Für viele Arbeitnehmer – vor allem Männer – ist es eine unangenehme Situation: Sie begegnen ihrem Chef oder einem wirklich hohen Tier des Unternehmens. Doch nicht im Gang oder Fahrstuhl, sondern auf dem Klo! Wie sollen Sie reagieren? Bleiben Sie im „stillen Örtchen“ lieber still? Oder entscheiden Sie sich statt peinlichem Schweigen für ein wenig Smalltalk? Aber über welche Themen? Hier kommt der kleine Klo-Knigge am Arbeitsplatz.

Achtung Fauxpas: Smalltalk auf dem stillen Örtchen

Im Toilettenraum herrscht oft geradezu unheimliche Stille. Gespräche finden höchstens einmal zwischen zwei Frauen statt, die ganz dem Klischee entsprechend gemeinschaftlich das stille Örtchen aufgesucht haben, vermutlich um hier den neuesten Klatsch und Tratsch auszutauschen. Ansonsten gilt auf der Damentoilette: Führen Sie niemals Gespräche über die Kabinen hinweg. Schweigen wird hier aber durch die räumliche Trennung in der Regel auch nicht als unangenehm aufgefasst.

„Leider gibt es für Klugscheißer kein stilles Örtchen.“
(Lothar Bölck)

Anders in der Herrentoilette: Wer bei den Pissoirs Schulter an Schulter steht, empfindet Ruhe eventuell als peinliches Schweigen und ist dazu geneigt, ein wenig Smalltalk zu führen. Lassen Sie es! Nicht nur im Geschäftsleben gelten Gespräche während des Toilettengangs als echter Fauxpas, auch in Ihrer Freizeit machen Sie sich damit nicht gerade beliebt.

Sowohl am Pissoir als auch in den Kabinen wird nicht miteinander gesprochen.

So lautet die ungeschriebene Regel auf der Herrentoilette, völlig unabhängig davon, ob nun wirklich Ihr Chef neben Ihnen steht oder „nur“ der Kollege, ein Praktikant oder sogar Ihr bester Kumpel. Also lassen Sie Ihre Lippen versiegelt…

Fettnäpfchen mit Rutschgefahr: No-Gos auf der Herrentoilette

…und Ihre Augen in gerader Linie. Denn auch unauffälliges „Schielen“ oder sogar der direkte Augenkontakt sorgen in der Herrentoilette für nichts als Schamesröte. Und auch an folgendem (natürlich nicht ernst gemeintem) Video sollten Sie sich lieber nicht orientieren:

Prinzipiell gilt: Jeder Mensch besitzt eine sogenannte „Distanzzone“. Dabei handelt es sich um jenen Abstand zwischen zwei sich fremden Personen, mit welchem sie sich noch wohlfühlen. Diese Distanzzonen sind kulturell verschieden. So sind Südeuropäer zum Beispiel dafür bekannt, dass sie uns Nordlichtern gefühlt immer ein wenig „zu nah“ kommen, während Asiaten tendenziell eine ungewohnt große Distanz wahren.

Die Distanzzone in Deutschland liegt bei rund 50 Zentimetern.

Achten Sie daher stets auf die Wahrung dieser „Wohlfühlzone“ und unterlassen Sie auf der Toilette natürlich jeglichen Körperkontakt. Ein Schulterklopfer zur Begrüßung ist ebenso unangebracht wie der Handschlag. Zumal Sie nicht einmal sicher sein können, dass der oder die Begrüßte diese Hand bereits gewaschen hat.

Apropos: Die Hände nach dem Toilettengang nicht zu waschen ist sowohl bei Frauen als auch Männern ebenfalls ein absolutes No-Go.

Sie wissen nun, wie Sie sich auf dem stillen Örtchen definitiv nicht (!) verhalten sollten. Die Frage ist aber: Wie machen Sie es besser? Wie reagieren Sie zum Beispiel, wenn der Chef seinerseits mit dem Smalltalk beginnt?

