Seit einigen Jahren macht eine provokante Aussage die Runde im World Wide Web: Sitzen ist das neue Rauchen. Menschen, die länger als sechs Stunden pro Tag sitzen, so heißt es in diversen Studien, neigen eher zu gesundheitlichen Problemen wie Übergewicht, Diabetes, Thrombose und Krebs. Besonders schädlich ist starres, unflexibles Sitzen, das dem Körper keinerlei Bewegungsmöglichkeiten bietet. Denn: Der Mensch ist nicht für diese Haltung geschaffen. Unsere Vorfahren waren Jäger und Sammler und als solche den ganzen Tag auf den Beinen und in Bewegung. Um dem Körper wenigstens ein bisschen was von seiner ursprünglichen Freiheit zurückzugeben, raten Ergonomie-Experten seit einigen Jahren dazu, (hin und wieder) im Stehen zu arbeiten. Welche Vorteile diese Arbeitsweise mit sich bringt und was Sie sonst noch alles über das Thema wissen müssen, verrät Ihnen der nachfolgende Beitrag.
Arbeiten im Stehen ist gut für die Gesundheit

Inhalt
1. Stehen – aber bitte richtig!
2. Die Vorteile vom Arbeiten im Stehen
3. Arbeiten im Stehen – Mit der richtigen Hardware klappt es
4. Kleine Schritte statt radikale Veränderungen
5. Der Praxistest mit Erfahrungsbericht

Stehen – aber bitte richtig!

Gleich vorweg: Arbeiten im Stehen ist gut für die Gesundheit – wenn Sie denn richtig stehen. Wer diese Arbeitsweise einmal ausprobiert, wird schnell feststellen, dass der Körper verlockt ist, eine vorgebeugte, verkrampfte Haltung einzunehmen, die der im Sitzen recht ähnlich ist. Hierbei handelt es sich selbstverständlich um den falschen Weg. Wenn Sie „richtig“ im Stehen arbeiten wollen, sollten Sie die folgenden Hinweise beachten:

  • Nutzen Sie spezielle ergonomische Büromöbel (mehr dazu weiter unten im Beitrag)
  • Entspannen Sie die Schultern und ziehen Sie sie keinesfalls hoch
  • Machen Sie den Rücken gerade
  • Stellen Sie die Höhe des Schreibtischs so ein, dass Ihre Unterarme locker darauf liegen können
  • Wählen Sie bequemes Schuhwerk (keine Absatzschuhe!)
  • Stellen Sie sich nach Möglichkeit auf einen weichen Untergrund, beispielsweise einen Teppich oder eine Matte
  • Achten Sie darauf, dass Sie insgesamt nicht verkrampfen und sich immer wieder bewegen (Schultern und Hüften kreisen, Beine ausschütteln, auf Zehenspitzen stellen, Bein auf einem Hocker abstellen, etc.)
  • Hören Sie auf die Signale Ihres Körpers. Wenn dieser „sagt“, dass die Steh-Arbeit zur Belastung wird, sollten Sie sich erst einmal wieder hinsetzen

Info: In Fall von starkem Übergewicht sollten Sie im Vorfeld mit Ihrem Arzt über das Arbeiten im Stehen sprechen. Dieser wird Ihnen sagen können, in welchem Umfang die neue Körperhaltung möglich und empfehlenswert ist.

Die Vorteile vom Arbeiten im Stehen

Hat sich der Körper erst einmal an die neue Haltung während der Arbeit gewöhnt (dies kann eine Weile dauern), wird er es Ihnen danken. Tatsächlich ist das Arbeiten im Stehen mit einigen Vorteilen verknüpft, die wir Ihnen nachfolgend gern vorstellen:

Der Rücken wird entlastet – vorausgesetzt, Sie stehen dauerhaft gerade und sacken nicht in sich zusammen. Hier gilt: Übung macht den Meister. Beginnen Sie mit wenigen Minuten Steh-Arbeit und steigern Sie sich nach und nach. Ihr Rücken sollte einen rechten Winkel mit der Schreibtisch-Fläche bilden.

