Probearbeit: Tipps sowie absolute No-Gos für Bewerber

Die Probearbeit bekam in den letzten Jahren einen eher schlechten Ruf, da sie von den Arbeitgebern vermehrt ausgenutzt wurde. Gleichzeitig wächst aber beidseitig auch der Wunsch nach dieser einmaligen Chance sich gegenseitig kennenzulernen, bevor ein Arbeitgeber, aber auch ein Arbeitnehmer, sich für einen Arbeitsvertrag entscheiden. Wie können Sie also die Vorteile einer Probearbeit für sich nutzen, ohne als billige Arbeitskraft ausgenutzt zu werden? Und welche sind wichtige Tipps sowie absolute No-Gos für die Probearbeit, um Ihren zukünftigen Vorgesetzten von sich zu überzeugen?

1. Probearbeit – was ist das eigentlich?
2. Das Grundproblem der Probearbeit
3. Wann muss die Probearbeit vom Arbeitgeber bezahlt werden?
4. Wie können Sie sich auf die Probearbeit vorbereiten? Tipps und No-Gos
5. Die eigenen Erwartungen abstecken
6. Sich über das Unternehmen informieren
7. Ausgeschlafen und pünktlich erscheinen
8. Für ein adäquates äußeres Erscheinungsbild sorgen
9. Höflich, freundlich, bescheiden und respektvoll
10. Fragen stellen ist explizit erwünscht
11. Engagement und Motivation

Probearbeit – was ist das eigentlich?

Eine Probearbeit darf nicht mit der Probezeit verwechselt werden. Sie geht dieser stattdessen voraus. Nach der Bewerbung und dem Vorstellungsgespräch laden viele Unternehmen die Bewerber in der engeren Auswahl zur Probearbeit ein. In der Regel sind das nur rund ein bis drei Personen. Während dies früher eher in der Gastronomie gang und gäbe war, hat sich dieser Auswahlprozess mittlerweile auch auf viele weitere Branchen ausgeweitet, zum Beispiel auf die Industrie oder sozialen Berufe.

Die Probearbeit geht häufig nur einen, manchmal aber auch zwei bis fünf Tage. Hierbei soll sowohl dem Arbeitgeber als auch dem Arbeitnehmer die Chance gegeben werden, sich besser kennenzulernen. Der Arbeitgeber kann prüfen, wie die Arbeitsmoral des Bewerbers ist, wie er sich in der Praxis verhält, wie aufnahmefähig er ist uvm. Der Arbeitnehmer hingegen erhält wichtige Einblicke in sein eventuelles zukünftiges Umfeld, die herrschende Arbeitsatmosphäre und lernt seine potenziellen neuen Kollegen kennen. Entscheiden sich beide Parteien anschließend für einen Arbeitsvertrag, beginnt dieser mit der sogenannten Probezeit, welche in der Regel drei bis sechs Monate dauert und in welcher beidseitig kurzfristig gekündigt werden kann.

Das Grundproblem der Probearbeit

Gerade eine Probearbeit, welche sich über mehrere Tage erstreckt, wurde allerdings von den Unternehmen in den letzten Jahren vermehrt ausgenutzt. So haben sie etliche Bewerber für mehrere Tage kostenfrei in ihrem Unternehmen arbeiten lassen, obwohl bereits zu Beginn klar war, dass diese nicht mehr im offiziellen Auswahlverfahren sind. Zum Teil wurden gar Stellen ausgeschrieben, welche nie besetzt wurden, nur um die „Probearbeiter“ als Urlaubsvertretung, günstige Aushilfe oder für niedere Arbeiten auszunutzen. Es ist daher das Grundproblem des Modells „Probearbeit“ und die wichtigste Frage, die auch Sie sich stets stellen sollten:

Ist die Probearbeit eine echte Chance für mich oder werde ich lediglich ausgenutzt?

