Wohl jeder Mensch hat sich in seinem Leben schon mindestens einmal unfair behandelt gefühlt – sei es bei Schulnoten oder Mitarbeiterbeurteilungen. Manchmal wollen Sie den Tatsachen einfach nicht ins Auge sehen, doch ein andermal haben Sie vielleicht sogar Recht: Der „Horn Effekt“ kann sich nämlich negativ auf Ihre Beurteilung auswirken. Und dabei muss es der Personaler oder Vorgesetzte nicht einmal böse meinen, sondern sein Gehirn spielt ihm schlichtweg einen Streich. Wir möchten Ihnen deshalb heute verraten, was es mit dem „Teufelshörner-Effekt“ auf sich hat.

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Inhalt
1. Definition: Der „Horn Effekt“ als Gegenteil des „Halo Effekts“
2. „Teufelshörner Effekt“: Ein falsches Wort kann ausreichend sein
3. Fassen Sie sich an die eigene Nase: Fallen Sie auf den „Horn Effekt“ herein?
4. Exkurs: Drei typische Beispiele für den „Teufelshörner Effekt“
5. „Horn Effekt“ durch aktives Selbstmarketing aushebeln…
6. …und in „Halo Effekt“ umwandeln!
7. Fazit: Stellen Sie Ihre Überzeugungen und Urteile regelmäßig infrage

Definition: Der „Horn Effekt“ als Gegenteil des „Halo Effekts“

Der „Horn Effekt“ ist, ebenso wie sein Gegenspieler namens „Halo Effekt“, ein psychologischer Wahrnehmungsfehler. Das auch als „Teufelshörner Effekt“ bezeichnete Phänomen beschreibt die Tendenz der unbewussten Verallgemeinerung des Eindrucks, welchen wir von einer Person gewonnen haben. Einfach ausgedrückt bedeutet das: Hat ein Mensch einen schlechten (ersten) Eindruck bei uns hinterlassen, schätzen wir ihn allgemein eher negativ ein – hinsichtlich seiner Persönlichkeit, seines Knowhows & Co.

„Nimm den ersten Eindruck nie für die ganze Wahrheit.“
(Ursula Poznanski)

Durch den „Horn Effekt“ entsteht also eine Verzerrung der Wirklichkeit, die sich im Berufsleben in subjektiven und als „unfair“ empfundenen Leistungsbeurteilungen widerspiegeln kann. Auch im Vorstellungsgespräch haben Sie nach einem schlechten ersten Eindruck aufgrund des „Teufelshörner Effekts“ kaum noch eine Chance auf den Job. Das menschliche Gehirn neigt nämlich dazu, ein bei seinem Gegenüber wahrgenommenes Defizit zu verallgemeinern und dessen Kompetenz auch in anderen Bereichen anschließend schlechter einzuschätzen. Nur wer um den „Horn Effekt“ weiß, kann diesen hingegen bei sich selbst sowie im Außen wahrnehmen und aktiv dagegen vorgehen.

„Teufelshörner Effekt“: Ein falsches Wort kann ausreichend sein

Menschen sind tendenziell nachtragend und vergessen nur langsam ein falsches Wort oder ein in ihren Augen falsches Verhalten. Der „Horn Effekt“ kommt Ihnen dabei nicht unbedingt zugute: Eine falsche Bemerkung kann ausreichen und Sie sind bei Ihrem Gegenüber für immer – oder zumindest für eine sehr lange Zeit – „unten durch“. Treffen Sie also im Job zum Beispiel auf den Personaler und sagen etwas, das er subjektiv als „dumm“ empfindet, wird er Sie fortan solange für „dumm“ halten, bis Sie ihm das Gegenteil bewiesen haben. Und das kann mitunter sehr schwierig werden.

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Dass der erste Eindruck bleibend ist, wie so häufig behauptet wird, scheint also tatsächlich zu stimmen – bedingt durch den „Horn Effekt“ beziehungsweise sein Pendant, den „Halo Effekt“. Gerade im Job stufen Experten den Wahrnehmungsfehler deshalb als gefährlich ein, schließlich kann er Karrieren ruinieren. Aber wie heißt es so schön? „Irren ist menschlich“!

