In unserem Artikel „Kinder – Das Aus für die Karriere?“ mussten wir das traurige Fazit ziehen, dass sich viele Frauen heutzutage zwischen Kindern und ihrer Karriere entscheiden müssen. Die unsichtbare Mauer ist für Mütter in einem Angestelltenverhältnis häufig unüberwindbar. Doch wie sieht das eigentlich bei den Selbstständigen aus? Auch, wenn Mompreneure eine echte Rarität darstellen, scheinen sie den Spagat deutlich besser zu meistern, oder?

Inhalt
1. „Mompreneur“ – Was soll das sein?
2. Selbstständige Frauen sind deutlich in der Unterzahl
3. Beruflicher Erfolg als Mutter: Lautet das Zauberwort „Mompreneur“?
4. Liebe Mompreneure: Wo bleibt die Work-Life-Balance?
5. Ausgewogene Work-Life-Balance: Unsere Tipps für Mompreneure
6. Apropos Hilfe: Fördernetzwerke für Mompreneure
7. Fazit: Mompreneur – erfolgsversprechendes Modell mit Tücken

„Mompreneur“ – Was soll das sein?

Mompreneur ist ein aus dem Englischen stammendes Kunstwort, welches sich aus „Mom“ und „Entrepreneur“ zusammensetzt. Unschwer zu erraten, handelt es sich also um selbstständige Frauen, die sowohl Kinder haben als auch ein eigenes Unternehmen – egal, ob als Solopreneur, kleines Startup oder globales Imperium. Fakt ist: Selbstständige scheinen sich nicht zwischen Kindern und ihrer Karriere entscheiden zu müssen. Aber stimmt das?

Selbstständige Frauen sind deutlich in der Unterzahl

In Deutschland sind Mompreneure bislang ein eher rares Phänomen. Rund 4,238 Millionen Menschen waren hierzulande im Jahr 2013 selbstständig.
Statistik: Anzahl der Selbstständigen in Deutschland von 2005 bis 2015 (in 1.000) | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Dies entspricht rund 13,6 Prozent der Männer. Lediglich 7,4 Prozent der Frauen hingegen sind selbstständig. 71 Prozent der berufstätigen Frauen in Deutschland arbeiten stattdessen in einer Festanstellung. Die Mütter darunter dank „Kind-Karriere-Problematik“ (beziehungsweise „Teilzeit-Karriere-Problematik“) meist in eher mittelmäßigen Jobs mit einer im Vergleich zu den Männern schlechteren Bezahlung.
Infografik: Angestelltenrepublik Deutschland | Statista
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Die Zahl der deutschen Mompreneure beläuft sich damit auf schätzungsweise eine knappe halbe Million (Quelle: Impulse). Etwa die Hälfte dieser Frauen wiederum hat minderjährige Kinder. Dass es sich um ein seltenes Modell handelt, bedeutet allerdings nicht, dass das Dasein als Mompreneur nicht attraktiv wäre. Im Gegenteil: Es bringt zahlreiche Vorteile mit sich, wie eben die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Dies lassen zumindest die 42,4 Milliarden Euro Umsatz erahnen, welche die Mompreneure im aktuellen Jahr laut Statista erzielen sollen (Quelle: Impulse).

Beruflicher Erfolg als Mutter: Lautet das Zauberwort „Mompreneur“?

Wenn Mompreneure bei diesen Umsatzzahlen aber doch offensichtlich sowohl Mutter als auch beruflich erfolgreich sein können, wieso gibt es dann so wenige davon? Liegt es an den mangelnden Ideen, zu wenig Förderung oder ist da doch ein Haken, den wir im ersten Moment übersehen haben? Vielleicht ist die gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie ja doch nur eine Seite der Medaille. Mit Vorurteilen jedenfalls, haben Mompreneure zuhauf zu kämpfen:

  • Sie vernachlässigen ihre Kinder.
  • Sie leben auf Kosten ihres Mannes und verdienen sich ja eh nur ein Taschengeld dazu.
  • Sie verkaufen Häkel-Topflappen und Strickmützen statt innovativer Ideen.
  • Früher oder später landen sie ohnehin im Burnout.

