Sorry, I’m late – again! 5 Tipps für mehr Pünktlichkeit

Haben auch Sie Freunde, Verwandte oder Kollegen, die einfach immer zu spät kommen? Oder gehören Sie vielleicht selbst zu den Menschen, welche – egal wie sehr sie es versuchen – das mit der Pünktlichkeit einfach nicht hinkriegen? Doch warum ist das eigentlich so und wie können Sie das Pünktlichsein erlernen?

1. Arroganz, Rebellion oder einfach schlecht organisiert?
2. Sind Sie uhrzeit-orientiert oder eigenzeit-orientiert?
3. Warum ist Pünktlichkeit überhaupt so wichtig?
4. Wenn die innere und äußere Uhr nicht zusammenpassen
5. Können eigenzeitorientierte Menschen uhrzeitorientiert werden?
6. Also ist Zuspätkommen völlig in Ordnung?
7. Eigenzeitorientierter Mensch? Fünf Tipps für mehr Pünktlichkeit
8. Tipp 1: Die Unpünktlichkeit schrittweise reduzieren
9. Tipp 2: Einen Wecker verwenden
10. Tipp 3: Auf Klassiker zurückgreifen
11. Tipp 4: Wecker niemals in Reichweite platzieren
12. Tipp 5: Manchmal ist Unpünktlichkeit Symptom statt Ursache

Arroganz, Rebellion oder einfach schlecht organisiert?

Ja, es gibt viele von diesen „Dauerzuspätkommern“ und nein, es sind nicht nur Frauen. Das Problem ist, dass Menschen, die quasi immer zu spät kommen, früher oder später im Privat- und vor allem im Berufsleben anecken. Sie hätten keinen Respekt vor der Zeit der Kollegen, Sie hielten sich selbst für wichtiger als alle anderen oder es sei eine unterdrückte Rebellion gegen den viel zu strengen Vorgesetzten – so oder so ähnlich sehen häufig die Interpretationen der Mitmenschen aus, wenn Sie niemals pünktlich kommen. Doch sollten Sie selbst zu diesem Typ Mensch gehören, wissen Sie, dass das andauernde Zuspätkommen Sie selbst vielleicht sogar am meisten nervt. Absicht steckt nämlich in der Regel nicht hinter dem Unpünktlichsein.

Sind Sie uhrzeitorientiert oder eigenzeitorientiert?

Der Zeitforscher Dr. Marc Wittmann hat hierzu nun eine ganz neue, spannende These aufgestellt. Er behauptet, es gäbe schlichtweg zwei verschiedene Personengruppen:

  1. Menschen, die uhrzeitorientiert leben und in der Regel sehr pünktlich sind und
  2. Menschen, die eigenzeitorientiert leben und zum Zuspätkommen neigen.

Während erstere Personengruppe mehr oder weniger selbsterklärend ist, stellt sich nun die Frage: Wieso sind eigenzeitorientierte Menschen eigentlich so häufig zu spät und können sie gar nichts dagegen tun?

Warum ist Pünktlichkeit überhaupt so wichtig?

Der Theorie des Zeitforschers zufolge lebt jeder Mensch eigentlich nach einer inneren Uhr, richtet sich aber an der äußeren Uhr aus, weil er es in der Kindheit, Jugend oder auch im Berufsleben so erlernt hat. Uhrzeitorientierte Menschen halten deshalb stets den Verlauf der Zeit im Blick. Vermutlich ist ein Großteil der deutschen Arbeitnehmer uhrzeitorientiert erzogen. Pünktlichkeit gilt daher weltweit als eine der berühmten deutschen Tugenden. Und sehen Sie sich einmal in anderen Ländern um, bietet sich hierbei je nach Kultur tatsächlich ein anderes Bild: In Spanien, Thailand oder Brasilien können Sie sich nicht unbedingt darauf verlassen, dass der Supermarkt pünktlich öffnet, Ihr Auto in der Werkstatt am nächsten Tag repariert ist oder Deadlines immer eingehalten werden. Für eine funktionierende Wirtschaft ist Pünktlichkeit eminent wichtig. Das bedeutet automatisch, dass uhrzeitorientierte Menschen im Berufsleben bessere Chancen haben. Wer nämlich immer zu spät kommt, kann damit unter Umständen seine Karriere sowie die gute Beziehung zu Kollegen und Vorgesetzten aufs Spiel setzen.

