Für deutsche Frauen ist es immer noch eine schwierige Wahl: Wollen sie Mutter werden oder lieber die Karriere voranstellen? Denn beides gleichzeitig ist bis heute sehr schwierig – so gut wie unmöglich. Der deutsche Arbeitsmarkt macht es den Frauen nicht leicht. Junge Bewerberinnen werden häufig abgelehnt. Die fadenscheinigen Begründungen dienen einzig und allein dem Zweck, sich den Ausfall im Mutterschutz zu ersparen. Sagen darf das zwar niemand, ein Geheimnis ist das allerdings auch nicht. Die Frage nach der Familienplanung im Bewerbungsgespräch ist verboten. Was viele nicht wissen: Werden Sie dennoch gefragt, müssen Sie nicht ehrlich sein. Doch wer ein Kind bekommt, ist auf dem Arbeitsmarkt derzeit nicht gerne gesehen: Die Einarbeitung dauert oft lang, junge Frauen gehen dann in den Mutterschutz und kaum eine kommt wieder zurück, so der Vorgesetzte einer Werbeagentur. Doch stimmt das überhaupt? Und kommen die Frauen nicht zurück, weil sie nicht wollen oder weil sie vielleicht gar nicht können? Wie funktioniert das mit dem Kind und dem Job in Deutschland?

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Inhalt
1. Sind Kinder immer gleich auch das Karriereaus?
2. Wie können also Kinder und die Arbeit unter einen Hut gebracht werden?
3. Erst Kinder, dann Karriere?
4. Lohnt sich das Doppelleben aus finanzieller Sicht?
5. Väter werden immer mehr eingespannt
6. Doch was, wenn sich der Chef querstellt?
7. Kinder und Karriere? Das Fazit:

Sind Kinder immer gleich auch das Karriereaus?

Häufig bedeutet das Kind tatsächlich das Aus für die Karriere. Denn wer eine Führungsposition besetzt, muss in der Regel auch Vollzeit arbeiten. Nur 14 Prozent aller Frauen in der Führungsetage arbeiten Teilzeit, mal abgesehen davon, dass sowieso immer noch weniger Frauen an der Spitze sitzen als Männer. Der Grund hierfür soll die Mutterzeit sein. Fast 84 Prozent aller bestehenden Teilzeitstellen werden derweil von Frauen besetzt. Und das Modell, dass der Mann seinen Job aufgibt und die Frau stattdessen weiterhin ihre Karriere verfolgt, ist bislang noch eine absolute Ausnahme. Ob das nun männlicher Stolz ist oder Mutterliebe? Beides vielleicht! Das heißt natürlich nun nicht, dass Sie nicht arbeiten und ein Kind haben können. Wer allerdings eine große Karriere ansteuert, der sollte sich vielleicht tatsächlich lieber gegen die Mutterschaft entscheiden.

Denn Kinder sind in Deutschland in der Tat häufig das Karriereaus – Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel.

Und schließlich kann man auch ohne Karriere glücklich sein im Leben…

Wie können also Kinder und die Arbeit unter einen Hut gebracht werden?

Dass die Kombination aus Familie und Arbeit eine Herausforderung darstellt, dürfte so ziemlich jeder Frau klar sein. Das bedeutet allerdings absolut nicht, dass es unmöglich ist, trotz Kindern arbeiten zu gehen. Hierfür wird aber ein gewisses Maß an Flexibilität notwendig und auch finanziell kann häufig leider nicht mehr am vorherigen Gehalt angeknüpft werden. Hinzu kommt das schlechte Gewissen, das viele Mütter haben, wenn sie ihre Kindern in die Kinderbetreuung, zum Beispiel eine KITA, geben. Es handelt sich also nicht nur um eine rein zeitliche, sondern auch eine emotionale Herausforderung für eine Mutter, wieder arbeiten zu gehen. Eine Entscheidung, die jeder für sich selbst treffen muss, die häufig aber auch durch finanzielle Aspekte unumgänglich ist. Viele Mütter wünschen sich den Ausgleich zum Dasein als Hausfrau und Mutter und möchten zumindest in Teilzeit wieder arbeiten.

In einer Umfrage drückten rund 37 Prozent der Mütter diesen Wunsch aus. „Jede zweite berufstätige Frau in Teilzeit möchte mehr arbeiten. Sie arbeiten gezwungenermaßen weniger als sie wollen”, so die Vorsitzende des Verbandes berufstätiger Mütter. Die Gründe dafür seien unflexible Arbeitgeber oder mangelnde Betreuungsplätze für die Kinder. Was wäre also die Alternative?

Erst Kinder, dann Karriere?

