Wenn im Kopf das große Chaos herrscht, wird es höchste Zeit, dieses zu sortieren. Es gibt unzählige Möglichkeiten, Gedanken eine Struktur zu verleihen und sie somit gewinnbringend zu nutzen. Viele Techniken, die schon zu Schulzeiten Erfolge mit sich brachten, können auch heute im Job noch angewendet werden. Ein sehr gutes Beispiel hierfür sind Mindmaps. Lesen Sie hier, wie Sie diese richtig anlegen und maximal davon profitieren.

Inhalt
1. Wozu ist Mindmapping gut?
2. Wie erstelle ich eine Mindmap?
3. Tipps für (noch) bessere Mindmaps
4. Mindmapping ist „nur“ ein erster Schritt
5. Mindmapping richtig im Beruf einsetzen
6. Mindmapping-Programme sind auf dem Vormarsch

Wozu ist Mindmapping gut?

Ausgestattet mit vielen bunten Stiften auf einem leeren Blatt Papier rumkritzeln und der „Kreativität freien Lauf lassen“ – klingt in Ihren Ohren nicht sonderlich professionell? Dann fragen Sie sich sicherlich, warum Sie überhaupt Ihre Zeit opfern sollten, um eine Mindmap zu erstellen. Es gibt gleich mehrere Antworten, die den Sinn dieser Methode erklären.

  • Mindmaps veranschaulichen beziehungsweise visualisieren Ihre Gedanken und machen sie dadurch greifbar
  • Mindmaps sortieren Gedanken und fassen sie in verschiedenen Gruppen, Ausrichtungen etc. zusammen
  • Mindmaps fördern den kreativen Denkprozess – während des Erstellens werden Ihnen viele weitere Ideen kommen, die in alle Richtungen gehen
  • Mindmaps befreien – indem Sie Ihre Gedanken zu Papier bringen, schaffen Sie im Kopf Platz für Neues

Generell kann Mindmapping als eine besondere (visualisierte) Form des Brainstormings verstanden werden. Es besteht sowohl die Möglichkeit, die Mindmap allein anzufertigen als auch in der Gruppe. Beide Formen bringen Vor- und Nachteile mit sich. Letztendlich überwiegen jedoch die Vorteile, da am Ende des Mindmappings immer Resultate verzeichnet werden können – und sei es auch die Erkenntnis, dass beispielsweise ein Projekt zu komplex ist, um in die Tat umgesetzt zu werden.

Info: Als „Erfinder“ vom Mindmapping gilt übrigens Tony Buzan, der auf Wikipedia als „Autor, Redner und Trainer zu den Themen Bildung, Lernen und Kreativität“ bezeichnet wird.

Wie erstelle ich eine Mindmap?

Dass eine Mindmap auf jeden Fall gewinnbringend ist und Gedanken sortiert sowie visualisiert, wissen wir nun. Doch wie genau bringt man sein kreatives Brainstorming zu Papier? Einfach drauf los oder doch eher mit System?

Auch wenn es nicht immer danach aussieht, so folgen Mindmaps doch einer grundsätzlichen Ordnung. Diese auch wirklich einzuhalten, bringt Sie Ihrem Ziel ein ganzes Stück näher. Wie Sie eine effektive Mindmap erstellen, erfahren Sie in der folgenden Auflistung.

  1. Überlegen Sie sich ein übergeordnetes Thema, um das sich alles in der Mindmap drehen soll (beispielsweise: Social Media Strategie, Messeauftritt, Weihnachtsfeier, etc.). Bei der Wahl des Themas gibt es keine Grenzen. Um eine möglichst umfangreiche Mindmap erstellen und Ihrer Kreativität freien Lauf lassen zu können, sollte es möglichst allgemein sein.
  2. Schreiben Sie das Oberthema (mit möglichst wenig Worten) in die Mitte eines weißen Blattes. Drehen Sie dieses auf Querformat. Warum? Weil wir von links nach rechts und nicht von oben nach unten schreiben. Indem das Thema mittig platziert wird, gibt es rundherum genügend Platz für Entfaltung – im übertragenen und wörtlichen Sinne.
  3. Heben Sie das Hauptthema optisch hervor – beispielsweise indem Sie es in VERSALIEN schreiben, fett machen oder mit einem Textmarker „verzieren“. Dieser Schritt hilft Ihnen dabei, das eigentliche Ziel nicht aus den Augen zu verlieren und trotz des Denkens in alle Richtungen fokussiert zu bleiben.
  4. Zeichnen Sie vom Hauptthema abgehende „Sonnenstrahlen“ oder „Äste“, die in alle Richtungen zeigen. Die Linien müssen deutlich zu erkennen und dicker als alle weiteren sein. Dadurch wird deutlich, dass es sich um Gedankenstränge ersten Grades handelt, die das Hauptthema in eine Handvoll Unterthemen aufsplittet.
  5. Versehen Sie jeden Gedankenstrang mit einem einzigen Gedanken. Beginnen Sie beispielsweise oben rechts und arbeiten Sie sich im Uhrzeigersinn einmal um das Hauptthema herum.
  6. Heben Sie die Untergedanken ebenfalls optisch hervor. Achten Sie jedoch darauf, dass sie weniger präsent als das Hauptthema sind. Es muss eine Art visuelle Hierarchie entstehen.
  7. Befassen Sie sich nun mit jedem einzelnen Unterthema und ergänzen Sie es um einzelne Gedanken. Nutzen Sie hierfür wieder abgehende Strahlen, die dünner als die ersten sind.
  8. Gliedern Sie jedes Unterthema so weit auf, bis alle Einzelheiten zu Papier gebracht wurden. Schreiben Sie immer nur einzelne Gedanken und Ideen auf, um alles klar voneinander zu trennen.

