Ob Frust im Job, Streit unter Kollegen oder ein attraktives Jobangebot – Gründe für eine Kündigung gibt wie Sand am Meer. Doch wirksam kündigen heißt, die Kündigungsfrist genau zu kennen und einzuhalten. Erfahre hier, wie du Kündigungsfristen richtig berechnest und auf welche Fallstricke du achten solltest.

Was ist eine Kündigungsfrist?

Mit Kündigungsfrist ist der Zeitraum gemeint, den Arbeitnehmer einhalten müssen, wenn sie ihren Arbeitsvertrag beenden möchten. Die Kündigungsfrist kann je nach Art des Arbeitsverhältnisses und den geltenden gesetzlichen Regelungen variieren. Sie kann entweder durch den Arbeitsvertrag selbst, Tarifverträge, Betriebsvereinbarungen oder gesetzliche Bestimmungen festgelegt sein.

Wichtig ist, dass sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber an die vereinbarten Kündigungsfristen gebunden sind. Die Einhaltung der Kündigungsfrist stellt insbesondere sicher, dass beide Seiten ausreichend Zeit haben, sich auf die Beendigung des Arbeitsverhältnisses vorzubereiten und einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten.

Häufig hat sich der Arbeitnehmer bereits im Vorfeld mit dem Gedanken an eine Kündigung beschäftigt und möglicherweise schon eine neue Stelle in Aussicht. Auch dem Arbeitgeber wird somit ausreichend Zeit gewährt, die vakante Position neu zu besetzen.

Die ordentliche und die außerordentliche Kündigung

Im Arbeitsrecht werden im wesentlichen drei verschiedene Kündigungsarten unterschieden: die ordentliche Kündigung, die außerordentliche Kündigung und die Änderungskündigung. Hier soll aber nur um die beiden ersteren gehen.

1. Die ordentliche Kündigung

Bei der ordentlichen Kündigung wird die Dauer der Kündigungsfrist u.a. von folgenden Faktoren beeinflusst:

  • Gesetzliche Regelungen: Die gesetzliche Kündigungsfrist für Arbeitnehmer beträgt in Deutschland vier Wochen zum 15. oder zum Ende eines Kalendermonats.
  • Arbeitsvertrag: Im Arbeitsvertrag kann eine längere Kündigungsfrist vereinbart werden, die für den Arbeitnehmer bindend ist. Eine kürzere hingegen wäre unwirksam.
  • Tarifvertrag: Ist der Arbeitgeber an einen Tarifvertrag gebunden, gelten die dort festgelegten Kündigungsfristen, wenn sie für den Arbeitnehmer günstiger sind.

Achtung: Die genaue Dauer der Kündigungsfrist entnimmst du bitte deinem Arbeitsvertrag oder Tarifvertrag.

2. Die außerordentliche Kündigung

Die außerordentliche Kündigung, auch fristlose Kündigung genannt, ermöglicht es dem Arbeitnehmer, das Arbeitsverhältnis sofort und ohne Einhaltung der Kündigungsfrist zu beenden. Eine außerordentliche Kündigung ist jedoch nur unter bestimmten Umständen gerechtfertigt:

  • Schwerwiegende Pflichtverletzungen des Arbeitgebers, wie wiederholte unpünktliche Gehaltszahlungen, oder Vernachlässigung der Fürsorgepflichten.
  • Schwerwiegende Pflichtverletzungen des Arbeitnehmers, wie Diebstahl, Beleidigung oder Belästigung.

Wie berechnet man die Kündigungsfrist?

Für die Berechnung der Kündigungsfrist ist in der Regel das Datum des Zugangs der Kündigung beim Arbeitgeber ausschlaggebend, nicht das Datum deines Kündigungsschreiben selbst. Zur korrekte Berechnung, solltest du daher folgende Schritte beachten:

1. Arbeitsvertrag überprüfen

Prüfe deinen Arbeitsvertrag auf Regelungen zur Kündigungsfrist. Notiere dir die festgelegte Frist oder den Verweis auf den entsprechenden Tarifvertrag.

