effekt“ bei Personalern, Entscheidern und Vorgesetzten deshalb zukünftig zu Ihrem Vorteil und achten Sie auf ein attraktives Erscheinungsbild. Selbst Menschen, die nicht von Natur aus mit makelloser Schönheit gesegnet sind, können nämlich durch die richtige Kleidung, Frisur und Körpersprache – und als Frau noch angemessenes Makeup – ihre Attraktivität deutlich erhöhen, und damit eben auch ihre Karrierechancen.

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Doch nicht nur Attraktivität kann den „Halo Effekt“ bei Ihrem Gegenüber hervorrufen. Auch Humor, Hilfsbereitschaft oder Freundlichkeit können Ihren (ersten) Eindruck erheblich verbessern. Ausschlaggebend hierfür ist, dass Sie das richtige Maß aus Selbstmarketing und Authentizität finden. Eine schwierige Aufgabe, die aber keinesfalls unmöglich ist!

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Fazit: „Halo Effekt“ ist vor allem für Arbeitgeber eine Herausforderung

Während der „Halo Effekt“ also für Arbeitnehmer viele Vorteile mit sich bringt, schlagen seine Nachteile vor allem auf der Arbeitgeberseite dazu. Der „Heiligenschein“ führt nämlich zu falschen Personalentscheidungen, fehlerhaften Leistungsbeurteilungen und dadurch zu höheren Kosten sowie einer gesteigerten Mitarbeiterfluktuation. Da sich das menschliche Gehirn aber niemals gänzlich austricksen lässt, hilft an dieser Stelle nur eine Lösung: Standardisierte Bewertungs- und Bewerbungsverfahren ohne Bild! Hilfreich können zudem spezielle Schulungen sowie Trainingscenter sein, welche Entscheider und Personaler hinsichtlich der Problematik „Halo Effekt“ sensibilisieren.

Welche weiteren Maßnahmen für Arbeitgeber kennen Sie, um nicht auf den „Heiligenschein“ hereinzufallen? Oder fallen Ihnen noch mehr Tipps für Arbeitnehmer ein, um den „Halo Effekt“ für ihre Karriere zu nutzen? Wir bedanken uns für alle Anregungen zum Thema in den Kommentaren!