Diebstahl im Büro: Jeder Vierte klaut – Sie auch?

Eine repräsentative Umfrage der GfK sorgte kürzlich für Schlagzeilen: Demnach habe jeder vierte Befragte bereits mindestens einmal im Büro geklaut. Als Diebstahl jedoch, würden das die wenigsten Betroffenen bezeichnen. Es sei ja nur ein Radiergummi gewesen, eine Büroklammer oder ein Aktenordner. Für das Unternehmen entstehe also kein großer finanzieller Schaden, ebenso wenig bei den Kollegen. Doch Achtung: Selbst kleinste Entwendungen können fatale Folgen nach sich ziehen, schlimmstenfalls sogar die fristlose Kündigung. Zudem verschwinden am Arbeitsplatz auch schnell einmal Wertgegenstände, der Geldbeutel oder das Smartphone. Wer muss denn dann für solch größere Schäden haften? Und wie können Sie sich vor dem Diebstahl im Büro schützen?

1. Jeder Vierte klaut – aber was eigentlich?
2. Wann gilt Klauen im Büro als Diebstahl?
3. Je teurer die Sache, desto seltener der Diebstahl
4. Wie gehen Sie vor, wenn Sie bestohlen wurden?
5. Frage 1: Wer haftet für den Bürodiebstahl?
6. Frage 2: Wie können Sie sich zukünftig vor Diebstahl am Arbeitsplatz schützen?
7. Umfrage: Wurden Sie schon einmal im Büro beklaut?

Jeder Vierte klaut – aber was eigentlich?

Würden Sie sich als ehrlichen und gesetzestreuen Bürger bezeichnen? Als Mensch mit Werten und als zuverlässigen Mitarbeiter, der sich an Regeln hält? Gewiss, das würden doch schließlich die meisten. Und dennoch geben in einer bei Statista veröffentlichten Umfrage viele Frauen und noch mehr Männer zu, hin und wieder einmal über die Stränge zu schlagen. Dinge aus dem Büro mitgehen zu lassen, liegt dabei sogar auf dem dritten Platz.

Statistik: Welche der folgenden gesetzeswidrigen Dinge haben Sie schon einmal getan? | Statista
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In der GfK-Studie wurde dieses Phänomen noch einmal genauer untersucht: Hier gaben sogar 25 Prozent der Befragten zu, bereits mindestens ein Mal im Büro geklaut zu haben. Manche auch mehrmals, mitunter regelmäßig. Dabei handelt es sich aber in den wenigsten Fällen um Geld, Smartphones oder sonstige Wertgegenstände. Es sind vielmehr Kugelschreiber (51 Prozent der Befragten), Papier (27 Prozent) oder Büroklammern (26 Prozent), die unbemerkt eingesteckt werden. Büromaterial im Wert weniger Cent, von ein oder zwei Euro vielleicht. Als ein Kavaliersdelikt betiteln die meisten Befragten dieses Vergehen deshalb. Das Problem an der Sache ist aber: Der Arbeitgeber sieht das vielleicht ganz anders und in zahlreichen Fällen führten solch geringfügige Diebstähle bereits zur ordentlichen oder fristlosen Kündigung. Manchmal ist dies auch einfach die willkommene Rechtfertigung für den Arbeitgeber, der Sie schon lange auf dem Kieker hat und nur auf einen Kündigungsgrund wartete. Auch wenn Sie daher kein schlechtes Gewissen haben: Selbst das Klauen eines Kugelschreibers ist Diebstahl!

Wann gilt Klauen im Büro als Diebstahl?

Rechtlich gesehen ist Diebstahl gemäß §242 Strafgesetzbuch die Wegnahme einer frei beweglichen Sache, also eines körperlichen Gegenstandes, von einer anderen Person mit einer Zueignungsabsicht. Das bedeutet: Haben Sie nicht die Absicht, die Sache wieder zurückzugeben, sondern möchten diese selbst behalten oder an einen Dritten weitergeben, so handelt es sich um Diebstahl im Sinne des Gesetzes. Einen Mindestwert gibt es dafür nicht. Klauen im Büro ist also immer Diebstahl, auch wenn es sich lediglich um einen Kugelschreiber oder eine Büroklammer handelt. Es können daraus also auch entsprechende Konsequenzen resultieren.

