Wenn es um das Thema Studium geht, dann denken die meisten an klassische Fächer wie Jura, BWL und Medizin. Studiengänge dieser Art genießen einen traditionellen, sicheren und vor allem auch prestigeträchtigen Ruf, der zahlreiche Studieninteressierte anlockt. Doch auch wenn Studiengänge dieser Art zweifelsfrei die beliebtesten sind, gibt es doch auch zahlreiche andere, die es verdient haben, beachtet zu werden. Die 10 Studiengänge, die wir Ihnen in diesem Beitrag vorstellen wollen, sind das perfekte Beispiel dafür, dass ein Studium nicht nur traditionsreich, sondern auch absolut verrückt sein kann.

#1 Angewandte Freizeitwissenschaften
#2 Körperpflege
#3 Eurythmie
#4 Promenadologie
#5 Coffee Management
#6 Esoterik
#7 Oenologie
#8 Friesische Philologie
#9 Space Master
#10 Urbanes Pflanzen- und Freiraum-Management
Verrückte Studiengänge weltweit

#1 Angewandte Freizeitwissenschaften

Starten wir gleich einmal mit einem Studiengang, der fast schon zu schön klingt, um wahr zu sein. Die angewandten Freizeitwissenschaften, die als Bachelor-Studium an der Hochschule Bremen angeboten werden, beschäftigen sich tatsächlich damit, wie Menschen gern ihre freie Zeit gestalten. Das bedeutet allerdings keinesfalls, dass Studierende dazu eingeladen werden, den lieben langen Tag zu faulenzen. Auf der Agenda stehen unter anderem „sozial-, wirtschafts-, natur- und rechtswissenschaftliche sowie methodische Grundlagen der Freizeit- und Tourismuswissenschaft“, so die Aussage im entsprechenden Info-Flyer der Hochschule Bremen. Im weiteren Verlauf des Studiums wird dann auch ein verstärkter Praxisbezug hergestellt, der die Studierenden bestens auf den späteren Berufsalltag vorbereiten soll. Zu den möglichen beruflichen Perspektiven der angewandten Freizeitwissenschaften gehören

  • Eventmanagement
  • Wellness-Beratung
  • Tourismus-Planung

#2 Körperpflege

Wer denkt, dass die Freizeit als Studieninhalt schon skurril ist, wird dieses Angebot der TU Darmstadt für noch verrückter halten. Hier ist es tatsächlich möglich, Körperpflege zu studieren. Das Studienfach richtet sich allerdings nicht an Menschen mit strengem Körpergeruch, sondern an die, die Ambitionen haben, als Berufsschullehrer zu arbeiten. Körperpflege ist eine berufliche Fachrichtung, die im Rahmen des Studiengangs Lehramt an beruflichen Schulen (Bachelor + Master) angeboten wird. Inhalt des Studiums ist unter anderem die Vermittlung verschiedener Körperpflegetechniken, die der Studierende später anderen lehren kann. Was wirklich schräg klingt, ist insbesondere im medizinischen und Pflege-Bereich von großer Wichtigkeit und daher alles andere als lächerlich.

#3 Eurythmie

professionelle Tänzerin
Eurythmie ist die „Wissenschaft“, seinen eigenen (oder einen anderen) Namen tanzen zu können. Was den meisten wohl nur als Schulfach an Waldorfschulen bekannt sein dürfte, wird tatsächlich auch als Studiengang angeboten – und zwar als Bachelor und Master. Ziel der Ausbildung ist es, später einmal als Eurythmie-Lehrer zu arbeiten und die Fähigkeit an andere weiterzugeben. Außerdem ist es möglich, mit dieser besonderen Form des Tanzes im Theater-Bereich Fuß zu fassen. Wenn Sie sich nun fragen, wo Sie dieses schräge Fach studieren können, sollten Sie einmal auf der Homepage der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft vorbeischauen.

