Telefon-Phobie: 10 Tipps gegen die Angst vorm Hörer

Das Klingeln eines Telefons – für die meisten Menschen eine vollkommen alltägliche Situation im Beruf. Doch während die einen ohne Zögern zum Hörer greifen, sorgt das Klingeln bei anderen für ein ungutes Gefühl, das bis zur Angst oder gar Panik anwachsen kann. Die Angst vor dem Telefonieren, häufig auch Telefon-Phobie genannt, ist weit verbreitet. Die, die davon betroffen sind, sind keinesfalls allein. Dennoch wird das Thema nur sehr selten besprochen.

1. Die Telefon-Phobie als Ausprägung der Sozial-Phobie
2. Wie äußert sich die Angst vor dem Telefonieren?
3. 10 Tipps gegen die Telefon-Phobie
4. Vorsicht vor Vermeidungsstrategien!

Die Telefon-Phobie als Ausprägung der Sozial-Phobie

Zunächst einmal muss festgehalten werden, dass die Telefon-Phobie keine diagnostizierte Angststörung ist. Mit anderen Worten: Es handelt sich hierbei nicht um ein klinisch nachgewiesenes Problem. Das bedeutet jedoch keinesfalls, dass sich Betroffene ihre Angst vor dem Telefon bloß einbilden.

Die Telefon-Phobie wird als eine Form der Sozial-Phobie verstanden. Hierbei handelt es sich um die Angst vor sozialen, also zwischenmenschlichen Kontakten in den unterschiedlichsten Ausprägungen. Eine Sozial-Phobie tritt bei jedem Menschen anders auf. Nicht jeder, der unter dieser Angststörung leidet, hat auch automatisch eine Telefon-Phobie. Anders herum bedeutet das jedoch auch, dass eine Angst vor dem Telefonieren nicht bedeuten muss, dass die betroffene Person generell Probleme damit hat, mit anderen (fremden) Menschen zu kommunizieren.

Wie viele Menschen von einer Telefon-Phobie betroffen sind, kann nicht gesagt werden. Hierzu gibt noch keine eindeutigen Zahlen oder Studien. Eine allgemeine Sozialphobie liegt bei etwa 2 bis 3 % der deutschen Bevölkerung vor.

Wie äußert sich die Angst vor dem Telefonieren?

Die Angst vor dem Telefonieren kann grob in drei Kategorien unterteilt werden:

  1. Die Angst davor, einen Anruf zu tätigen
  2. Die Angst vor einem eingehenden Anruf
  3. Die Angst vor dem Telefonieren generell (Mischform aus a. und b.)

Das bedeutet folgendes: Es ist durchaus möglich, dass ein Mensch große Angst davor hat, den Hörer selbst in die Hand zu nehmen und einen Anruf zu tätigen, es jedoch kein Problem ist, einen solchen entgegenzunehmen – und anders herum. Eine Telefon-Phobie hat viele verschiedene Gesichter und ist immer mit unterschiedlichen Ängsten verbunden. Diese können folgendermaßen zusammengefasst werden:

  • Angst, vom Gesprächspartner nicht verstanden zu werden
  • Angst, zu stottern
  • Angst, sich zu verhaspeln
  • Angst, die wichtigen Infos nicht zu erfassen
  • Angst, sich nicht klar und deutlich auszudrücken
  • Angst vor zu viel Nähe zwischen den Gesprächsteilnehmern
  • Angst vor fremden Menschen
  • Angst, dass der Gesprächspartner schlecht über einen denkt
  • Angst, in einem störenden Moment anzurufen
  • Angst, nicht den richtigen Ansprechpartner am Apparat zu haben
  • Angst, sich (in irgendeiner Form) zu blamieren
  • Angst, abgelehnt („abgewimmelt“) zu werden
  • Angst vor offenen Konfrontationen

Diese und ähnliche Ängste und Sorgen kommen Ihnen bekannt vor? Dann kann es unter Umständen sein, dass Sie unter einer Telefon-Phobie (oder nicht ganz so dramatisch formuliert: unter einer Furcht vor dem Telefonieren) leiden.

