Sowohl im privaten als auch im beruflichen Alltag werden viele Ihrer Denkmuster vollkommen automatisch abgewickelt, denn gerade bei Routinegedanken übernimmt oftmals die Erfahrung das Ruder und bewusste Entscheidungen fallen in den Hintergrund. Allerdings können Sie mit etwas Übung und den richtigen Tipps Ihre eigene Denkweise ändern und die alten und negativen Muster durchbrechen. Doch wie funktioniert dies eigentlich und was steht dahinter? Wir verraten es Ihnen.

Inhalt
1. Subjektive Welten objektiv betrachten?
2. Der menschliche Bestätigungsfehler
3. Meinungsbildung: Das Dilemma um den Bestätigungsfehler…
4. …und die selbsterfüllende Prophezeiung
5. Ändern Sie die eigenen Denkmuster
6. Tipps und Tricks zum Ändern der eigenen Meinung
7. Übung macht den Meister
8. Individuelle Denkfallen angehen

Subjektive Welten objektiv betrachten?

Routine hat zum Beispiel den Vorteil, dass Sie sich am Morgen trotz Schlafmangel und Müdigkeit fertig machen und zur Arbeit kommen, bevor Ihr Geist das Arbeitsniveau erreicht hat. Andererseits entstehen durch unsere Denkmuster allerdings auch schnell Denkfallen, die nur den Wenigsten bewusst sind und die im schlimmsten Fall nicht nur beruflich und privat für eine Verzögerung unserer Ziele sorgen, sondern uns sogar wirklich schaden könnten. Es ist immer schwer, einen objektiven Blick auf die Welt und das Geschehen zu bekommen, denn je näher Sie mit einem Thema, einer Person oder einem Unternehmen verbunden sind, desto subjektiver werden Ihre Meinungen.

„Alle Objektivität stellt immer nur den Versuch dar, objektiv zu sein.“
(Erich Limpach)

So ist es auch enorm schwierig oder gar unmöglich, sich selbst in einem objektiven Licht zu betrachten, was bei allen Menschen bis zu einem gewissen Grad zur Selbstgerechtigkeit und Selbsttäuschung führt. In extremen Fällen erwirkt dies zum Beispiel offensichtlich unhaltbare Wahlversprechen bei Politikern oder geschönte Bilanzen von Buchhaltern oder Wirtschaftsbossen. Ein häufiger Irrglauben ist allerdings, dass diese Lügen aus einer betrügerischen Absicht heraus entstehen und mutwillig böse sind. In vielen Fällen ist tatsächlich das Gegenteil der Fall und hinter der Täuschung steckt eine eigentlich gute Absicht.

„Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert, nicht mit schlechten.“

wusste bereits der irische Schriftsteller George Bernard Shaw und auch heute noch passt dieser Satz auf die menschliche Denkweise: Unser Prozess der Meinungsbildung ist nur selten von reinen Fakten abhängig. Stattdessen spielen Faktoren wie Harmoniestreben, geistige Faulheit oder Stolz und Sturheit eine wichtige Rolle.

Der menschliche Bestätigungsfehler

Das oben genannte Denksystem ist in der Psychologie Gegenstand der Forschung und hat den wohlklingenden Namen „confirmation bias“ bekommen – zu deutsch: Bestätigungsfehler. Dabei handelt es sich um die Neigung, lediglich die Informationen zu suchen und zu finden, die die eigene Hypothese bestätigen. Selbst, wenn mehr Fakten gegen die eigene Überzeugung sprechen, werden die wenigen Informationen, die zur Bestätigung dienen, eher in Erinnerung behalten.

„Wir hören nur das, was wir wollen.“

Dieser Satz beschreibt das psychologische Phänomen umfassend und tatsächlich suchen Menschen einerseits verstärkt nach den Informationen, die tatsächlich die bereits vorgefasste Meinung bestätigen, andererseits werden ambivalente Informationen auch grundsätzlich als Bestätigung interpretiert.

