Ein Arbeitgeberwechsel findet nicht immer zu Beginn eines neuen Jahres statt. Die Frage, die sich deshalb sehr häufig bei einem Jobwechsel stellt, lautet: Was passiert mit Ihrem Resturlaub? Können Sie die Ansprüche mit zur neuen Arbeitsstelle nehmen? Und wenn ja, wie können sich die Arbeitgeber wiederum vor doppelten Urlaubsansprüchen schützen?

1. Wie viel Urlaub steht Ihnen überhaupt zu?
2. Resturlaub in den neuen Job mitnehmen?
3. Was, wenn Sie im neuen Job einen höheren Urlaubsanspruch haben?
4. Darf der Arbeitgeber zu viel genommene Urlaubstage zurückfordern?
5. Können Arbeitnehmer auf ihren Urlaub verzichten?
6. So gehen Sie als Arbeitnehmer vor
7. So gehen Sie als Arbeitgeber vor

Wie viel Urlaub steht Ihnen überhaupt zu?

Um zu klären, ob Sie noch Urlaubsansprüche besitzen und in welcher Höhe, sehen wir uns einmal die gesetzlichen Urlaubsregelungen genauer an. Demnach haben Sie als Arbeitnehmer in Deutschland einen rechtlichen Urlaubsanspruch von

  • mindestens 24 Tagen pro Jahr bei einer 6-Tage-Woche
  • mindestens 20 Tagen pro Jahr bei einer 5-Tage-Woche
  • mindestens 16 Tagen pro Jahr bei einer 4-Tage-Woche

Umgerechnet auf die Wochenarbeitstage ergibt sich so stets ein Urlaubsanspruch von vier Wochen. Dabei handelt es sich selbstverständlich um bezahlten Urlaub. Außerdem gelten für folgende Personengruppen gesonderte Regelungen:

  • 5 zusätzliche Urlaubstage pro Jahr für schwerbehinderte Mitarbeiter bei einer 5-Tage-Woche
  • 25 Urlaubstage pro Jahr für unter 16-Jährige, 23 Urlaubstage für unter 17-Jährige und 21 Urlaubstage für unter 18-Jährige Jugendliche bei einer 5-Tage-Woche (Stichtag ist das Alter zu Beginn des Kalenderjahres)

Jeder Arbeitsvertrag kann außerdem zusätzliche Urlaubsregelungen enthalten, die über den gesetzlichen Mindestanspruch hinausgehen. Mit einem gesamtdeutschen Durchschnitt von 30 Urlaubstagen pro Jahr liegt Deutschland damit übrigens an der Spitze des europäischen Vergleichs. Hinzu kommen durchschnittlich zehn staatliche Feiertage (Schwankungen je nach Bundesland), welche nicht mit dem Urlaubsanspruch der Arbeitnehmer verrechnet werden dürfen:

Statistik: Durchschnittlicher Jahresurlaub und staatlichen Feiertage in Europa im Jahr 2010 | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Resturlaub in den neuen Job mitnehmen?

Hinsichtlich ihres Urlaubsanspruches geht es den Arbeitnehmern in Deutschland daher so richtig gut. Doch was ist nun eigentlich, wenn Sie bei einem Arbeitgeberwechsel Ihren jährlichen Urlaubsanspruch noch nicht aufgebraucht haben? Prinzipiell haben Sie gemäß §7 Abs. 4 des Bundesurlaubsgesetzes Anspruch auf Urlaub, der aufgrund der Beendigung des Arbeitsverhältnisses nicht oder nicht gänzlich genommen werden konnte. Dennoch muss hierbei zwischen zwei verschiedenen Fällen unterschieden werden:

Fall 1: Kündigung bis zum 30. Juni

Das Gesetz unterscheidet Ihren Anspruch auf Resturlaub nämlich je nachdem, ob Sie in der ersten oder zweiten Hälfte des Jahres den Arbeitgeber wechseln. Bei einer Kündigung vor dem 30. Juni haben Sie bei Ihrem alten Arbeitgeber einen anteiligen Urlaubsanspruch in Höhe von 1/12 des Jahresurlaubs für jeden Monat, den Sie im Unternehmen beschäftigt waren. Das bedeutet, dass Ihnen Ihr ehemaliger Arbeitgeber die noch ausstehenden Urlaubstage auszahlen muss. Ihren restlichen Jahresurlaub können Sie dann beim neuen Arbeitgeber geltend machen. Bei diesem haben Sie nämlich ebenfalls Anspruch auf 1/12 des Jahresurlaubs für jeden vollen Monat in seinem Unternehmen. Allerdings besitzen Sie keinen Doppelanspruch. Haben Sie bei Ihrem alten Arbeitgeber also bereits alle Urlaubstage für das Jahr abgegolten, stehen Ihnen bei Ihrem neuen Arbeitgeber keine Urlaubsansprüche mehr zu. Es sei denn, Sie treffen im Arbeitsvertrag abweichende Vereinbarungen.

Fall 2: Kündigung ab dem 01. Juli

Treten Sie Ihre neue Anstellung hingegen erst ab dem 01. Juli an, genießen Sie bei Ihrem alten Arbeitgeber den vollen Urlaubsanspruch. Voraussetzung hierfür ist, dass Sie aber bereits seit mindestens sechs Monaten, also seit dem 1. Januar des Jahres, im Unternehmen beschäftigt waren. Ansonsten wird Ihr Urlaubsanspruch anteilig zu den Monaten verrechnet, welche Sie im Unternehmen gearbeitet haben. Haben Sie Ihren gesamten Jahresurlaub zum Kündigungstermin also schon verbraucht oder sich auszahlen lassen, haben Sie im neuen Job jedoch keinen Urlaubsanspruch mehr für das jeweilige Jahr. Da die meisten Unternehmen aber zu Beginn sowieso eine Urlaubssperre von sechs Monaten verhängen, sind Sie mit der Kündigung ab dem 01. Juli häufig dennoch gut beraten. Ihr alter Arbeitgeber stellt dem neuen übrigens eine entsprechende Bescheinigung aus. Tricksen ist also nicht möglich.

