Die Gesundheit von Mitarbeitern ist nicht ihre Privatsache: Ein AOK-Report zeigt, dass Mitarbeiter sozialer, gesundheitsbewusster Unternehmen seltener fehlen.

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AOK-Fehlzeiten-Report: Soziale Unternehmensführung wirkt positiv

Eine dauerhaft hohe Arbeitsbelastung ohne Ausgleich führt zu Stress, Burnout, einem gestörten Schlaf und oft auch zu einer inneren Kündigung, wenn die mentale Erschöpfung von Arbeitnehmern stetig wächst.

Davon sind Mitarbeiter von sozialverantwortlichen Firmen jedoch weniger betroffen: Je sozialer Mitarbeiter ihren Arbeitgeber einschätzen, desto glücklicher und gesünder sind sie im jeweiligen Unternehmen. Diese Erkenntnis lässt sich aus dem Fehlzeiten-Report des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) ableiten.

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In einer repräsentativen Umfrage, in der ca. 2.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch ihre Beteiligung ein Stimmungsbild zeichnen, zeigt eindeutig, dass Firmen, die von den Berufstätigen als besonders sozialverantwortlich beschrieben werden, auch hinsichtlich folgender Aspekte punkten:

  • Weniger Fehltage: Im Schnitt fehlen Mitarbeiter knapp fünf Tage weniger, wenn sie ihre Firma als sozial bezeichnen.
  • Große Leistungsbereitschaft: 96,7 Prozent derjenigen, die ihren Arbeitgeber sozialverantwortlich finden, bringen eigenen Angaben nach mehr Leistung.
  • Hohe Arbeitszufriedenheit: Etwa 96,5 Prozent der Befragten fühlen sich glücklicher im Job, wenn ein Unternehmen soziale Stärke zeigt.
  • Verbundenheit: Die Identifikation mit der Firma ist für 95,6 Prozent hoch, wenn die Unternehmensführung sich durch soziale Verantwortung auszeichnet.

Wird die eigene Firma in puncto Sozialverantwortung eher schlecht bewertet, sinkt auch die Zahl der zufriedenen Arbeitnehmer um knappe 27 Prozent. Lediglich etwas über 60 Prozent gaben außerdem an, sich mit der Firma, für die sie arbeiten, verbunden zu fühlen, wenn diese als wenig sozial empfunden wird.

Was machen Unternehmen mit Sozialverantwortung anders?

Die Umfrageteilnehmer, welche Unternehmen positiv hinsichtlich ihrer sozialen Verantwortung bewertetet, gingen hierbei vor allem auf Folgendes ein:

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  • Die Corporate Social Responsibility des jeweiligen (CSR) Unternehmens bewege sich auf einem hohen Niveau.
  • Die Firmenleitung thematisiere Gesundheitsförderung.
  • Führungskräfte werden hinsichtlich ihrer gesundheitsorientierten Kultur gut bewertet.
  • Das Unternehmen kläre auf, welche betrieblichen Gesundheitsangebote der Arbeitgeber selbst anbiete.

Vor allem größere Unternehmen mit mindestens 1.000 Angestellten seien intensiver damit beschäftigt, gesundheitsförderliche Maßnahmen für ihre Belegschaft anzubieten – was bei kleineren Unternehmen deshalb seltener der Fall ist und damit ein Problem. Denn auch Beschäftigte kleinerer Unternehmen benötigen gesundheitsförderliche Unterstützung, welche Burnout, körperliche Erkrankungen und psychische Probleme wirkungsvoll vorbeugt und eindämmt, die Leistungsfähigkeit erhält und zur Arbeitszufriedenheit beiträgt.

Die Ressource „Mensch“ und Corporate Social Responsibility

Unternehmerische Sozialverantwortung, auch als Corporate Social Responsibility bekannt, umfasst mehrere Säulen. Nicht nur die soziale Verantwortung der Umwelt und Gesellschaft gegenüber spielt hierbei eine Rolle. Ein ganzheitliches Konzept, welches ökologische, wirtschaftliche und unternehmerische Ziele in Bezug auf Nachhaltigkeit vereinbart, ist Bedingung für ein sozial stark aufgestelltes Unternehmen.

Das Wohl und die Gesundheit der Mitarbeiter steht bei einer sozialen Unternehmensführung mit gesundheitsbewusster Führung im Fokus. Denn nicht nur Ressourcenknappheit in Umwelt und Natur erfordern ein Umdenken, sondern auch die Ausbeutung der menschlichen Ressourcen, etwa in prekären Arbeitsverhältnissen. Der zunehmende Arbeitsstress, der unter anderem aus dem Personalmangel resultiert und Arbeitnehmer zu Mehrarbeit zwingt, ist ein Beispiel.

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Nach wie vor zeigt der generelle Anstieg von Fehltagen die Notwendigkeit des Handlungsbedarfs. Neben der erfreulichen Nachricht, dass es bereits gesundheitsbewusste Unternehmen gibt, in denen die Fehlzeiten von Arbeitnehmern grundsätzlich sinken, haben immerhin etwas über 26 Prozent in der AOK-Umfrage angegeben, dass diese beim Umgang mit der Sozialverantwortung im Unternehmen Verbesserungspotenzial sehen.