Eines der bekanntesten Gedankenexperimente zu diesem Thema stammt von Lord, Lepper und Ross: Die Psychologen suchten sich für ihre Versuchsreihe verschiedene Personen aus, die entweder für oder gegen die Todesstrafe waren und gaben ihnen zwei Studien zu lesen. Diese Studien sollten dem Anschein nach empirische Daten für oder gegen die Nutzung der Todesstrafe geben und obwohl beide Seiten gleichstark in den Texten vertreten wurden waren die Probanden am Ende von ihrer eigenen Meinung noch stärker überzeugt. Sobald sie nämlich Argumente für ihre eigene Position lasen, erhöhte sich die Zuversicht, dass ihre Meinung die richtige sei, während Gegenargumente nur einen sehr schwachen Effekt mit sich brachten. Außerdem wurde die Studie, die die eigene Überzeugung unterstützte, als qualitativ besser bewertet.

Meinungsbildung: Das Dilemma um den Bestätigungsfehler…

Die Folgen der Bestätigungsfehler beziehungsweise Bestätigungstendenzen können ernst sein:

  • Irrationales Festhalten an widerlegten Hypothesen
  • Selbstüberschätzung bei Urteilen
  • Manipulation der Reihenfolge von Beweismitteln
  • usw.

Gerade aus rechtlicher Sicht ist der letzte Punkt besonders wichtig, denn in der Regel haben Menschen eine neutrale Haltung zu juristischen Fällen und sind zunächst unvoreingenommen. Das erste Beweismittel in einem Fall sorgt jedoch dafür, dass schnell eine Arbeitshypothese in den Gedanken entsteht, von der sich die meisten Menschen nur schwer wieder lösen können. Das ist auch in der Wirtschaft und im Berufsleben wichtig, denn den ersten Eindruck werden Sie nur schwer wieder los – sei es beim Vorstellungsgespräch, der Wahl eines neuen Unternehmens als Partner oder der Eindruck, den Sie bei einem Kunden hinterlassen.

…und die selbsterfüllende Prophezeiung

Eine weitere gefährliche Gedankenfalle, mit der Sie sowohl im privaten als auch im beruflichen Umfeld zu kämpfen haben, ist die sogenannte selbsterfüllende Prophezeiung. Dabei handelt es sich um ein psychologisches Phänomen: Wenn Sie bereits vorab ein bestimmtes Ergebnis oder ein Verhalten erwarten, so tragen Sie unterbewusst selbst dazu bei, dass genau dieses Ergebnis beziehungsweise Verhalten auch eintritt.

https://www.youtube.com/watch?v=TCOBWFKDKgM

Es gibt auch einen entgegengesetzten Effekt, der als „selbstzerstörende Prophezeiung“ bezeichnet wird und bei dem wir durch unsere vorab gefasste Meinung und unser Verhalten dafür sorgen, dass ein bestimmtes Ergebnis gerade nicht eintritt. Das klassische Beispiel in diesem Zusammenhang ist die negative Affirmation, bei der wir denken, dass wir etwas nicht können – und klappt es beim ersten Versuch nicht, so fühlen wir uns bestätigt. Damit verstärkt sich die von uns erdachte Prophezeiung weiter und wir landen in einem Teufelskreis, obwohl wir es vielleicht beim zweiten Versuch geschafft hätten.

Lese-Tipp:Mehr Erfolg durch positives Denken? So können Sie es trainieren!

Hierbei handelt es sich um eine schlechte Angewohnheit, die Sie aus beruflicher Sicht nicht nur verlangsamen kann, sondern bei der Sie sich selbst Steine in den Weg legen. Sind Sie zum Beispiel davon überzeugt, dass Sie in einem Vorstellungsgespräch nicht überzeugen werden oder bei einer Präsentation versagen, dann werden Sie unterbewusst genau dafür sorgen. Tatsächlich ist es allerdings auch möglich, diese Haltung ins Positive umzukehren und sich selbst zu sagen, dass Sie es tatsächlich schaffen können. Gerade in Verbindung mit einem realistischen Optimismus können Sie so tatsächlich Ihre Haltung und das Ergebnis beeinflussen.

