Beamte sind faul, Friseure glänzen nicht gerade durch einen hohen IQ, Lehrer haben das halbe Jahr über Ferien und Bauarbeiter pfeifen sowieso nur Frauen hinterher. Natürlich sind das alles Klischees. Doch nahezu jeder Mensch lässt sich hin und wieder dazu verleiten, Vorurteile dieser Art zu glauben und auch selbst zu verbreiten. Es gibt kaum einen Job, der nicht mit gewissen „Imageproblemen“ zu kämpfen hat. Während die einen mit Vorurteilen überladen werden, kommen andere verhältnismäßig glimpflich davon. Woran liegt es, dass wir Berufen gegenüber Vorurteile haben und gängigen Klischees Glauben schenken?

Inhalt
1. Was sind Vorurteile?
2. Wie entstehen Vorurteile?
3. Typische Vorurteile im Job – Eine Auswahl
4. Geschlechtervorurteile beherrschen die Arbeitswelt
5. Sich gegen Vorurteile zur Wehr setzen
6. Wenn aus Vorurteilen Diskriminierung wird

Was sind Vorurteile?

Vorurteile sind ein fester Bestandteil der menschlichen Psyche. Sie richten sich in den meisten Fällen gegen eine bestimmte Person oder eine Personengruppe. Doch auch Berufe, Städte und sogar Sportarten müssen sich beispielsweise gegen Vorurteile behaupten.

Wie es der Begriff bereits vermuten lässt, handelt es sich hierbei um ein Urteil, das bereits vor der eingängigen Betrachtung oder Auseinandersetzung gefällt wird. Mit anderen Worten: Wir können eine Person, einen Beruf, einen Sport etc. aufgrund mangelnden Wissens überhaupt nicht beurteilen und machen es trotzdem. Sehr oft werden Vorurteile von Person zu Person weitergegeben oder regelrecht „vererbt“, ohne hinterfragt zu werden. So kommt es, dass sie fälschlicherweise als Wahrheit oder Realität verstanden werden.

Info: Vorurteile sind immer negativer Natur. Das ist auch der Grund, warum sie mit so großer Vorsicht genossen werden sollten. Indem man jemandem oder etwas gegenüber Vorurteile hat, verunglimpft man ihn oder es unrechtmäßig.

Wie entstehen Vorurteile?

Vorurteile entstehen in der Regel aus einer bestimmten Erwartungshaltung heraus. Indem Sie beispielsweise erwarten, dass ein Beamter den ganzen Tag über nichts tut, werden Sie diese Berufsgruppe auch entsprechend wahrnehmen und sich Ihre eigene Wirklichkeit konstruieren. Häufig ist in diesem Zusammenhang auch die Rede von Schubladendenken.

Allgemein kann gesagt werden, dass Vorurteile entstehen, weil es leichter für den Menschen ist, in Schubladen zu denken. Indem wir gewisse Stereotype entwickeln (zum Beispiel den „faulen Beamten“ oder die „dumme Friseurin“), machen wir es unserem Gehirn einfacher. Wir brechen komplexe Verhaltensweisen und unterschiedliche Charakteristiken herunter und minimieren alles auf ein einziges Bild. Fertig ist das Vorurteil. Dieser Prozess ist natürlich nicht immer gewollt. Sehr häufig entstehen Vorurteile unterbewusst. Die gute Nachricht ist jedoch, dass sie auch überwunden beziehungsweise durchbrochen werden können. Dieser Prozess muss jedoch ganz bewusst stattfinden. Wie Vorurteile abgebaut werden können, erfahren Sie weiter unten im Text.

Info: Jeder Mensch ist unterschiedlich stark anfällig für Vorurteile. Während sich die einen nach einer geschlossenen und stereotypen Welt sehnen, sind die anderen offener für Unterschiede und differenzierte Betrachtungen.

Typische Vorurteile im Job – Eine Auswahl

In der Einleitung zu diesem Beitrag haben wir bereits einige Vorurteile genannt, die sich gegen spezielle Berufsgruppen richten. Selbstverständlich gibt es noch viele weitere, die zeigen, wie stereotyp oftmals im Hinblick auf Berufe gedacht wird.