Ob diese Vorurteile stimmen, wagen wir zu bezweifeln. Manch eines mag jedoch einen wahren Kern haben. So ganz stressfrei ist der Spagat zwischen Kindern und Selbstständigkeit gewiss nicht. Gut, wenn Sie dann noch die finanzielle Sicherheit durch einen gut verdienenden Partner haben. Das bedeutet aber keinesfalls, dass Mompreneure nicht gut verdienen, manch einmal sogar besser als ihr „nur“ gut verdienender Partner.

Liebe Mompreneure: Wo bleibt die Work-Life-Balance?

Auch bezüglich des letztgenannten Vorurteils können wir ein reales Risiko nicht verleugnen: Mompreneure sind tatsächlich sehr Burnout-gefährdet. Ob die Zahlen allerdings über denen der Festangestellten liegen, ist wieder fraglich. Mütter, die Beruf und Kinder kombinieren, egal in welcher Form, sind nämlich stets potenzielle Burnout-Kandidatinnen. Die psychische und körperliche Doppelbelastung wird vielen Frauen früher oder später zu viel. Manchmal kommen sogar noch weitere Verpflichtungen hinzu, wie die Pflege von Angehörigen. Und bei Mompreneuren wollen wir die zusätzliche Belastung durch die Selbstständigkeit nicht außer Acht lassen:

Wirtschaftliches Risiko, finanzielle Unsicherheit, mangelnde Absicherung im Unfall- oder Krankheitsfall sowie bei Arbeitslosigkeit, Versagensängste, Konkurrenzdruck, 7-Tage-Wochen…

Wie also machen Mompreneure das mit der „ausgewogenen Work-Life-Balance“?

Ausgewogene Work-Life-Balance: Unsere Tipps für Mompreneure

Einen „richtigen“ oder „falschen“ Weg gibt es wohl nicht, denn ebenso unterschiedlich wie die Mütter selbst, sind ihre Lebenssituationen und die Art ihrer Selbstständigkeit. Finden Sie als Mompreneur daher Ihren ganz individuellen Weg zu einer ausgewogenen Work-Life-Balance. Aber vielleicht können unsere Tipps Ihnen ja als Anregung dienen:

  • Nehmen Sie sich Zeit und verfallen Sie nicht gleich in Hektik. Kuscheln Sie noch mit Ihren Kindern im Bett oder frühstücken Sie in aller Ruhe gemeinsam.
  • Yoga gibt Ihnen am Morgen den perfekten Energie-Kick und macht Körper sowie Geist fit für den Tag. Besonders empfehlenswert ist die Übung „Sonnengruß“.
  • Legen Sie während der Arbeit immer wieder kurze fünfminütige Pausen ein und atmen Sie tief durch. Auch ein kleiner Power-Nap von zehn bis 30 Minuten wirkt wahre Wunder.
  • Oder aber Sie nutzen diese Pausen zum Netzwerken. Experten sagen nämlich, dass ein umfassendes Networking für Entrepreneure deutlich wichtiger ist als Deadlines, Kundenakquise & Co.
  • Doch nicht nur nach Außen, sondern auch im kleinen Kreis Ihrer Familie ist Kommunikation das A und O. Halten Sie Ihren Partner und die Kinder über Ihre Selbstständigkeit auf dem Laufenden, über Erfolge, Ziele und Zukunftspläne. Je mehr sich Ihre Familie mit einbezogen fühlt, umso größer werden ihr Verständnis sowie ihre Unterstützung sein. Führen Sie doch zum Beispiel einen gemeinsamen Familien-Kalender ein, damit jeder über die wichtigen Termine der anderen informiert ist.
  • Ebenso verhält es sich mit eventuellen Mitarbeitern: Werden Sie nicht müde, Ihre Situation zu erklären, auf Ihre familiären Verpflichtungen zu bestehen und die Hilfe Ihrer Mitarbeiter einzufordern. Dafür haben Sie diese ja schließlich eingestellt, oder?
  • Übrigens müssen Sie auch als Solopreneur nicht unbedingt alles alleine stemmen. Prüfen Sie, ob Sie eventuell Aufgaben outsourcen können, zum Beispiel an den Steuerberater oder einen Freiberufler. Auch die Einstellung eines (unbezahlten) Praktikanten ist zur Überbrückung von besonders stressigen Zeiträumen denkbar.
  • Und selbst bei Ihren Geschäftspartnern oder Kunden sollten Sie aus Ihrer Doppelverpflichtung kein Hehl machen. Sie erhalten einen wichtigen Anruf Ihres Mannes oder der Kinder? Dann entschuldigen Sie sich im Meeting kurz und nehmen ihn an. Nur, wenn Sie Ihre Doppelrolle als selbstverständlich und „wichtig“ begreifen, können Sie dies auch von Ihrem Gegenüber erwarten.
  • Eine weitere Grundregel lautet: Hören Sie damit auf, sich zu vergleichen. Selbst in der Spielgruppe herrscht heutzutage schon oft das Konkurrenzdenken: Wieso können die anderen Kinder schon krabbeln? Wieso sagt meine Tochter noch nicht „Mama“ oder wieso spielt mein Sohn weniger gut Fußball? Auch im Business bringt es nichts als Frustration, wenn Sie stets nach rechts und links blicken. Als Mompreneur wächst Ihr Unternehmen eben langsamer als das der besten Freundin, der Konkurrenz oder auch des Ehemannes…na und?!
  • Alle im Home-Office arbeitenden Mütter kennen das Problem: Spätestens, wenn die Kinder aus dem Kindergarten oder der Schule zurück sind, ist es mit der Ruhe und Konzentration vorbei. Und auch zuvor fällt es häufig schwer, sich zwischen schmutzigen Wäschebergen und unerledigter Hausarbeit ausreichend zu konzentrieren. Wenn Sie aber nicht dauerhaft ein eigenes Büro anmieten möchten, versuchen Sie es doch einmal mit sogenannten „Co-Working-Spaces“. So schlagen Sie gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Produktivität und Networking. Eine weitere praktische Möglichkeit für Mütter mit Babys und Kleinkindern sind die „Mutter-Kind-Büros“. Noch besser können Sie Arbeit, Networking und Ihre Mutterrolle nun wirklich nicht mehr vereinen.
  • Auf dem Heimweg geht es dann noch schnell im Supermarkt vorbei, oder? Das muss nicht sein! Quasi alles können Sie heutzutage online kaufen. Also investieren Sie doch einen Teil Ihrer Einnahmen als Mompreneur in die Lieferkosten für Ihren Wocheneinkauf und genießen Sie so mehr Freizeit für Ihre Kinder oder einfach sich selbst.
  • Zum Stichwort „Zeit für sich selbst“: Sie ist das A und O einer ausgewogenen Work-Life-Balance. Lesen Sie also nach Feierabend und wenn Ihre Kinder im Bett sind einfach mal wieder ein gutes Buch, üben Sie sich in Entspannungstechniken, wie Meditation, Yoga oder autogenem Training, oder gönnen Sie sich am Samstag auch einmal einen Wellness-Tag, während Ihr Partner Quality-Time mit den Kindern verbringt.
  • Zuletzt lautet die wichtigste Regel: Sagen Sie „Ja“ zu Hilfe! Dass Sie Mompreneur sind, bedeutet nicht, dass Sie alle Aufgaben alleine stemmen müssen. Mitarbeiter, Babysitter oder Pflegekräfte für die pflegebedürftigen Eltern sind schließlich nicht umsonst „erfunden“ worden. Merken Sie sich: Auf Dauer können Sie als Mompreneur nur erfolgreich, glücklich und gesund sein, wenn Sie Hilfe von außen annehmen. Also trauen Sie sich, auch einmal nicht die perfekte „Power-Frau“ zu sein, die uns in modernen Hollywood-Streifen als neues Normal suggeriert wird, sondern fragen Sie aktiv nach Hilfe. Übelnehmen wird Ihnen das niemand. Im Gegenteil: Wie wir Ihnen bereits im Artikel „Psycho-Tricks im Job: Wie Sie die Manipulation durchschauen“ erläutert haben, werden Sie dadurch, dass Sie Ihr Umfeld um Hilfe oder einen Gefallen bitten, sogar noch beliebter. Eine Win-Win-Situation!