So geht es richtig: Der kleine Klo-Knigge für das Berufsleben

Prinzipiell fahren Sie immer gut, wenn Sie auf der Toilette Ihre Lippen versiegelt und ausreichend Abstand halten. Sollten Sie dennoch ein Gespräch beginnen wollen, weil Sie hier zum Beispiel auf einen Kollegen treffen, mit dem Sie ohnehin ein Projekt besprechen möchten, können Sie mit einer vorsichtigen Einstiegsfrage beginnen. Wie wäre es mit einem unverfänglichen: „Hallo Herr Mustermann, wie geht es Ihnen?“. Anschließend ist ein wenig Feingefühl gefragt. Antwortet der liebe Herr Mustermann kurz und knapp, so unterlassen Sie eine weitere Konversation. Lässt er sich hingegen auf das Gespräch ein, können Sie es gerne weiterführen.

„Wann kommt der nächste Zug, Herr Stationsvorsteher?“
„Das kommt darauf an, wohin Sie wollen.“
„Auf die Toilette!“
(Quelle: Witze.net)

Andersherum kann es natürlich auch passieren, dass Sie auf dem stillen Örtchen selbst lieber Ihre Ruhe haben. Und genau dann muss tatsächlich der nervige Kollege die Tür öffnen und Ihnen ein Gespräch reindrücken. Natürlich haben Sie jedes Recht dazu, solche Konversationen abzuwürgen. Nur wie? Jeder Mensch mit ein wenig Empathie wird ein kurzes „Mh“ oder eine knappe Antwort als deutliches Zeichen verstehen, dass Sie an einem Austausch gerade nicht interessiert sind. Doch leider können Sie nicht davon ausgehen, dass alle Menschen mit Empathie gesegnet wurden. Am schnellsten und höflichsten entkommen Sie dann mit einem kurzen

„Können wir das gleich draußen besprechen?“

oder

„Wollen Sie diesbezüglich in einer Viertelstunde in mein Büro kommen?“

Zuletzt sollten Sie wissen, dass Hierarchien auch auf der Toilette nicht einfach aufgehoben sind. Sollte Ihr Vorgesetzter oder eine andere höherstehende Person aus dem Unternehmen den Waschraum betreten, warten Sie dessen Reaktion ab. Grüßt er Sie, grüßen Sie zurück! Spricht er mit Ihnen, antworten Sie! Schweigt er, so schweigen Sie auch! Gar nicht so kompliziert, oder?

Keine Regel ohne Ausnahme: Das Waschbecken als Komfortzone

Es gibt jedoch eine Möglichkeit – eine Ausnahme von der Regel – zu welcher Sie durchaus ein Gespräch anzetteln können: das Waschbecken. Sollten Sie und der Kollege oder Chef sich gleichzeitig die Hände waschen, dürfen Sie diese 30 bis 60 Sekunden gerne für ein wenig Plauderei nutzen. Erzählen Sie doch einen passenden (aber angemessenen) Witz oder freuen Sie sich kurz gemeinsam über das schöne sonnige Wetter. Fragt der Vorgesetzte Sie stattdessen gezielt nach einem aktuellen Projekt, können Sie auch gerne einen kurzen „Elevator-Pitch“ aus der Situation machen.

Lesetipp:60 Sekunden: Für alle Fälle immer eine Fahrstuhlrede parat haben

So oder so: Der Gang auf die Toilette kann im Berufsleben durchaus spannend werden und birgt eine Menge Rutschpotenzial auf den zahlreichen Fettnäpfchen.

Doch mit ein paar Grundregeln im Hinterkopf und etwas Routine, meistern Sie auch den Klo-Knigge gewiss problemlos. Und wenn nicht, so stehen Sie wenigstens nicht alleine da, wie uns folgende Twitter-Perlen verraten.

Twitter-Perlen: Der Boss und die Toilette – Ein amüsantes Dauerthema!


Welche Toilettensituation hat Sie im Berufsleben schon einmal zum Schmunzeln gebracht? Oder was trieb Ihnen vielleicht die Schamesröte ins Gesicht? Eventuell haben Sie auch eine typische Szene zum Fremdschämen beobachtet? Wir freuen uns auf Ihre Anekdoten in den Kommentaren!

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