So gelten Politiker häufig pauschal als korrupt. Radiomoderatoren verdienen ihr Geld, indem sie einfach die ganze Zeit nur Unsinn reden und Blogger, indem sie ein Produkt grinsend in die Kamera halten. Vermögensberater wollen uns nur aus den Taschen ziehen, genauso wie Bankangestellte. Sie merken: All diese Vorurteile gegen bestimmte Berufsgruppen sind negativer Natur und können auch als gezielte Anfeindung verstanden werden. Hieraus ergeben sich zwei wesentliche Probleme:

  • Die Berufe leiden unter einem (unverdienten) Imageschaden
  • Menschen entscheiden sich dagegen, den entsprechenden Beruf zu erlernen

Wichtig: Natürlich gibt es in jeder Branche schwarze Schafe, bei denen die Vorteile der Realität entsprechen. Das Negativ-Beispiel des Einzelfalls auf die gesamte Berufsgruppe zu übertragen, ist jedoch grundlegend falsch.

Geschlechtervorurteile beherrschen die Arbeitswelt

Vorurteile beziehen sich auf die unterschiedlichsten Aspekte – angefangen bei der Herkunft über bestimmte optische Merkmale bis hin zum sozialen Stand. Ein absoluter Klassiker für Vorurteile ist außerdem auch das Geschlecht einer Person. Nicht nur im Alltag, sondern auch in der Berufswelt sorgen Klischees und Schubladendenken für einige Probleme – insbesondere bei Frauen.

Weibliche Mitarbeiter kommen beinahe täglich mit diversen Vorurteilen in Berührung. Sie gelten beispielsweise als zu emotional, sensibel, nicht belastbar, weich und teilweise auch weniger gebildet. Diese und viele weitere Geschlechterklischees führen dazu, dass Frauen immer noch nicht die gleichen Karriere-Chancen haben wie Männer – trotz fortschreitender Emanzipation und diverser Gleichstellungsmaßnahmen.

Das größte Problem hierbei ist, dass Frauen aufgrund der Vorurteile unterstellt wird, sie wären für viele Berufe und auch Führungspositionen ungeeignet. Eine weibliche Ingenieurin oder Filialleiterin? In den Köpfen vieler ist das nach wie vor undenkbar. Die Crux an der Geschichte: Nicht nur Männer schenken den Vorurteilen und Klischees Glauben, sondern auch die Frauen selbst. Meine Kollegin Mirijam Franke hat in ihrem Artikel Das 1×1 der häufigsten Karrierefehler von Frauen ausführlich auf die Problematik hingewiesen. Glücklicherweise bestätigen immer mehr erfolgreiche Frauen, dass die Aussage, die Damenwelt wäre für bestimmte Aufgaben nicht geeignet, eben doch nur ein Vorurteil und nicht die Wahrheit ist.

Es muss allerdings auch erwähnt werden, dass nicht nur Frauen, sondern auch Männer unter diversen Vorurteilen im Job leiden. So wird das „starke Geschlecht“ häufig als emotionslos, kalt, engstirnig und zu verbissen eingestuft. Auch hierbei handelt es sich eindeutig um stereotypes Schubladendenken, das unterschiedliche Vorurteile – beispielsweise die Karrieregeilheit – befeuert.

Sich gegen Vorurteile zur Wehr setzen

Vorurteile begegnen uns ständig. Sie gehören sowohl zum Privatleben als auch zum beruflichen Umfeld und werden wahrscheinlich nie vollständig verschwinden. Doch gerade weil sie so alltäglich sind, wissen viele Menschen gar nicht so genau, wie sie auf Vorurteile reagieren sollen.

Ein Vorurteil kann nur dann abgebaut werden, wenn man miteinander ins Gespräch kommt. Fragen Sie Ihr Gegenüber beispielsweise, woher die Vorurteile kommen und wodurch sie bestärkt werden. Sie werden schnell feststellen, dass auf solche Nachfragen äußerst selten Fakten folgen. Im nächsten Schritt ist es Ihre Aufgabe, das Vorurteil zu widerlegen – beispielsweise indem Sie aufzählen, was Sie täglich als Beamter machen oder von der anspruchsvollen Ausbildung einer Friseurin berichten.

