Erst vor kurzem ging es hier bei arbeits-abc um das Thema Ergonomie. Aus dem Artikel ging hervor, dass ein ergonomischer Arbeitsplatz nicht nur durch die richtige Sitzhaltung definiert wird. Es kommt vielmehr auf eine Vielzahl von Aspekten an, die zusammenspielen und für maximales Wohlbefinden sorgen. Neben Punkten wie Licht und Lautstärke ist es auch das Raumklima, das eine große Rolle spielt. Worum genau es sich beim Raumklima handelt und wie Sie es bewusst beeinflussen können, erfahren Sie in diesem Beitrag.

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Inhalt
1. Die unterschiedlichen Komponenten vom Raumklima
2. Die Temperatur
3. Die Luftfeuchtigkeit
4. Die Luftdynamik
5. Die Luftqualität
6. Klimaanlage: Fluch oder Segen fürs Raumklima?
7. Sick Building Syndrom: Wenn schlechtes Raumklima krank macht

Die unterschiedlichen Komponenten vom Raumklima

Um den Faktor Raumklima zu verstehen, hilft es, sich zu überlegen, wodurch sich Klima im Allgemeinen zusammensetzt. Klima im Sinne von Wetter ist ein Zusammenspiel aus Temperatur, Niederschlägen, Luftfeuchtigkeit und Windstärke. Jeder Aspekt beeinflusst das Klima auf seine Weise und trägt zur Einzigartigkeit bei. Ähnlich verhält es sich auch in Räumen – beziehungsweise speziell im Büro. Auch hier herrscht ein besonderes Klima, das im Gegensatz zum Wetter jedoch aktiv beeinflusst werden kann. Die einzelnen Komponenten vom Raumklima sind:

  • Temperatur
  • Luftfeuchtigkeit
  • Luftdynamik
  • Luftqualität

Jeder Punkt soll im Folgenden einzeln beleuchtet werden. Dadurch erfahren Sie, welche Werte optimal für das Büro sind und was Sie tun können, um sie zu erreichen.

Die Temperatur

Beginnen wir mit einem Wert, den jeder von uns recht gut einschätzen kann. Die Temperatur bestimmt, wie warm oder kalt es in einem Raum ist. Auch wenn es sich hierbei um ein subjektives Empfinden handelt (sicher kennen auch Sie die endlosen Diskussionen im Büro), kann gesagt werden, welche Temperatur als optimal erachtet wird. Es handelt sich hierbei um 21 bis 22° C.

Dieser Wert gilt als das „gesunde Mittelmaß“ und optimal, wenn es darum geht, konzentriert zu arbeiten. Liegt die Temperatur darüber oder darunter, nehmen Konzentration und Leistungsfähigkeit stark ab.

Wie die Temperatur geregelt wird, sollte jedem bekannt sein. Ist es zu warm, öffnen Sie ein Fenster, ist es zu halt, schließen Sie es und drehen die Heizung gegebenenfalls zusätzlich auf.

Hinweis: Im Sommer ist es nahezu unmöglich, die Temperatur auf 22° herunter zu kühlen – egal, wie sehr Sie sich anstrengen und welche Hilfsmittel Sie einsetzen. Da der Körper dann jedoch mehr an die Wärme gewöhnt ist, steigt die Maximalgrenze für die optimale Raumtemperatur auf 26°.

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Die Luftfeuchtigkeit

Etwas komplizierter wird es, wenn es um die Luftfeuchtigkeit im Raum geht. Diese ist nicht nur schwieriger fühl- beziehungsweise messbar, sondern kann auch nicht so einfach reguliert werden. Es ist aber auch nicht unmöglich.

Der ideale Wert für die Luftfeuchtigkeit im Büro liegt zwischen 40 und 60 Prozent. Um herauszufinden, wie hoch der Wert bei Ihnen ist, sollten Sie eine Wetterstation einsetzen. Sowohl eine zu hohe als auch zu niedrige Luftfeuchtigkeit bringt verschiedene Probleme mit sich. Es ist daher wichtig, ständig einen Blick auf diesen Wert zu haben.

