Während in dem einen Büro nur dezente Radioklänge im Hintergrund zu hören sind, wird im anderen hemmungslos mitgesungen. Musik am Arbeitsplatz ist in den meisten Unternehmen zur Normalität geworden. Das ist auch gut so, sagen zahlreiche Studien, die der Musik eine produktivitätssteigernde Wirkung zusprechen. Doch ist das wirklich so? Diverse Lieder können schließlich auch ganz schön nervig sein.

Chillen und der Musi kim Radio lauschen
Photo by Eric Nopanen on Unsplash

Inhalt
1. Ist Musik am Arbeitsplatzüberhaupt erlaubt?
2. Stichwort GEMA
3. Stichwort Rundfunkbeitrag
4. Musik am Arbeitsplatz: Fluch oder Segen?
5. Der ideale Büro-Soundtrack
6. Spotify-Playlists für mehr musikalische Abwechslung im Büro
7. Hintergrundgeräusche als Alternative zur Musik

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Ist Musik am Arbeitsplatz überhaupt  erlaubt?

Zunächst einmal soll natürlich geklärt werden, ob es grundsätzlich erlaubt ist, am Arbeitsplatz Musik zu hören. Denn längst nicht jeder Chef sieht das so gelassen. Nicht wenigen ist das Radio ein regelrechter Dorn im Auge und so kam es schon mehrmals vor, dass die Vorgesetzten vor Gericht gezogen sind. Ihr Anliegen: Die Musik am Arbeitsplatz rechtskräftig verbieten. „Leider“ (oder eher gesagt: Gott sei Dank!?) sind die mit dieser Forderung gescheitert. Das Bundesarbeitsgericht urteilte, dass Radios im Büro grundsätzlich nicht verboten sind. Es gibt jedoch Ausnahmen. Nämlich dann, wenn sich Kunden und/oder Arbeitskollegen von den Klängen gestört fühlen. In diesem Fall greift das Direktionsrecht. Das heißt, dass die Musik am Arbeitsplatz das Arbeitsverhalten der Angestellten (negativ) beeinflusst. In diesem Fall hat der Arbeitgeber das Recht, ein Verbot auszusprechen.

Generell gilt: Wenn Angestellte während der Arbeit Musik hören und dabei all ihre Aufgaben ordnungsgemäß erledigen, besteht kein Grund zur Aufregung. Dann erfüllen sie nämlich ihre Vertragspflicht. Lenkt die Musik hingegen ab, sodass Fehler gemacht werden, wird die Vertragspflicht gebrochen. Dann ist mit entsprechenden Konsequenzen zu rechnen.

Stichwort GEMA

Wird Musik in einem öffentlichen Umfeld abgespielt oder vorgetragen, so entfallen hierfür Lizenzgebühren, die an die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte – kurz: GEMA – entrichtet werden müssen. Diese Regelung betrifft in erster Linie Feste, Konzerte usw., doch gilt sie auch für den Arbeitsplatz?

Kurz und knapp: Nein, auch wenn Ihr Büro nicht Ihr privates Umfeld ist, wird es dennoch nicht als öffentlicher Raum betrachtet. Das gilt auch dann, wenn sich Kunden in den Räumlichkeiten Ihres Unternehmens aufhalten und die Musik hören. Es ist also nicht mit hohen GEMA-Zahlungen zu rechnen.

Stichwort Rundfunkbeitrag

Ein bisschen anders verhält es sich, wenn es um das Thema Rundfunkbeitrag – früher: GEZ – geht. Diese Gebühr muss auch von Unternehmen gezahlt werden. Wie hoch der zu zahlende Rundfunkbeitrag für ARD, ZDF und Deutschlandradio ausfällt, richtet sich nach diesen Punkten:

  • Anzahl der Betriebsstätten
  • Anzahl der Mitarbeiter
  • Anzahl der Betriebsfahrzeuge

Musik am Arbeitsplatz: Fluch oder Segen?

Nachdem alle rechtlichen Fragen geklärt wurden, soll es nun um den konkreten Tatbestand gehen. Dass Musik am Arbeitsplatz erlaubt ist, bedeutet nämlich längst nicht, dass jeder davon begeistert sind. In der Tat gibt es zwei Lager:

  • Die, die sagen, Musik am Arbeitsplatz fördere ihre Konzentration und Kreativität
  • Die, die sagen, Musik am Arbeitsplatz sei einfach nur störend

Fakt ist: Beides ist möglich. Da uns diese Aussage jedoch ein bisschen zu allgemein ist, wollen wir nun noch ein bisschen genauer hinschauen.

