Spätestens seitdem der Startup-Trend aus den USA hier in Deutschland angekommen ist, erfreut sich das Thema Existenzgründung wieder größerer Beliebtheit. Gründen ist hip, modern und irgendwie auch ein bisschen sexy. Kein Wunder, dass sich auch immer mehr junge Menschen mit dem Gedanken anfreunden, ihr eigener Chef zu sein und den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. Manche verwirklichen diesen Traum sogar schon während des Studiums. Während die Kommilitonen noch von Praktikum zu Praktikum springen, stehen die Studi-Entrepreneure bereits mit beiden Beinen fest im Berufsleben. Wie es klappt, Studium und Existenzgründung unter einen Hut zu bekommen und welche Vorteile beziehungsweise Tücken auf Sie warten werden, lesen Sie in diesem Beitrag.

Inhalt
1. Studieren und nebenbei gründen: Kann das funktionieren?
2. Die 5 Schritte für erfolgreiche Studi-Entrepreneure
3. Welche Studiengänge eignen sich besonders gut für eine Gründung?
4. Diese Vorteile genießen Studi-Entrepreneure
5. Welche Eigenschaften muss ein Studi-Entrepreneur mitbringen?
6. Externe Hilfe für studentische Gründer
7. „Light-Versionen“ der Selbstständigkeit

Studieren und nebenbei gründen: Kann das funktionieren?

Sowohl ein Studium als auch die Gründung eines Unternehmens können als Großprojekt bezeichnet werden, das nicht mal eben nebenbei abgehakt wird. Es ist also vollkommen verständlich, wenn Sie zunächst einmal skeptisch sind, wenn es gilt, beide Komponenten miteinander zu verbinden. Fakt ist jedoch: Es ist möglich, neben dem Studium zu gründen. Der Schlüssel zum Erfolg ist ein ausgezeichnetes Zeit- beziehungsweise Selbstmanagement.

Die Mehrheit der Studiengänge ist so angelegt, dass Studierende durchaus die Zeit haben, noch etwas anderes zu machen. Während die einen die Kapazitäten ausschließlich für das Selbststudium nutzen, gehen andere nebenbei arbeiten und verdienen ihr Geld in klassischen, manchmal aber auch verrückten Studentenjobs. Warum diese Zeit nicht nutzen, um die eigene Geschäftsidee in die Tat umzusetzen? Dieses ehrgeizige Ziel verlangt natürlich nach sehr viel Vorbereitung und sollte niemals überstürzt angegangen werden. Was vielleicht als wortwörtliche Schnapsidee begonnen hat, hat unter Umständen das Zeug zum erfolgreichen Business. Es wäre schade, wenn Sie dieses Potential verstreichen lassen, indem Sie die Gründung voreilig übers Knie brechen. Viel besser ist es, wenn Sie folgendermaßen vorgehen.

Die 5 Schritte für erfolgreiche Studi-Entrepreneure

Schritt #1: Definieren Sie Ihre Geschäftsidee

Kein Geschäft ohne Geschäftsidee. Ehe Sie sich in die Welt der Existenzgründer stürzen, sollten Sie zumindest in groben Zügen wissen, womit Sie Ihr Geld verdienen wollen. Die genaue Ausarbeitung eines Businessplans ist an dieser Stelle allerdings noch nicht notwendig.

Schritt #2: Legen Sie genau fest, wie viel Zeit Ihnen zur Verfügung steht

Es sollte klar sein, dass das Studium keinesfalls unter der Gründung leiden darf. Legen Sie also als nächstes fest, wie viel Zeit Sie monatlich/wöchentlich/täglich benötigen, um Ihr Pensum zu schaffen. Bedenken Sie, dass die Angaben schwanken können. Während Sie in den Prüfungsphasen mehr Zeit ins Studium investieren müssen, werden Sie in den Semesterferien öfter die Möglichkeit haben, sich fulltime auf Ihr Business konzentrieren zu können.

Schritt #3: Seien Sie sich Ihrer Nachteile bewusst

Kurz und knapp: Als studierender Gründer werden Sie niemals die gleichen Möglichkeiten wie ein Vollzeit-Entrepreneur haben. Es ist besser, sich gleich mit diesem Gedanken zu arrangieren, statt krampfhaft das Gegenteil beweisen zu wollen. Die wohl größten Nachteile, mit denen Sie sich auseinandersetzen müssen, sind fehlende Zeit und fehlendes Kapital. Um diese Ressourcenknappheit auszugleichen, ist es empfehlenswert, sich einen Markt auszusuchen, der weniger stark umkämpft ist. Je weniger Konkurrenten Sie haben, desto einfacher wird es, sich zu etablieren.

Schritt #4: Nutzen Sie die Vorteile, die Ihnen gegeben werden

Natürlich bringt eine Existenzgründung neben dem Studium nicht nur Nachteile, sondern auch Vorteile mit sich. Welche genau das sind, soll weiter unten im Text noch genauer beleuchtet werden. Nur so viel vorweg: Wenn Sie mit dem Gedanken spielen, ein Studenten-Business zu gründen, sollten Sie die Vorteile nicht nur kennen, sondern auch aktiv nutzen.