2. Gesetzliche Regelungen beachten

Die gesetzlichen Kündigungsfristen für Arbeitnehmer in Deutschland sind im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) geregelt:

Beschäftigungsdauer Gesetzliche Kündigungsfrist
0 bis 6 Monate (Probezeit) 2 Wochen, zu jedem beliebigen Tag
Nach der Probezeit 4 Wochen zum 15. oder zum Ende eines Monats

3. Datum der Kündigung notieren

Markiere dir das Datum in deinem Handy oder Kalender, an dem du deine Kündigung beim Arbeitgeber spätestens einreichen musst.

4. Kündigungsfrist berechnen

Zähle ab dem Datum der Kündigung die festgelegte Kündigungsfrist in Wochen oder Tagen. Beachte dabei, dass der Tag der Kündigung selbst nicht zur Kündigungsfrist zählt.

5. Eingang der Kündigung beim Arbeitgeber

Stelle sicher, dass deine Kündigungsschreiben auch rechtzeitig bei deinem Arbeitgeber eingeht, um die Kündigungsfrist einzuhalten. Berücksichtige dabei auch Wochenenden und Feiertage.

Ein Beispiel zur Berechnung der Kündigungsfrist:

Nehmen wir mal an, dein Arbeitsvertrag sieht eine Kündigungsfrist von vier Wochen zum Monatsende vor und du möchtest ihn zum 31. August kündigen. Das bedeutet für dich, dass deine Kündigung spätestens am 31. Juli beim Arbeitgeber eingegangen sein muss, um die Kündigungsfrist einzuhalten.

Kündigungsfrist: Besonderheiten und abweichende Regelungen

Es gibt bestimmte Situationen und Ausnahmen, die bei der Berechnung der Kündigungsfrist berücksichtigt werden sollten. Hier sind einige Beispiele:

  • Probezeit: Während der Probezeit kann die Kündigungsfrist kürzer sein als während des regulären Arbeitsverhältnisses. In der Regel beträgt die Probezeitkündigungsfrist zwei Wochen.
  • Kleinbetriebe: In Kleinbetrieben mit weniger als 20 Mitarbeitern können abweichende Regelungen gelten. Informiere dich über die spezifischen Regelungen in deinem Unternehmen.
  • Schwerbehinderte Menschen: Für schwerbehinderte Menschen gelten unter Umständen besondere Regelungen und längere Kündigungsfristen. Informiere dich über die entsprechenden Bestimmungen.

Merke: Bei Unklarheiten lohnt es sich rechtlichen Rat, z. B. durch einen Anwalt, einzuholen, um sicherzustellen, dass die Kündigungsfrist auch korrekt berechnet wird.

Häufige Fehler bei der Berechnung der Kündigungsfrist

Bei der Berechnung der Kündigungsfrist und der Formulierung des Kündigungsschreibens lauern einige Fallstricke. Typische Stolpersteine sind:

  1. Keine Schriftform: Eine Kündigung muss immer schriftlich in Papierform erfolgen. E-Mails oder SMS sind nicht rechtsgültig. Achte darauf, dass dein Kündigungsschreiben alle erforderlichen Angaben enthält, wie Name und Adresse des Empfängers, deinen Namen und deine Adresse, das Datum, einen Betreff, eine Anrede, den Kündigungstext und deine eigenhändige Unterschrift.

  2. Fehldeutung der Kündigungsfrist: Nimm dir genügend Zeit, um die Kündigungsfrist richtig zu berechnen. Ein Fehler kann zu einer ungewollten Verlängerung des Arbeitsverhältnisses führen und Probleme bereiten, wenn du bald eine neue Stelle antreten möchtest. Beachte auch Wochenenden, Feiertage und Sonderregelungen wie die Probezeit.

  3. Terminierung zum falschen Zeitpunkt: Achte darauf, den Beendigungstermin deines Arbeitsverhältnisses korrekt festzulegen und stelle sicher, dass deine Kündigung rechtzeitig beim Arbeitgeber eingeht.

Indem du diese Fehler vermeidest und die Kündigungsfrist korrekt berechnest, kannst du sicherstellen, dass deine Kündigung rechtswirksam ist und ein reibungsloser Übergang gewährleistet wird.

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Quelle: Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) § 622 und 623