Dennoch drücken die Arbeitsgerichte natürlich bei kleinen Diebstählen eher ein Auge zu als bei Sachen von Wert. So entschied das Arbeitsgericht Frankfurt am Main zum Beispiel, dass das Naschen von 120 Gramm Trauben am Arbeitsplatz kein Grund für eine fristlose Kündigung sei. Mit eingeflossen ist in diese Entscheidung jedoch, dass die betroffene Frau seit vielen Jahren im Unternehmen war, es niemals Beanstandungen gab sowie ihre private Situation als Witwe mit zwei minderjährigen Kindern. Eine Einzelfallentscheidung, die geringfügigen Diebstahl am Arbeitsplatz aber dennoch nicht rechtfertigt. Sie riskieren also selbst beim Diebstahl einer Heftklammer stets eine ordentliche beziehungsweise fristlose Kündigung oder ein langwieriges Verfahren vor dem Arbeitsgericht.

Wichtig: Der Arbeitgeber muss den Diebstahl für eine außerordentliche Kündigung nicht einmal beweisen können. Ausreichend ist ein dringender und begründeter Verdacht.

Je teurer die Sache, desto seltener der Diebstahl

Auch wenn die Arbeitsgerichte bei dem Diebstahl geringwertiger Sachen vielleicht noch ein Auge zudrücken: Je wertvoller der Gegenstand, desto härter die Strafen. Dies könnte der Grund dafür sein, dass die Hemmschwelle zum Diebstahl für die befragten Personen höher liegt, je mehr die jeweilige Sache wert ist. Nur sechs Prozent der Befragten nahmen schon einmal einen Aktenordner mit, ein Prozent ist es beim Druckertoner. Glücklicherweise scheinen viele deutsche Arbeitnehmer die Grenze auch nicht nur beim Preis zu ziehen, sondern beim Besitz ihrer Kollegen. Dennoch gibt es jährlich rund 150.000 Fälle von Diebstahl am Arbeitsplatz, welche durch Betriebsangehörige bei der Polizei angezeigt werden. Vor allem in Unternehmen mit vielen Mitarbeitern, regem Durchgangsverkehr oder in unpersönlichen Großraumbüros verschwinden da auch einmal der Geldbeutel oder das Smartphone vom Schreibtisch. Von einem Kavaliersdelikt kann spätestens jetzt nicht mehr die Rede sein.

Wie gehen Sie vor, wenn Sie bestohlen wurden?

Ein solcher Bürodiebstahl ist eine echte Herausforderung für das Betriebsklima, vor allem dann, wenn voreilige Schlüsse gezogen und willkürliche Personen beschuldigt werden. Wenn Sie am Arbeitsplatz bestohlen wurden, sollten Sie deshalb stattdessen wie folgt vorgehen:

  1. Stellen Sie erst einmal sicher, dass Ihr Handy, der Geldbeutel oder sonstige Wertgegenstand wirklich gestohlen wurde und Sie diesen nicht einfach nur verlegt haben.
  2. Fragen Sie Ihre Kollegen – ohne jemanden zu beschuldigen! – ob sie die gestohlene Sache vielleicht irgendwo gesehen haben.
  3. Informieren Sie Ihre Vorgesetzten.
  4. Rufen Sie die Polizei.
  5. Melden Sie den Schaden Ihrer Hausratversicherung, falls vorhanden.
  6. Sichern Sie sich zukünftig besser gegen Bürodiebstahl ab.

Ob es nun einer der Kollegen war, ein Kunde, ein Lieferant oder einfach ein Fremder: Die Chancen, dass Sie den Täter finden und Ihre gestohlenen Wertsachen zurückerhalten stehen sehr schlecht. Nur die wenigsten Diebstähle werden aufgeklärt und selbst wenn, sind die gestohlenen Gegenstände häufig bereits an Dritte veräußert. Es gibt nun also vor allem zwei wichtige Fragen, die Sie sich stellen sollten:

Frage 1: Wer haftet für den Bürodiebstahl?