10 Tipps gegen die Telefon-Phobie

Hört man sich einmal am Arbeitsplatz oder in den persönlichen Netzwerken um, so kann man schnell feststellen, dass die Abneigung gegenüber dem Telefonieren weit verbreitet ist. Es ist also nichts, wofür man sich schämen muss oder was man verschweigen sollte. Im Folgenden wollen wir Ihnen eine Reihe von Tipps mit auf den Weg geben, die Sie dabei unterstützen, Ihrer Angst vor dem Telefonieren den Kampf anzusagen.

Tipp #1: Feste Telefon-Zeiten

Wer weiß, dass ein wichtiges Telefonat bevorsteht, ist oftmals den ganzen Tag über wie gelähmt vor lauter Angst. Es erklärt sich von selbst, dass sich dieses ungute Gefühl auch automatisch auf all Ihre anderen Aufgaben auswirken und Ihre Produktivität stark ausgebremst wird. Lassen Sie nicht zu, dass Ihre Angst vor dem Telefonieren Ihren kompletten Arbeitsablauf blockiert. Das gelingt beispielsweise, indem Sie tägliche Telefonzeiten festlegen. Vor allem im Fall von Viel-Telefonierern ist es sinnvoll, Zeitfenster zu bestimmen, in denen alle anliegenden Telefonate erledigt werden. Das hat die folgenden Vorteile:

  • Sie unterbrechen nicht immer wieder Ihren Workflow
  • Sie können sich besser konzentrieren
  • Sie schaffen eine (Telefon-)Routine
  • Sie können sich besser auf Ihre Angst-Situation vorbereiten

Tipp #2: Gute Vorbereitung

Welches Ziel verfolgen Sie mit einem Telefonat? Welche Information benötigen Sie? Wer ist Ihr Ansprechpartner? Viele Menschen fürchten sich so sehr vor dem Telefonieren, weil Sie schlecht (oder gar nicht) auf die Gespräche vorbereitet sind. Wenn Sie diese Angst teilen, ist es von Vorteil, systematisch an Telefonate heranzugehen. Das gelingt Ihnen beispielsweise, indem Sie sich eine Checkliste mit allen wichtigen Punkten anlegen. Diese könnte folgendermaßen aussehen:

  • Gesprächspartner
  • Anruf-Zeit und -Datum
  • Gesprächsthema
  • Offene Fragen
  • Absprachen

Zusatz-Tipp: Es ist sinnvoll, wenn Sie sich sowohl für eingehende als auch ausgehende Telefonate eine entsprechende Liste anfertigen. Jeden Anruf mit der gleichen Übersicht zu bearbeiten, funktioniert in der Praxis meist nicht. Außerdem ist es gut, wenn Sie Ihre Gedankenstütze individuell an Ihre Branche und Ihre Berufsposition anpassen.

Tipp #3: Der Einstiegssatz

„Aller Anfang ist schwer“ ist nicht nur ein beliebtes Sprichwort, sondern hat auch viel Wahres an sich. Viele Menschen mit einer Telefon-Phobie fürchten sich insbesondere vor dem Einstieg ins Gespräch und verhaspeln sich dabei nicht selten. Um diese unangenehme Situation zu umgehen, ist es sinnvoll, wenn Sie sich einen allgemeingültigen Einstiegssatz überlegen, den Sie bei jedem Anruf verwenden können. Dieser hilft Ihnen dabei, sich zu fokussieren und eine Routine zu erschaffen. Der Satz kann ruhig auf einen Zettel geschrieben und gut sichtbar an Ihrem Arbeitsplatz angebracht werden. Dadurch haben Sie Ihn immer vor Augen und können ihn auch zwischen zwei Gesprächen üben. Irgendwann wird er Ihnen ganz leicht und ohne Ablesen von den Lippen gehen.

Tipp #4: Nachfragen

„Hoffentlich störe ich jetzt nicht.“ – „Hmm, ob die Person am anderen Ende der Leitung wohl die ist, die mir weiterhelfen kann.“ – „Was, wenn ich mir den Namen nicht sofort merken kann?“ Kommen Ihnen diese oder ähnliche Gedankengänge vor dem Telefonieren bekannt vor? Macht es Sie nervös, dass ein Telefonat immer mit so vielen unbekannten Variablen verbunden ist? Dann wird Ihnen unser nächster, überaus schlichter Tipp weiterhelfen: Fragen Sie einfach nach! Es ist ganz einfach. Ein freundliches „Guten Tag Herr X, ich hoffe ich störe gerade nicht?“ oder „Hallo Frau Y, sind Sie die richtige Ansprechperson, wenn es um Thema Z geht?“ lenken das Gespräch sofort in eine konstruktive Richtung und sparen Zeit – auf beiden Seiten der Leitung.