Eurythmie wird ganz allgemein als Bewegungskunst bezeichnet. Sie hat ihren Ursprung zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Als „Erfinder“ der Eurythmie gilt Rudolf Steiner, der Begründer der Waldorf-Pädagogik. Ziel der Bewegungen ist es, die Umwelt und die Beziehungen zu anderen Menschen bewusster wahrzunehmen. Der eigene Körper wird dabei zu einem „Instrument für seelisch-geistige Intentionen“ heißt es auf der Homepage der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft.

#4 Promenadologie

Man kann aus allem eine Wissenschaft machen – auch aus einem scheinbar ganz normalen Spaziergang. Wer an der Universität Kassel Architektur studieren will, kann sich auf den Teilbereich Promenadologie – auch Spaziergangswissenschaft genannt – freuen. Ziel dieser Disziplin ist es, die Umgebung während eines Spaziergangs ganz gezielt wahrzunehmen und auf sich wirken zu lassen. Das Studium der Wahrnehmung durch Fußgänger spielt vor allem bei der Stadtplanung eine entscheidende Rolle. Auch hier wird wieder deutlich: Ein Studiengang, der im ersten Moment sehr skurril wirkt, ist nicht automatisch unnütz. In vielen Fällen steckt ein bemerkenswerter Sinn dahinter, den zu entdecken es sich lohnt.

#5 Coffee Management

verschiedene Kaffeebohnen und Kaffeesorten
Für viele Studenten gehört der Kaffee genauso untrennbar zum Studium wie Klausurstress und wilde Partys. Doch ist das Grund genug, dem „braunen Gold“ gleich ein ganzes Studienfach zu widmen? Ja, denn Kaffee ist längst zum Grundnahrungsmittel vieler Menschen geworden und muss daher ständig verfügbar sein. An der Northern Business School Hamburg lernen Sie berufsbegleitend den Einkauf und Vertrieb von Kaffee. Als Coffee Manager haben Sie schließlich die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass immer ausreichend Kaffee in den Supermärkten verfügbar ist und sich die Kunden regelmäßig über neue Sorten freuen können.

#6 Esoterik

Im Anbetracht dessen, dass sich Universitäten und Hochschulen vorrangig mit Wissenschaften auseinandersetzen, ist es doch schon extrem skurril, dass Sie an der Universität Freiburg das Fach Esoterik studieren konnten. Die genaue Bezeichnung dieses Studiengangs lautet „Spiritualität und Interkulturalität“. Er ist Teil des Instituts für interreligiöse Studien und wird als Kontaktstudium tituliert. Das bedeutet, dass Sie es auch berufsbegleitend absolvieren können. Möglich machen das ein hoher Anteil an Phasen des Selbststudiums und verhältnismäßig wenige Präsenztermine an der Universität.

#7 Oenologie

Oenologie ist das Studium des Weinbau
Wer sich der Lehre der Oenologie verschreibt, der mag es gern hochprozentig. Der Fachbegriff umschreibt nämlich das Studium des Weinbaus. Angeboten wird dieses unter anderem an den folgenden Universitäten und Hochschulen:

Weinbau ist ein Teilgebiet der Agrarwissenschaften und als solches sehr wichtig für unsere Gesellschaft. Das Studium unterteilt sich inhaltlich in

  • Biologie
  • Chemie
  • Agrarwissenschaften
  • Betriebswirtschaft
  • Geschichte des Weinbaus
  • Klimatologie
  • Anatomie der Weinrebe
  • Pflanzenschutz

Immer mehr Universitäten und Hochschulen bieten außerdem die Möglichkeit, Vorlesungen im Bereich des alternativen Weinbaus zu besuchen. In diesem Fach werden rein biologische und ökologische Anbau-Verfahren gelehrt, die ohne den Einsatz chemischer Mittel auskommen.