Ändern Sie die eigenen Denkmuster

Trotz all dieser Denkfallen und psychologischen Hindernisse ist es durchaus möglich, das eigene Denken zu ändern und vorgefasste Meinungen aufzubrechen. Schließlich handelt es sich bei der eigenen Meinung auch um die eigene Realität, die lediglich ein Konstrukt aus der eigenen Erfahrung, erworbenen Vorurteilen und nicht immer sinnvollen Überzeugungen ist. Der erste Schritt, um die eigenen Denkmuster zu ändern, ist dabei immer die Selbstreflektion beziehungsweise das Hinterfragen der eigenen Realität. Fragen Sie sich:

  • Warum genau sind Sie eigentlich von einer Tatsache überzeugt?
  • Sprechen die Fakten wirklich für Ihre Meinung oder haben Sie sich nur die passenden Informationen herausgesucht?
  • Gibt es vielleicht noch andere potentiell richtige Denkansätze?

Es ist selbstverständlich kein einfaches Unterfangen, das eigene Weltbild zu ändern und sich aus den bisher passenden und angenehmen Glaubenssätzen heraus zu manövrieren. Versuchen Sie sich klarzumachen, dass die meisten Ihrer Annahmen auf nicht belegten Mutmaßungen sowie vagen Vorstellungen beruhen und tatsächlich nur die wenigsten Ihrer Denkansätze belegbar sind.

Lese-Tipp:Aus „negativ“ mach „positiv“: Glaubenssätze auflösen und umwandeln

Sind Sie zum Beispiel davon überzeugt, dass Sie etwas Bestimmtes nicht können, weil es bereits schon einmal nicht geklappt hat, dann probieren Sie es doch nochmal aus – ein einziges negatives Erlebnis ist kein Beweis dafür, dass Sie in einer Sache auch tatsächlich nicht gut sind. Damit Sie die bisherigen Denkmuster auch tatsächlich durchbrechen können, ist es jedoch nicht nur wichtig, dass die alten Muster als falsch oder unpassend entlarvt werden, sondern auch, dass Sie auf neue Denkmuster zurückgreifen statt auf alte Meinungen.

Tipps und Tricks zum Ändern der eigenen Meinung

Letztendlich ist der Mensch einfach nicht so gestrickt, dass ihn Fakten alleine überzeugen: Einerseits behält er nur die Informationen, die seiner vorgefassten Meinung zuträglich sind, andererseits glaubt er vielen Fakten nicht. Möchten Sie Ihre alten Denkmuster durchbrechen, so begeben Sie sich auf die Suche nach Beispielen. Sind Sie zum Beispiel davon überzeugt, dass Ihr Beruf langweilig ist und einfach keinen Spaß mit sich bringt, dann schauen Sie sich nach Kollegen um, die tatsächlich in ihrem Arbeitsalltag aufgehen. Reden Sie mit ihnen und fragen Sie nach den positiven Aspekten – Sie werden überrascht sein, was Sie bisher übersehen hatten.

„Wie leicht doch bildet man sich eine falsche Meinung,
geblendet von dem Glanz der äußeren Erscheinung.“
(Molière)

Studien zeigen, dass wir nur die Fakten akzeptieren, die uns einen Vorteil bringen – was Sie ebenfalls nutzen können, um die alten Denkmuster zu durchbrechen. Begeben Sie sich gezielt auf die Suche nach den Informationen, die die neue, angestrebte Meinung unterstützen und ignorieren Sie die anderen Fakten. Das klingt zwar nach Selbsttäuschung, ist aber ein erprobtes Mittel, um sich selbst zu konditionieren.