Wichtig ist, dass sie den Abbau von Vorurteilen nicht als Missionarsarbeit verstehen. Es gibt Menschen, die sich einfach nicht eines Besseren belehren lassen und weiterhin auf ihrer Meinung beharren – ganz gleich, mit wie vielen Fakten man ein Vorurteil widerlegt. Das ist im Privaten genauso wie im Beruflichen.

Info: Je mehr ein Vorurteil im Menschen verankert und mit Emotionen beladen ist, desto schwieriger wird es, es abzubauen.

Wenn aus Vorurteilen Diskriminierung wird

Sie werden am Arbeitsplatz regelmäßig mit Vorurteilen konfrontiert, die Ihnen zusehends zusetzen und in Diskriminierung gipfeln? Dann ist es höchste Zeit, das Problem mit anderen zu besprechen. Wenden Sie sich beispielsweise vertrauensvoll an Ihren Vorgesetzten. Sie müssen keine Namen nennen, sollten aber ausdrücklich darauf hinweisen, dass Sie aufgrund Ihrer Herkunft, Ihres Geschlechts oder eines anderen Aspektes diskriminiert werden. Diskriminierung kann als eine Form von Mobbing verstanden und sollte nie als „Kavaliersdelikt“ abgetan werden. An dieser Stelle wird deutlich, welche psychischen Auswirkungen Vorurteile auf eine andere Person haben können.

Welche Erfahrungen haben Sie mit Vorurteilen am Arbeitsplatz gemacht? Gern können Sie uns davon in den Kommentaren berichten.

1 Kommentar

  1. SchrauberQueen

    Oh je, davon kann ich einiges erzählen! Ich habe als Frau zwei erlernte technische Berufe und musste, eigentlich muss ich immer noch, viel Diskriminierung bis hin zum Mobbing durchmachen. Ein Jobwechsel die ganzen Jahre nahezu unmöglich und aus der Arbeitslosigkeit heraus gestaltete sich die Aussicht auf einen Job fast aussichtslos.
    Im Grunde habe ich eigentlich keine Worte mehr für den täglichen Kampf gegen Diskriminierung. Es bleibt nichts anderes als ständig dagegen anzukämpfen und sich anzupassen.
    Die größte Diskriminierung die ich miterleben musste war nicht die der Arbeitskollegen, sondern die der Kunden war viel schlimmer!
    Habe mich mal in einer Kette als Mechanikerin beworben und den Job auch bekommen. Der Fachbetriebsleiter, bzw. mein Chef, wurde von seinem Vorgesezten dem VL ( Vertriebsleiter ) dafür verspottet und ausgelacht. Dazu kam noch das ich diesen besagten VL kennen lernen musste, da wiedrholt doch mein Chef nur in den besten Tönen über mich berichtet hat. Was soll ich sagen, ein sehr negativer und Frauen feindlicher Mensch, sehr von sich selbst eingenommen der eigentlich nur ein Ziel verfolgte, keine Frauen in seinen Fachbetrieben!
    Das ist nur ein Bruchteil über den ich Schreiben kann sonst wird es zu lang.
    Einige werden jetzt wahrscheinlich sagen oder fragen, warum steuert man nicht dagegen oder unternimmt rein rechtlich was !?
    In einem Fall habe ich es, da ich das Mobbing nachweisen konnte.
    Bei dem beschriebenen Beispiel wurde alles so gedreht und gewendet, dass es besser und gesünder war zu gehen.
    Die Vorurteile und Diskriminierungen gegenüber Frauen ist zwar vor Jahren etwas gesunken, aber leider kann ich nur davon Berichten das dieser Trend wieder Fahrt aufnimmt.
    Frauen werden nur bevorzugt in handwerklichen oder technischen Berufen gesucht wenn keine Männer für diese Jobs gefunden werden, erst dann wir von Frauenförderung geredet der Rest ist nur dummes Geschwätz von Politikern und von sonstigen…
    Macht Euch mal ein Bild warum per Gesetzt eine Frauenquote eingeführt wurde, alles lächerlich!
    Gruß die SchrauberQueen

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