Wenn die innere und äußere Uhr nicht zusammenpassen

Wie der Name bereits sagt, haben eigenzeitorientierte Menschen größere Schwierigkeiten damit, ihre innere an die äußere Uhr anzupassen. Zwar gibt es auch hier mal einen Blick auf die Uhr, doch in der Hektik des Alltags oder der Freude des Moments wird dann schnell wieder vergessen, dass die Sekundenzeiger nicht einfach stehen bleiben. Das bedeutet: Sie sehen um 6:20 Uhr auf die Uhr müssten eigentlich los zur Arbeit. Dann fällt ihnen ein, dass sie noch die Spülmaschine einschalten wollten oder sie finden den Autoschlüssel nicht und plötzlich sind sie schon wieder zu spät dran. Viele Menschen würden das nun als unorganisiert bezeichnen. Das Problem ist allerdings, dass eigenzeitorientierte Menschen sich schlichtweg an ihrer inneren Uhr orientieren und diese läuft bei den einen eben schneller und bei den anderen langsamer.

Können eigenzeitorientierte Menschen uhrzeitorientiert werden?

Ja, natürlich können auch eigenzeitorientierte Menschen mit viel Geduld und Übung uhrzeitorientiert leben. Allerdings stehen hinter diesen beiden Modellen zwei komplett unterschiedliche Persönlichkeitstypen. Während uhrzeitorientierte Menschen in der Regel nüchterner, organisierter sowie rationaler durchs Leben gehen, sind eigenzeitorientierte Menschen tendenziell impulsiver, emotionaler und nehmen den Moment bewusster wahr. Die Frage ist also, ob ein eigentlich eigenzeitorientierter Mensch jemals so pünktlich werden kann wie ein uhrzeitorientierter Mensch und ob er dann damit überhaupt glücklich wäre? Im Berufsleben mag das Zuspätkommen zwar nerven oder sogar karrierehinderlich sein, doch prinzipiell bringen beide Menschentypen zahlreiche Vorteile und verschiedene Qualitäten mit sich, die für ein Unternehmen gleichermaßen wertvoll sind.

Also ist Zuspätkommen völlig in Ordnung?

Bedeutet das nun also, dass Sie als eigenzeitorientierter Mensch gar nicht unbedingt pünktlich sein müssen? Nein, leider nicht! Auch wenn die mangelnde Pünktlichkeit in der Theorie gar nicht so schlimm ist, setzen Sie damit in der Praxis häufig Ihre Karriere aufs Spiel. In dem Artikel „Sorry fürs Zuspätkommen: Das Königreich der Ausreden“ hat Ihnen meine Kollegin Viola Booth bereits die negativen Folgen der Unpünktlichkeit im Beruf erläutert: Sie handeln sich schnell den Ruf als unzuverlässig ein, machen sich dadurch bei Kollegen sowie Vorgesetzten unbeliebt und können durch ständiges Zuspätkommen – selbst ohne eigenes Verschulden – sogar Abmahnungen oder die Kündigung riskieren. Folgende bei Statista veröffentlichte Umfrage macht deutlich, dass sogar im privaten Bereich die Akzeptanz für Unpünktlichkeit in Deutschland eher gering ist. Während 36 Prozent der Befragten für eine Verspätung von bis zu einer Viertelstunde noch Verständnis aufbringen können, sind es bei einer halben Stunde oder mehr schon nur noch sechs beziehungsweise zwei Prozent.
Statistik: Welche Abweichung von der vereinbarten Zeit würden Sie bei einer privaten Verabredung noch als annehmbar empfinden? | Statista
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Anzunehmen ist, dass diese Werte im Berufsleben noch einmal deutlich niedriger sind. Gemäß der Theorie von Dr. Marc Wittmann mag das Zuspätkommen zwar nicht in der Schuld der eigenzeitorientierten Menschen liegen, das Verständnis und die Akzeptanz für diese „Eigenart“ jedoch, sind begrenzt. Wer sich also auf Dauer nicht bei den Kollegen und Vorgesetzten unbeliebt machen möchte, sollte im Berufsleben das Zuspätkommen vermeiden. Selbst als eigenzeitorientierter Mensch sollten Sie also Pünktlichkeit erlernen. Aber wie?