Wichtig ist außerdem, dass Sie Unklarheiten immer sofort aus dem Weg räumen. Sie haben die Antwort Ihres Gesprächspartners nicht verstanden oder benötigen eine noch detaillierte Auskunft? Scheuen Sie sich nicht davor, noch einmal nachzuhaken. Das zeugt nicht nur von Interesse, sondern auch von einer gründlichen Arbeitsweise. Es hilft niemandem, wenn Sie nach dem Telefonat noch immer offene Punkte auf Ihrer Liste haben oder nicht alle Fragen eindeutig geklärt wurden.

Tipp #5: Der „Worst Case“

Wenn Sie Angst vor dem Telefonieren haben, dann fürchten Sie sich eventuell vor ganz speziellen Situationen, die auch als „worst Case“-Szenario beschrieben werden könnten. Um welche “Horror-Szenarien” handelt es sich hierbei konkret? Nehmen Sie sich einmal die Zeit, all Ihre Sorgen und Befürchtungen schriftlich festzuhalten, um sie anschließend zu reflektieren.

Indem Sie sich Ihren konkreten Ängsten stellen, lernen Sie, besser mit diesen umzugehen. Außerdem ist diese Übung gut, um eventuell auch festzustellen, dass manche Szenarien, die in Ihrem Kopf herumgeistern, absolut abwegig sind.

Zusatz-Tipp: Das bloße Aufschreiben Ihrer Ängste reicht Ihnen nicht aus? Dann überlegen Sie sich zusätzlich, wie Sie sich in diversen Worst Case-Szenarien verhalten würden. Was erwidern Sie auf bestimmte Aussagen? Wie reagieren Sie auf Ablehnung? Was tun Sie, wenn Ihr Gesprächspartner nicht versteht, was Sie von Ihm wollen? Spielen Sie verschiedene Situationen durch und erlangen Sie dadurch mehr Sicherheit beim Telefonieren.

Tipp #6: Belohnungen

Kommen wir nun zu einem Tipp, den Sie nicht nur beim Telefonieren, sondern in allen erdenklichen unangenehmen Situationen anwenden können. Belohnungen (egal in welcher Form) sind die einfachste Methode, um etwas mit positiven Gefühlen zu verknüpfen. In der Praxis könnte das so aussehen:

  • Tätigen Sie einen Anruf oder nehmen Sie einen entgegen
  • Beachten Sie die vorherigen Tipps, um ein reibungsloses Gespräch zu führen
  • Beenden Sie das Gespräch
  • Sprechen Sie sich selbst (gedanklich oder auch laut) ein Lob für das gute Telefonat aus

Andere Belohnungen wie eine Süßigkeit, ein Kaffee oder eine Zigarette sind natürlich auch erlaubt, auf lange Sicht jedoch weniger sinnvoll – erst recht, wenn Sie mehrmals pro Tag oder gar Stunde telefonieren müssen. In diesem Fall sind ermutigende Worte (die auch von den Kollegen kommen können, mehr dazu im nächsten Tipp) die bessere Wahl.

Tipp #7: Problem offen thematisieren

Zeit, endlich Klartext zu reden: Wer in Ihrem Unternehmen weiß alles, dass Sie Probleme mit dem Telefonieren haben? Haben Sie darüber schon einmal offen mit Kollegen oder gar Ihrem Chef gesprochen? Ein offener Umgang mit Ihrer Angst ist wichtig, wenn Sie auf die Unterstützung anderer hoffen wollen. Das bedeutet keinesfalls, dass Sie anstehende Telefonate auf die Kollegen abwälzen sollen, sondern vielmehr, dass Sie Ihre Phobie vor dem Telefonhörer im offenen und persönlichen Gespräch reflektieren. Oftmals zeigt sich dabei, dass Sie keinesfalls allein mit Ihrem Problem sind. Die wenigsten Menschen geben an, total gern und mit großer Freude im Beruf zu telefonieren.

