Menschliche Kreativität und künstliche Intelligenz stehen in Konkurrenz. Viele Arbeitsplätze sind durch KI noch nicht vollständig ersetzbar, doch die KI-Revolution verlangt eine enge Zusammenarbeit, damit Menschen zukunftsfähig bleiben.

Wo findet Künstliche Intelligenz (KI) Anwendung? Auf diese Frage antwortet KI-Experte Karim R. Lakhani von der Harvard Business School mit einer Gegenfrage: „Nun, wo wendest du das Denken (Nachdenken) an?

Ob Sprachassistenten, das assistierte Fahren oder Smart Home: KI-basierte Systeme verändern unseren Alltag und bereits jetzt nutzen wir sie, als wären sie eine Selbstverständlichkeit. In der Berufs- und Geschäftswelt gewinnen sie zunehmend an Bedeutung, in der Fertigungsindustrie etwa. Präzise Prognosen sind in der Qualitätssicherung möglich.

So kann die Industrie mit der Hilfe von KI-Systemen die Gesamtproduktion effizienter gestalten, indem Fehler frühzeitig erkannt, Prozesse automatisiert und optimiert werden. Kollaborative Roboter (Cobots) sind jedoch keine, die den Menschen gänzlich ersetzen; die Konzipierung dieser beruht auf der Idee, dass sie mit ihnen zusammenarbeiten und repetitive Aufgaben – die, die sich wiederholen – übernehmen.

Das Ergebnis: Die komplexen Aufgaben, die nicht-repetitiven, können währenddessen von Menschen ausgeführt werden, sodass KI in diesem Zusammenhang eine erhebliche Erleichterung darstellt, im Arbeitsalltag entlasten kann und die Produktivität steigert. Zugleich wird der Fortschritt durch die KI als Bedrohung wahrgenommen: Arbeitsplätze werden wegfallen.

Doch Experten warnen immer wieder vor Panikmache: Es werden auch viele neue Jobs geschaffen werden. Protestbewegungen, wie etwa im künstlerisch-kreativen Bereich, wird es künftig dennoch geben. Ein Beispiel ist der US-amerikanische Berufsverband Authors Guild, welcher seinen Protestbrief bei Tech-Riesen wie Microsoft eingereicht haben soll, um gegen die Nutzung ihrer Werke durch KI-Tools vorzugehen.

Dennoch: Die KI-Revolution ist da. Und die Weiterentwicklung wird in diversen Branchen als Stütze dienen, etwa in der medizinischen Forschung. Für Unternehmen, aber auch für Arbeitnehmer und Beschäftigte wird es Zeit, sich dem Fortschritt der KI und ihrer zukünftigen Bedeutung für die Arbeitswelt zu widmen.

Für Unternehmen und Mitarbeiter werden KI-Skills unumgänglich sein

Der KI-Fortschritt zeigt, dass Künstliche Intelligenz schon heute überall präsent ist und gebraucht wird – nicht unbedingt, um alles zu ersetzen, sondern als Stütze für den Menschen. Kritisches Hinterfragen ist wichtig, denn KI-Systeme machen Fehler und lernen schnell. Doch die Ablehnung der Systeme könnte Menschen, die sich gegen die Veränderung wehren, (berufliche) Chancen verwehren. Und hier trifft die Prognose, dass Menschen, die KI nicht nutzen werden, von solchen ersetzt werden, die sie nutzen, den Nagel auf den Kopf.

So werden beispielsweise KI-Jobskills gefragt sein; sie sind es schon heute. Die Fähigkeiten gehören zu den Future Skills und der Umgang mit KI-Tools wird in vielen Jobs noch intensiver zum Alltag gehören. Datengestützte Prozesse, die beispielsweise die Entscheidungsfindung erleichtern, sind im Personalwesen als Data Driven Recruiting bekannt.

Für Mitarbeiter und Unternehmen bedeutet dies auch eine Verlagerung und Konzentration auf das, was Maschinen nicht können – und eine Chance: Es wird intensiver auf zwischenmenschliche Beziehungen eingegangen werden können; zumindest wird KI dafür eine Basis bieten, wenn sie den Arbeitsalltag erleichtert, Aufgaben abnimmt und Platz für Zwischenmenschliches schafft.

Nicht ersetzbar: Analytisches Denken und Einfühlungsvermögen

Das Zusammenspiel zwischen Mensch und KI ist vielversprechend, doch komplexe Denkprozesse bleiben weiterhin dem Menschen überlassen. So ist es nicht möglich, Empathie oder emotionale Intelligenz ersetzen zu lassen. Werden repetitive oder zeitintensive Aufgaben von KI-basierten Systemen übernommen, bleiben letztendlich mehr Kapazitäten übrig, um sich – beispielsweise in Krankenhäusern, im Kundenservice oder überall dort, wo Menschenkontakt stattfindet – den sozial komplexen Aufgaben zu widmen. Auch wird Platz für menschliche Kreativität geschaffen, wenn Routineaufgaben durch KI übernommen werden.

Dass der Fortschritt menschliche Arbeitsplätze bedroht, ist deshalb die eine Sache. Die andere ist, dass keine Massenarbeitslosigkeit droht, sondern Arbeit sich neu definieren und KI als essenziellen Teil integrieren wird und es teilweise schon tut. Sie kann als Effizienzwerkzeug betrachtet werden. Wer ohne sie arbeiten will, muss befürchten, durch Menschen ersetzt zu werden, die mit ihr arbeiten werden.

Beispiel aus der Forschung: Was KI bereits heute leistet

Schauen wir uns die Bereiche an, die noch erforscht werden, stechen einige besonders hervor. Ein erstaunlicher Fortschritt ist beispielsweise das sogenannte „Neural Decoding“, welches sich mit dem Forschungsgebiet der künstlichen Rekonstruktion von Gedanken beschäftigt.

Mit der Hilfe von Stable Diffusion, einem Deep-Learning-Text-zu-Bild-Generator, hat das japanische Forscher-Duo Shinji Nishimoto und Yu Takagi ein wissenschaftliches Experiment gestartet, welches für viele Diskussionen sorgte. Es konnten Gedanken der Probanden, wenn diese an bestimmte Bilder dachten, rekonstruiert werden. Menschliche Gehirnaktivitäten, ja das „Gedankenlesen“ durch Maschinen, wurde damit erstmals zugänglicher.

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