Die Arbeit erhält neuen Schwung. Da Stehen die natürliche Haltung des menschlichen Körpers ist, wird er es Ihnen mit Schwung und Vitalität danken. Das Ergebnis ist eine lebhafte Arbeitsweise, die auch von mehr Produktivität und guten Einfällen gekrönt wird. Nicht zuletzt sind Menschen, die im Stehen arbeiten, auch viel öfter bereit, kurz zum Kollegen ins Nachbarbüro zu gehen als die, die die ganze Zeit sitzen. Man kann also auch sagen, dass die Steh-Arbeit die direkte Zusammenarbeit der Mitarbeit fördert.

Im Stehen verbrennt der Mensch mehr Kalorien als im Sitzen. Zu sagen, dass arbeiten im Stehen schlank macht, ist einen Hauch zu polemisch. Es stimmt jedoch, dass der Körper in dieser Haltung aktiver ist als im Sitzen – und demzufolge auch mehr Kalorien verbrannt werden. Gleichzeitig fördert das Stehen den Aufbau und das Training der Muskeln.

Die Durchblutung des Körpers wird gefördert. Wer viel sitzt, weiß, dass die Beine am Ende des Tages mitunter ziemlich schwer sind. Der Grund hierfür ist die teils sehr schlechte Durchblutung. Indem wir beim Arbeiten stehen, kann das Blut viel besser im Blut zirkulieren, was wiederum diverse Krankheiten vorbeugt.

Dynamisches Stehen hebt die Stimmung. Ein kurzes Kreisen der Hüften, die Verlagerung des Gewichts, Wippen auf den Zehenspitzen… Wer alle Möglichkeiten der Steh-Arbeit nutzt und permanent in Bewegung ist, tut nicht nur seinem Körper, sondern auch der Seele etwas gutes. Das Ergebnis: Menschen, die im Stehen arbeiten, haben häufig bessere Laune.

Tiefe Atemzüge sind möglich. Die Arbeit im Sitzen bedeutet leider allzu oft, dass wir in uns zusammensacken und eine mehr als ungesunde Körperhaltung einnehmen. Eine der Folgen: Wir können nicht richtig durchatmen. Anders verhält es sich bei der Arbeit im Stehen. Hier gibt es genug Raum, um die Lungen mit Luft zu füllen. Das sorgt nicht nur für neuen Schwung, sondern auch für eine verbesserte Konzentration.

Arbeiten im Stehen – Mit der richtigen Hardware klappt es

Kommen wir nun vom theoretischen Vorwissen zur „Hardware“. Denn wie Sie sich sicherlich denken können, verlangt das Arbeiten im Stehen spezielle Möbel. Diese werden zum Beispiel als Stehpult oder Standing Desk bezeichnet. Andere Hersteller haben sich darauf spezialisiert, höhenverstellbare Schreibtische zu produzieren, die sowohl für die Sitz- als auch Steharbeit geeignet sind. Am wichtigsten ist, dass das jeweilige Möbelstück perfekt an die Körpergröße des Nutzers angepasst werden kann. Denn nur so ist es möglich, eine gesunde und förderliche Haltung einzunehmen.

  • Ist der Arbeitsplatz zu hoch eingestellt, kommt es schnell zu Verspannungen im Schulter- und Nackenbereich
  • Ist der Arbeitsplatz zu niedrig eingestellt, sackt der Körper insgesamt in sich zusammen

Info: Die Zeiten, in denen höhenverstellbare Schreibtische mit einer Kurbel nach oben gedreht wurden, sind längst vorbei. Moderne Modelle werden per Knopfdruck elektrisch verstellt.

Für besonders viel Furore sorgt derzeit das Berliner Startup Room in a Box. Dieses hat sehr spezielle ergonomische Büromöbel entwickelt, die das Arbeiten im Stehen noch flexibler machen. Es handelt sich hierbei um Schreibtisch-Aufsätze aus Pappe, die nicht nur federleicht sind, sondern auch gefaltet werden können. Das Ergebnis ist der MonKey Desk, ein „Standing Desk to go“, der auch im Büro zum Einsatz kommen und hinterher wieder platzsparend verstaut werden kann.

Info: Noch mehr zum Thema Ergonomie am Arbeitsplatz erfahren Sie in diesem Beitrag.