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Die Vorteile von Musik am Arbeitsplatz

Studien haben bewiesen, dass Musik die Konzentration während der Arbeit erheblich steigern kann. Wichtig: Die Klänge müssen leise und dezent sein. Egal, welchen Musikstil Sie und Ihre Kollegen bevorzugen, sobald die Musik einen gewissen Geräuschpegel erreicht hat, überschallt sie buchstäblich alle anderen Gedanken. Warum leise Musik die Konzentration fördert, kann folgendermaßen erklärt werden: Der Mensch passt sich dem Gehörten an. Gleichmäßige Rhythmen sorgen also für eine gleichmäßige Arbeitsweise.

Wichtig: Musik am Arbeitsplatz darf nie die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Eine Steigerung der Konzentration findet nur dann statt, wenn die Lieder passiv wahrgenommen werden. Sobald wir uns aktiv auf die Musik konzentrieren und konsumieren, lässt die Konzentration wieder nach.

Ein anderer Aspekt, der für ein Radio am Arbeitsplatz spricht, ist, dass Musik unsere Laune aufbessert. Wir alle haben sie: Diese Songs, die uns schlagartig ein Lächeln ins Gesicht zaubern und dafür sorgen, dass es uns gut geht. Keine Frage: Gute Laune wirkt sich auch auf die Qualität unserer Arbeit aus. Wissenschaftler vom Max Planck-Institut Leipzig fanden heraus, dass vor allem unsere Lieblingsmusik dafür sorgt, dass wir konzentrierter und effektiver arbeiten.

Weitere positive Eigenschaften von Musik:

  • Musik entspannt und reduziert Stress
  • Musik kann schmerzlindern wirken
  • Musik macht glücklich
  • Musik sorgt für mehr Ausdauer (beim Sport und auch im Büro)
  • Musik erreicht uns auf der emotionalen Ebene

Die Nachteile von Musik am Arbeitsplatz

Es wurde bereits angesprochen: Sobald Musik einen gewissen Geräuschpegel erreicht, zieht sie all unsere Aufmerksamkeit auf sich. Konzentriertes und effektives Arbeiten wird dann so gut wie unmöglich. Doch nicht nur laute Musik, sondern auch ein häufig wechselnder Stilmix und aggressive Klänge sorgen dafür, dass wir uns weniger gut auf unsere Aufgaben konzentrieren können.

Als wäre das nicht schon Problem genug, bringt Musik am Arbeitsplatz auch ein gewaltiges Konfliktpotential mit sich. Es geht um die berühmt-berüchtigte Geschmacksfrage. Vielleicht wissen Sie, was ich meine, wenn ich sage: Es ist gar nicht mal so einfach, jedes Mal den Geschmack aller Kollegen mit der Musikauswahl zu treffen.

Damit der Bürosegen nicht schiefhängt, sollten Sie die folgenden Regeln verinnerlichen und befolgen:

  • Fragen Sie alle Kollegen, ob es okay ist, Musik zu hören
  • Achten Sie auf eine angemessene Lautstärke (es sollte niemals das komplette Gebäude beschallt werden)
  • Einigen Sie sich auf Musik, die jeder im Raum als angenehm empfindet (entscheiden Sie niemals über die Köpfe der anderen Kollegen hinweg)
  • Singen Sie nicht (laut) mit
  • Nutzen Sie bei musikalischen Sonderwünschen immer Kopfhörer

Der ideale Büro-Soundtrack

Selbstverständlich haben sich Wissenschaftler längst die Frage gestellt, welche Musik die perfekte fürs Büro ist. Die beiden US-Amerikaner Nick Perham und Teresa Lesiuk fanden beispielsweise heraus, dass konzentrierte Arbeiten am besten von der Hand gehen, wenn man klassische oder instrumentale Musik hört. Sind die Aufgaben eher stupider und/oder einfacher Natur, darf es gern auch Musik mit Text sein. Als besonders empfehlenswert gelten aktuelle Popsongs, Sommerhits und alle Lieder, die für gute Laune sorgen. Wenn Sie Ihrem kreativen Geist freien Lauf lassen wollen, ist es die beste Lösung, gar keine Musik zu hören. Stille kann sich überaus positiv auf den kreativen Entstehungsprozess neuer Projekte auswirken.

Tipp: Musik lenkt meist dann ab, wenn wir anfangen, uns auf den Text zu konzentrieren. Es kann also nicht schaden, hin und wieder auf Gesang zu verzichten. Lieder von deutschen Interpreten sind meist mit Vorsicht zu genießen, da das Ablenkungspotential hier besonders groß ist – schließlich verstehen wir problemlos, worum es in dem Song geht und fangen an, uns Gedanken darüber zu machen.

