Das Internet hat es nicht nur geschafft, neue Berufe zu etablieren, sondern auch bereits bestehende grundlegend zu verändern. Die sogenannten digitalen Nomaden können von überall aus arbeiten – egal ob im heimischen Office oder am Strand von Thailand. Alles, was sie hierfür benötigen, ist ein Laptop und eine Internetverbindung. Das Arbeitsmodell der digitalen Arbeit ist auf dem Vormarsch und gewinnt immer mehr Anhänger. Doch ist das Arbeiten im Internet wirklich so unkompliziert, wie es sich Außenstehende gern vorstellen?

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1. Arbeiten weltweit – Das Internet macht es möglich
2. Was ist eigentlich digitales Arbeiten?
3. Vor- und Nachteile der digitalen Arbeit
4. Große Veränderungen für Freiberufler
5. Digitales Arbeiten in der Startup-Szene
6. Die wichtigsten Tools für digitale Nomaden
7. Die Klassiker: Email und Skype
8. Filesharing für Fortgeschrittene: Dropbox, Google Drive und Google Docs
9. Arbeiten in der Cloud: Podio, Trello und Bileico
10. Persönliche Organisation: Evernote und Kalender
11. Karriere-Push durch digitales Arbeiten?

Arbeiten weltweit – Das Internet macht es möglich

Programmierer, Grafiker, Anwälte, Übersetzer, Architekten, (Werbe-)Texter – sie alle und noch viele weitere Berufsgruppen können das machen, wovon andere nur träumen: Sie bestimmen selbst, wann und von wo aus sie arbeiten. Möglich macht das das Internet und das Privileg, nicht an stationäre Geräte gebunden zu sein. Die digitalen Nomaden sind in der Lage, ihren Arbeitsplatz überall auf der Welt einzurichten.

Digitales Arbeiten ist längst mehr als nur ein Trend auf dem Arbeitsmarkt. Es ist eine Weiterentwicklung der klassischen Arbeitsmodelle, die bisher meist auf strikte Abläufe und Präsenzzeiten („9 to 5“) gesetzt haben. Das Internet und das sogenannte Cloud-Working machen es nun möglich, die festen Strukturen zu brechen. Die Arbeit wird dezentralisiert. Angestellte und freie Mitarbeiter erhalten die Chance, ihren Arbeitsalltag selbst zu bestimmen und zu gestalten. Das bedeutet nicht nur, dass sie selbst festlegen, wann und wo sie arbeiten, sondern auch wie. Der Weg hin zum Endergebnis rückt immer mehr in den Hintergrund, was für die Menschen in erster Linie eines bedeutet: Selbstbestimmung. Doch was genau ist unter digitaler Arbeit überhaupt zu verstehen?

Was ist eigentlich digitales Arbeiten?

Rund drei Viertel aller Menschen in Deutschland arbeiten täglich an einem Rechner. Die Digitalisierung unserer Gesellschaft schreitet in allen Bereichen voran. Während immer noch die Angst umgeht, dass Maschinen mehr und mehr Arbeitsprozesse übernehmen und dadurch Arbeitsplätze wegfallen werden, sind auch andere Tendenzen zu verzeichnen. Der technische Fortschritt schafft für viele Berufsgruppen neue Möglichkeiten.

Eine davon ist das orts- und zeitunabhängige Arbeiten im Internet, das auch immer wieder als digitales oder cloudbasiertes Arbeiten bezeichnet wird. Es handelt sich hierbei um ein dezentrales Arbeitsmodell, dass vor allem bei Selbstständigen und Freiberuflern auf sehr viel Zuspruch stößt. Doch auch immer mehr fest Angestellte – insbesondere in der Startup-Szene – profitieren mittlerweile vom selbstbestimmten Arbeiten im World Wide Web.