Schritt #5: Setzen Sie sich (realistische) Ziele

Wann wollen Sie Ihre Homepage launchen? Zu welchem Zeitpunkt ist eine Marketingstrategie sinnvoll? Welchen Gewinn wollen Sie im ersten Geschäftsjahr einfahren? Konkrete Ziele sind extrem wichtig, um Ihr Business voranzubringen. Arbeiten Sie hierbei beispielsweise mit der SMART-Formel. Laut dieser sind Ziele stets:

  • spezifisch
  • messbar
  • attraktiv
  • realistisch
  • terminiert

An dieser Stelle ist es auch sinnvoll, sich einmal genauer mit dem eigenen Businessplan auseinanderzusetzen und diesen zu erstellen. Der Businessplan ist unter anderem unverzichtbar, wenn Sie einen Gründerzuschuss beantragen wollen.

Lese-Tipp: Wie Sie Zielstrebigkeit lernen können und Ihre Träume schon bald zur Realität werden, verraten wir Ihnen hier.

Welche Studiengänge eignen sich besonders gut für eine Gründung?

Denkt man an die Themen Studium und Entrepreneurship, kommt vielen sicherlich automatisch die Fachrichtung Betriebswirtschaftslehre in den Sinn. Tatsächlich studieren viele Menschen BWL mit dem Ziel, sich später selbstständig zu machen – immerhin wird während der Ausbildung viel spezifisches und hilfreiches Wissen vermittelt. Das bedeutet jedoch keinesfalls, dass sich ausschließlich BWLer schon während des Studiums selbstständig machen können. Grundsätzlich ist jeder ambitionierte Studierende hierzu in der Lage – egal ob er Sport-, Ernährungs- oder Kulturwissenschaften, Jura, Informatik oder Maschinenbau studiert. Selbst Medizinstudenten können – wenn es ihre freie Zeit denn zulässt – während des Studiums an der eigenen Geschäftsidee arbeiten. Ein prominentes Beispiel hierfür ist das Unternehmen intueat, das vor kurzem in der Startup-Show „Die Höhle der Löwen“ aufgetreten ist.

Am sinnvollsten ist es zweifelsfrei, eine Geschäftsidee zu wählen, die etwas mit dem Studiengang zu tun hat. Das bringt gleich mehrere Vorteile mit sich:

  • Sie müssen sich nicht erst in ein völlig neues Thema einarbeiten
  • Sie können Zeit sparen
  • Sie können Ihr theoretisches Wissen in der Praxis anwenden
  • Sie können die Unternehmensgründung unter Umständen als Praxisprojekt deklarieren oder in Ihre Abschlussarbeit einfließen lassen

Tipp: Viele Studenten wagen das Abenteuer Selbstständigkeit nicht allein, sondern in der Gruppe. Besteht diese aus mehreren Spezialisten, die aus unterschiedlichen Richtungen kommen, entsteht ein qualifiziertes, vielschichtiges und erfolgversprechendes Team.

Diese Vorteile genießen Studi-Entrepreneure

Kommen wir nun zu den bereits angesprochenen Vorteilen, die eine Unternehmensgründung während des Studiums mit sich bringt. Sie werden sehen, dass dieser Karriere-Weg durchaus reizvoll sein kann.

  • Risikoarme Gründung: Wer nur wenig Geld zur Verfügung hat, kann nur wenig Geld in ein Unternehmen investieren und auch dementsprechend nur wenig verlieren. Dementsprechend risikoarm ist eine Gründung während des Studiums.
  • Nichts zu verlieren: „Was habe ich schon zu verlieren?“ Während den meisten Gründern im Falle des Scheiterns so unliebsame Situationen wie Arbeitslosigkeit und Insolvenz drohen, können Studi-Entrepreneure einfach weiter studieren.
  • Gewinnbringendes Umfeld: In der Zeit des Studiums lernt man immer wieder interessante Personen kennen. Viele von diesen neuen Kontakten können sich während einer Unternehmensgründung als gewinnbringend herausstellen – beispielsweise indem Sie spezifisches Know-How zur Verfügung stellen, innovative Ideen einbringen oder ihrerseits neue Kontakte vermitteln. Wichtig ist, dass sich das daraus entstehende Netzwerk nicht ausschließlich innerhalb der Universität befindet, sondern auch externen Input liefert.
  • Nähe zur Zielgruppe: Viele Unternehmen, die während des Studiums gegründet wurden, haben sich ganz bewusst Studenten als Zielgruppe ausgesucht – ein äußerst cleverer Schachzug, denn somit spart man sich eine aufwendige und eventuell auch kostenintensive Analyse.
  • Praxiserfahrung: Hand aufs Herz – vieles, was im Hörsaal vom Professor an die Studierenden weitergegeben wird, ist staubtrockenes Theoriewissen, das später im Job niemals angewendet wird. Wer seinem Studium die nötige Portion Praxis verleihen und dadurch auch Erfahrungen sammeln will, liegt mit einer Gründung genau richtig.
  • Berufseinstieg: Der klassische Berufseinstieg nach dem Studium sieht erst einmal eine Reihe von Praktika vor. Wer ganz viel Glück hat, findet auch gleich eine Festanstellung. Auf alle anderen wartet ein wahrer Bewerbungsmarathon. Wer hingegen schon während des Studiums ein Unternehmen gegründet hat, hat seine Stelle sicher. Ist das Business gescheitert, können Sie immerhin mit einer interessanten Referenz punkten und somit die Konkurrenz ausstechen.

