Alte Liebe soll bekanntlich nicht rosten. Gilt das auch für den alten Job? Hier kommen gute Gründe, dem Ex-Arbeitgeber eine zweite Chance zu geben.

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Die große Rückkehr – oder einfach nur Rückschritt?

Zurück zum Ex-Arbeitgeber zu gehen, bedeutet nicht automatisch, einen Rückschritt zu machen.

Dies untermauert jetzt eine aktuelle Untersuchung des amerikanischen Tech-Unternehmens UKG (Ultimate Kronos Group): In den USA sollen etwa 47 Millionen Beschäftige im Pandemiejahr 2021 ihrem Job den Rücken gekehrt haben. Fast die Hälfte der Befragten gab jedoch an, es im alten Job besser gehabt zu haben als bei ihrem neuen Arbeitgeber. Einige der Befragten seien bereits zu ihrem Ex-Arbeitgeber zurückgekehrt.

Ob zurück zum Ex-Partner oder zum Ex-Arbeitgeber: Ein Comeback hat seine Vor- und Nachteile. Einerseits profitierst du von Gewissheit und Leichtigkeit, weil du weißt, worauf du dich einlässt. Andererseits kehrst du zurück zu jemandem, den du vielleicht aus einem guten Grund verlassen hast.

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Gute Gründe: Warum lohnt sich eine Rückkehr zum ehemaligen Arbeitsplatz?

Du bist bereits im Gespräch mit deinem Ex-Arbeitgeber oder spielst mit dem Gedanken, wieder zurückzukehren? Dann gilt es, die Entscheidung gut abzuwägen. Mit folgenden Vorteilen kannst du rechnen, wenn du dich ein zweites Mal für deinen früheren Arbeitsplatz entscheidest.

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1. Du bist mit allem und jedem vertraut

Du kennst das Team, die Arbeitsabläufe und deine Vorgesetzten – falls seit deinem Weggang nicht zu viel Zeit vergangen ist und kein kompletter Personalwechsel stattfand. Die Tatsache, dass du mit allem vertraut bist, erleichtert die Rückkehr und den Start in den Arbeitsalltag. Meist entfällt die Einarbeitung.

Auch der ehemalige Arbeitgeber profitiert mehrfach: Gerade wegen des Fachkräftemangels werden ehemalige Arbeitnehmer mit offenen Armen empfangen. Gleichzeitig entfällt der zeitliche und finanzielle Aufwand für eine klassische Einarbeitungsphase.

Tipp: Wegen der Pandemie oder auch aus betrieblichen Gründen kann dein Ex-Arbeitgeber sich für einige Veränderungen im Betrieb entschieden haben. Es hilft, sich über neue Strukturen oder Regelungen zu informieren, bevor du eine Vertrag unterschreibst.

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2. Du kannst deine Position neu verhandeln

Hat dich ein Unternehmen eingestellt und dir mehr als dein früherer Arbeitgeber bezahlt? Falls du diese Frage bejahst, gehst du automatisch in einer besseren Position und mit einem höheren Marktwert zurück zu deinem ehemaligen Arbeitgeber.

Für dich bedeutet das: Du kannst, wenn du es nicht ohnehin schon angestrebt hast, eine höhere Position oder einen besseren Lohn aushandeln.

Auch gut: Um Ex-Arbeitnehmer, die wieder zurückkehren, an das Unternehmen zu binden, greifen einige Arbeitgeber ebenfalls zu verschiedenen Maßnahmen. Dazu gehört zum Beispiel die Übertragung von wichtigen Aufgaben und einer größeren Verantwortung an den Rückkehrer.

Tipp: Sei freundlich, aber auch klar. Wenn du Forderungen an deinen Ex-Arbeitgeber hast, solltest du diese deutlich formulieren. Eine transparente Kommunikation hilft beiden Seiten. So stellst du sicher, dass du unter den Bedingungen arbeitest, die deinen Werten und Wünschen entsprechen.

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3. Du hast dazugelernt – und kannst deine Skills nun anwenden

Ob mehr Selbstbewusstsein, neue Fähigkeiten oder die Lösung für ein Problem, welches dich beim alten Job ständig verfolgt hat: Wer neue Ufer besucht und zu alten zurückkehrt, tut dies meist nie ohne eine Bereicherung.

Wenn du neue Skills erlernt hast, kannst du sie bei deinem ehemaligen Arbeitgeber anwenden. Es fällt dir leicht, neue Perspektiven einzunehmen und frische Ideen einzubringen.

4. Du genießt deinen Job, weil du ihn jetzt mehr schätzt

Bekanntlich musst du erst etwas verlieren oder loslassen, um die wahre Bedeutung schätzen zu lernen. Das ist zwar nicht immer der Fall. Möglicherweise bist du sogar froh, gegangen zu sein.