Digitales Arbeiten kann mithilfe der folgenden Stichpunkte zusammengefasst werden:

  • flexibles Arbeiten (zeit- und ortsunabhängig)
  • ermöglicht durch einen Laptop (oder ein anderes mobiles Endgerät) und eine Internetverbindung
  • dezentrale Aufgabenverteilung
  • keine Präsenzzeiten in einem Büro
  • Aus Sicht der Unternehmen: Outsourcing und Zurückgreifen auf externes Expertenwissen

Vor- und Nachteile der digitalen Arbeit

Sowohl Auftraggeber als auch -nehmer beziehungsweise Vorgesetzte und Angestellte profitieren maßgeblich von dieser Form der neuen Arbeit. Im gleichen Atemzug muss aber auch immer darauf hingewiesen werden, dass die digitale Arbeit durchaus Schattenseiten (für den Angestellten beziehungsweise Auftragnehmer) hat.

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VorteileNachteile
Flexibilitätpermanente Erreichbarkeit
Motivationerschwerte Kommunikation
Steigerung der Kreativitätmangelhafte Strukturierung des Arbeitsalltags
Zeitersparnis (Wegfall von Arbeitswegen)schwerer Aufbau einer Teamkultur
bessere Vereinbarung von Beruf und Familieweltweiter Wettbewerb drückt die Preise

Große Veränderungen für Freiberufler

Eine Gruppe, die im besonderen Maße von der Digitalisierung des Arbeitens profitiert, sind Freiberufler. IT-Spezialisten, Autoren, Journalisten, Dozenten und andere freie Berufe haben auf dem Arbeitsmarkt 1.0 die meiste Zeit damit verbracht, nach neuen Auftraggebern zu suchen. Eine Zusammenarbeit kam in den meisten Fällen durch persönliche Kontakte zustande. Wer nicht ausreichend vernetzt war, musste demzufolge häufig große Durststrecken überbrücken. Viele Freiberufler lebten permanent am existentiellen Minimum.

Heute, im Zeitalter des digitalen Arbeitens, hat sich für Freelancer (und Selbstständige) einiges geändert. Aufträge werden nicht mehr (ausschließlich) über persönliche Kontakte an Land gezogen, sondern über verschiedene Freelancer-Portale akquiriert. Diese Vorgehensweise ist nicht nur wesentlich unkomplizierter, sondern auch zeitsparend und effektiv. Die Liste der Portale, die Freiberufler und Auftraggeber vermitteln, ist lang. Zu den bekanntesten gehören:

Hier können sich Freelancer anbieten oder auch auf konkrete Ausschreibungen bewerben. Ausführliche Bewertungssysteme zeigen den Auftraggebern, welcher Freiberufler den persönlichen Anforderungen entspricht. Leider bringen die Vermittlungsportale jedoch nicht nur Vorteile mit sich. So stehen viele seit längerem in der Kritik, Preisdumping zu begünstigen. Da viele Aufträge weltweit ausgeschrieben werden, ist die Konkurrenz riesig – und der Verdienst für den Freelancer oftmals gering. Ein zweiter Negativpunkt ist die Kontrolle der Arbeit, die durch einige der Portale durchgeführt wird.

Trotz dieser Kritikpunkte muss ausdrücklich festgehalten werden, dass sich die Arbeitsweise für Freelancer durch die neuen digitalen Möglichkeiten stark verbessert hat. Freiberufler müssen seltener Präsenztermine beim Auftraggeber wahrnehmen und können die Kommunikation auf digitale Kanäle verlegen. Das spart nicht nur Zeit, sondern auch Geld. Auch das Vorzeigen von (Zwischen-)Ergebnissen wurde durch diverse Tools (mehr dazu weiter unten in diesem Beitrag) stark vereinfacht.

Digitales Arbeiten in der Startup-Szene

Doch nicht nur Freiberufler, sondern auch Startups profitieren vom digitalen Arbeitsmodell, das eine flexible Gestaltung des Alltags zulässt. Viele Startup-Unternehmen setzen verstärkt auf flache Hierarchien und wollen ihren Mitarbeitern viele Handlungsfreiräume lassen. Hierfür ist das dezentrale Arbeiten im World Wide Web schlichtweg perfekt. Feste und freie Mitarbeiter bestimmen selbst, auf welche Weise sie ihre Aufgaben erledigen. In Video-Konferenzen oder Offline-Meetings können Ergebnisse schließlich zusammengetragen und zu einem Ganzen zusammengesetzt werden.