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Fassen Sie sich an die eigene Nase: Fallen Sie auf den „Horn Effekt“ herein?

Bevor Sie nun nämlich gegen Kollegen, Personaler oder Vorgesetzte wettern und ihnen den „Horn Effekt“ unterstellen, sollten Sie erst einmal einen ehrlichen Blick auf sich selbst werfen. Beinahe jeder Mensch fällt bei einer oder mehreren Personen in seinem Umfeld auf den „Teufelshörner Effekt“ herein. Fragen Sie sich daher, ob es bei Ihren privaten oder beruflichen Kontakten jemanden gibt, bei dem Sie

  • jede Aussage kritisch hinterfragen,
  • alles, was er sagt oder tut, negativ bewerten,
  • seit Anfang an „einen schlechten Eindruck“ hatten,
  • Defizite oder negative Eigenschaften ohne objektive Anhaltspunkte unterstellen,
  • jedes Wort auf die Goldwaage legen und selbst neutrale Aussagen tendenziell negativ auffassen,
  • sich nie ein eigenes Urteil gebildet, sondern stets auf das Getratsche Dritter verlassen haben?

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Das größte – oder sogar einzige – Problem mit den Wahrnehmungsfehlern ist nämlich, dass nur die wenigsten Menschen darüber Bescheid wissen. Sobald Sie aber ein Bewusstsein für den „Horn Effekt“ entwickeln, werden Sie fortan jedes Urteil über Ihre Mitmenschen sorgfältiger überprüfen und dadurch das Risiko der Realitätsverzerrung mindern.

Exkurs: Drei typische Beispiele für den „Teufelshörner Effekt“

Das klingt für Sie alles bislang noch sehr abstrakt? Oder Sie verstehen zwar theoretisch, was es mit dem „Horn Effekt“ auf sich hat, können ihn aber in der Praxis noch nicht erkennen? Dann möchten wir Ihnen jetzt zum besseren Verständnis drei ganz typische Beispiele für das Phänomen geben, die Sie vielleicht sogar selbst aus dem Berufsalltag kennen:

Beispiel #1 Bewerbungsbild:

Ein absolut klassisches Beispiel für den „Teufelshörner Effekt“ ist das Foto in Ihrer Bewerbung.

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Ob Sie hier auf Anhieb einen guten oder schlechten Eindruck hinterlassen, kann über eine mögliche Einladung zum Vorstellungsgespräch sowie die Zu- oder Absage für den Job entscheiden. Auch, wenn die Auswahl eines Bewerbers eigentlich nach objektiven Kriterien wie seiner Qualifikation, der Berufserfahrung oder seinen Soft Skills erfolgen sollte, sieht die Realität leider anders aus: Attraktive Menschen sind bei Bewerbungen sowie allgemein im Beruf erfolgreicher – das wurde bereits in mehreren Studien bewiesen.

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Hinterlässt Ihr Bewerbungsbild also einen schlechten Eindruck, wird der Personaler auch Ihre restliche Bewerbung negativer bewerten und Ihre Chancen auf eine Einladung zum Bewerbungsgespräch sinken – und das passiert nicht aus Oberflächlichkeit oder böser Absicht, sondern völlig unbewusst aufgrund des „Teufelshörner Effekts“.

Beispiel #2 Tippfehler:

Kennen Sie die Situation, in welcher Sie eine E-Mail von einem Kunden, Geschäftspartner, Bewerber oder (noch) unbekannten Kollegen erhalten und es finden sich ein oder mehrere Tippfehler im Text? Unmittelbar schätzen Sie seine Kompetenzen als niedriger ein als sie vielleicht tatsächlich sind. Sie zweifeln an seiner Professionalität und belächeln den Betroffenen vielleicht sogar ein wenig. In einer Bewerbung gelten Tippfehler deshalb ohnehin als absolutes No-Go. Und auch im Berufsleben sollten Sie jede E-Mail, jedes Schriftstück oder Ihre Bewerbung vor dem Versenden unbedingt noch einmal Korrekturlesen. Wieso? Klar: Wegen dem „Horn Effekt“!

