Unternehmenskultur kann nicht hoch genug geschätzt werden, denn sie definiert die Leitplanken einer Firma für Werte, Umgang, Benehmen, Handeln und Entscheidungen und gibt Orientierung für alle, die in dem Unternehmen arbeiten und es repräsentieren. Sie ist also „Innenleben“ und Außendarstellung zugleich. Unternehmenskultur kann nicht ohne definierte Werte sein, kann sie Umgangsformen und Benehmen entbehren?

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Was genau verstehen wir unter der Kultur eines Unternehmens? Ist es die beste, größte, modernste Technikausstattung, die Vielfältigkeit des Speisen- und Getränkeangebotes, die kleinen und großen Goodys oder die Flexibilität zu haben, zwischen Homeoffice und Office entscheiden zu können? Dies alles sind Annehmlichkeiten, die „nice to have“ sind, jedoch nicht zu mehr Leistung motivieren. Leistung kann nicht motiviert werden, es ist ein Resultat. Das Verhalten der Mitarbeitenden hingegen schon, denn durch Motivation gelangen sie zu mehr Leistung und größerem Erfolg.

Transparente Unternehmenskultur ist auch deshalb heute ein wichtiger Aspekt, weil sich die Werte und Einstellungen der Geschäftsleitung und Belegschaft erkennbar darin spiegeln.

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„Die Unternehmenskultur ist Herz, Verstand und Seele

der Organisation.“ Simon Sagmeister

 

Unter Unternehmenskultur verstehen wir:

  • definierte und vereinbarte Werte wie Denkweisen, Mentalität und Geisteshaltung,
  • Normen und Einstellungen, wie Regeln, Standards, die Entscheidungen, Handlungen und Verhaltensweisen innerhalb eines Unternehmens bestimmen.

Schwerpunkte der Unternehmenskultur sind die Kommunikation, das Verhalten/Benehmen und das Erscheinungsbild. Dies sind wichtige Bestandteile des Images eines Unternehmens. 

Kommunikation

Die Kommunikation gehört zu den umfangreichsten und schwierigsten Soft Skills. Obwohl wir von klein auf miteinander kommunizieren und im Allgemeinen gut damit durchs Leben kommen, ist es bei näherer Betrachtung doch der Aspekt, der uns im Leben die meisten Schwierigkeiten bereitet. Diese entstehen u.a. durch

  • Missverständnisse
  • es entstehen Verletzungen durch unbedachte Worte
  • Brüskierung durch inadäquate Worte
  • Probleme durch fehlende Worte.

Wenn es um die Prägung der Unternehmenskultur geht, ist es also unumgänglich, ein intensives Augenmerk auf die Kommunikation zu legen und Regeln aufzustellen, wie z.B. für:

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Umgang miteinander

In der Art der Kommunikation, verbal wie non-verbal, intern wie extern, spiegelt sich das Niveau und der Zustand eines Unternehmens:

  • Wie geht man im Team/in der Mannschaft miteinander um, wie ist der Ton, der Respekt, der Teamgedanke? Duzt man sich und wenn ja, aus welchem Grund? Wenn es für eine lockere, familiäre Stimmung sorgen soll, dann ist es nicht gleichbedeutend damit, dass man auf „laissez faire“ schaltet und sprechen kann, wie einem der Schnabel gewachsen ist. Respekt und Höflichkeit sind stets Grundelemente einer guten Kommunikation. Intern wie extern.

  • Wie sprechen die Mitarbeitenden mit den Kunden, Geschäftspartnern, Klienten? Wird einfach geduzt, ohne das Gegenüber zu fragen, weil es Unternehmenskultur ist? Das wäre übergriffig und unhöflich.