Es ist natürlich durchaus möglich, auch nach der Elternzeit noch Karriere zu machen. Sie müssen allerdings bedenken, dass Sie bei Ihrem Wiedereinstieg in der Regel wieder ganz von Vorne beginnen dürfen. Nur in Ausnahmefällen kann eine Mutter in ihrer früheren Tätigkeit oder einer höherwertigen wieder einsteigen. Vor allem dann, wenn sie bereits Personalverantwortung innehatte. Das bedeutet: Je früher, desto besser. Wer also seine Kinder möglichst früh zur Welt bringt, kann seine Karriere zurückstellen bis diese in den Kindergarten oder die Ganztagsschule gehen. Vorausgesetzt die finanzielle und familiäre Situation erlaubt die frühe Mutterschaft. Wer das umzusetzen weiß, hat eventuell später sogar einen Vorteil gegenüber den kinderlosen Kolleginnen: Wer bereits Kinder hat, wird lieber eingestellt und befördert, da die Chance einer neuen Schwangerschaft als eher gering eingeschätzt wird und die Mitarbeiterin deshalb vermutlich auch langfristig im Unternehmen bleiben kann.

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Hinzu kommt, dass laut britischen Wissenschaftlern Frauen ohne Kinder als „kalt und seltsam“ gelten – das ist zumindest die Meinung in der Führungsetage. Bei Beförderungen werden deshalb weibliche Angestellte bevorzugt, die bereits Mutter sind. Denn diesen wird eher das emotionale Rüstzeug für die Personalverantwortung zugesprochen als ihren kinderlosen Kolleginnen, zum Beispiel Einfühlungsvermögen, Geduld, aber auch die notwendige Durchsetzungskraft. Um ihre Frauenquote zu erfüllen, greifen die Chefs deshalb nachgewiesenermaßen lieber auf die Frauen zurück, die ihr Mutterglück bereits erlebt und ihre Lebenserfahrung gemacht haben.

Lohnt sich das Doppelleben aus finanzieller Sicht?

Aus rein finanzieller Sicht ist das Fazit aber leider immer noch enttäuschend: Ob Mutter oder nicht, die Frauen in Deutschland werden für ihre Arbeit immer noch schlechter bezahlt als die männlichen Kollegen. Der renommierte Forscher Dr. Gratell fasst das Problem wie folgt zusammen:

„Frauen können nicht gewinnen. Frauen mit Kindern werden dafür beschuldigt, Mutterschaft mit bezahlter Arbeit zu verbinden – und Frauen ohne Kinder werden ausgeschlossen, weil sie keine Mütter sind.”

So steigen Mütter zwar in der Regel schneller die Karriereleiter hinauf als ihre kinderlosen Kolleginnen, mit steigendem Gehalt kann dabei aber häufig nicht gerechnet werden. Zumindest nicht in ausreichendem Maße, verglichen mit den männlichen Konkurrenten. Durch die Jahre im Mutterschutz fehlen zudem wichtige Zahlungen in die Rentenkasse, welche folglich erst einmal nicht wieder aufgeholt werden können. Muttersein lohnt sich in finanzieller Hinsicht daher nicht – Überraschung? Wohl kaum!

Väter werden immer mehr eingespannt

Kein Wunder also, dass die Frauen heutzutage immer mehr versuchen, auch die Väter in die Erziehung der Kinder miteinzubeziehen und dadurch auch die finanziellen und karrieretechnischen Folgen des Elternglücks zu gleichen Maßen aufzuteilen. Und das scheint diesen durchaus entgegen zu kommen: Laut einer Umfrage wünscht sich der Großteil der Männer in einer Vollzeitbeschäftigung weniger Zeit auf der Arbeit und dafür mehr für die Familie. Denn nicht wenige Männer kommen abends erst dann nach Hause, wenn die Kinder bereits auf dem Sprung ins Bett sind. Was früher „normal“ war, reicht vielen Männern heutzutage nicht mehr aus. Daher reduzieren immer mehr Männer ihre Arbeitszeit sobald sie Vater werden, wodurch die Frau entgegengesetzt wieder mehr Zeit für eine Teilzeitstelle freiräumen kann. Ein Modell, das auch vielen Frauen recht ist. Denn sich auf einen Alleinverdiener zu verlassen, ist heutzutage im ökonomischen Sinne äußerst gefährlich. Die Scheidungsraten steigen, die Beziehungen sind brüchiger, „bis das der Tod uns scheidet“ wird lange nicht mehr so wörtlich genommen wie noch in der Nachkriegsgeneration. Die Frauen möchten deshalb vermehrt auf eigenen Beinen stehen. Die Konsequenz ist einfach: Die Arbeitsmodelle der einzelnen Familien werden variabler, flexibler und ausgeglichener.

Doch was, wenn sich der Chef querstellt?