Spotify-Playlists für mehr musikalische Abwechslung im Büro

Sie uns Ihre Kollegen können sich mal wieder nicht einigen, welcher Sender im Radio laufen soll? Wie wäre es, wenn Sie einfach mal etwas ganz anderes ausprobieren. Spotify ist der weltweit bekannteste Streaming-Dienst für Musik und Podcasts. Das Portal, das in der Basis-Version kostenlos ist und als Premium-Variante 9,99 Euro pro Monat kostet, kann durch eine musikalische Vielfalt überzeugen, die ihresgleichen sucht. Um es kurz zu machen: Es gibt keinen Musikstil, den Sie nicht über Spotify hören können.

Doch als wäre das noch nicht empfehlenswert genug, können Sie auf der Streaming-Plattform auch diverse Playlists entdecken, die dafür sorgen, dass Sie noch produktiver und konzentrierter arbeiten und somit perfekt fürs Büro sind.

Unsere Playlist-Favoriten sind:

  • Sound of Silence: Eine Sammlung instrumentaler Musikstücke, die klassische und zeitgenössische Werke miteinander vereint. Diese Playlist ist ideal, wenn Sie sich im besonderen Maße konzentrieren müssen.
  • Good Working-Vibes: Diese Playlist ist voller energiegeladener Songs, die nicht nur gute Laune machen, sondern auch zu Höchstleistungen anspornen.
  • Workday – Pop: Wer mit der Liederauswahl im Radio sehr zufrieden, aber schnell vom Gerede der Moderatoren genervt ist, sollte sich diese Spotify-Playlist anhören. Bekannte Popsongs treffen auf den einen oder anderen Newcomer und werden zu einer bunten Mischung.
  • Musikapokalypse: Ein eigenwilliger Name für eine tolle Aktion. Diese Playlist vereint die Lieblings-Songs zahlloser Snapchat-User. Hintergrund dieses Projektes war die Frage: Welche Songs würdest du retten, wenn die Welt unterginge? Das Ergebnis ist ein erstaunlich abwechslungsreicher Mix, der auch am Arbeitsplatz für frischen Wind sorgt.
Musik erreicht stellen, da kommen Hände nie hin.
Bild: Arbeits-ABC/Canva.com

Hintergrundgeräusche als Alternative zur Musik

Wenn wir einmal beim Tool Spotify sind, sollen an dieser Stelle noch zwei weitere Empfehlungen folgen. Wenn die Stille zu still und die Musik zu musikalisch ist, gilt es, den perfekten Zwischenweg zu finden. Viele schwören daher auf den gezielten Einsatz von Hintergrundgeräuschen. Gemeint sind hiermit jedoch nicht das Klackern der Tastaturen, das Summen der Kopierer und die Gespräche der Kollegen, sondern künstliche Geräusche, die uns gewissermaßen in eine andere Welt entführen.

Coffitivity: Menschen, die ortsunabhängig arbeiten können, zieht es häufig in Cafés und andere gastronomische Lokale. Die Geräuschkulisse ist hier zwar alles andere als leise, wirkt aber dennoch beruhigend auf viele. Weil das so ist, stellt das Tool Coffitivity verschiedene Soundspuren zur Verfügung, die an die Atmosphäre in Cafés und Kaffeehäusern erinnert. Besonders nett: Sie können sich aussuchen, ob Sie lieber in einem Texanischen Steakhouse oder einem brasilianischen Bistro arbeiten wollen.

Noisli: Dieses Tool folgt einem ganz ähnlichen Prinzip. Verschiedene Hintergrundgeräusche sorgen dafür, dass Sie sich besser konzentrieren oder entspannen können. Zur Wahl stehen beispielsweise Donnergrollen, Regen, Vogelgezwitscher und Wasserplätschern. Das Tolle an Noisli ist, dass Sie sich Ihre Geräuschkulisse individuell zusammenstellen können. Wer sich einen Account anlegt, hat außerdem die Möglichkeit, den Mix abzuspeichern.

Hinweis: Beide Anwendungen sind kostenlos. Sie können sowohl als Browser-Tool als auch als App genutzt werden.

Jetzt sind Sie an der Reihe. Wie stehen Sie zum Thema „Musik am Arbeitsplatz“? Ist es ein Fluch oder Segen? Welche Musik empfehlen Sie für besonders konzentriertes und produktives Arbeiten? Haben Sie vielleicht auch eine Spotify-Playlist, die Sie uns hier vorstellen wollen? Wir freuen uns auf Ihr Feedback und Ihre Kommentare.