  • Ein Leitfaden gibt Sicherheit. Nicht nur die junge Generation kommt was Benehmen, Ansprache und Erscheinungsbild angeht, oftmals orientierungslos auf den Arbeitsmarkt. Studien haben gezeigt, dass sich immer mehr Unternehmen über fehlende Umgangsformen der Angestellten beschweren. Hier kann ein Verhaltenskodex Abhilfe schaffen, so dass alle über die gültigen Kommunikationsregeln und die erwünschten Umgangsformen im Business-Kontext informiert sind. Zudem haben es die Führungskräfte so einfacher, wenn sie Sachverhalte ansprechen und die vereinbarten Verhaltensweisen einfordern müssen. Wichtig ist, dass die Führungskräfte selbst Vorbild für eine gelebte Unternehmenskultur sind, das gibt Orientierung und Halt.

Der Ton macht die Musik

 Sich korrekt zu verhalten und auf eine angemessene Wortwahl zu achten reicht allein nicht aus. Wenn die Leitung und/oder die Führungsebene ruppig auftritt und einen unfreundlichen Ton anschlägt, prägt dies den Umgang miteinander und färbt auf alle anderen Ebenen ab. Eine wertschätzende Kommunikation ist dann kaum noch möglich. Die Vorbildfunktion ist daher nicht hoch genug einzuschätzen, denn unmotivierte, frustrierte oder gar abwandernde Mitarbeitende kosten das Unternehmen sehr viel Geld und Fachkräfte sind bekanntermaßen rar auf dem Arbeitsmarkt.

Es sind die feinen Untertöne in der Kommunikation, die bewirken, dass eine langfristige Kundenbeziehung entsteht. Der Kunde und Geschäftspartner hat gute Antennen für den internen Umgang, der auf das Unternehmensklima und -niveau Rückschlüsse zulässt. Entspricht die Kommunikation und der Umgang – sowie auch der Auftritt – nicht den Vorstellungen eines potentiellen Kunden, orientiert er sich schnell auch einmal um. Es kann also durchaus zu Geschäftsschädigungen kommen.

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Der Umgang mit Social Media und Smartphones

Kurznachrichten, Posts und Beiträge auf Linkedin, XING und Facebook sollten im Businesskontext mit Bedacht geschrieben und verschickt werden. Auch hier repräsentiert der Mitarbeitende das Unternehmen, sich selbst und die eigene Position. Persönliche Statements lassen Rückschlüsse zu. Der Umgang mit den neuen Medien sollte Erwähnung in dem Kodex der Unternehmenskultur finden. Gleiches gilt für das Smartphone. Welche Regeln gelten bei Meetings, in Konferenzen, bei Kundenterminen und Geschäftsessen? Um es gleich vorweg zu nehmen: Bei Geschäftsessen gehören weder das Handy, noch das Portemonnaie, noch die Autoschlüssel auf den Tisch.

Das Erscheinungsbild

Das Erscheinungsbild der Mitarbeitenden repräsentiert die Unternehmenskultur und trägt zum Image des Unternehmens bei. Für jeden einzelnen Mitarbeitenden spiegelt es die eigenen Kompetenzen, Werte, das Standing, die Identifikation mit der Firma und natürlich das eigene Image. Unsere Karrieren bestehen zu 30% aus unserem Image! Haben Sie also Kundenkontakt, dann sollten Sie Ihre Werte und Kompetenzen und die des Unternehmens in Ihrem Erscheinungsbild, Ihrer Körperhaltung und Ihrem Benehmen zur Geltung bringen.

Das Thema Dresscode ist sicher ein schwieriges und wird deshalb häufig gemieden. Das hilft niemanden, nicht zuletzt, weil die Orientierungsmöglichkeiten abnehmen. Wir, die Gesellschaft, bauen kontinuierlich Leitplanken ab, schließen uns dem Look der lässigen Start-Ups an und überlassen jedem Einzelnen zu erkennen, wo er/sie wie korrekt gekleidet auftreten sollte. Ein Teil der Mitarbeitenden ist glücklich, sich in einem vorgegebenen Rahmen bewegen und somit Fettnäpfchen vermeiden zu können. Nicht jeder tritt mit Stilsicherheit in das Arbeitsleben ein und kennt sich in den Gepflogenheiten der unterschiedlichen Branchen aus. Andere wollen ihre Selbstbestimmtheit ausleben und keine Kleiderordnung vorgegeben bekommen.

