Fettes Auto, prunkvolle Villa? Wer deutscher Spitzenverdiener ist, muss nicht unbedingt Millionär sein. Erfahre, ab welchem Gehalt Singles und Paare zur Oberschicht zählen und wie Geld den Charakter beeinflusst.

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Geld ist nicht alles, aber bei ausreichender Verfügbarkeit ein Grund, sich weniger Sorgen zu machen: weniger Gedanken um die Existenz, um einen vollen Kühlschrank oder um das Abzahlen des Studienkredits.

Die Definition von „reich“ ist jedoch nicht einheitlich. Umfragen zum Gehalt und Vermögen von Deutschen sind schwierig. Denn hier gilt es, den Zahlen zu glauben, die Umfrageteilnehmer angeben. Und weil man „über Geld nicht spricht“, so lautet zumindest ein allgemein bekannter Grundsatz, wird die Sache noch kniffliger. Als zuverlässige Basis zur Messung kann vielleicht nicht das teure Auto, aber das Einkommen herangezogen werden. Nach der Definition des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) gilt derjenige als „einkommensreich“, der mindestens das zweifache oder dreifache des aktuellen Medians (mittleres Einkommen) auf dem Gehaltszettel stehen hat.

Datenauswertung Deutschland: Als Single mit 3.700 Euro einkommensreich

Zu den weltweit größten repräsentativen und umfassendsten Panelstudien zählt das sogenannte SOEP, das Sozio-oekonomische Panel. Die SOEP-Daten hat das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) in einer Analyse ausgewertet, um herauszufinden, wer zu den deutschen Spitzenverdienern zählt. Die aktuellsten Einkommensdaten aus dem Bericht Dezember 2021 beziehen sich auf das Jahr 2018.

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Einige Ergebnisse im Überblick:

  • Ledige Spitzenverdiener: Mit 3.700 Euro Nettoeinkommen zählt ein Single in Deutschland zu den Spitzenverdienern.
  • Paare ohne Kinder: Zu den einkommensstärksten 10 Prozent in der Bundesrepublik zählen vor allem kinderlose Paare, sogenannte Doppelverdiener, die der Kategorie „DINK“ (engl. Double Income, no Kids) angehören. Hierunter fallen Paare, die zusammen 5.500 Euro Nettoeinkommen vorweisen können.
  • Oft vertreten unter dem Top-1-Prozent: Zu den häufigsten Spitzenverdienern gehören allen voran Paare, deren Kinder bereits aus dem elterlichen Haus ausgezogen sind, in der Studie bezeichnet als HIKOs (High Income, Kids out). Um zu dem Top-1-Prozent unter den Hochvermögenden zu gehören, sind in dieser Kategorie zusammen mindestens 10.790 Euro notwendig.
  • DINK und HIKO: Laut Studienautoren zählen kinderlose Paare häufiger zur Einkommensspitze, weil jeder der Partner berufstätig sein kann, ohne dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie im Fokus steht. Auf diese Weise ergebe sich, so die Autoren, ein insgesamt großes Haushaltseinkommen.

Hinweis: Grundsätzlich gibt es keine offizielle oder einheitliche Definition der Begriffe Spitzen- oder Topverdiener. Oft verwendete Synonyme sind zum Beispiel Höchstverdiener sowie Besserverdiener. Gemeint sind häufig Menschen, die besonders hohe Einkommen verfügen, die sich auch in dreistelligen Bereichen bewegen können.

In diesen Bundesländern leben die meisten Spitzenverdiener

Laut StepStone sollen etwa 12 Prozent der deutschen Spitzenverdiener im Herzen Deutschlands im Bundesland Hessen leben. Die Zahlen zeigen außerdem, dass gut 18 Prozent der Gutverdiener in Baden-Württemberg beheimatet sind. Im Süden, genauer gesagt in Bayern, leben noch mehr der Menschen mit hohen Gehältern. An der Zahl sind es 22 Prozent der deutschen Spitzenverdiener. Nur ein Bundesland hat noch mehr von ihnen: In Nordrhein-Westfalen sollen es 23 Prozent sein.

Es zeigt sich eine generelle Tendenz: In den Bundesländern, in denen die Bevölkerungszahl im Vergleich niedriger ausfällt, leben grundsätzlich auch die wenigsten Spitzenverdiener. Zu diesen Bundesländern zählen beispielsweise Bremen und Mecklenburg-Vorpommern.

