„Die einzige Kompetenz, die im 21. Jahrhundert wichtig sein wird, ist die Kompetenz, neue Kompetenzen zu lernen“.

Peter Drucker US-amerikanischer Ökonom, österreichischer Herkunft

Trotz schnell voranschreitender Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz und der damit verbundenen Annahme, unsere Fähigkeiten würden in absehbarer Zeit von Maschinen abgelöst, bleibt die zwischenmenschliche Interaktion der Hauptfaktor unternehmerischen Erfolgs und eine gute, transparente und einfühlsame Kommunikation die Basis für unsere Karriere. Wir sollten also überdenken, was uns von Maschinen unterscheidet und was wir zukünftig an Skills benötigen. Das sind ohne Frage die zwischenmenschlichen Kompetenzen.

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Um den schnellen Wandel und die ständigen Veränderungen gut begleiten zu können und für die Zukunft gerüstet zu sein, benötigen wir ganz bestimmte Soft Skills, die Future Skills.

Was verstehen wir unter Future Skills?

Future Skills sind die Soft Skills, die ganz besonders in naher Zukunft, in drei bis fünf Jahren – Branchen und Industriezweige unabhängig – große Bedeutung für Ihr Berufsleben und das gesellschaftliche Zusammenspiel haben werden. Ich spreche von Ihren Kompetenzen, Fähigkeiten und Eigenschaften, den weichen Faktoren, im Gegensatz zu den Hard Skills, die Ihre Fachkompetenz beschreiben. 

Diese „weichen Kompetenzen“ unterteilen wir in drei Kategorien:

  • Die personalen oder persönlichen Fähigkeiten, also alle die, die sich auf Sie selbst beziehen, wie z.B. (fast) alles mit „Selbst…“: Selbstkritik, Selbstbewusstsein, Selbstmotivation, aber auch Belastbarkeit, Ehrgeiz, Eigeninitiative.
  • Die sozialen Fähigkeiten sind alle die, die in Interaktion mit anderen stehen, wie z.B.: Empathie, Kritik-, Team- und Kommunikationsfähigkeit.
  • Zu den methodischen Fähigkeiten gehören: Auffassungsgabe, Organisationstalent, Problemlösungskompetenz, allerdings auch SELBSTmanagement. Also nicht alles, was mit Selbst… beginnt, gehört automatisch zu den personalen Fähigkeiten.

Gerade die methodischen Kompetenzen sind Fähigkeiten, die es erlauben, selbstständig, kreativ und schnell Probleme lösen zu können.

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Für Verwirrung sorgt die Überschneidung von den häufig synonym genutzten Begriffen wie Kompetenzen, Fähigkeiten, Skills, Eigenschaften und Qualifikationen. Bezeichnet wird damit die Verknüpfung von Wissen und Können.

Vor welchen Herausforderungen stehen die Unternehmen?

Bislang liegt vielfach der Fokus auf Mitarbeitende mit einer deutlich bis hin zu extrem zugespitzter Spezialisierung, mit einer immer kleinteiligeren Arbeitsaufteilung, so dass Experten weltweit an einem Projekt mitarbeiten können. Dies wird weiterhin Bestand haben.

Hinzu kommen jedoch Mitarbeitende, die in jeder Hinsicht flexibel arbeiten wollen und somit nicht an einer stringenten Karriere interessiert sind. Sie wechseln Branchen, Positionen, Arbeitsinhalte, arbeiten nach gegenseitigem Bedarf und sind damit nicht kontinuierlich verfügbar. Diese beiden Welten zu vereinen, gepaart mit bis zu vier Generationen unter einem Unternehmensdach wird eine Kraftanstrengung und ein Wettlauf gegen die Zeit.

Der überschaubare Zeitraum von nur ca. fünf Jahren, in dem die Digitalisierung rasant schnell voranschreitet und sich Arbeitsformen weiter entwickeln werden, stellt die Unternehmen und die Mitarbeitenden vor große Herausforderungen. Nicht nur, dass sich das Stellenportfolio in Richtung IT verschiebt und hier massiv Arbeitskräfte fehlen, branchenübergreifend werden alle Mitarbeitenden neuen, anderen Anforderungen begegnen und diesen gewachsen sein müssen.

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Deshalb benötigt die Belegschaft ein umfangreiches, oftmals verändertes Repertoire an Skills. Gerade in der IT sind die Soft Skills inzwischen von großer Bedeutung, weil sich die Spezialisten, Programmierer, Product und Operations Manager nicht mehr an Ihre Schreibtische und in ihre Teams zurückziehen können, sondern funktionsübergreifende Aufgaben zu bewältigen haben.

So sollten sie zwischen externem und internem Kunden und dem Team kommunizieren, moderieren und Strategien präsentieren können, innovativ, flexibel und kritikfähig sein und unternehmerisch denken können. Wenig davon wird auf der Universität gelehrt und als Rüstzeug für die zukünftigen Jobs mitgegeben.

Infolgedessen liegt es in der Hand der Unternehmen, ihre Mitarbeitenden zielgenau, zeitnah und zukunftsorientiert weiterzubilden.