Info: Mindmapping ist nicht Clustering. Bei letzterem geht es darum, den Gedanken freien Lauf zu lassen und Assoziationsketten zu bilden. Diese verlaufen gern auch mal in Richtungen, die nur noch wenig oder gar nichts mit der Ausgangssituation zu tun haben. Wenn man so will, ist Mindmapping ergebnisorientierter als Clustering.

Tipps für (noch) bessere Mindmaps

Ob Sie Ihre Gedanken direkt auf die abgehenden Zweige oder doch lieber in eine Blase schreiben, ist Ihnen überlassen. Mindmapping lebt von Individualität. Wichtig ist, dass die Übersichten organisch wachsen und dabei ihre Übersichtlichkeit nicht verlieren. Wenn Sie allerdings nicht nur Gedanken festhalten, sondern wirklich das Maximale aus Ihrer Mindmap herausholen wollen, empfiehlt es sich, die folgenden Tipps zu beachten:

  • Formulieren Sie niemals ganze Sätze aus! Mindmaps leben von aussagekräftigen Schlagwörtern und (in Ausnahmefällen) knackigen Stichpunkten.
  • Nutzen Sie verschiedene Farben für bestimmte Gedankengänge.
  • Heben Sie Schlüsselwörter und besondere Erkenntnisse (farbig) hervor.
  • Nutzen Sie immer weißes Papier (ohne Linien oder Kästchen), um die Mindmap auch wirklich frei erstellen zu können.
  • Verwenden Sie Symbole, Icons, kleine Bildchen, Smileys und mehr. Das macht die Mindmap nicht nur lebendiger, sondern hilft auch dabei, Gedanken besser zuzuordnen. Außerdem befeuern kleine Zeichnungen die Kreativität zusätzlich.
  • Erweitern Sie die Mindmap bei Bedarf durch weitere Blätter.
  • Verabschieden Sie sich vom Gedanken einer perfekten Mindmap. Es wird immer notwendig sein, Begriffe durchzustreichen oder auch mal einen ganzen Zweig zu verwerfen. Wenn Sie das fertige „Produkt“ haben, können Sie es bei Bedarf immer nochmal auf ein neues Blatt übertragen.

Mindmapping ist „nur“ ein erster Schritt

Auch wenn das Mindmapping hier überwiegend positiv dargestellt werden soll, muss an dieser Stelle eines besonders hervorgehoben werden: Erwarten Sie von einer Mindmap keine Wunder. Es handelt sich hierbei lediglich um einen ersten Schritt hin zum fertigen Produkt (im weitesten Sinne). Das Festhalten und Visualisieren von Gedanken ist eine extrem gute Möglichkeit, diese zu sortieren und in eine einheitliche Form zu bringen. Indem Sie das Thema auf dem Papier aufschlüsseln, bedeutet das jedoch längst nicht, dass Sie am Ziel angekommen sind.

Nach der Mindmap ist vor der Realisierung. Wenn Sie die Methode beispielsweise nutzen, um eine Veranstaltung zu planen, haben Sie nun eine gute Übersicht über alle Bereiche und deren Unterpunkte. Sie können nun systematisch vorgehen und alles Stück für Stück abarbeiten. Wichtig ist, das Mindmapping als kreative Vorleistung zu betrachten, auf die immer eine konkrete Tat folgt. Andernfalls hat es sich beim Erstellen der verzweigten Map tatsächlich um Zeitverschwendung gehandelt.

Mindmapping richtig im Beruf einsetzen

Mindmapping ist eine Methode mit unzähligen Anwendungsmöglichkeiten. Sie ist sowohl in der Schule und im Studium als auch im Privaten und Beruflichen überaus hilfreich – wenn man sie richtig einsetzt und ihre Potentiale erkennt. Wenn es um die Karriere geht, können Mindmaps beispielsweise folgendermaßen eingesetzt werden.