Sie sollten nicht blindlings alle Angebote zur Probearbeit annehmen. Prüfen Sie diese stattdessen auch folgende wichtige Merkmale. Ein Angebot zur Probearbeit ist vermutlich unseriös, wenn

  • die Einladung zur Probearbeit bereits vor dem eigentlich Bewerbungsprozess stattfindet, also bevor Sie beispielsweise bei einem Vorstellungsgespräch waren,
  • Sie keinen speziellen Probearbeitsvertrag erhalten,
  • der Arbeitgeber die Probearbeit mit Ihnen weder vor- noch nachbereitet,
  • es mehr als drei bis fünf Tage dauern soll,
  • Sie direkt „wertschöpfend“ mitarbeiten sollen, denn in der Regel dient die Probearbeit lediglich einem Einblick in das Unternehmen sowie einer ersten Einarbeitung, ähnlich einem Praktikum.

Wann muss die Probearbeit vom Arbeitgeber bezahlt werden?

Dieser letzte Punkt führt uns zur nächsten wichtigen Frage: Wenn Sie bereits als „wertschöpfende“ Arbeitskraft in der Probezeit tätig sind, müssen Sie dann nicht auch dafür bezahlt werden? Die Antwort lautet: Ja, unter bestimmten Voraussetzungen muss die Probearbeit vergütet sein. Die Juristen unterscheiden hierfür zwischen zwei Arten der Arbeit:

  1. Eine weisungsabhängige Arbeit bedeutet, dass Sie für das Unternehmen Gewinn erwirtschaften und daher Ihre Arbeit auch gemäß der „üblichen Vergütung“ bezahlt werden muss.
  2. Eine weisungsunabhängige Arbeit hingegen, dient lediglich dem Kennenlernen des Arbeitsplatzes und erwirtschaftet für das Unternehmen in diesem Moment keinen Mehrwert. Es muss daher vom Arbeitgeber nicht vergütet werden.

Das bedeutet, dass Sie für eine fünftägige Probearbeit als Krankenschwester, in welcher Sie auf Ihrer zukünftigen Station bereits Blut abnehmen, putzen oder die Patienten waschen müssen, auch einen dementsprechenden Anspruch auf Vergütung hätten. Ebenso als Speditionsfahrer, sollten Sie während der Probearbeit oder dem Praktikum bereits selbständig Liefertouren ausfahren.

Um eine solche Ausbeutung zu verhindern, hat laut §612 BGB für die Probearbeit eine den „Umständen angemessene Vergütung“ zu erfolgen.

Wenn Sie also nach Weisung arbeiten, müssen Sie dafür bezahlt werden. Dies gilt auch für jeden Probearbeitsvertrag, in welchem keine gesonderte Regelung ausgeführt ist. Jede hiervon abweichende Vereinbarung muss nämlich schriftlich festgehalten werden. Ansonsten können Sie den nicht bezahlten Lohn oder gar einen Arbeitsvertrag anschließend gerichtlich einfordern.

Wie können Sie sich auf die Probearbeit vorbereiten? Tipps und No-Gos

Wenn Sie das Angebot zur Probearbeit als seriös eingeschätzt und angenommen haben, sollten Sie sich auch explizit auf die Probearbeitszeit vorbereiten. Hierfür müssen Sie erst einmal verstehen, worauf der zukünftige potenzielle Arbeitgeber achten wird:

  • Verhalten gegenüber Kunden, Vorgesetzten und Kollegen,
  • Teamfähigkeit,
  • Know-How,
  • Lernbereitschaft,
  • Aufnahmefähigkeit,
  • Konfliktmanagement,
  • Durchsetzungsfähigkeit
  • uvm.

Doch Sie sollten die Probearbeit nicht nur nutzen, um Ihren zukünftigen Arbeitgeber von sich zu überzeugen, sondern auch um für sich selbst wichtige Eindrücke über den Arbeitsplatz zu sammeln:

  • Arbeitsatmosphäre,
  • interne Strukturen,
  • Hierarchien,
  • Unternehmenskultur,
  • Kommunikation in den Teams,
  • Arbeitslast und -druck,
  • etc.

Klären Sie für sich, was Sie auf dieser neuen Stelle erwarten würde. Was sagt Ihr Bauchgefühl? Häufig ist dieses gar klüger als der Verstand. Nehmen Sie sich die Probearbeit als Gelegenheit der Prüfung, ob diese Stelle zu Ihnen passen würde. Auch Sie haben hinterher immer noch die Möglichkeit, einen Arbeitsvertrag abzulehnen.