Sollte der umgekehrte Fall zutreffen, wirst du dich über die Rückkehr zum Ex-Arbeitgeber jedoch freuen. Erst jetzt weißt du, wie viel dir zum Beispiel das kollegiale Umfeld, die Zusammenarbeit mit deinen Kunden oder die Arbeitszeiten gefallen haben.

Boomering-Hiring: Nicht immer ein Zuckerschlecken für ehemalige Arbeitnehmer

Auch personalpolitischer Sicht wird die Einstellung eines ehemaligen Arbeitnehmers üblicherweise als ‚Boomering-Hiring‚ bezeichnet. Personalverantwortliche bleiben hierfür meist mit Ex-Beschäftigten in Kontakt, um diese später dazu zu bewegen, zur Firma zurückzukehren.

Für ehemalige Arbeitnehmer ist die Einstellung im alten Unternehmen aber nicht immer einfach – auch wenn Chefs und Kollegen sich freuen, einen „alten Hasen“ begrüßen zu dürfen.

Das hat mehrere Gründe:

  • Der ewige Stempel: Wer Auszubildender in einem Betrieb war oder einen bestimmten „Ruf“ hatte, wird diesen möglicherweise nicht los. Obwohl du bereits einen anderen Job hattest, kehrst du so in ein Umfeld zurück, welches dir das Gefühl gibt, einen Rückschritt zu machen.
  • Die „falsche“ Motivation: Schwierig wird es auch, wenn du deinen alten Job annimmst, weil du keine andere Perspektive siehst. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn du in deinem neuen Job unzufrieden bist oder nicht die Stelle findest, die du dir vorgestellt hast.
  • Große Überwindung: Zum alten Job zurückzukehren, bedeutet manchmal, Scham zu verspüren. Auch wenn du für dich persönlich entschieden hast, dass deine Rückkehr die richtige Entscheidung ist, wirst du vielleicht das Gefühl nicht los, dass Kollegen oder Umfeld dich als rückschrittlich betrachten.

Tipp: Die Rückkehr zum Ex-Arbeitgeber ist eine mutige Entscheidung. Versuche dich deshalb nicht von deinem Umfeld oder von den Reaktionen deiner Teamkollegen verunsichern zu lassen. Am Ende geht es um deine persönliche Zufriedenheit.

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Worauf achte ich, bevor ich zum Ex-Arbeitgeber zurückkehre?

Vor allem die persönliche Motivation, weshalb du zu deinem ehemaligen Arbeitgeber zurückkehrst, ist jetzt entscheidend. Geschieht dies aus reiner Not – oder aus eigenem Wunsch heraus?

Wenn es finanziell eng wird oder wir aus einem anderen Grund notgedrungen entscheiden, tendieren wir nicht selten zu alten Mustern. Möglicherweise hast du deinen Job gekündigt, weil du Probleme mit der Arbeitskultur hattest. Vielleicht hast du ein toxisches Arbeitsumfeld wahrgenommen. Es kann auch sein, dass dir die Wertschätzung deines ehemaligen Chefs gefehlt hat und du nicht länger bereit warst, dort unter diesen Umständen zu arbeiten.

Kehren wir dennoch zu alten Mustern zurück, riskieren wir einen Rückschritt. Heißt: Wir entscheiden uns für das Gewohnte; wir kehren zu dem zurück, was bekannt und sicher ist. Hierfür nehmen wir auch alte Probleme in Kauf. Hast du deinen früheren Arbeitsplatz wegen unlösbaren Konflikten und aus guten Grund verlassen, wäre es zwar „ungesund“, zurückzukehren. Dennoch tust du es. Überlege gut und werde dir über deine persönlichen Motive bewusst.

Manchmal ergeben sich außerdem Hürden während des Gespräches zur Wiedereinstellung. Mit Sicherheit möchte dein Ex-Arbeitgeber die Gründe für deine Rückkehr erfahren. Auch wenn es nicht der Fall sein sollte und dieser dich dankbar empfängt: Bereite dich auf das Gespräch vor, um dich sicher zu fühlen.

Tipp zum Schluss

Ob du nun zum alten Arbeitgeber zurückkehrst, eine neue Stelle suchst oder einfach über einen Perspektivwechsel nachdenkst: Stelle sicher, dass du im Guten gehst – und nicht im Streit. Kontakte aus dem früheren Berufsleben können dir später helfen. Vor allem hilft es dir aber, wenn du eine Chance siehst, in deinen alten Job zurückzukehren.

Bildnachweis: MangoStar_Studio/istockphoto.com