Ihnen wurde überraschend gekündigt? Sie haben den ersten Schock überwunden und die durchaus heilsame Phase des Selbstmitleids inzwischen hinter sich gebracht? Dann stellt sich Ihnen jetzt unweigerlich die Frage: Wie geht es weiter?

Sie wissen natürlich, dass die Initiative von Ihnen ausgehen muss. Die Chance, über die Agentur für Arbeit einen Job zu finden, ist nur eine von mehreren. Wiegen Sie sich besser nicht in Sicherheit, weil Sie ja erst einmal Arbeitslosengeld bekommen – und denken Sie über einen Wechsel in die Selbstständigkeit nur dann länger nach, wenn Sie außer einer umwerfenden Geschäftsidee auch betriebswirtschaftliches Know-how und außerdem ein solides finanzielles Polster besitzen.

So kann es klappen mit dem neuen Job

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  • Unentschlossenheit und Müßiggang können Sie sich nicht leisten – spüren Sie stattdessen die Möglichkeiten auf, die in Ihnen stecken und bisher nicht so recht zur Entfaltung kamen.
  • Ab jetzt ist es Ihr Job, sich um einen neuen Job zu kümmern. Und das acht Stunden täglich. Sie arbeiten Vollzeit daran, wieder einer geregelten und gut bezahlten Arbeit nachzugehen. Lassen Sie sich nicht hängen, stehen Sie früh auf wie normale Arbeitnehmer und werden Sie Ihr Manager in eigener Sache!
  • Besinnen Sie sich auf „Tugenden“ wie Fleiß, Konzentration, Hartnäckigkeit und Durchhaltevermögen. Diese werden Sie in Ihrem neuen Job brauchen – trainieren können Sie bereits jetzt.
  • Achten Sie darauf, nicht den Anschluss zu verlieren. Bleiben Sie im Kontakt mit Kollegen, belegen Sie Kurse zur Weiterbildung (z. B. über die Arbeitsagentur) und gönnen Sie sich ggf. die Beratung durch einen Karriere-Coach.
  • Das eigene Ego ist manchmal der reinste Spielverderber – oder sitzt auf einem zu hohen Ross. Seien Sie trotzdem bereit, auch einen Job anzunehmen, für den Sie überqualifiziert sind. Vielleicht ist es der erste Schritt nach vorn, eventuell kommen Sie im neuen Betrieb schnell weiter. Es könnte den Versuch wert sein!
  • Lassen Sie sich nicht von Leuten beeinflussen, die ständig darüber jammern, dass es keine Jobs gebe. Das stimmt nicht: Fast eine Million offene Stellen gibt es derzeit in Deutschland. Halten Sie an Ihrem Optimismus fest!
  • Verwenden Sie Zeit und Sorgfalt auf Ihre Bewerbungsunterlagen – vom Foto bis zum Anschreiben. Auch in diesem Bereich kann sich professionelle Hilfe (Karriere-Coach, Outplacement-Berater etc.) lohnen.
  • Mit einer guten Bewerbung und einem interessanten Lebenslauf ist es nicht getan – letztendlich überzeugen Sie durch Ihre Persönlichkeit. Machen Sie sich klar, was Sie können und wollen. Testen Sie Ihre eigene Überzeugungskraft, indem Sie einen „Elevator Pitch“ vorbereiten. Das ist die kurze mündliche Version Ihres Lebenslaufs, bei der Sie die für den Job relevanten Stationen und Kompetenzen hervorheben und zudem Ihre speziellen Kenntnisse betonen können. Üben Sie mit einem Video und beobachten Sie kritisch, wie Sie rüberkommen.
  • Einen Headhunter zu beauftragen, empfiehlt sich nur im oberen Management. Ansonsten sind Sie lediglich ein Kandidat unter vielen. Übernehmen Sie lieber selbst die Verantwortung für Ihr Ziel. Mit gestärktem Selbstbewusstsein werden Sie es auch auf eigene Faust erreichen.
  • Wenn Sie eine Bewerbung abgeschickt haben, können Sie abwarten, bis sich die Personalabteilung bei Ihnen meldet. Doch oft wird dort nur ausgesiebt, wer in die engere Wahl kommt. Falls Sie herausgefunden haben, für wen Sie arbeiten würden, liegt es ganz bei Ihnen: Sie können direkt über LOS gehen und versuchen, mit den Entscheidungsträgern in Kontakt zu treten. Häufig kommt es gut an, wenn sich Kandidaten etwas trauen, denn Leute mit Mumm in den Knochen werden gesucht. Seien Sie also ruhig anders, seien Sie mutig!
  • Auf den Plattformen der Social Media nehmen die Job-Angebote zu – und darunter sind nicht die schlechtesten. Aber Vorsicht: Schreiben Sie keine Comments oder Fragen zu Job-Posts. Schauen Sie sich an, um was für eine Firma und um welche Art von Job es sich handelt, und recherchieren Sie die Entscheider vor Ort. Über einen Anruf können Sie probieren, eine persönliche Einladung zu erhalten.
  • Sollte es tatsächlich zu einem Vorstellungsgespräch kommen, ist es ratsam, mehr über die Zukunft zu reden als sich über die Vergangenheit auszulassen. Richten Sie Ihren Blick auf den Nutzen, den Sie dem Unternehmen bringen. Stellen Sie interessierte und sachliche Fragen. Ihre früheren Jobs hat Ihr Gesprächspartner ja sowieso bereits in Ihrem Lebenslauf gesehen. Er möchte wissen, ob Sie zur Firma passen und was Sie leisten können – für den guten Eindruck sind allein Sie zuständig, geben Sie ihr Bestes, damit man Sie an Bord holt.
  • Ein Bewerbungsgespräch ist nicht nur irgendein Interview, sondern sollte von Ihnen als Verkaufsgespräch betrachtet werden. Sie verkaufen sich und Ihre Leistungen zu einem möglichst hohen Preis. Das geht am besten, wenn Sie ehrliches Interesse an dem Unternehmen zeigen und Ihr logisches Denkvermögen unter Beweis stellen. Sie dürfen gern Werbung für Ihre Person machen, sollten nicht unter-, aber auch nicht übertreiben. Die Gesprächsführung überlassen Sie bitte Ihrem Gegenüber.
  • Treten Sie nicht ins Fettnäpfchen, indem Sie schlecht über Ihren letzten Arbeitsplatz oder Ihren Chef reden. Manche Fragen mögen darauf abzielen, aber lassen Sie sich nicht verleiten, sich Luft zu machen. Wenn Sie über die Firma herziehen, fällt es letztlich auf Sie zurück. Denn nun kann sich Ihr Chef in spe vorstellen, wie Sie vielleicht einmal über ihn reden werden. Vermutlich sind Sie dann bereits gefeuert, ehe Sie überhaupt eingestellt wurden.
  • Machen Sie sich im Vorwege klar, welche drei bis fünf Unternehmen für Sie als Arbeitgeber infrage kommen. Dann lassen Sie es diese Firmen wissen, wer Sie sind, was Sie wollen und was Sie können. Legen Sie einfach los!

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