1. Die eigenen Erwartungen abstecken

Legen Sie sich daher eine Checkliste an, worauf Sie während der Probearbeit achten möchten. Dann können Sie ganz bewusst durch diese Zeit schreiten und so viele Eindrücke wie möglich aufnehmen. Nehmen Sie sich anschließend abends noch eine halbe Stunde Zeit, um die vergangene Probearbeit zu reflektieren:

  • Wie war Ihr Bauchgefühl?
  • Was ist Ihnen aufgefallen?
  • Wie zufrieden wirkten die Mitarbeiter?
  • Haben Sie sich wohlgefühlt?
  • Welchen Umgangston pflegten die Mitarbeiter und Führungskräfte?
  • Wo sehen Sie bereits jetzt Probleme?
  • Ist Ihnen Ihr Vorgesetzte sympathisch?
  • Welche Arbeitsatmosphäre herrschte im Unternehmen?
  • Glauben Sie, dass Ihnen die Arbeitsinhalte Spaß machen könnten?
  • Welche positiven und negativen Eindrücke konnten Sie sammeln?

Schreiben Sie all Ihre Eindrücke nieder und teilen Sie diese in zwei Spalten auf: Was spricht für und was gegen diese Arbeitsstelle? Notieren Sie sich zudem alle wichtigen Fragen, welche Sie bei dem persönlichen Gespräch in der Nachbereitung der Probearbeit noch einmal stellen möchten.

Übrigens: Halten Sie Augen und Ohren offen. Am meisten sehen, hören und erfahren Sie über die wahre Atmosphäre im Unternehmen, wenn Sie einmal dem Kollegengespräch lauschen. Sie können nämlich davon ausgehen, dass nicht nur Sie, sondern auch das Unternehmen während der Probearbeit einen häufig unrealistisch positiven Eindruck hinterlassen möchte. Versuchen Sie daher stets hinter die Fassade zu blicken…

2. Sich über das Unternehmen informieren

Zuletzt können Sie auch noch im Internet oder direkt über Bekannte wichtige Informationen über das Unternehmen sammeln. Haben Sie vielleicht Bekannte, Verwandte oder Freunde, die hier arbeiten? Dann fragen Sie diese doch einmal ein wenig aus. Oder Sie stöbern im Arbeitgeberbewertungsportalen, sozialen Netzwerken und Foren, um mehr über die Atmosphäre im Unternehmen zu erfahren. Je mehr Informationen und Eindrücke Sie sammeln können, desto einfacher wird es Ihnen fallen, sich für oder gegen diesen Arbeitgeber zu entscheiden.

Bedenken Sie aber, dass umgekehrt auch Sie überzeugen müssen. Hier lautet das Motto ebenfalls: Je mehr Informationen, desto besser. Bereiten Sie sich auf die Probearbeit vor, indem Sie sich auf der fachlichen Ebene über das Unternehmen informieren:

  • Was wird hier produziert?
  • Seit wann gibt es das Unternehmen?
  • Welches ist sein Leitspruch?
  • Welche strukturellen Veränderungen gab es in den letzten Jahren?
  • Wie viele Standorte hat das Unternehmen?
  • usw.

3. Ausgeschlafen und pünktlich erscheinen

Stellen Sie sich den Wecker und gehen Sie früh ins Bett. Achten Sie zudem bereits einige Tage zuvor auf Ihre Gesundheit, ziehen Sie sich warm an und trinken Sie keinen Alkohol. Denn wer müde, kränklich, zu spät oder gar verkatert zur Probearbeit erscheint, hinterlässt sofort einen schlechten Eindruck. Selbst eine gute Arbeitsleistung kann dann häufig nicht mehr überzeugen.

4. Für ein adäquates äußeres Erscheinungsbild sorgen

Fragen Sie bei Ihrem Probearbeitgeber nach, welche Arbeitskleidung erwünscht ist und treten Sie adäquat auf. Dies bedeutet nicht nur angemessene Klamotten, sondern auch ein gepflegtes Äußeres: frisch geduscht, geputzte Zähne, saubere Schuhe und ordentliche Haare. Nur wer äußerlich überzeugt, kann anschließend mit seinen inneren Werten auftrumpfen.