Für Startups ist das digitale Arbeiten jedoch nicht nur aus strukturellen Gründen interessant. Das Arbeiten mithilfe von Clouds und anderen Anwendungen ist kostensparend und deswegen überaus attraktiv für Unternehmen, die sich noch in der Frühphase ihrer Entwicklung befinden. Startups, die dezentral über das Internet arbeiten, können häufig komplett darauf verzichten, eigene Büroräume zu mieten. Dadurch fallen auch andere Kosten, beispielsweise für Strom und Möbel, weg. Stattdessen arbeiten die einzelnen Teammitglieder im Home Office oder in einem Co-Working Space.

Die wichtigsten Tools für digitale Nomaden

Wie weiter oben bereits erwähnt, benötigen digitale Nomaden für ihre Arbeit nicht mehr als einen Laptop und eine Internetverbindung. Hierbei handelt es sich zugegeben um eine verallgemeinerte Aussage. Tatsächlich brauchen Menschen, die ihr Geld online verdienen, eine Reihe von Tools für Laptop, Smartphone und Co. Die Online-Anwendungen gewährleisten nicht nur ein strukturierteres Arbeiten, sondern auch die Konnektivität zum Arbeit- oder Auftraggeber. Oder anders formuliert: Der Umgang mit Tools ist beim digitalen Arbeiten unverzichtbar.

Die Klassiker: Email und Skype

Vielleicht sind Sie jetzt ein wenig überrascht, immerhin suggeriert das Wort „Tools“ stets etwas Neuartiges und Innovatives. Doch ehe wir uns mit den aktuellen Trends beschäftigen, soll es zunächst einmal um die Klassiker gehen.

  • E-Mail: Die elektronische Mail ist nach wie vor das Kommunikationsmittel Nummer 1. Schnell, unkompliziert und doch komplex – Die Vorteile liegen auf der Hand. Dennoch muss auch festgehalten werden, dass die E-Mail Grenzen hat, beispielsweise beim Verschicken von großen Anhängen.
  • Skype: Skype ist eine Mischung aus digitaler (Video-)Telefonie und Messenger und als solche ein absolutes Must Have für alle digitalen Nomaden. Die Kommunikation via Skype ist extrem direkt und noch schneller als per E-Mail. In vielen Kreisen (vor allem bei internationalen Zusammenarbeiten) ersetzt Skype sogar das Telefon komplett.

Filesharing für Fortgeschrittene: Dropbox, Google Drive und Google Docs

Wenn das Email-Programm den Dienst verweigert, weil die angehangene Datei zu groß ist, kommen Filesharing-Dienste zum Einsatz. Hiermit können Sie Dateien jeder Art ganz bequem verschicken, teilen und sogar gemeinsam bearbeiten.

  • Dropbox: Dieses Tool kann auf unterschiedliche Weise genutzt werden. So können Sie beispielsweise Ordner für einzelne Nutzer freigeben (indem Sie einen Download-Link schicken) oder Gemeinschafts-Ordner anlegen. Letzteres hat den Vorteil, dass mehrere Personen zeitgleich auf eine Datei zugreifen und diese auch bearbeiten können.
  • Google Drive: Ganz ähnlich funktioniert auch Google Drive. Hier können ebenfalls verschiedene Ordner angelegt und mit Dateien befüllt werden.
  • Google Docs: Docs ist ein beliebtes Tool, um Tabellen anzulegen, die dann für verschiedene Nutzer freigeschaltet werde. Diese sind dann in der Lage, die Tabelle zu sehen und diese auch zu bearbeiten. Google Docs eignet sich zum Beispiel als Redaktionsplan oder Zusammenfassung eines komplexen Projektes.

Arbeiten in der Cloud: Podio, Trello und Bileico

Gleich vorweg: Es gibt im Internet mittlerweile unzählige Cloud-Programme und -Softwares. Die drei, die wir Ihnen hier vorstellen, sollen Ihnen einen ersten, exemplarischen Einblick gewährleisten. Die Programme sind alle webbasiert. Das bedeutet, dass Sie sie mithilfe eines Browsers überall und mit jedem Endgerät aufrufen können.