#8 Friesische Philologie

Spach-Genies aufgepasst! An der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel haben Sie die Möglichkeit, friesische Philologie – auch Frisistik genannt – zu studieren. Hierbei handelt es sich um eine wissenschaftliche Disziplin, die sich mit der friesischen Sprache und Literatur auseinandersetzt. Jährlich fangen nur rund 10 Menschen an, dieses Fach zu studieren. Es kann also als wahre Rarität und echte Besonderheit verstanden werden. Spätere Berufsfelder eines Frisisten sind:

  • Lehramt im Kreis Nordfriesland und auf Helgoland
  • Medienarbeit
  • Gremienarbeit

#9 Space Master

Astronaut im Weltraum
Es klingt nach dem wahrgewordenen Traum eines jeden kleinen Jungen: Sie studieren an der Universität Würzburg und können sich im Anschluss daran als Space Master bezeichnen. Was ziemlich futuristisch und nach einem Science Fiction-Film klingt, ist im Grunde genommen nichts weiter als ein Technik-Studium mit Master-Abschluss – das sich auf den Einsatzbereich Weltraum spezialisiert hat. Studenten der Raumfahrttechnik dürfen sich nicht nur auf ein spannendes (und anspruchsvolles) Studium freuen, sondern auch auf beste Job-Aussichten. Der Bedarf an Raumfahrtingenieuren ist nämlich ausgesprochen groß.

#10 Urbanes Pflanzen- und Freiraum-Management

An der Beuth Hochschule für Technik Berlin haben Sie die Möglichkeit, urbanes Pflanzen- und Freiraum-Management zu studieren. Klingt ein bisschen nach dem neuesten Hipster-Trend aus der Hauptstadt? Ist es nicht, denn dieser Management-Studiengang ist von großer Bedeutung für urbane Lebensräume – sprich Städte und Ortschaften. Das Studium kann als eine Kreuzung aus Management und Landschaftsarchitektur verstanden werden und spricht dementsprechend auch eine große Interessengruppe an. Nachdem Sie das Studium absolviert haben, sind Sie beispielsweise in der Lage, Grünflächen in Ballungsgebieten so zu gestalten, dass von einer sinnvollen Nutzung gesprochen werden kann. Die Konzepte und Lösungsansätze beruhen stets auf wissenschaftlichen Grundlagen. Außerdem lehrt Sie das Studium einen nachhaltigen Umgang mit Pflanzen im urbanen Bereich. Zu den Schwerpunkten vom urbanen Pflanzen- und Freiraum-Management gehören:

  • Verfahrens- und Vegetationstechnik an urbanen Standorten
  • Planungsrecht und Planungsmethodik
  • Pflanzenmanagement
  • Projektentwicklung
  • Freiraumstrukturkonzepte

Verrückte Studiengänge weltweit

Nachdem wir uns bis hierher intensiv mit verrückten Studiengängen aus Deutschland befasst haben, möchten wir abschließend einen Ausblick weltweit wagen. Denn eines steht fest: Skurrile Studienfächer gibt es überall auf dem Globus. Die folgenden Beispiele beweisen das:

  • Philosophy in Ufology: An der Melbourne University in Australien können sich Studierende auf einen Alien-Angriff vorbereiten.
  • Lady Gaga: Die University of South Carolina (USA) bietet einen Studiengang an, der sich mit Pop-Ikone Lady Gaga befasst. Im Zentrum der Lehre stehen ihr Einfluss auf die Popkultur, Musik und das Phänomen ihres Erfolgs.
  • Paranormal Studies: Ebenfalls in den USA – genauer gesagt an der University of Arizona – haben Sie die Möglichkeit, sich mit paranormalen Phänomenen auseinanderzusetzen. Ob Sie anschließend „Ghostbuster“ als Ihre offizielle Berufsbezeichnung angeben dürfen, können wir Ihnen allerdings nicht sagen.
  • Lego-Studium: Noch ganz frisch ist das Lego-Studium, das an der University of Cambridge in England angeboten wird. Der Studiengang, der zur Fakultät für Erziehungswissenschaften gezählt wird, lehrt zum Thema „Spiel in Erziehung, Entwicklung und Lernen“.