Das kann durch

  • Seminare, maßgeschneidert für die Teilnehmenden
  • Einzelcoachings zur individuellen Stärkung und Erweiterung der Skills
  • Job-Rotation, um Erfahrungen zu sammeln
  • Mentoring, um von erfahrenen Kolleg:innen zu lernen

begleitet werden.

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Unternehmen sollten die Neugierde von Mitarbeitenden wecken und fördern, Impulse setzen und ihnen Freiräume lassen, um Erfahrungen im Unternehmen zu sammeln und neue Tätigkeiten kennenzulernen. Darüber ergeben sich Verständnis zur Notwendigkeit und der Wille, sich neue Skills anzueignen und bestehende zu vertiefen.

„Jeder Job ist in 6 Monaten lernbar. Persönlichkeit hingegen ist eine Konstante.“ Henry Ford.

Deshalb sollten Unternehmen mehr Gewicht auf die Weiterbildung und Vertiefung der Soft Skills legen.

Es kommt nicht ausschließlich auf die Einarbeitung an. Jobbeschreibungen und Aufgaben ändern sich häufig nach sechs bis zwölf Monaten, so dass die Mitarbeitenden sich umstellen und anpassen müssen, ganz unabhängig davon, auf welche Position und Tätigkeit sie sich beworben haben. Dieser ständige Wandel erfordert Agilität, Kreativität und Resilienz. Je nach Veränderung der Aufgabe braucht es neue Kompetenzen, die durch Aus- und Weiterbildungen erworben werden können – also durch ein sogenanntes Upskilling.

Welches sind die TOP-Future Skills?

Die Antwort differiert ein wenig je nach Branche. Dennoch ist man sich einig über die nachfolgenden Must-Have Kompetenzen:

  • Lernfähigkeit
  • Funktionsübergreifende Kompetenzen
  • Vernetztes Denken
  • Unternehmerisches Denken
  • Kritisches Denken
  • Komplexe Problemlösung
  • Gesprächs- und Verhandlungsführung
  • Empathie
  • Team- und Mitarbeiterführung
  • Kreativität & Eigeninitiative
  • Flexibilität
  • Selbstmanagement
  • die Fähigkeit mit Unsicherheiten und Unberechenbarkeiten umgehen zu können
  • und Digitalkompetenz (digital literacy)

Die Fähigkeit, sich in neue Situationen und Aufgaben schnell einzufinden, spielt eine große Rolle in unserem dynamischen Arbeitsumfeld. Die wechselnden Aufgaben und Arbeitsweisen verlangen zudem Aufgeschlossenheit, sich auf neue Entwicklungen einzulassen. Unternehmerisches Denken und Kreativität sind Must-Haves. Die Arbeit im Homeoffice hat die Eigenverantwortlichkeit gefördert und die Erwartungshaltung an die Mitarbeitenden, an der eigenen Resilienz zu arbeiten, erhöht.

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Resilienz ist eine nicht zu unterschätzende Kompetenz, denn je weniger Verlässlichkeit es gibt und je kürzer die Zeitspannen der Veränderungen erscheinen, desto mehr ist die permanente Anpassungsfähigkeit und -leistung gefordert. Wenn die Sicherheit nur noch in einem selbst zu finden ist, da Organisationsformen sich wandeln und die Beständigkeit an Ausrichtung und Erfolg der Firma schwindet, gerät das bisherige sichere und verlässliche Terrain ins Wanken. Was Sie heute erfolgreich vollbracht haben, ist vielleicht morgen schon obsolet.

Die Anforderung an die o.g. Fähigkeiten gilt branchenübergreifend für alle Mitarbeitenden – so untermauern diverse Studien. Es zeigt sich, dass digitale Fachkompetenzen und Wissen einerseits, sowie der motivierende und fördernde Umgang mit Menschen in der Organisation andererseits, fu?r alle relevant ist, nicht nur fu?r bestimmte Branchen und Mitarbeitergruppen. Erkennbar ist, dass Kundenkontakte mehr denn je wichtig sind. Der Handel zeigt dies: Die Automatisierung schreitet voran bei gleichzeitigem Beschäftigungszuwachs und deutlicher Verlagerung in die Beratung.

Fazit:

Die Soft Skills sind ein wesentlicher Faktor in der aktuellen Weiterbildung. Mit Blick auf die Anforderungen der Zukunft stehen ganz bestimmte Skills an oberster Stelle. Die Gewichtung hat sich verschoben. Was gestern noch an letzter Stelle stand, ist morgen von essenzieller Bedeutung. Mit diesen Future Skills sichern Sie Ihrem Unternehmen und Ihren Mitarbeitenden den Erfolg von heute und morgen.

Britta Balogh ist seit über 20 Jahren selbstständig. Sie ist Karrierecoach, Speakerin, Autorin und Wegbereiterin für Führungskräfte auf ihrem Karrierweg. In Ihren Artikeln, Seminaren und Coachings behandelt sie Themen wie Soft Skills, Kommunikation, Business-Etikette und Führung und erklärt, wie diese Fähigkeiten die Karriere beflügeln können.

Bildnachweis: PeopleImages/istockphoto.com

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