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Aus meiner Erfahrung kann ich nur empfehlen, sich mit der ganzen Mannschaft, bei großen Unternehmen mit allen Führungskräften, zusammenzusetzen und das gewünschte Erscheinungsbild Schritt für Schritt durchzugehen und zu vereinbaren. So entsteht ein Rahmen, der von allen getragen werden kann. Der Erfolg dieser Vereinbarungen ist durchschlagend.

Alte Einflüsse, neue Kultur

Besonders die junge Generation schaut sich genau die Werte eines Unternehmens an, bevor er/sie in deren Dienste eintritt. Hier liegt das Augenmerk auf Nachhaltigkeit, Sinnhaftigkeit und der Gendersprache. Geht der/die Bewerber:in nicht konform, entscheidet er/sie sich lieber für einen andern Arbeitgebenden.

Die Personaler hingegen fragen wenig nach, aus welcher Unternehmenskultur der Bewerber kommt, was zur Gepflogenheit gehörte, welche Kommunikation man untereinander pflegte und welche Werte im Vordergrund standen. Möglicherweise wurde Kommunikation aus gutem Grund kleingeschrieben, z.B. weil Zeit vor allem Geld bedeutet. Smalltalk war kein Thema und erst recht keine gewählte Ausdrucksweise. Auf Kleidung wurde keinen Wert gelegt, denn es gab keinen Kundenkontakt oder nur solchen, der keinerlei Gedanken über das Erscheinungsbild erforderte. Die mitgebrachten, eingeprägten Verhaltensweisen werden zunächst unbedacht ins neue Unternehmen hineingetragen und können zu massiven Störungen, Ärgernissen und Fettnäpfen führen. Daher ist es wichtig, so früh wie möglich, am besten schon beim Bewerbungsgespräch die Leitlinien der eigenen Unternehmenskultur vorzulegen und zu erläutern.

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Fazit:

Unternehmenskultur besteht aus den, im besten Fall, miteinander vereinbarten Werten, wie u.a. wertschätzende Kommunikation, Zuverlässigkeit, Qualität, Innovation, Mission, Integrität, Loyalität, Fairness, Empathie, Respekt. Diese werden lebendig, wenn sie durch Höflichkeit, gutes Benehmen, adäquates, gepflegtes Auftreten und entsprechender Kleidung Ausdruck finden.

Erfolgreiche Unternehmen kümmern sich jeden Tag um die Pflege und die Umsetzung der Unternehmenskultur und schaffen darüber eine hohe Identifikation, Motivation und Einsatzbereitschaft. Hingegen diejenigen Unternehmen, die ihre Mitarbeitenden immer weiter nur auf höhere Gewinne trimmen, verlieren ihre Werte aus den Augen, was zu schlechter bis toxischer Stimmung, zu schlechtem Teamgeist, einem unfreundlichen Miteinander bis hin zu Mobbing und damit zu Verlust von Mitarbeitenden und Kunden führen kann.

Unternehmenskultur ist nie perfekt, kommt nie zum Stillstand und ist ein immerwährender Prozess, an dem gearbeitet werden sollte. Dann ist der Erfolg so gut wie unaufhaltsam.

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Britta Balogh mit ihrem Buch "Benimm ist in"
Foto: © David Sonntag
Britta Balogh ist seit über 20 Jahren selbstständig. Sie ist Karrierecoach, Speakerin, Autorin und Wegbereiterin für Führungskräfte auf ihrem Karriereweg. In Ihren Artikeln, Seminaren und Coachings behandelt sie Themen wie Soft Skills, Kommunikation, Business-Etikette und Führung und erklärt, wie diese Fähigkeiten die Karriere beflügeln können.

Bildnachweis: Roman_Dubetskyi/istockphoto.com

Anne und Fred von arbeits-abc.de
Foto: Julia Funke

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