  • Podio: Hierbei handelt es sich um ein klassisches Tool zur Projektplanung. Einzelne sogenannte Workspaces trennen unterschiedliche Projekte voneinander. Sie haben die Möglichkeit, gemeinsam mit anderen Nutzern oder allein in einem Workspace zu arbeiten. Zusätzliche Apps personalisieren das Tool.
  • Trello: Bei Trello gibt es keinen Workspace, sondern Boards. Das Prinzip ist ähnlich, jedoch noch mehr auf Organisation und Planung und weniger auf den Austausch von Dateien ausgelegt.
  • Bileico: Bileico ist ein recht junges und noch eher unbekanntes Cloudworking-Tool. Es fokussiert sich nicht nur auf Unternehmen, sondern auch Vereine. Die Software bietet neben den klassischen Funktionen zum Beispiel auch die Mitgliederverwaltung und ein Rechnungsprogramm an.

Persönliche Organisation: Evernote und Kalender

  • Evernote: Evernote ist DIE App, wenn es um das Festhalten von Ideen, Notizen und mehr geht. Die Anwendung, die es auch als Desktop-App gibt, ermöglicht es ebenfalls, Emails und Webcontent zu speichern und mit anderen zu teilen.
  • Kalender: Egal ob digital oder analog – Wer organisiert arbeiten will, braucht einen Kalender. Mittlerweile funktionieren verschiedene Online-Kalender auch cloudbasiert. Dadurch ist es möglich, zum Beispiel Deadlines und Meetings mit anderen Personen zu koordinieren.
  • Praxistipp: Viele der hier vorgestellten Tools sind auch als App für Smartphone und Tablet erhältlich. Eine Synchronisierung sorgt dafür, dass Sie Ihre Projekte von unterschiedlichen Endgeräten aus im Blick haben und auch bearbeiten können.

Karriere-Push durch digitales Arbeiten?

In der Vorstellung vieler Menschen lässt sich über das Internet bequem und schnell Geld verdienen. Das Beste daran: Sie müssen nicht einmal das Haus verlassen! Doch sieht die Realität wirklich so aus?

Kurz und schmerzlos: Nein. Digitale Nomaden müssen ihr Geld genauso hart verdienen wie alle anderen auch. Wie viel das ist, hängt stark von der Branche und den erbrachten Leistungen ab. Natürlich genießen sie allerhand Vorzüge, müssen aber auch mit den Schattenseiten dieses Arbeitsmodells umgehen können. Hierzu gehört beispielsweise der bereits erwähnte Konkurrenzkampf in Kombination mit einer inflationären Preisentwicklung. Vor allem die IT- und Entwicklerbranche ist hiervon stark betroffen.

Die US-amerikanische „Freelancer Union“ hat einmal in einer Studie gefragt, was sich Auftragnehmer vom digitalen Arbeiten erwarten. Die Antworten:

  • Unabhängigkeit (vom Arbeitgeber)
  • vielfältige Erfahrungen
  • Arbeit an verschiedenen Projekten
  • bessere Balance zwischen Arbeit und Freizeit

Ob diese Erwartungen bei jedem digitalen Nomaden zur Realität werden, hängt vom Einzelnen ab. Digitale Arbeit ist immer das, was man daraus macht. Wer rund um die Uhr für seine Arbeitgeber erreichbar ist, wird es schwer haben, Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen. Wer auf der Stelle tritt und nicht weiterkommt, wird kaum neue Erfahrungen sammeln können.

Feststeht auf jeden Fall, dass das Arbeitsmodell der digitalen Arbeit durchaus Potential und viele (neue) Möglichkeiten bereithält. Der klassische Arbeitsalltag hat sich in den letzten Jahren stark verändert und ist vielseitiger geworden. Man darf gespannt sein, wohin die Reise noch führt.

Wie sieht es bei Ihnen aus? Sind Sie ein digitaler Nomade, der die Vorzüge des cloudbasierten Arbeitens genießt? Haben Sie vielleicht negative Erfahrungen gemacht? Lassen Sie es uns wissen, wie Sie zum Thema digitales Arbeiten stehen.