Hand aufs Herz: Wonach fragen Sie, wenn Sie das erste Mal mit einer fremden Person ins Gespräch kommen? Die meisten Menschen erkundigen sich sehr schnell nach dem Job. Aber wieso ist der Beruf eigentlich beim Flirten so wichtig? Ist es reine Oberflächlichkeit oder was steckt wirklich dahinter? Wir verraten es Ihnen!

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Bildnachweis: iStock.com/Mixmike

Inhalt
1. „Und…was machen Sie so?“
2. Wieso ist der Job beim Flirten so wichtig?
3. Erklärung #1: Wir sind alle oberflächlich
4. Erklärung #2: Wir wollen potenzielle Streitpunkte vermeiden
5. Erklärung #3: Wir haben ein „treffsicheres“ Thema gefunden
6. Erklärung #4: Wir möchten mehr über die Person erfahren

„Und…was machen Sie so?“

Alle Singles unter Ihnen werden diese Situation kennen: Die meisten Flirts entstehen erst einmal aus der Ferne. Sie haben ein Auge auf Ihr „Objekt der Begierde“ geworfen, lächeln sich gegenseitig zu und sind doch beide zu schüchtern für den ersten Schritt. Sei es über Bekannte oder weil sich einer von beiden den notwendigen Mut angetrunken hat: Im besten Fall kommen Sie dennoch irgendwann ins Gespräch. Peinliches Schweigen wäre dann der Super-GAU und würde den soeben noch prickelnden Flirt in Rekordgeschwindigkeit lahmlegen.

„Noch flüchten unsere Augen, dann geben wir uns sicher, ertappen uns –
Verwirrung und lächeln schnell verlegen…“
(Hans-Christoph Neuert)

Gibt es einen aktuellen Anlass, fällt der Gesprächseinstieg oft leicht. Nehmen wir an, Sie sind beim Public Viewing eines Fußballspiels. Worüber werden Sie wohl zuerst sprechen? Richtig: Fußball. Auf einer Firmenfeier sind Annäherungsversuche à la „Arbeiten Sie auch hier? Seit wann? Ich habe Sie noch nie gesehen!“ oder „In welcher Abteilung sind Sie?“ eine blendende Vorlage für eine angeregte Unterhaltung. Doch was, wenn Sie überhaupt keine Ahnung haben, worüber Sie sprechen sollen? In den meisten Fällen kommt dann das ebenso viel gehörte wie wenig aussagekräftige „Und…was machen Sie so?“.

Wieso ist der Job beim Flirten so wichtig?

Theoretisch können Sie auf diese Frage jede beliebige Antwort geben:

  • Ich sitze hier.
  • Ich sehe mir das Fußballspiel an.
  • Mein liebstes Hobby ist Stricken.
  • Ich atme.

Klingt wenig einfallsreich? Ist es auch – und gewiss nicht das, worauf Ihr Gegenüber abgezielt hat. In den meisten Fällen steht ein „Und…was machen Sie so?“ für nichts anderes als die Frage nach Ihrem Beruf. Ertappen Sie sich nicht auch häufig dabei, wie die Frage nach dem Job eine der ersten ist, welche Sie einer fremden Person stellen? Aber wieso eigentlich? Wir haben vier Erklärungsansätze für Sie zusammengetragen:

Erklärung #1: Wir sind alle oberflächlich

Einige von Ihnen werden sich darüber beschweren, dass es sehr oberflächlich wirkt, direkt nach dem Job zu fragen. Schließlich lässt sich daraus meist auch grob auf das Gehalt schließen. Ein Arzt oder eine Steuerberaterin? Jackpot! Eine Krankenschwester oder ein Erzieher? Nein danke! So eine Denkweise wäre natürlich äußerst oberflächlich und steckt bei manchen Menschen vielleicht tatsächlich hinter dem „Und…was machen Sie so?“. Immerhin 20 Prozent der Deutschen finden ein hohes Einkommen attraktiv und sogar die Hälfte der Frauen zielt bewusst auf einen besserverdienenden Partner ab.

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Tatsächlich fanden Raymond Fisman, Sheena Iyengar, Emir Kamenica und Itamar Simonson in ihrer im „Quarterly Journal of Economics“ erschienenen Studie heraus, dass sich Männer in der Regel eine Frau wünschen, die weniger verdient und sogar weniger intelligent ist als sie selbst.

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Es scheint also ein beidseitiger Wunsch zu sein, dass der Mann den Besserverdiener im Haushalt darstellt. Ob das männliches Machogehabe ist oder sich die Herren der Schöpfung einfach eine Frau wünschen, die für sie da ist, anstatt sich auf ihre Karriere zu konzentrieren, sei einmal dahingestellt. Solange sich Männer und Frauen darin einig sind, ist an einer solchen „Oberflächlichkeit“ eigentlich nichts auszusetzen.