Kleine Schritte statt radikale Veränderungen

Arbeitgeber, die ihren Angestellten Stehpulte und Standing Desks zum Arbeiten bereitstellen, bieten ohne Zweifel gute Möglichkeiten zur gesundheitlichen Prävention, sind jedoch noch immer eher die Ausnahme. Wenn es in Ihrem Büro keine entsprechenden Möbel gibt, Sie das Arbeiten im Stehen jedoch trotzdem ausprobieren wollen, können Sie die folgenden Tipps befolgen.

  • Bauen Sie sich selbst eine Schreibtisch-Erhöhung – zum Beispiel aus einem stabilen Karton und einem Brett
  • Holen Sie die Aktenordner nicht zu sich an den Schreibtisch, sondern lesen Sie sie im Stehen
  • Führen Sie Meetings im Stehen durch
  • Stehen Sie beim Telefonieren auf und gehen Sie dabei durch den Raum

Mithilfe dieser kleinen Veränderungen können Sie schrittweise in Erfahrung bringen, welche Auswirkungen die veränderte Position auf Ihren Körper hat. Niemand wird von Ihnen verlangen, von heute auf morgen alle Gewohnheiten über den Haufen zu werfen und nie wieder im Sitzen zu arbeiten. Das ist auch alles andere als förderlich, denn wenn die Beine und Füße schmerzen, ist es nur vernünftig, für eine Weile zu sitzen – aber bitte auf einem ergonomischen Bürostuhl, der eine flexible Haltung ermöglicht.

Der Praxistest mit Erfahrungsbericht

Übrigens ist dieser Artikel im Stehen entstanden. Ich kann also aus eigener Erfahrung sagen, dass es funktioniert. Da ich (noch) kein Schreibpult oder einen Aufsatz für den Schreibtisch besitze, habe ich kurzerhand zwei Kartons (einen großen für den Laptop und einen kleinen für die Maus) als provisorisches Hilfsmittel genommen. Diese sind zugegebenermaßen recht instabil und auch nicht perfekt auf meine Körpergröße abgestimmt. Es handelt sich daher nicht um eine Lösung auf Dauer. Für den ersten Test waren sie jedoch ausreichend. Um nicht auf dem harten Laminat beziehungsweise der Schreibtischunterlage stehen zu müssen, habe ich meinen Steh-Arbeitsplatz zusätzlich durch eine Yoga-Matte ergänzt.

Nachdem ich mich anfänglich sehr darauf konzentriert habe, richtig zu stehen und die Position von Rücken, Schultern und Füßen immer wieder veränderte, ließen sich mein Körper und auch mein Geist schließlich auf diese neue Situation ein. Was mit sofort positiv aufgefallen ist, war die erhöhte Bereitschaft, mich zu bewegen. Es kam mir tatsächlich so vor, als würde sich mein Körper sehr über die neuen Freiheiten freuen und diese auch sofort in Anspruch nehmen. Außerdem hatte ich das Gefühl, mich noch mehr auf meine Arbeit konzentrieren zu können und nicht so schnell gedanklich abzuschweifen. Wenn ich für einen Moment innehielt, um mich gedanklich zu sortieren, nutzte ich die Pause für noch mehr Bewegung, anstatt unnötigerweise Mails zu checken oder meinen News-Feed zu überfliegen. Für mich steht nach diesem Praxistest fest, dass ich versuchen werde, zukünftig öfter im Stehen zu arbeiten und meiner Gesundheit dadurch etwas Gutes zu tun.

Was ist mit Ihnen? Haben Sie bereits Erfahrungen im Bereich Steh-Arbeit gesammelt, die Sie mit den anderen Lesern teilen wollen? Wir freuen uns über auf Ihren Kommentar.

1 Kommentar

  1. Guten Morgen,

    ich arbeite seit über 10 Jahren an einem Stehpult und kann bestätigen, dass ich aufmerksamer bin und mich besser konzentrieren kann. Ich habe keine Rückenschmerzen oder schwere Beine.
    Oft reicht es auch schon ein kleines Stehpult aus Holz neben seinen Schreibtisch zu stellen und dies abwechselnd zum Schreibtisch zu nutzen. Diese gibt es schon für um die 100 €.
    Herzliche Grüße

    Frank Petry

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