Apropos Hilfe: Fördernetzwerke für Mompreneure

Wie bereits erwähnt, ist das Phänomen der „Mompreneure“ in den USA deutlich verbreiteter als in Deutschland. Aus diesem Grund gibt es dort nicht nur mehr Studien zum Thema, sondern auch hilfreiche Unterstützung für die entsprechenden Mütter. In einer Umfrage unter 1.000 Frauen mit eigenem Unternehmen gaben dort sogar 95 Prozent an, Mutter zu sein. Gleichzeitig beklagten sie sich über Schwierigkeiten mit einer ausgewogenen Work-Life-Balance und rund ein Viertel der Mompreneure beurteilte die Unternehmer- schwieriger als die Mutterrolle (Quelle: Marketwired Blog).

Ist es bei dem genannten Umsatz von 42,4 Milliarden Euro nicht vielleicht auch in Deutschland an der Zeit, dass es mehr private oder staatliche Fördernetzwerke für Mompreneure gibt? Ja, meinte auch Esther Eisenhardt und gründete kurzerhand das Berliner Netzwerk für selbstständige Mütter „Mompreneurs“, wo sich die Frauen überwiegend gegenseitig unterstützen und voneinander lernen sollen. Netzwerken ist ja bekanntlich das A und O der Selbstständigkeit.

Fazit: Mompreneur – erfolgsversprechendes Modell mit Tücken

Alles in allem ist die Selbstständigkeit gewiss nicht der „einfachste“ Weg und gerade als Mutter bringt die Doppelbelastung doch zahlreiche Tücken mit sich. Es ist aber ein Weg, der sich lohnt. Vor allem dann, wenn Sie in Ihrer Geschäftsidee endlich die Leidenschaft und den persönlichen Freiraum gefunden haben, der Ihnen in der Festanstellung so lange gefehlt hat. Und je nach Art der Selbstständigkeit, ist hier die Vereinbarkeit von Beruf und Familie deutlich besser als in einem Angestelltenverhältnis. Kind oder Karriere? Als Mompreneur müssen Sie sich nicht mehr entscheiden. Über einen Kamm scheren kann man diese Aussage allerdings nicht. So tut sich eine Solo-Unternehmerin, die beispielsweise im Bereich Grafikdesign vom Home-Office aus arbeitet, gewiss leichter mit dem Spagat zwischen Selbstständigkeit und Kinderbetreuung als die Inhaberin des 50-Personen-Betriebs. Fakt ist aber: Wenn Sie Ihren eigenen Weg kennen, werden Sie diesen auch finden. Egal, ob es schlussendlich als Mompreneur ist, in einer Festanstellung oder als Vollzeit-Mutter.

Allein, dass Mütter in Deutschland diese freie Wahl haben, ist doch Gold wert, oder? Welche Erfahrungen haben Sie zum Thema „Mompreneur“ gemacht? Oder kennen Sie vielleicht weitere (Förder-) Netzwerke? Wir freuen uns auf Ihre persönlichen Anregungen in den Kommentaren.

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