Lange hat er auf sich warten lassen, jetzt schlägt er mit voller Wucht zu: Der Sommer ist endlich da und bringt Temperaturen von über 30° C. Wer da in einem Büro mit Klimaanlage arbeitet, kann sich glücklich schätzen. Doch wie bewahren Sie bei 25, 35 oder sogar über 40° C eigentlich einen kühlen Kopf, um dennoch konzentriert arbeiten zu können?

Anzeige

Inhalt
1. Der „Jahrhundertsommer“ ist keine Seltenheit mehr
2. Abkühlung gefällig? So strotzen Sie der Hitze im Büro
3. Gibt es eigentlich sowas wie Hitzefrei für Arbeitnehmer?

Der „Jahrhundertsommer“ ist keine Seltenheit mehr

„April, April, der macht was er will“ – dieser Spruch gilt schon lange nicht mehr nur für den vierten Monat im Jahr. Ob es nun am Klimawandel liegt oder nicht, darüber sind sich die Experten uneinig, Fakt ist aber:

Das Wetter wird immer unberechenbarer und die Wechsel zwischen warm und kalt sind gefühlt extremer und abrupter als noch vor zehn Jahren. Hitzewellen sind seither kein ungewöhnliches Phänomen mehr.

Einen sogenannten „Jahrhundertsommer“ gibt es schon beinahe im Fünfjahrestakt: 2003 wurden in ganz Europa zahlreiche Hitzerekorde gemessen, im Jahr 2006 brachte eine Hitzewelle den heißesten Juli in Deutschland seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, Osteuropa litt im Jahr 2010 unter einer Hitzewelle mit nie zuvor dagewesener räumlicher und zeitlicher Ausdehnung und das Jahr 2015 übertraf das Jahr 2003 noch einmal mit mehreren Hitzewellen zwischen Juni und September. Dass der „Jahrhundertsommer“ schon bald eher die Regel als die Ausnahme sein könnte, ist für die einen Freude und für die anderen Leid. Wer die heißen Tage am kühlen Badesee verbringen kann, wird sich gewiss über das Urlaubsfeeling freuen. Doch was, wenn Sie bei diesen Temperaturen im Büro sitzen müssen und konzentriert sowie effizient arbeiten sollen?

Abkühlung gefällig? So strotzen Sie der Hitze im Büro

Badehose, Flipflops und ein kühler Cocktail: Der Sommer kann so schön sein! Doch all das ist im Büro natürlich verboten. Wie also können Sie trotz Businessoutfit während der Hitzewelle einen kühlen Kopf bewahren?