Welche Eigenschaften muss ein Studi-Entrepreneur mitbringen?

Egal ob während des Studiums oder nach mehrjähriger Berufserfahrung: Nicht jeder Mensch hat das Zeug zum Gründer. Die schlechte Nachricht: Um erfolgreich zu gründen, müssen Sie gewisse Eigenschaften mitbringen. Die gute Nachricht: Diese Eigenschaften sind keinesfalls immer angeboren, sondern können auch nachträglich erlernt werden. Als Studi-Entrepreneur sollten Sie die folgenden Skills mitbringen:

  • Mut: Eine Existenzgründung ist immer auch ein Wagnis. Niemand wird Ihnen garantieren können, dass es funktioniert. Das heißt jedoch nicht, dass es sich nicht lohnt. Haben Sie den Mut, es auszuprobieren.
  • Flexibilität: Erfolgreiche Entrepreneure sind bereit, immer wieder neue Wege einzuschlagen, um ihr Ziel zu erreichen. Wenn sich die erste Strecke als Sackgasse herausstellt, gilt es, sofort umzudenken und eine andere auszuprobieren. Flexibilität ist also unverzichtbar. Wer immer nur stur einem Weg folgt, wird sich nicht langfristig als Unternehmer durchsetzen können.
  • Ausdauer: Unternehmensgründer wissen, dass ein erreichtes Ziel immer nur der Startschuss für das nächste ist. Erfolg ist kein in sich geschlossener Prozess. Wenn Sie sich selbstständig machen wollen, sollten Sie deswegen die nötige Portion Ausdauer an den Tag legen und bereit sein, immer noch einen Schritt weiterzugehen.
  • Eigen-Initiative: Niemand wird Ihnen eine ausgefeilte Geschäftsidee mit riesigem Wachstumspotential auf dem Silberteller servieren. Erfolgreiche Gründer warten nicht auf die Zuarbeit anderer, sie machen es selbst und zeigen damit ein hohes Maß an Eigen-Initiative.
  • Selbstständigkeit: Für sich selbst denken, handeln und entscheiden zu können, ist eine wichtige Voraussetzung für die erfolgreiche Gründung und eng mit der Eigen-Initiative verbunden.
  • Offenheit: Diese Eigenschaft ist insbesondere wichtig für den Aufbau eines Netzwerks und den Verkauf des eigenen Produktes. Introvertierte Gründer haben es hier eindeutig schwerer.

Externe Hilfe für studentische Gründer

Dass Studi-Entrepreneuren häufig nur wenig Geld zur Verfügung steht, wurde in diesem Beitrag bereits angesprochen. Glücklicherweise gibt es verschiedene Möglichkeiten, sich externe Hilfe zu suchen, die das Business mitfinanziert. Ein paar davon sollen hier genannt werden:

  • EXIST-Gründerstipendium
  • Investoren und Business Angels
  • Kreditinstitute
  • Crowdfunding-Kampagnen
  • Startup-Bootcamps

Teilweise stellen diese Helfer nicht nur Geld, sondern auch Know-How, ein Netzwerk und Marketing-Potentiale zur Verfügung.

„Light-Versionen“ der Selbstständigkeit

Viele, die mit dem Gedanken an eine Selbstständigkeit denken, haben Probleme damit, gleich all-in zu gehen. Was, wenn es doch nicht klappt? Wenn keiner das Produkt kauft und man auf den Kosten sitzen bleibt? Wer trotz all dieser Bedenken sein eigener Chef sein und neben dem Studium Geld verdienen will, kann unter anderem eine der folgenden „Light-Versionen“ der Selbstständigkeit wählen:

Sie sehen: Das Thema Studieren und Gründen ist extrem vielseitig und spannend. Auch wenn längst nicht jedes studentische Business die Gründungsphase überlebt, ist es doch auf jeden Fall eine großartige Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln und sich in der Arbeitswelt zu positionieren. Und wer weiß – vielleicht hat es die Geschäftsidee, die bei der letzten WG-Party entstanden ist, vielleicht sogar das Zeug zum Big Business. Wenn Sie es nicht ausprobieren, werden Sie es nie erfahren.

Haben Sie noch Fragen zur Thematik? Möchten Sie gern eine Anmerkung oder Ergänzung loswerden? Dann nutzen Sie doch die Kommentarfunktion, um Ihr Feedback zu übermitteln. Der Austausch mit unseren Lesern liegt uns sehr am Herzen.

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