Eigenzeitorientierter Mensch? Fünf Tipps für mehr Pünktlichkeit

Deutsche Pünktlichkeit ist fünf Minuten vor der Zeit. Das lernen Kinder hierzulande bereits in der Schule. Nach der guten Beherrschung von Rechtschreibung und Grammatik sowie einer guten Allgemeinbildung liegt die Pünktlichkeit in einer aktuellen Umfrage auf dem dritten Platz, wenn es um die Frage geht: „Welche Kompetenzen sollte die Schule ihrer Meinung nach vermitteln?“
Statistik: Welche Kompetenzen sollte die Schule Ihrer Meinung nach vermitteln? | Statista
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Offensichtlich funktioniert das aber nicht bei allen Schülern. Verwunderlich ist das nicht, schließlich tickt die innere Uhr bei jedem von uns unterschiedlich. Daher braucht auch jeder Mensch verschiedene Mechanismen oder Übungen für mehr Pünktlichkeit. Versuchen Sie es doch einmal mit den folgenden fünf Tipps:

Tipp 1: Die Unpünktlichkeit schrittweise reduzieren

Die erste Möglichkeit liegt darin, nicht direkt von dem Zuspätkommen zur absoluten Pünktlichkeit zu wechseln, sondern sich in kleinen Schritten an die neue Lebensweise heranzutasten. Während 25 Prozent der Frauen und 27 Prozent der Männer behaupten, niemals unpünktlich zu sein, geben die verbleibenden Teilnehmer einer Befragung zu, sich hin und wieder zu verspäten. 37 Prozent der Männer und Frauen sind dann ihrer eigenen Angabe entsprechend in der Regel lediglich ein bis fünf Minuten zu spät. Sechs bis zehn Minuten sind es bei 30 Prozent der Frauen und 26 Prozent der Männer. Spannend ist auch, dass ein Prozent der Männer zugeben, auch mal zwischen 31 Minuten und einer Stunde zu spät zu kommen. Dabei gelten doch gemeinhin eher die Frauen als das unpünktliche Geschlecht.
Statistik: Wenn Sie zu spät kommen, um wie viele Minuten verspäten Sie sich im Schnitt? | Statista
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Für Sie als eigenzeitorientierter Mensch bedeutet dies, dass Sie sich langsam von der zum Beispiel durchschnittlichen Viertelstunde, welche Sie chronisch zu spät kommen, zu zehn Minuten, anschließend zu fünf Minuten und schlussendlich vielleicht sogar zu fünf Minuten vor der Zeit verbessern können. Achten Sie wieder bewusster auf die Uhrzeit und beginnen Sie ein effizientes Pünktlichkeitstraining.

Tipp 2: Einen Wecker verwenden

Der bloße Wille alleine reicht dafür aber häufig nicht aus. Das grundlegende Problem der eigenzeitorientierten Menschen liegt schließlich darin, dass sie die Zeit schlichtweg vergessen. Sie brauchen also einen Mechanismus, der sie immer wieder daran erinnert auf die Uhr zu achten. Hierfür können Sie einen Wecker, zum Beispiel in Ihrem Smartphone, verwenden. Planen Sie also einen ausreichenden Zeitpuffer ein und stellen Sie den Wecker entsprechend. Wichtig ist, dass Sie dann einen festen Rhythmus wählen, in welchem sich die Uhr immer und immer wieder meldet. Wenn vorhanden, können Sie dafür den Snooze-Modus nutzen. Klingelt der Wecker also rechtzeitig und dann alle fünf Minuten wieder, erlangen Sie früher oder später ein besseres Gespür für die Uhrzeit und gewöhnen sich daran, bewusster auf sie zu achten.