Ist die Luftfeuchtigkeit zu hoch, begünstigt das die Bildung von Schimmel, welcher wiederum die Luftqualität merklich senkt. Die Folgen sind gesundheitliche Probleme, die sich vor allem bei Asthmatikern und Allergikern äußern.

Ist die Luftfeuchtigkeit zu niedrig, hat das auch Auswirkungen auf die Gesundheit. Es bedeutet nämlich, dass die Schleimhäute der Mitarbeiter im Büro schnell austrocknen und somit anfälliger für Krankheitserreger sind. Diese verbreiten sich außerdem über trockene Luft besser als über mäßig feuchte.

Tipp: Eine geringe Luftfeuchtigkeit im Büro erkennen Sie unter anderem an vermehrten Stromschlägen durch elektrostatische Aufladung.

Um die Luftfeuchtigkeit zu regulieren, gibt es mehrere Möglichkeiten. Die nachfolgende Tabelle verschafft Ihnen einen Überblick:

Maßnahmen gegen hohe LuftfeuchtigkeitMaßnahmen gegen niedrige Luftfeuchtigkeit
Einsatz von LuftentfeuchternEinsatz von Luftbefeuchtungssystemen
nasse Regenschirme im Flur/WC abstellenWasserschale auf der Heizung
Zimmerpflanzen hinstellen

Die Luftdynamik

Sicher kennen Sie den Spruch „Hier steht die Luft“ und wissen auch, dass er alles andere als positiv zu verstehen ist. Wenn du Luft buchstäblich zum Stillstand kommt, ist es höchste Zeit, zu handeln. Um ein gutes Raumklima im Büro zu erhalten, muss sich die Luft bewegen. Wie das funktioniert? Ganz einfach: Indem Sie das Fenster öffnen und durchlüften. Dabei gibt es jedoch ein paar Regeln zu beachten.

Die Regeln des richtigen Lüftens

  • Mehrmals täglich für kurze Zeit lüften (= Stoßlüften)
  • Fenster im Winter nicht dauerhaft gekippt lassen (Wand kühlt aus, Wasser kondensiert, Schimmel entsteht)
  • Frischluft ist besser als künstliche Klimatisierung
  • Querlüften erzeugt eine besonders hohe Luftdynamik (hierzu sich diagonal gegenüberliegende Fenster öffnen)
  • Doch Vorsicht vor dem Zug, der dadurch entsteht!

Wenn sich Luft mit einer Geschwindigkeit von mehr als 0,2 m/s bewegt, ist von einem schädlichen Zug die Rede. Dieser Wert sollte unbedingt vermieden werden. Schließen Sie die Fenster, sobald sie merken, dass es zieht. Die optimale Luftdynamik liegt übrigens zwischen 0,1 bis 0,15 m/s.

Die Luftqualität

Laut Arbeitsstättenverordnung muss im Büro „ausreichend gesundheitlich zuträgliche Atemluft vorhanden sein“. Klingt im ersten Moment einleuchtend – doch was genau ist unter „gesundheitlich zuträglich“ zu verstehen?

Die Qualität der Luft wird durch die folgenden Faktoren beeinflusst:

  • Sauerstoffanteil
  • Staub
  • Schadstoffe (beispielsweise aus Möbeln und Bodenbelägen)
  • Nikotin
  • Ozon
  • Krankheitserreger
  • Schimmelsporen

Ob die Luftqualität im Büro gut oder schlecht ist, können Sie meist anhand Ihres Wohlbefindens überprüfen. Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen und ähnliche Symptome sind häufige Indizien dafür, dass die Luftqualität zu schlecht ist. Es ist dann höchste Zeit, einen Luftwechsel durchzuführen.

Eine andere effektive Methode zur Verbesserung des Raumklimas ist der Einsatz von Grünpflanzen. Diese produzieren nicht nur Sauerstoff und erhöhen die Luftfeuchtigkeit, sondern können auch als eine Art Filteranlage für die Luft verstanden werden. Als besonders empfehlenswert gelten der Drachenbaum, die Birkenfeige und die Zimmerlinde.