Was, wenn Sie im neuen Job einen höheren Urlaubsanspruch haben?

Prinzipiell steht Ihnen nur der gesetzliche Mindesturlaub zu. Gewähren Ihnen der neue oder alte Arbeitgeber freiwillig mehr Urlaubstage als rechtlich notwendig, können sie auch die Richtlinien beim Ausscheiden aus dem Job individuell festlegen. So verrechnen zum Beispiel viele Arbeitgeber auch höhere Urlaubsansprüche zu jeweils 1/12 mit der im Unternehmen verbrachten Zeit. Andere wiederum, schließen im Aufhebungsvertrag einen Anspruch auf nicht genommenen Urlaub aus. Doch Achtung: Der gesetzliche Mindesturlaub ist davon nicht betroffen. Auch wenn Sie laut Vertrag auf Ihren Anspruch von 30 Tagen Resturlaub verzichten, müssen die 24, 20 oder 16 (je nach Wochenarbeitszeit) gesetzlichen Mindesturlaubstage abgegolten werden.

Darf der Arbeitgeber zu viel genommene Urlaubstage zurückfordern?

Auch hier sieht die Rechtslage ähnlich aus: Für die gesetzlichen Mindesturlaubstage ist die Antwort ein klares „Nein“. Gemäß § 5 Abs. 3 des Bundesurlaubsgesetzes kann der Arbeitgeber zu viel genommene Urlaubstage nicht zurückfordern. Scheiden Sie also vor dem 30. Juni aus dem Unternehmen aus, haben aber bereits Ihren Jahresurlaub aufgebraucht, müssen Sie keine Schadensersatzzahlungen leisten. Anders ist die Regelung bei freiwillig gewährten Urlaubstagen. Stehen Ihnen also laut Gesetz 20 Tage Urlaub pro Jahr zu, Ihr Arbeitgeber gewährt Ihnen aber 25 und diese haben Sie zum Zeitpunkt der Kündigung bereits aufgebraucht, obwohl Sie in der ersten Jahreshälfte den Arbeitgeber wechseln und somit keinen vollen Anspruch auf Ihren Jahresurlaub hätten, kann der Arbeitgeber Rückzahlungen für die fünf zu viel gewährten Urlaubstage verlangen. Beachten Sie hierzu die entsprechenden Klauseln in Ihrem Arbeitsvertrag.

Können Arbeitnehmer auf ihren Urlaub verzichten?

Nein, auch das geht laut Gesetz nicht. Die Arbeitnehmer in Deutschland müssen ihren jährlichen Mindesturlaub nehmen, schließlich wurde er aus Arbeitnehmerschutzgründen gesetzlich festgelegt. Das bedeutet, dass Sie als Arbeitnehmer nicht einfach ganz oder teilweise auf Ihren gesetzlichen Urlaubsanspruch verzichten können. Eine entsprechende Klausel im Aufhebungs- oder Arbeitsvertrag betrifft ebenfalls nur die zusätzlichen, vom Arbeitgeber gewährten übergesetzlichen Urlaubstage.

So gehen Sie als Arbeitnehmer vor

  • Machen Sie sich mit den gesetzlichen Regelungen zum Resturlaub vertraut
  • Legen Sie Ihren Kündigungstermin wenn möglich auf die zweite Jahreshälfte
  • Prüfen Sie die Vereinbarungen im Tarif- oder Arbeitsvertrag
  • Beachten Sie gegebenenfalls Fristen, je nach Vertrag müssen Sie Ihre Ansprüche spätestens drei Monate nach Ausscheiden aus dem Beschäftigungsverhältnis geltend machen
  • Lassen Sie sich von Ihrem bisherigen Arbeitgeber eine Bescheinigung über Ihren genommenen Urlaub oder die Auszahlung Ihrer Urlaubsansprüche im laufenden Kalenderjahr ausstellen
  • Leiten Sie diese Bescheinigung an Ihren neuen Arbeitgeber weiter

So gehen Sie als Arbeitgeber vor

  • Fordern Sie eine Urlaubsbescheinigung vom vorherigen Arbeitgeber des neuen Angestellten ein
  • Bis zum Erhalt dieser Bescheinigung können Sie die Bewilligung von Urlaubsansprüchen verweigern
  • Bei höheren als den gesetzlichen Urlaubsansprüchen, halten Sie im Arbeitsvertrag die individuellen Regelungen fest, zum Beispiel bei Arbeitsantritt oder im Fall der Kündigung

2 Kommentare

  1. Rainer Lindemann

    Aber wird nicht bei Arbeitgeber-Wechsel gegen Ende des Jahres der mitgenommene Urlaub wegen des Probehalbjahres verfallen?

  2. Was genau passiert wenn man zum März wechselt und bis dahin keinen Urlaub genommen hat?
    Beim alten Arbeitgeber waren es 30 Tage beim neuen 24.
    Bedeutet dies beim Wechsel im März dass man nur noch 20 Tage vom neuen Arbeitgeber verlangen kann und der restliche Urlaub einfach verfällt?

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