Der Diebstahl hat bei der Arbeit stattgefunden, also haftet der Arbeitgeber? Leider müssen wir Sie an dieser Stelle enttäuschen: Für gestohlene Privatsachen müssen Sie selbst aufkommen. Zumindest dann, wenn Sie diese offen liegen gelassen haben. Sollten das Smartphone, Tablet, der Geldbeutel oder weitere Wertsachen jedoch aus einem abgeschlossenen Schrank, einem abschließbaren Rollcontainer o.ä. entwendet worden sein, können Sie den Schaden eventuell Ihrer Hausratversicherung melden. Dies hängt von Ihren individuellen Vertragsbedingungen und der jeweiligen Situation ab. Häufig benötigen Sie hierfür den Anzeigenbericht der Polizei. Der Arbeitgeber hingegen haftet nur für jene Sachen, die Sie regelmäßig für Ihre Arbeitsleistung benötigen, das Geschäftshandy zum Beispiel. Dieses müssen Sie aber normalerweise ohnehin nicht aus der eigenen Tasche bezahlen. Lassen Sie Ihre privaten Wertsachen deshalb am besten Zuhause oder beachten Sie folgende Grundregeln, um sich fortan besser vor Diebstahl am Arbeitsplatz schützen zu können:

Frage 2: Wie können Sie sich zukünftig vor Diebstahl am Arbeitsplatz schützen?

Lassen Sie Ihre Wertsachen niemals offen herumliegen.

  • Tragen Sie diese entweder bei sich oder schließen Sie diese ein, zum Beispiel in einer Schublade, einem Schrank oder einem Rollcontainer.
  • Achten Sie bewusst auf Besucher oder Fremde, sprechen Sie diese gegebenenfalls an, fragen Sie sie nach ihrem Anliegen und bieten Sie freundlich und zuvorkommend Ihre Hilfe an. Potenzielle Diebe werden dadurch verunsichert. Kann Ihnen jemand den Grund für den Besuch nicht nennen, hat keinen Termin beziehungsweise Ansprechpartner oder irrt ziellos umher, geleiten Sie ihn höflich zum Eingang oder zum Empfang.
  • Sollten Sie ein Einzelbüro haben, schließen Sie dieses beim Verlassen stets ab, selbst wenn Sie sich nur kurz einen Kaffee holen.
  • Tragen Sie die Schlüssel stets bei sich.

Immer mehr Arbeitgeber schützen sich selbst und ihre Mitarbeiter mittlerweile durch Zutrittskontrollen, Videoaufnahmen oder weitere Überwachungsmaßnahmen vor Diebstahl. Das bedeutet andererseits aber auch, dass Sie als Arbeitnehmer unter Beobachtung stehen. Wir möchten Sie daher noch einmal ermahnen, niemals am Arbeitsplatz zu klauen. Nicht einmal den Kugelschreiber! Viele Arbeitgeber überschreiten dabei aber leider die Grenzen des Erlaubten. Ob und in welcher Form die Mitarbeiterüberwachung zulässig ist, erfahren Sie in unserem Artikel „Detektive, Kameras & Co: Ist die Mitarbeiterüberwachung erlaubt?“.

Daher an dieser Stelle ein kurzer Appell an alle Arbeitgeber: Angestellte, die ein gutes Gehalt sowie ausreichend Anerkennung erhalten, stehlen deutlich seltener. Mitarbeiter, die sich wenig wertgeschätzt oder unterbezahlt fühlen, haben nämlich häufig eine niedrigere Hemmschwelle, sich auf die Kosten des Arbeitgebers zu bereichern. Sie haben das Gefühl, das Unternehmen würde ihnen etwas für ihre harte Arbeit schulden. Ein gutes Betriebsklima ist daher als Diebstahlprävention effektiver als jede Überwachungsmethode.

Umfrage: Wurden Sie schon einmal im Büro beklaut?

Wir wissen ja bereits, dass jeder Vierte von Ihnen mindestens einmal im Büro etwas geklaut hat. Doch wie ist das eigentlich umgekehrt? Uns würde heute einmal interessieren, wie viele von Ihnen bereits beklaut wurden? Was wurde Ihnen am Arbeitsplatz schon entwendet und wurde der Diebstahl jemals aufgeklärt?

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