  • Projektplanung: Sie und ein paar Kollegen werden damit beauftragt, ein großes Projekt zu planen (und anschließend auch zu realisieren). Um sich einen ersten Überblick zu verschaffen und die Komplexität des Themas zu visualisieren empfiehlt sich der Einsatz einer Mindmap.
  • Präsentation vorbereiten: Ganz ähnlich verhält es sich, wenn Sie eine Präsentation vorbereiten. Auch hier strukturiert die Mindmap Gedanken und lenkt den gesamten Prozess in eine produktive Richtung.
  • Präsentation halten: Eine andere Mindmap kann eingesetzt werden, um die Aussagen Ihrer Präsentation zu veranschaulichen. Mindmaps eignen sich hervorragend, um anderen Ihre Gedankengänge zu erklären.
  • Ideensammlung: Am Anfang ist es häufig nur der locker formulierte Wunsch Ihres Vorgesetzten, aus dem Sie ein fertiges Produkt oder etwas ähnliches erschaffen sollen. Wenn es darum geht, erste Gedanken und Ideen zu sammeln, kann eine Mindmap überaus behilflich sein.
  • Protokollierung: Mindmaps eignen sich auch hervorragend, um Meetings oder andere Gespräche strukturiert und übersichtlich zu protokollieren.
  • Übersicht: Das neue Projekt oder die anstehende Veranstaltung sind schon geplant? Dann kann die Mindmap dabei helfen, die Resultate der Vorarbeit festzuhalten und zu visualisieren. Die fertige Map sollte gut sichtbar im Büro aufgehangen werden.
  • Text-Strukturierung: Wenn Sie einen komplexen Text lesen, können Sie parallel dazu oder auch hinterher eine Mindmap anfertigen, um den Inhalt zusammenzufassen.
  • Entscheidungen: Sie wollen Ihren Chef um eine Gehaltserhöhung bitten oder sich nach einem neuen Job umschauen? Auch im Falle von persönlichen Entscheidungen (beruflicher Natur) können Mindmaps eine große Hilfe sein.

Mindmapping-Programme sind auf dem Vormarsch

Mindmapping Apps und Tools für Smartphone, Tablet und Co.
Es gibt für alles eine App – auch für das Erstellen von Mindmaps. Das Angebot der Programme für Smartphone, Tablet und Co. hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen – ein Indiz dafür, dass Mindmapping noch immer zeitgemäß und effektiv ist. Doch gerade Fans der Digitalisierung schauen meist etwas skeptisch, wenn Sie die Ideensammlung mit Stift und Papier erstellen sollen. Ist das wirklich die Zukunft der Arbeit? Wenn Sie auf diese Frage mit „Nein“ antworten, wird es Sie freuen, dass Sie keinesfalls auf die altmodische Methode angewiesen sind. Wer Mindmaps gern digital erstellen und auch abspeichern will, kann auf eine Vielzahl von Tools zurückgreifen. Einige hiervon sind:

Es wird Sie nicht verwundern, dass sowohl die analoge als auch die digitale Methode Vor- und Nachteile hat. Welche das sind, verrät Ihnen diese Übersicht.

analoge Mindmapdigitale Mindmap
Vorteilewächst „organisch“ (mehr Nähe zum Thema)

Förderung des kreativen Prozesses

freie Gestaltungsmöglichkeiten

immer kostenlos

überall dabei (beispielsweise auf dem Smartphone)

flexibel und anpassungsfähig

mehr Bearbeitungsmöglichkeiten

sehr übersichtlich

Nachteilestarr (was einmal steht…)

wird schnell unübersichtlich

kann nicht überall aufgerufen werden

Teilweise kostenpflichtig

Abhängigkeit von Technik

begrenzte „Oberfläche“ (Bildschirm)

 

Welche Methode besser zu Ihnen passt, müssen Sie durch Ausprobieren herausfinden. Während die einen auf neue Software setzen, schwören andere immer noch auf die händische Methode. Wieder andere wechseln auch immer wieder zwischen beiden Möglichkeiten, weil Sie sich nicht für eine entscheiden können. Alles ist möglich.

Eines haben beide Mindmapping-Methoden gemeinsam. In Zeiten, in denen immer mehr Unternehmen dezentral arbeiten, stoßen sie schnell an ihre Grenzen, wenn mehrere Mitarbeiter an einem Projekt arbeiten sollen. Es gibt jedoch einige Mindmap-Programme und -Apps, die diesem Problem entgegenwirken und die Arbeit im Team ermöglichen. Diese sind allerdings entweder auf wenige Teilnehmer beschränkt oder schlagen finanziell stark zu Buche.

Haben Sie eine Ergänzung oder Frage zum Thema Mindmaps? Dann hinterlassen Sie uns gern einen Kommentar, wir freuen uns auf den konstruktiven Austausch mit unseren Lesern.

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