Leider ist es sehr aufwändig, die Qualität der Luft so messen und so ist die Lage in den meisten Büros unklar. Hinzukommt, dass es keine einheitlichen Regeln gibt, die die optimale Luftqualität definieren. Hier kommt es in erster Linie darauf an, auf sein persönliches Empfinden zu achten und prophylaktisch in regelmäßigen Abständen zu lüften.

Tipp: Wenn Sie aus beruflichen Gründen viel Zeit in geschlossenen Räumen verbringen, ist es notwendig, sich eine tägliche Dosis Frischluft in der Natur abzuholen. Der moderne Mensch hält sich viel zu viel in Gebäuden auf.

Das perfekte Raumklima im Überblick

  • Temperatur: zwischen 21 und 22° C, im Sommer maximal 26° C
  • Luftfeuchtigkeit: zwischen 50 und 60 %
  • Luftdynamik: maximal 0,2 m/s
  • Luftqualität: keine einheitlichen Richtlinien

Klimaanlage: Fluch oder Segen fürs Raumklima?

Gerade im Sommer stellt die Klimaanlage in vielen Büros eine echte Erleichterung dar. Sie versorgt den Raum mit herrlich frischer Luft und bringt diese gleichzeitig auch in Bewegung. Klingt also so, als wären Klimasysteme eine Bereicherung für jedes Raumklima.

Leider ist es jedoch so, dass Klimaanlagen auch eine Reihe von Nachteilen mit sich bringen:

  • Zu starke Zugluft, die Verspannungen auslösen kann
  • Zu kalte Luft, die dafür sorgt, dass die Mitarbeiter frieren
  • Zu trockene Luft, die die Schleimhäute austrocknet
  • Zu starke Verteilung von Krankheitserregern (die aufgrund der trockenen Luft leichtes Spiel haben)

Generell kann gesagt werden, dass Klimaanlagen eine Gefährdung für die Gesundheit darstellen. Mögliche Erkrankungen reichen von einer harmlosen Erkältung bis hin zur gefährlichen Lungenentzündung. Trotzdem sind die Anlagen in manchen Fällen unverzichtbar. Das gilt vor allem in Großraumbüros und Gebäuden, die nur wenige und/oder kleine Fenster besitzen. Dann kann sich eine Klimaanlage als wahrer Segen erweisen.

Sick Building Syndrom: Wenn schlechtes Raumklima krank macht

Wenn alle Richtlinien und Empfehlungen missachtet werden und sich Menschen sehr oft und lang in geschlossenen Räumen aufhalten, besteht die Gefahr des Sick Building Syndroms. Der Name darf durchaus ernst genommen werden: Gebäude, beziehungsweise das schlechte Raumklima, das in ihnen herrscht, können krank machen. Das Sick Building Syndrom äußert sich durch klassische Symptome wie:

  • Müdigkeit/Erschöpfung
  • Kopfschmerzen
  • Konzentrationsstörungen
  • gereizte Schleimhäute
  • Schwindel
  • Übelkeit
  • erhöhte Reizbarkeit

Die gute Nachricht: Die Beschwerden verschwinden recht schnell, nachdem man das Gebäude verlassen und frische Luft geschnappt hat. Als Auslöser für das Sick Building Syndrom gelten das schlechte Raumklima im Allgemeinen und Schadstoffe, Verunreinigungen, Ausdünstungen und Stress im Speziellen. Auch ein erhöhter Lärmpegel und belastende Lichtverhältnisse können die Merkmale des Sick Building Syndroms stärker hervortreten lassen.

Das optimale Raumklima als ein wichtiger Aspekt der Ergonomie ist ein Thema, mit dem sich jedes Unternehmen auseinandersetzen sollte. Welche Erfahrungen haben Sie damit bisher gemacht? Spielt das Raumklima eine große Rolle in Ihrem Büro oder wird es eher stiefmütterlich behandelt? Wir hoffen, dass sich nach diesem Beitrag mehr Menschen aktiv damit auseinandersetzen.

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