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Einkommensspitze: Geld kann Verhalten beeinflussen

In welchem Bundesland wir auch leben: Wer mehr Geld zur Verfügung hat, kann sich einige Träume verwirklichen, Gutes tun und finanziell sorglos leben. Vor allem die bewusste und vorausschauende Auseinandersetzung mit Geld hilft dabei, einen guten Umgang damit zu finden.

Hast du aber auch gewusst, dass Status und ein hohes Einkommen sich auf unser Sozialverhalten auswirken können? Psychologische Forschungsergebnisse zeigen, dass Menschen, die zur Oberschicht gehören, im Straßenverkehr fahrlässiger sind und sich im Vergleich grober benehmen.

Ein weiteres Ergebnis: Wer reich ist, so die Wissenschaftler, soll in den Experimenten auch eher ein betrügerisches Verhalten an den Tag gelegt haben. Daraus lässt sich durchaus – wenn auch nicht pauschal, denn Ausnahmen gibt es immer – auf einen Zusammenhang zwischen Geld und einer höheren Risikobereitschaft schließen. Stimmen die Forschungsergebnisse, ist sogar das Vorurteil, dass Geld (manchmal, nicht aber zwangsläufig) den Charakter verderben kann, gut nachvollziehbar.

Spitzensteuersatz: Das zahlen Besserverdiener an den Fiskus

Bei der hohen Steuerlast hingegen handelt es sich nicht nur um ein Vorurteil. Denn Besserverdiener müssen in Deutschland mehr abgeben: Je höher das Einkommen, desto größer fällt in der Regel auch die Steuerlast aus. Wer zu den Besserverdienern gehört und 57.918 Euro im Jahr verdient hat, musste 2021 den Spitzensteuersatz zahlen. Dieser beläuft sich auf 42 Prozent. Paare zahlten den Spitzensteuersatz im genannten Jahr bei einem gemeinsamen Einkommen in Höhe von 115.838 Euro. Wie hoch die Besteuerung in der Praxis tatsächlich ausfällt, ist von Fall zu Fall unterschiedlich – denn hier müssen verschiedene Punkte, etwa Sonderausgaben oder Werbungskosten berücksichtigt werden.

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Die Spitzensteuer sollte nicht mit dem Höchststeuersatz von 45 Prozent verwechselt werden. Dieser Steuersatz wird auch als „Reichensteuer“ bezeichnet. Wer mehr als 277.826 Euro (Stand 2022) im Jahr eingenommen hat, musste deshalb mit einer Besteuerung in Höhe von 45 Prozent rechnen.

Übrigens: Auch wenn eine Steuer in Höhe von 42 bis 45 Prozent nicht gerade wenig ist, gibt es einige Länder, in denen Gutverdienende und Hochvermögende eine noch höhere Steuerlast haben. In Dänemark, Finnland, Schweden, Japan und Österreich liegt die Steuer für Topverdiener bei über 50 Prozent.

Schon gewusst? Das sind die 10 reichsten Deutschen

Während keine Millionen notwendig sind, um in Deutschland zu den Spitzenverdienern zu zählen, bewegen sich die Reichsten der Bundesrepublik in ganz anderen Sphären: Hier ist von Milliarden die Rede, oft aber nicht durch Einkommen, sondern durch ein teures Erbe. Laut Forbes zählten folgende Milliardäre im Jahr 2022 zu den vermögendsten der Republik:

  1. Dieter Schwarz mit einer Summe in Höhe von 43,2 Milliarden Euro (Kaufland, Lidl)
  2. Klaus-Michael Kühne mit einer Summe in Höhe von 34,2 Milliarden Euro (Kühne + Nagel)
  3. Beate Heister & Karl Albrecht junior mit einer Summe in Höhe von 33,7 Milliarden Euro (Aldi)
  4. Susanne Klatten mit einer Summe in Höhe von 22,3 Milliarden Euro (BMW)
  5. Stefan Quandt mit einer Summe in Höhe von 19 Milliarden Euro (BMW)
  6. Reinhold Würth mit einer Summe in Höhe von 17,4 Milliarden Euro (Würth Montagematerial & Werkzeuge)
  7. Theo Albrecht junior & Familie mit einer Summe in Höhe von 17,2 Milliarden Euro (Traders Joe; Aldi Nord)
  8. Thomas Strüngmann & Familie mit einer Summe in Höhe von 11 Milliarden Euro (Biontech)
  9. Andreas Strüngmann & Familie mit einer Summe in Höhe von 11 Milliarden Euro (Biontech)
  10. Alexander Otto mit einer Summe in Höhe von 10 Milliarden Euro (Otto Group)

Bildnachweis: Drazen_/istockphoto.com