Anzeige
  1. Können Sie sich Ihre Arbeitszeiten dank Gleitzeit- oder Vertrauensarbeitszeitregelung selbst einteilen? Dann gehen Sie an heißen Tagen doch einfach früher ins Büro. So können Sie einerseits die noch kühlere Morgenzeit nutzen, um konzentriert zu arbeiten. Andererseits können Sie früher Feierabend machen und sich am Badesee abkühlen.
  2. Natürlich können Sie nicht einfach zu Badehose, Minirock, einem weit ausgeschnittenen Tanktop oder Flipflops greifen, doch auch Ihr Business-Look ist flexibel genug, um Ihn ein wenig an die heißen Temperaturen anzupassen. Wie wäre es also bei den Herren mit einem kurzärmeligen Hemd statt dem Sakko und bei den Damen mit einem knielangen Rock und Ballerinas? Vielleicht arbeiten Sie ja auch in einer Branche oder einem Unternehmen mit weniger strengem Dresscode und gehören zu den Glücklichen, die guten Gewissens Sandalen oder ein luftiges Sommerkleid tragen dürfen. Achten Sie außerdem auf helle Farben und hochwertige Stoffe, welche die Feuchtigkeit aufnehmen und nach außen abgeben.
  3. Früh aufgestanden, luftig angezogen und im Büro angekommen, öffnen Sie nun erst einmal alle Fenster und Türen im Raum. Lassen Sie die noch kühle und erfrischende Morgenluft ins Büro.
  4. Sobald die Luft spürbar wärmer wird oder bereits die ersten Sonnenstrahlen durch das Fenster scheinen, schließen Sie alle Türen und Fenster wieder, sodass sich die kühle Luft im Büro nicht mit der immer heißer werdenden Außenluft mischt.
  5. Sie müssen jetzt unbedingt die Sonne aussperren, da sich sonst auch durch die geschlossenen Fenster die Innenluft aufheizt und Ihr Büro in eine wahre Sauna verwandelt. Lassen Sie also – wenn vorhanden – alle Jalousien oder Rollläden herunter. Ist kein Sonnenschutz vorhanden, werden Sie kreativ und hängen zum Beispiel Tücher, Stoffe oder dünne Decken vor die Fenster.
  6. Nicht nur von außen dringt allerdings Hitze ins Büro, auch im Raum selbst fungieren elektronische Geräte als versteckte Wärmequelle. Schalten Sie daher jedes elektronische Gerät aus, das gerade nicht benötigt wird.
  7. Nicht abschalten sollten Sie natürlich die Klimaanlage. Achten Sie allerdings darauf, dass der Temperaturunterschied zwischen innen und außen nicht zu groß wird. Ansonsten werden Sie trotz Hitzewelle schon bald dank einer fetten Erkältung mit Schal und Taschentüchern ins Büro kommen. Die optimale Raumtemperatur liegt zwischen 22 und 26 °C.
  8. Genießen Sie nicht das Privileg einer Klimaanlage im Büro oder diese reicht zur Abkühlung nicht aus, können Sie natürlich einen Ventilator nutzen. Auch hier müssen Sie allerdings aufpassen, dass Sie sich durch die Zugluft nicht erkälten.
  9. Die Kaffeemaschine hingegen, können Sie am besten gleich mit abschalten. Wieso? Weil Kaffee Ihren Blutdruck kurzzeitig anhebt und der Kreislauf anschließend auf ein noch niedrigeres Niveau absinkt als zuvor. Dadurch wird Ihnen im ersten Moment noch heißer und anschließend schlägt die Hitzeträgheit mit voller Wucht zu. Bei einer Hitzewelle gilt deshalb: Verzichten Sie so gut wie möglich auf Koffein jeder Art. Sorry, liebe Kaffeejunkies!
  10. Auch ein gehaltvolles Frühstück oder Mittagessen machen Sie vor allem eines: müde. Viele Menschen haben bei solch hohen Temperaturen ohnehin keinen Hunger. Sie sollten aber weder gar nichts noch zu viel essen: Greifen Sie zu leichten, gesunden Speisen und nehmen Sie lieber mehrmals täglich kleine Mahlzeiten zu sich als ein schweres Mittagessen. Gerade kühles Obst oder ein paar leckere Erdbeeren dienen als gesunder Frischekick zwischendurch.
  11. Und zum Nachtisch? Da darf es natürlich auch ein köstliches Eis sein. Vor allem Wassereis sorgt für die ultimative Abkühlung und liegt gleichzeitig nicht allzu schwer im Magen. Eine kleine Belohnung haben Sie sich für die Strapazen ja auch redlich verdient!
  12. Apropos Wasser: Das ist natürlich ein absolutes Muss an heißen Tagen. Trinken Sie mindestens zwei, besser drei Liter Wasser pro Tag und vermeiden Sie Softdrinks oder Säfte mit Zuckerzusatz. Zur ultimativen Erfrischung wird das übrigens mit einer Zitronen- oder Limettenscheibe sowie je nach Geschmack mit einem frischen Blatt Pfefferminze oder Zitronenmelisse.
  13. Frisches Wasser kann Sie aber nicht nur von innen, sondern auch äußerlich abkühlen. Kennen Sie das Gefühl „Am liebsten würde ich mir jetzt eine Flasche Wasser über den Kopf schütten“? Im Büro wäre das wohl nur zur Belustigung der Kollegen gut. Was allerdings wahre Wunder bewirken kann, ist kaltes Wasser auf den Handgelenken. Legen Sie sich daher feuchte Waschlappen oder Tücher auf die Unterarme. Dadurch kühlen Sie die Hauptschlagadern und damit indirekt den gesamten Körper.
  14. Haben Sie das Privileg eines Einzelbüros oder dürfen Sie bei diesen Temperaturen sogar im Home-Office bleiben? Dann baden Sie Ihre Füße in einem unbeobachteten Moment doch in einer Wanne mit kaltem Wasser. Welch angenehme Wohltat!
  15. Hören Sie auf Ihren Körper! Wird es Ihnen zu heiß, legen Sie eine kurze Pause ein und kühlen Sie sich an einem schattigen Platz in der frischen Luft oder in einem kühleren Raum kurz ab.

Gibt es eigentlich sowas wie Hitzefrei für Arbeitnehmer?

Trotz all dieser kleinen Tipps und Tricks, sehnen Sie sich jetzt vielleicht nach den guten alten Zeiten, in welchen Sie als Schülerin oder Schüler gespannt auf die Durchsage gewartet haben, die Ihnen Hitzefrei gab. Doch wussten Sie, dass es „Hitzefrei“ unter gewissen Umständen auch für Arbeitnehmer gibt? Hierfür muss allerdings die Raumtemperatur im Büro über 26 °C liegen, ohne dass Ihr Arbeitgeber gewillt ist, Ihnen Abkühlung zu ermöglichen.

Das bedeutet: Sie haben zwar keinen Rechtsanspruch auf eine Klimaanlage im Büro, doch ab einer Raumtemperatur von 26 °C oder mehr, ist der Arbeitgeber dazu verpflichtet für Linderung zu sorgen, zum Beispiel in Form von Jalousien als Sonnenschutz oder auch der Einführung einer Gleitzeitregelung während der Hitzewelle. Verstößt der Arbeitgeber gegen diese Pflicht und lässt keinen Willen zur Änderung der Situation erkennen, können Sie einfach Hitzefrei machen, ohne Folgen zu befürchten.

Allerdings müssen Sie ihn zuvor über die unerträgliche Situation informieren und ihm die Möglichkeit geben, den Raum mittels geeigneter Maßnahmen abzukühlen. Wer also aus eigenem Ermessen entscheidet, Hitzefrei machen zu wollen, ohne dies vorher mit seinem Vorgesetzten abzusprechen, riskiert die Abmahnung oder sogar Kündigung.

Hitzefrei im Büro – das gibt es also theoretisch auf dem Papier, ist in der Praxis aber äußerst selten.

Hängen Sie daher nicht den Privilegien aus der Schulzeit nach, sondern finden Sie geeignete Mechanismen zur Abkühlung. Der nächste Jahrhundertsommer lässt nämlich gewiss nicht mehr lange auf sich warten.

Wie überstehen Sie persönlich die heißen Tage? Haben Sie vielleicht einen ganz besonderen Geheimtipp für unsere Leser?