Erklärung #2: Wir wollen potenzielle Streitpunkte vermeiden

„Als ich klein war, glaubte ich, Geld sei das Wichtigste im Leben. Heute, da ich alt bin, weiß ich: Es stimmt.“ (Oscar Wilde)
Bild: Arbeits-ABC/Canva.com

Doch Geld spielt auch in einer zweiten und weniger oberflächlichen Hinsicht eine Rolle. Nehmen wir einmal an, aus dem harmlosen Flirt wird tatsächlich eine ernstzunehmende Beziehung. Ein zu großes Ungleichgewicht im Einkommen oder eine sehr unterschiedliche Einstellung zum Thema Geld ist ein häufiger Streitpunkt bei Paaren. Laut einer auf Statista veröffentlichten Umfrage mit dem Titel „Was hat bei Ihnen in der Partnerschaft schon ab und zu mal für Konflikte bzw. Streit gesorgt?“ haben sich 26 Prozent der befragten Paare schon einmal wegen Geldfragen gefetzt.

Die meisten Menschen möchten keinen Partner, welchen sie finanziell „versorgen“ müssen. Natürlich, sobald Kinder im Spiel sind, kann die Sache wieder anders aussehen. Schließlich muss dann häufig einer der Partner zugunsten der Kinderbetreuung beruflich kürzer treten. Doch bis dahin steht Unabhängigkeit in unserer Gesellschaft derzeit hoch im Kurs – auch in finanziellen Belangen. Wenn Sie einen Millionär beziehungsweise eine Millionärin suchen, sind diese Ansprüche vielleicht ein wenig zu hoch gesteckt. Doch ein Partner, der seine Finanzen im Griff hat und sich zumindest hin und wieder eine Kinokarte leisten kann, ist gewiss nicht zu viel verlangt!

Erklärung #3: Wir haben ein „treffsicheres“ Thema gefunden

Eine andere Erklärung ist, dass wir einfach unkreativ sind. Und ab einem gewissen Alter muss ja (fast) jeder irgendetwas arbeiten – beziehungsweise eine Ausbildung oder ein Studium machen. Die Frage nach dem Job ist daher sehr treffsicher. Genauso wie früher die Frage „Auf welcher Schule bist Du?“ oder „Wer ist Dein Klassenlehrer?“ heißt es eben im Erwachsenenalter „Was arbeiten Sie?“ oder „Wer ist Ihr Arbeitgeber?“. Logisch, oder nicht? Genau deshalb steht der Beruf ganz oben auf der Liste der Gesprächsthemen. 46 Prozent der Befragten einer auf Statista veröffentlichten Umfrage unterhalten sich mit Freunden und Bekannten meistens über die Arbeit beziehungsweise den Job. Auf dem zweiten Rang liegen weit abgeschlagen persönliche Beziehungen mit gerade einmal 26 Prozent.

Erklärung #4: Wir möchten mehr über die Person erfahren

Geht es beim Flirten nicht schlussendlich darum, mehr über das „Objekt der Begierde“ zu erfahren? Zugegeben, manchmal stecken wohl auch weniger ernsthafte Absichten dahinter. Doch wer wirklich auf der Suche nach einem Partner fürs Leben ist, möchte gewiss so viel wie möglich über die noch fremde Person erfahren. Und da die meisten Menschen nun einmal 25, 40 oder auch 60 Stunden pro Woche bei der Arbeit verbringen, ist sie ein ungemein wichtiger Bestandteil ihres Lebens. Die Frage nach dem Job kann Ihnen deshalb in kürzester Zeit sehr viel über Ihr Gegenüber verraten. Abseits aller Klischees erfahren Sie zumindest, ob Ihr Gesprächspartner

  • kreativ,
  • sozial,
  • selbstständig,
  • angestellt,
  • idealistisch oder
  • ein Mathegenie ist.

Auch auf das Verantwortungsbewusstsein, die Lebensziele oder die Prioritäten eines Menschen kann seine Berufswahl unter Umständen Aufschluss geben. Eine Kindergärtnerin wird sozial und idealistisch veranlagt sein und Geld keine große Rolle im Leben zuschreiben – ansonsten hätte sie einen eher ungünstigen Job gewählt. Ein selbstständiger Mediendesigner hingegen benötigt ein Mindestmaß an Kreativität, Unabhängigkeit und Mut. Die Frage nach dem Job ist also auf den zweiten Blick gar nicht so oberflächlich wie vermutet.

Was denken Sie? Fragen auch Sie meist schnell nach dem Beruf? Wieso? Oder aus welchem Grund finden Sie einen solchen Gesprächseinstieg ungeeignet? Wir freuen uns auf Ihre persönliche Meinung in den Kommentaren!