5. Höflich, freundlich, bescheiden und respektvoll

Bleiben Sie stets höflich und freundlich, aufmerksam und bescheiden. Niemals sollten Sie bereits während der Probearbeit Probleme mit Kollegen oder gar dem Vorgesetzten haben. Sie müssen stattdessen auch bei Kritik stets freundlich bleiben. Behalten Sie daher im Zweifelsfall lieber einmal Ihre Meinung für sich. Sie haben einen Verbesserungsvorschlag? Dann äußern Sie diesen doch lieber in der Nachbesprechung unter vier Augen oder warten Sie Ihre Anstellung ab. Bescheidenheit und Respekt sind bei der Probearbeit absolute Grundregeln. Viele Unternehmen setzen Sie daher bewusst Druck oder einem Konflikt aus, um Sie auf die Probe zu stellen.

6. Fragen stellen ist explizit erwünscht

Statt vorlaut zu sein, sollten Sie stattdessen lieber Interesse ausstrahlen und kluge Fragen stellen. Gelangweilt aus dem Fenster blicken oder gähnen, während Ihr Kollege Ihnen eine Aufgabe erklärt, hinterlassen stattdessen einen denkbar schlechten Eindruck. Fragen Sie also notfalls lieber noch einmal nach und zeigen Sie Interesse für Ihre Kollegen, die Firma, die internen Strukturen, die Aufgaben usw. Übrigens: Auch das Smartphone sollten Sie unbedingt ausschalten. Auch wenn Sie Ihre Whatsapp-Nachrichten spannender finden, ist der Blick aufs Handy bei der Probearbeit tabu.

7. Engagement und Motivation

Es ist nicht schlimm, wenn Sie am ersten Probearbeitstag noch nicht jede Aufgabe perfekt meistern. Wichtiger ist es, dass man Ihnen Ihr Engagement und Ihre Motivation ansieht. Merken Sie sich: Geben Sie niemals auf. Versuchen Sie sich stattdessen erneut an der Aufgabe, holen Sie sich Hilfe oder stellen Sie eben entsprechende Fragen. Bleiben Sie ruhig und gelassen, den Wutanfall können Sie immer noch abends beim Joggen loswerden.

Welche spannenden, lustigen oder ärgerlichen Erfahrungen haben Sie bereits mit der Probearbeit gemacht? Wir sind gespannt auf Ihre Geschichte und wünschen Ihnen viel Erfolg bei Ihrem nächsten Probearbeiten…

2 Kommentare

  1. Guido Nedden on

    Sehr guter und vor allem informativer Informationsbericht über alle Aspekte des Probearbeitens. Alle wichtigen Aspekte sind enthalten. Kompliment für gut verständlichen Text und gute Recherche!

  2. Hallo Frau Franke, in so einem Artikel sollten Sie schon vernünftiges Deutsch benutzen. Klamotten ziehe ich vielleicht auf der Kleinkunstbühne oder zum Flohmarkt an. Weiterhin ist eine vernünftige Recherche durchaus von Nöten. Ein Anruf beim Bürgertelefon zum Arbeitsrecht ergibt z.B. Folgendes: Sind Sie beim Arbeitsamt arbeitssuchend gemeldet und beziehen Sie Leistungen, so ist ein Probearbeiten basierend auf einer Eigeninitiativbewerbung unbedingt genehmigungs- und anzeigepflichtig. Obwohl Sie keinen Arbeitslohn erhalten, machen Sie sich bei Zuwiderhandlungen der Schwarzarbeit strafbar! Also: rufen Sie unbedingt vorher Ihren Berater in der Jobbörse an! Klärungsbedürftig sind auch alle Fragen der Haftung und der Versicherung. Haften Sie für Schäden während der Probearbeitszeit (Ihnen fällt ein Arbeitsmittel herunter und wird dabei zerstört)? Sind Sie während der Probearbeitszeit über das Unternehmen unfallversichert? Verringert das Unternehmen durch das Probearbeiten die bei Einstellung nachfolgende Probezeit? Immerhin hat man Sie ja nun schon (auf Ihre Kosten) kennengelernt.
    Im Großen und Ganzen muss gesagt werden, dass die Probearbeit m.E. eine Unsitte ist, die immer mehr um sich greift. Manche Branchen benutzen sie, um Spitzen in der Produktion oder saisonale Spitzen abzufedern. Schade, hat eben nicht gepasst. Hier sollte dringend eine Meldestelle gegen den Missbrauch eingerichtet werden.

Ihr Kommentar zum Thema