Deshalb steigt die Verbundenheit bei Firmen mit Sozialverantwortung

Fühlen Mitarbeiter sich mit ihrem Arbeitgeber verbunden, ist dies üblicherweise auf eine emotionale Bedeutung und der Übereinstimmung von Wertvorstellungen zurückzuführen. Weil vor allem junge Arbeitnehmer der Generationen Y und Z mehr Berührungspunkte in Sachen Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Mental Health haben, identifizieren sich diese stärker mit Unternehmen, die soziale Stärke in Hinblick auf gesellschaftsrelevante Themen wie dem achtsamen Umgang mit natürlichen und menschlichen Ressourcen zeigen.

Kurzum: Die Gesundheit von Arbeitnehmern ist schon längst nicht mehr nur eine private Sache. Sie geht Arbeitgeber und Unternehmen etwas an.

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Vor allem im Kampf und Nachwuchstalente und Personal ist Gesundheitsbewusstsein bedeutsam und in vielen Fällen ein wichtiger Einflussfaktor bei der Entscheidung, einen Job anzunehmen oder abzulehnen. Ein kostenloser, aber doch trauriger Obstkorb im Büro als Benefit wirkt als Maßnahme eher mager. Gefragt sind nachhaltige Gesundheitsangebote, realistische Arbeitszeiten und die Möglichkeit einer sanften Wiedereingliederung nach krankheitsbedingter Auszeit etwa.

Besonders wichtig: Die Rolle der gesundheitsbewussten Führungskraft

Wurde einem Unternehmen ein hohes soziales Engagement durch seine Arbeitnehmer bescheinigt, tendieren entsprechende Mitarbeiter häufiger dazu, auch ihre Vorgesetzte gut zu bewerten – so ein Ergebnis des Reports. Der Zusammenhang lässt auf die zentrale Rolle der Führungskraft schließen.

Grundsätzlich ist die Führungskultur für viele Berufstätige heute ausschlaggebend bei ihrer Stellenwahl. Fortschrittliche, gesundheitsbewusste Chefs haben dabei einen Vorteil ihren Kollegen gegenüber: Sie sind beliebter, weil ihnen das Wohl ihrer Angestellten am Herzen liegt. Sowohl die mentale Gesundheit als auch die körperliche Unversehrtheit der Mitarbeiter finden Berücksichtigung bei den Bedingungen, unter denen Erwerbstätige arbeiten müssen.

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Der Report schreibt der Führungskraft gar eine Schlüsselrolle bei der Gesundheit von Mitarbeitern zu und es sei von enormer Bedeutung, Beschäftigte mit Personalverantwortung entsprechend zu schulen.

Wichtige Aspekte einer gesundheitsbewussten Führungskultur:

  • keine zeitliche, emotionale und finanzielle Ausbeutung von Arbeitnehmern
  • Fokus auf Work-Life-Balance
  • Einhalten der Fürsorgepflicht Mitarbeitern gegenüber
  • Stigmatisierungen bekämpfen, die mit psychischen Erkrankungen einhergehen

Dabei gehen Führungskräfte entweder mit gutem oder eben mit schlechtem Vorbild voran. Ihre Maßstäbe definieren, woran sich die Belegschaft orientiert. Wer etwa eine problematische Pausenkultur pflegt und Mehrarbeit ohne Ausgleich toleriert oder gar fördert, schadet Mitarbeitern und Unternehmen langfristig. Können hingegen gemeinsame Lösungen hinsichtlich Arbeitszeit, Anwesenheitspflicht sowie Homeoffice- und Pausenregelungen gefunden werden, welche die psychische und physische Gesundheit von Mitarbeitern schonen und fördern, sind Unternehmen auf dem richtigen Weg.

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Pandemie bringt erschreckende Klarheit: Unternehmen müssen sich stärker wappnen

Während der Pandemie seien Fehltage in die Höhe geschossen. Das geht aus der Auswertung der Daten von den über 15 Millionen berufstätigen AOK-Mitgliedern hervor. Nicht nur körperliche Beschwerden, sondern vor allem psychische Probleme hätten zu Herausforderungen geführt. Zu den häufig genannten Beschwerden gehören psychosomatische Probleme, schlechter Schlaf, Kopfschmerzen, Erschöpfung, Rückenschmerzen sowie Antriebslosigkeit.

Neben der durch das Virus verursachten globalen Krise haben Unternehmen seit mehreren Jahren ohnehin mit dem Fachkräfte- und Personalmangel zu kämpfen. Die Zuspitzung der Gesamtsituation, die aus dem Personaldefizit sowie den vielen Veränderungen – etwa die Umstellung auf Homeoffice – resultiert, macht einen achtsamen Umgang mit der Gesundheit von Arbeitnehmer längst überfällig.

Für Unternehmen macht dies nun einmal mehr deutlich, in das psychische und körperliche Wohlbefinden ihrer Mitarbeiter zu investieren, um in Krisenzeiten resilient zu bleiben und nicht geschwächt, sondern gestärkt aus ihnen hervorzugehen. Arbeitnehmer, die gesundheitlich unterstützt und gefördert werden, profitieren von folgenden Benefits:

  • gesundheitliche Prävention
  • geringere Ausfallzeiten und Fehltage
  • mehr Produktivität und höhere Leistungsbereitschaft
  • weniger Besuche beim Arzt

Und auch Unternehmen profitieren:

  • Stärkung der Mitarbeiterbindung
  • Kosteneinsparungen dank Reduzierung der Ausfallzeiten
  • Steigerung der Attraktivität der Arbeitgebermarke

Bild: alvarez/istockphoto.com

Anne und Fred von arbeits-abc.de
Foto: Julia Funke

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