Tipp 3: Auf Klassiker zurückgreifen

Unser dritter Tipp lautet: Stellen Sie die Uhr ein paar Minuten vor. Ja, besonders kreativ ist dieser Tipp nicht, sondern er fällt eher in den Bereich „Pünktlichkeits-Klassiker“. Aufbauend auf den ersten beiden Tipps jedoch, ist und bleibt er absolut wirksam. Nun haben Sie als eigenzeitorientierter Mensch nämlich bereits gelernt, sich mehr auf die Zeit zu konzentrieren und immer wieder auf die Uhr zu blicken. Geht diese dann fünf, zehn oder auch 15 Minuten vor, tricksen Sie sich selbst aus und beeilen sich. Allerdings gilt hierfür noch eine weitere Grundvoraussetzung: Sie dürfen niemals denken: „Ach stimmt, die Uhr geht ja zehn Minuten vor“, denn dann hebeln Sie Ihren eigenen Mechanismus wieder aus.

Tipp 4: Wecker niemals in Reichweite platzieren

Ja, trotz Zeitdruck und Snooze-Funktion fällt es manchmal am Morgen einfach verdammt schwer, aus dem Bett zu krabbeln. Sie dösen also noch weiter so lange vor sich hin oder versinken in Gedanken, bis Sie bereits zu spät dran sind und diese Verspätung zieht sich dann durch den gesamten Tag. Wenn Sie zu jedem Termin, jedem Meeting und jeder Verabredung an einem Tag je vier Minuten zu spät kommen, sind Sie dann nicht eigentlich sogar irgendwie pünktlich? Würden Sie schon am Morgen pünktlich aufstehen und zehn Minuten früher in den Tag starten, wären Sie vielleicht nicht mehr den ganzen Tag über sieben Minuten zu spät, sondern sogar drei Minuten zu früh dran.

Die Devise lautet also: Starten Sie morgens pünktlich in den Tag und nutzen Sie die Chance, den Tagesablauf ebenfalls ohne Verspätung zu meistern. Sie müssen für sich einen Mechanismus finden, der Sie zwingt am Morgen rechtzeitig aufzustehen. Altbewährt ist dafür der Wecker am anderen Ende des Raums. Wählen Sie einen nervigen Klingelton sowie einen Dauermodus, sprich der Wecker schaltet sich nicht von selbst wieder aus. Klingt anstrengend? Ja, aber es wirkt! Sie werden sehen: Nach spätestens zwei oder drei Minuten ertragen Sie das Geplänkel nicht mehr und stehen auf, um den Wecker endlich auszuschalten. Dann gilt nur noch:

  1. Nicht wieder ins Bett legen und
  2. nicht die Laune verderben lassen!

Tipp 5: Manchmal ist Unpünktlichkeit Symptom statt Ursache

Haben all diese Tipps nicht gegen das Zuspätkommen geholfen? Dann ist es vielleicht an der Zeit zu prüfen, ob die Unpünktlichkeit Symptom einer tieferliegenden Problematik sein könnte. Sie resultiert zum Beispiel häufig aus einer krankhaften Prokrastination, welche wiederum Ausdruck einer Depression oder eines beginnenden Burnout-Syndroms sein kann. Betreiben Sie also Ursachenforschung. Nur so können Sie das ursprüngliche Problem in Angriff nehmen und dann auch das Symptom „Unpünktlichkeit“ wieder loswerden. Vielleicht kommen Sie aber auch schlichtweg zu dem Ergebnis, dass Sie ein unorganisierter oder eben eigenzeitorientierter Mensch sind und damit leben können. In diesem Fall ist das völlig in Ordnung und Sie wissen ja: Sie sind dafür impulsiver, kreativer und erleben den Moment sowie die Emotionen intensiver als die meisten „Pünktlichen“. Das klingt doch auch irgendwie gut, oder?

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