2 Kommentare

  1. Bernhard Stettner

    Frage an Jessika Fichtel:
    Studiert man womöglich “#11 Sozialjournalistik”, um damit später über andere Fächer herziehen zu können, von denen man womöglich gar nichts versteht? Und berechtigt dieser Studiengang dann vielleicht, z.B. über die Eurythmie zum xten Male das gängige Vorurteil zu wiederholen, man lerne dort, den eigenen Namen zu tanzen?

    Ich kenne keinen Eurythmisten, der sein Studiums zu diesem Zweck ergriffen hat und keinen Waldorfschüler, der so etwas während seiner Schulzeit gelernt/geübt hätte. Ich war selber Waldorfschüler, meine Töchter waren es, eine hat sogar Eurythmie studiert und dabei viel gelernt; aber ich habe sie nie ihren Namen tanzen gesehen.

    Natürlich könnte (rein theoretische) jeder ehemalige Waldorfschüler und/oder jeder Eurythmist die Buchstaben, aus denen sich sein Name zusammensetzt, bei Bedarf durch eurythmische Gesten darstellen, aber das ist natürlich nicht Ziel des Unterichts oder des Studienganges. Man mag ja zur Eurythmie (als Kunst- und Ausdrucksform) stehen wie man will, man mag sie ablehnen oder für sie schwärmen, man mag das Fach als Schüler “lieben” oder notgedrungen „tolerieren“, aber es erscheint mir doch eher als diskriminierend und wenig “sozial”, wenn die Menschen, die sich dieser Kunstform widmen, von einer “Sozial”journalistin in dieser Form quasi als skurile Sonderlinge abgestempelt werden, die einen Studiengang ergreifen, um den eigenen Namen tanzen zu lernen. Die ewige Wiederholung dieses skurilen Klischees ist weder witzig noch hilft es dem Leser, sich ein realistisches Bild von diesem Studium zu machen.

  2. Jessika Fichtel

    Hallo Herr Stettner,

    es tut mir sehr leid, wenn Sie sich durch meinen Beitrag auf den Schlips getreten fühlen. Es war zu keiner Zeit meine Absicht, irgendeinen der vorgestellten Studiengänge durch den Kakao zu ziehen oder schlecht zu machen. Meine Wortwahl im Fall der Eurythmie war wohl ein wenig unglücklich, wofür ich mich entschuldigen möchte.

    Ich möchte mir allerdings auch nicht unterstellen lassen, andere Studienfächer nicht zu tolerieren oder gar unsozial zu sein – denn das ist einfach nicht der Fall. Der Artikel sollte andere – nicht alltägliche und dadurch “skurrile” – Studiengänge vorstellen und auf diese aufmerksam machen. Daher habe ich auch erwähnt, dass Eurythmie eine Bewegungskunst ist, die der Wahrnehmung von Umwelt und Menschen dient. Auch der Verweis darauf, dass man mit diesem Studienfach Fuß im Theaterbereich oder als Lehrer fassen kann, ist meiner Meinung nach kein Klischee, sondern eine Information, die den Zweck dieses Studiums erklärt.

    Also nochmal zusammengefasst: Meine Wortwahl im Hinblick auf das “Namen tanzen” war unglücklich und nicht ausreichend überlegt. Die Kategorisierung als “skurril” ist jedoch weder im Fall der Eurythmie noch eines anderen Studienganges diskriminierend oder herabsetzend gemeint. Es soll dadurch ausgedrückt werden, dass es sich hierbei um Fächer “abseits des Mainstreams” handelt, die nur wenigen bekannt sind. Und nein, ich habe nicht Sozialjournalismus studiert, um über andere Studiengänge herzuziehen. Als Geisteswissenschaftlerin weiß ich sehr wohl, wie es sich anfühlt, von anderen Studenten nicht als “vollwertig” akzeptiert zu werden und habe deswegen ganz bestimmt nicht das Verlangen, ebenso zu agieren.

    Mit freundlichen Grüße, Jessika Fichtel

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