Übung macht den Meister

Niemand erwartet von Ihnen, dass Sie von heute auf morgen die alten Denkmuster durchbrechen können, denn so ist die menschliche Psyche nicht aufgebaut. Auch Sie sollten nicht zu hohe Ansprüche an sich selbst stellen, sondern genügend Zeit einplanen. Der erste und wichtigste Schritt ist das Erkennen der alten Denkfehler und die Entscheidung, dass diese geändert werden sollen. Die nächsten Schritte sind das Üben der neuen Denkansätze, die die alten ersetzen sollen. Abhängig vom Thema und davon, wie tief die alte Meinung im Gedächtnis verankert ist, kann dies mal mehr und mal weniger Zeit beanspruchen.

Lese-Tipp:So klappt’s: In 66 Tagen vom Neujahrsvorsatz zur Routine

Geben Sie nicht auf, wenn Sie einmal etwas länger brauchen, um Ergebnisse zu erzielen und lassen Sie sich nicht vorschnell entmutigen. Versuchen Sie zudem, die Methode zu finden, die für Sie selbst am besten funktioniert – ein Patentrezept gibt es hier leider nicht und während einige Menschen mit einem gespielten Optimismus und Selbsttäuschung die eigene Meinung ändern können, lassen sich andere Menschen nur von Beispielen und Fakten beeinflussen. Dritte hingegen benötigen eine Mischung aus mehreren Methoden, um die festgefahrenen Denkmuster aufzubrechen. Probieren Sie einfach die verschiedenen Varianten aus und finden Sie so die Möglichkeit, sich selbst zu ändern und alte Meinungen anzupassen.

Individuelle Denkfallen angehen

Letztendlich denkt jeder Mensch auf eine eigene Art und Weise, denn das Denken wird von vielen Faktoren wie Erziehung, Erfahrung und Vorurteilen beeinflusst. Eine allgemeingültige Lösung gibt es also nicht, um die eigenen Denkfallen zu erkennen und zu umgehen, denn aus psychologischer Sicht gibt es nicht nur viele allgemeine Denkmuster, die dafür sorgen, dass die eigene Meinung nicht geändert wird, sondern auch viele individuelle Gründe. Letztendlich müssen Sie einfach versuchen, sich selbst zu erforschen und zu verstehen, warum Sie manche Meinungen nicht einfach ändern können: Was genau steckt dahinter und aus welchem Grund überzeugen Sie die Gegenargumente nicht? Erst dann werden Sie in der Lage sein, sich weiterzuentwickeln und neue Erfolge zu erzielen.

Lese-Tipp:Erfolgstagebuch: Kleines Helferlein mit großer Wirkung

Ein kleiner und trotzdem effektiver Tipp ist das Schreiben eines Tagebuchs: So können Sie auch noch nach Wochen, Monaten oder gar Jahren nachvollziehen, was Sie an einem bestimmten Tag dazu bewogen hat, eine bestimmte Entscheidung zu treffen und zwischen welchen Alternativen Sie wählen konnten. Nicht immer ist es beim Treffen einer Entscheidung möglich, vorherzusagen, welche Konsequenzen sie mit sich bringen wird. So können Sie zu einem späteren Zeitpunkt reflektieren und feststellen, ob Ihre Denkmuster und Meinungen Sie weitergebracht haben oder ob Sie diese nicht doch einmal überdenken sollten. So können Sie in Zukunft bessere Entscheidungen treffen und sowohl privat als auch beruflich neue Erfolge feiern.

Oder welche Kniffe haben Ihnen dabei geholfen, eine eingefleischte Meinung tatsächlich zu ändern? Wie hat dies Ihr (Berufs-) Leben optimiert und welche weiteren Anmerkungen haben Sie zum Thema? Wir freuen uns auf Ihren Beitrag in den Kommentaren!

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