Das offene Thematisieren Ihrer Angst in Kombination mit vertrauten Gesprächen stellt eine Art Selbst-Therapie dar, die Ihnen dabei hilft, sich der Problematik zu stellen und diese auch zu akzeptieren.

Tipp #8: Bitte lächeln!

Nur weil Sie Ihr Gesprächspartner beim Telefonieren nicht sehen kann, bedeutet das längst nicht, dass er keine nonverbalen Signale wahrnimmt. Es stimmt tatsächlich: Ein Lächeln am Telefon kann durchaus vom Gegenüber „gehört“ – oder zumindest wahrgenommen – werden. Gleiches gilt auch für genervtes Augenrollen. Wer also beispielsweise Angst vor Ablehnung oder harschen Antworten hat, tut gut daran, sein schönstes Lächeln an den Tag zu legen. Das hat den Effekt, dass Ihre positive Einstellung auf den Menschen am anderen Ende der Leitung übertragen wird. Ein Lächeln steckt auch via Telefon an, probieren Sie es einfach mal aus. Sie werden schnell feststellen, dass das Telefonieren automatisch mehr Spaß macht, wenn Sie dabei ein Lächeln auf den Lippen tragen.

Tipp #9: Telefon-Trainings

Sie fürchten sich vor dem Telefonieren, weil Sie ganz allgemein der Meinung sind, nicht zu wissen, wie es richtig geht? Dann wird es höchste Zeit, Ihren Chef nach einem professionellen Telefon-Training zu fragen. Dieses kann ruhig vom gesamten Team absolviert werden und stellt eine wahre Bereicherung für jedes Unternehmen dar. In Telefon-Trainings lernen Sie beispielsweise,

  • wie Sie effektiv und zielgerichtet telefonieren
  • wie Sie sich klar und verständlich ausdrücken
  • welche Rolle die Mimik beim Telefonieren spielt
  • wie Sie wichtige Informationen schnell erfassen und erfragen

Tipp #10: Einfach machen

Ganz gleich ob Sie sich vor Spinnen, extremer Höhe oder Telefonaten fürchten – wer eine Angst überwinden will, muss sich ihr stellen. Das bedeutet konkret: Nehmen Sie den Telefonhörer in die Hand und legen Sie einfach los. Eine so schonungslose Konfrontation hat den positiven Effekt, dass Sie schnell merken werden, dass alles nur halb so wild ist. Auch wenn dieser Schritt sehr viel Überwindung kostet, ist er überaus empfehlenswert. Indem Sie sich Ihrer Telefon-Angst stellen, bauen Sie diese nicht nur ab, sondern stärken auch Ihr Selbstbewusstsein.

Vorsicht vor Vermeidungsstrategien!

Die Kommunikation entwickelt sich stetig weiter. Während das Fax langsam aber sicher auf dem Abstellgleis landet, feiert die E-Mail Hochkonjunktur. Auch andere digitale Möglichkeiten, beispielsweise Chats oder Video-Dienste werden immer beliebter und sorgen dafür, dass der Telefonhörer seltener in die Hand genommen werden muss. Für Menschen, die unter einer Telefon-Phobie leiden, ist das ein Segen. Im Schutze der E-Mail können Sie umfangreich formulieren, was Ihr Anliegen ist und müssen keine Missverständnisse befürchten – so zumindest die allgemeine Annahme. Das schafft kurzfristige Erleichterung und verringert den Druck im beruflichen Alltag.

Dennoch muss an dieser Stelle betont werden, dass das Ausweichen auf alternative Kommunikationswege keine Hilfe dabei ist, der Telefon-Angst den Kampf anzusagen. Die Phobie wird dadurch nämlich nur verdrängt und nicht wirklich beseitigt. Das Schreiben von E-Mails oder ein kurzer Chat mit Kollegen sind natürlich in Ordnung – sollten aber nie dazu dienen, das „gute alte“ Telefonat komplett zu verdrängen.

Die Angst vor dem Telefonieren – Spielt dieses Thema auch in Ihrem Berufsalltag eine Rolle oder haben Sie damit keinerlei Probleme? Uns interessieren Ihre Erfahrungen und Meinungen zu diesem Beitrag. Vielleicht haben Sie auch weitere Tipps, die Sie an Betroffene weitergeben können. Wir freuen uns über einen regen Austausch.

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