Beispiel #3 Kleidung:

Natürlich sollten Sie im Berufsleben vor allem durch Persönlichkeit und Kompetenz überzeugen, doch das Sprichwort

„Kleider machen Leute“
(Gottfried Keller)

hat durchaus einen wahren Kern. Ein Mensch, der Ihnen im Job adrett gekleidet, selbstbewusst und mit teuren Schuhen gegenübertritt, wird bei Ihnen gewiss einen besseren, professionelleren und kompetenteren Eindruck hinterlassen als der nervöse Mann in Freizeitkleidung.

Statistik: Zustimmung zur Aussage:
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Zwar mag die Kleiderwahl je nach Branche, Beruf und hierarchischer Position mehr oder weniger wichtig sein, doch beeinflussen Sie durch Ihr Äußeres maßgeblich den „Horn Effekt“ und damit auch Ihr Image am Arbeitsplatz. Und genau dieses Image kann wiederum das Zünglein an der Waage sein, wenn es um wichtige Entscheidungen wie eine Beförderung geht. Ihr Image – welches eben durch den „Teufelshörner Effekt“ oder aber auch den „Halo Effekt“ geprägt sein kann – entscheidet also schlussendlich über das Gelingen oder Misslingen Ihrer Karriereziele.

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„Horn Effekt“ durch aktives Selbstmarketing aushebeln…

Angesichts der Tatsache, wie wichtig Ihr Image für Ihren beruflichen Erfolg ist, ist die Erkenntnis, dass dieses vor allem auf Zufällen und Wahrnehmungsverzerrungen wie dem „Horn Effekt“ basiert, erschreckend. Doch glücklicherweise sind Sie den „Teufelshörnern“ nicht machtlos ausgeliefert. Zwar lässt sich ein (schlechter) erster Eindruck später nur noch schwer verändern, unmöglich ist das allerdings nicht. Was Sie jetzt brauchen, ist ein aktives und bewusstes Selbstmarketing. Überlassen Sie Ihr Image nicht dem Zufall, sondern nutzen Sie Ihr Wissen um den „Horn Effekt“ und den „Halo Effekt“, um Ihre Karriere anzukurbeln.

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…und in „Halo Effekt“ umwandeln!

Denn wie bereits erwähnt, hat der „Horn Effekt“ einen mindestens ebenso mächtigen Gegenspieler, den sogenannten „Halo Effekt“. Das bedeutet: Ebenso, wie ein negativer Eindruck Sie dauerhaft überschatten kann, bleibt auch ein positiver Eindruck langfristig bestehen und überstrahlt eventuelle Defizite.

Fazit: Stellen Sie Ihre Überzeugungen und Urteile regelmäßig infrage

Noch besser wäre es aber natürlich, wenn wir Menschen lernen würden, Realitätsverzerrungen wahrzunehmen, zu vermeiden und Personen stattdessen in Ruhe kennenzulernen, um uns ein objektives Bild zu verschaffen. Leider wird das aber niemals in Gänze möglich sein, da das menschliche Gehirn nun einmal komplex ist, niemals zu 100 Prozent objektiv sein kann und zur Pauschalisierung neigt. Es wird Ihnen daher immer und immer wieder einen Streich spielen. Je achtsamer Sie diesbezüglich aber sind und umso häufiger Sie Ihre Überzeugungen hinterfragen, desto besser werden Sie in Zukunft den „Horn Effekt“ sowie „Halo Effekt“ durchschauen und vermeiden. Und wenn Sie sich wieder einmal ungerecht behandelt fühlen, zum Beispiel im Rahmen einer Leistungsbeurteilung, nutzen Sie Ihr neugewonnenes Wissen, nehmen Sie den „Horn Effekt“ nicht persönlich, sondern wandeln Sie ihn durch aktives Selbstmarketing in den „Halo Effekt“ um.

Welche Erfahrungen haben Sie bereits mit dem „Teufelshörner Effekt“ oder auch dem „Halo Effekt“ gemacht? Und können Sie unseren Lesern weitere Tipps zum Thema mit auf den Weg geben? Wir bedanken uns für Ihren Beitrag in den Kommentaren!