Der Staat unterstützt diese neuen Familienmodelle und gibt dem Arbeitnehmer ein Recht auf Teilzeit (Teilzeitarbeitsgesetz). Doch in der Praxis gestaltet sich das häufig noch schwierig: Je nach Branche, sträuben sich zahlreiche Arbeitgeber gegen die Vergabe von Teilzeitbeschäftigungen. Was Sie tun können, ist die Klage. Doch später in einer Arbeitsstelle zu arbeiten, in welcher Sie nicht erwünscht sind oder gar zurückzukehren und keine Arbeit mehr vorzufinden, das schreckt viele Mütter und Väter schlussendlich dennoch davon ab, ihr Recht auf die Teilzeitstelle einzuklagen. Wer also von der Teilzeitstelle absieht, der hat dennoch weitere Möglichkeiten, früher oder später die Arbeit und Familie miteinander zu kombinieren:

  • Vollzeitarbeit mit Kernarbeitszeit (Gleitzeit): Wer seine Vollzeitstelle behalten will oder muss, der hat vielleicht Glück und verfügt über einen Arbeitsvertrag mit Gleitzeitvereinbarung. So können Sie Ihre Arbeitszeiten besser an die Kinderbetreuung anpassen und zumindest eines der Elternteile bezieht weiterhin sein volles Gehalt.
  • Komprimierte Wochenstunden: Sie können nicht weniger Stunden arbeiten? Vielleicht können Sie diese dann ja auf weniger Tage verteilen, sprich an weniger Tagen mehr arbeiten und dafür einen ganzen oder auch mehrere halbe Tage frei machen?
  • Das Homeoffice ist eine gute Alternative für Eltern, sobald die Kinder etwas älter und selbstständiger sind. So ist keine Dauerbetreuung mehr notwendig und Sie finden durchaus auch in einem separaten Raum Zuhause die notwendige Konzentration für die Arbeit. Die Arbeitsdauer und -zeiten müssen dafür jeweils mit dem Arbeitgeber vereinbart werden.
  • Vertrauensarbeitszeit: Wie der Name bereits sagt, verzichtet der Arbeitgeber hier auf die genaue Überprüfung der Arbeitszeit und lässt den Arbeitnehmer nach freiem Ermessen die Arbeitszeiten selbst wählen. Was schlussendlich überprüft und bezahlt wird, ist das fertige Ergebnis. Dieses Modell wird sehr häufig mit dem Homeoffice kombiniert.
  • Zeitkonto: Wer bereits seit vielen Jahren in einem Unternehmen arbeitet, kann nach einem Zeitkonto fragen. So lassen sich Überstunden oder Arbeitszeitschulden auf viele Jahre sammeln und ausgleichen. Durch gute Vorarbeit leisten sich so zahlreiche Arbeitnehmer in Deutschland vermehrt eine längere Auszeit: als Sabbatical, Weiterbildung oder eben auch Familienzeit.

 

Kinder und Karriere? Das Fazit:

Die deutsche Gesellschaft befindet sich im Wandel und die Politik kämpft vermehrt gegen die sinkende Geburtenrate an – die Unternehmen hingegen stellen sich immer noch häufig quer. Deutsche Frauen wünschen sich vermehrt wieder Kinder, sehen sich aber gleichzeitig in dem Wunsch der finanziellen Unabhängigkeit von ihrem Partner. Und wer auf das doppelte Einkommen zurückgreift, geht mittlerweile auch mutiger auf den Arbeitgeber zu und fordert sein Recht auf die Teilzeit oder ähnliche flexible Arbeitsmodelle ein. Während die Karriere ihren Stellenwert bei Männern wie Frauen behält, möchten diese gleichzeitig immer weniger Abstriche auf Kosten der Familie machen. Da werden auch einmal gute Angebote ausgeschlagen oder der Wohnortswechsel abgelehnt, ungeachtet der Konsequenzen. Bereits 40 Prozent der deutschen Paare teilen sich die Auszeit. 10,5 Prozent der Väter gehen in Elternzeit. Vor wenigen Jahren waren es erst rund vier Prozent.

In einer Studie der Bertelsmann Stiftung gaben die befragten Führungskräfte zwei Erfolgsfaktoren für das Gelingen der Kombination von Kind und Karriere an: Zum Einen ist die Unterstützung des direkten Vorgesetzten oder eines anderen ranghohen Förderers im Unternehmen notwendig. Zum anderen ist die eigene, proaktive und kompromissbereite Haltung in Form von „Geben und Nehmen“ unablässig. Sie müssen eigeninitiativ nach dem passenden Modell für Ihre Situation suchen und dieses frühzeitig mit der/m Verantwortlichen/m besprechen. Wenn dieses Ihren und den Ansprüchen des Unternehmens gleichermaßen gerecht wird, können Sie in den meisten Fällen mit dem Rückhalt Ihres Arbeitgebers rechnen.

Doch auch hier gilt: Eine Regel gibt es nicht und die genannten Zahlen schwanken je nach Branche mitunter stark. Im Endeffekt können Sie es nicht erzwingen, neben Ihrem Dasein als Mutter oder Vater auch noch die berufliche Karriereleiter hinaufzusteigen. Aber einen Versuch ist es allemal wert…